Eltern

Auf Satellitenjagd

Ob die moderne Kommunikationstechnik mehr Segnungen oder mehr Schattenseiten mit sich bringt, darüber lässt sich streiten. Einige Dinge sind aber schlicht zu faszinierend, um die Technik wieder hergeben zu wollen.

Mein neues Steckenpferd ist die Himmelsbeobachtung. Nicht nur das Tracken von von Verkehrsflugzeugen mit Apps wie Plane Finder, sondern neuerdings vor allem das Aufspüren von Satelliten in der Morgen- oder Abenddämmerung. Es ist unglaublich, wie viele künstliche Himmelskörper sich allmorgendlich und -abendlich am Himmel tummeln, sei es das Heer von Satelliten oder abgetrennte Raketenstufen, die zum Teil vor 40 und mehr Jahren in die Umlaufbahn geschossen wurden und bis heute dort herumkreisen. Viele davon sind von blossem Auge sichtbar, wenn man genau weiss, wann sie wo auftauchen (wobei mir unser abgelegener Wohnort verhältnismässig gute äussere Bedingungen für die Himmelsbeobachtung bietet).

Allabendliches Himmelsereignis: Der Vorbeiflug der ISS

Die International Space Station ISS – bei klarem Himmel praktisch täglich von Auge gut sichtbar. (Bild: Wikimedia)

Die International Space Station ISS – bei klarem Himmel praktisch täglich von Auge gut sichtbar. (Bild: Wikimedia)

Ein fast allabendliches Ereignis – klarer Himmel natürlich vorausgesetzt – ist für mich der Vorbeiflug der ISS geworden. Sie ist an den meisten Morgen und Abenden zu sehen; manchmal aufgrund ihrer Erdumlaufzeit von 93 Minuten auch zweimal. Als ich sie das erste Mal sah war ich absolut fasziniert und fragte mich auch, wie sie mir in all den Jahren überhaupt entgehen konnte. Ist sie präsent, ist sie nach dem Mond das hellste Objekt am Sternenhimmel und unterscheidet sich nicht nur durch ihr ruhiges Licht, sondern auch durch ihre Flugbahn klar von – natürlich ebenfalls präsenten – Verkehrsflugzeugen. Wenn sie in ihrem ruhigen, goldenen Licht über einem vorbeizieht und bald darauf erlischt, wenn sie in den Erdschatten eintaucht, hat das etwas sehr Anmutiges.

Spektakuläre Iridium-Flares

Mit Aluminium beschichteter Iridium-Satellit: Reflektiert er das Sonnenlicht auf die Erdoberfläche, kann man dies als spektakuläres Himmelsereignis beobachten – wenn man weiss wann. (Bild: Wikimedia)

Mit Aluminium beschichteter Iridium-Satellit: Reflektiert er das Sonnenlicht auf die Erdoberfläche, kann man dies als spektakuläres Himmelsereignis beobachten – wenn man weiss wann. (Bild: Wikimedia)

Weitere sehr effektvolle Erscheinungen sind die sogenannten Iridium Flares. Sie stammen von den Iridium Satelliten und sind so hell, dass sie manchmal sogar am Taghimmel zu sehen sind. Verursacht werden sie von den insgesamt 66 gleichnamigen Kommunikationssatelliten, deren Oberfläche mit Aluminium beschichtet ist und deshalb das Sonnenlicht besonders hell auf die Erdoberfläche reflektieren. Die ausserordentlich spektakulären Ereignisse dauern nur 5–20 Sekunden, weshalb man genau wissen muss, wann sie wo auftauchen.

Kein Ereignis verpassen mit der richtigen App

Womit wir wieder bei den Segnungen moderner Kommunikationstechnik angelangt wären. Heute muss man keine dicken Bücher mit hunderten von Tabellen kaufen und diese interpretieren, um die ISS oder einen Iridium Flare beobachten zu können. Es genügt eine kleine Smartphone-App für nur wenige Franken. Drei davon habe ich ausprobiert und bin schliesslich bei Sky Guide hängengeblieben. Sie zeigt mir nicht nur jedes sichtbare und unsichtbare Himmelsobjekt an, sondern lässt auch Erinnerungen einrichten, die mich auf gut sichtbare Satellitenvorbeiflüge hinweisen. Ausserdem enthält sie Informationen zu zahllosen Himmelsobjekten wie Planeten, Sternen und Galaxien. Allein deswegen finde ich die App die paar Franken wert.

Beinahe-Kreuzung zweier künstlicher Satelliten am heutigen Abend: die ISS und der "Earth Radiation Budget Satellite" der NASA, dargestellt durch die App SkyGuide.

Kreuzung zweier künstlicher Satelliten am heutigen Abend: die ISS und der Earth Radiation Budget Satellite der NASA, dargestellt und vorausgesagt durch die App Sky Guide.

 

Auf Sonnenfinsternis-Exkursion

Sonnenfinsternis

Einsetzende Sonnenfinsternis, fotografiert durch Rettungsfolie mit der Handy-Kamera.

Ich gebe zu, ich habe sie auch fast verpennt – die Sonnenfinsternis. Obwohl ich diese kosmischen Ereignisse faszinierend finde: So fuhr ich am 11. August 1999 nach Süddeutschland, um dort der totalen Sonnenfinsternis beiwohnen zu können, was eines der eindrücklichsten Ereignisse meines Lebens war. Auch reisten Regula und ich für die ringförmige Sonnenfinsternis vom 3. Oktober 2005 nach Ciudad Rodrigo in Spanien. Doch das Ereignis vom letzten Freitag hätte ich mit meiner Klasse tatsächlich fast verpasst.

Der glückliche Zufall wollte es aber, dass ich für den 20. März seit langem eine Exkursion geplant hatte: Wir gingen auf Geocaching-Tour. Erst Mitte letzter Woche wurde mir bewusst, dass unsere Exkursion genau auf die Sonnenfinsternis fällt; der Zeitpunkt hätte also nicht günstiger liegen können. Doch es gab noch ein Problem: Woher so schnell noch Brillen für die Sonnenfinsternis nehmen? Die Sonne mittels selbstgebastelter Linse zu projizieren wäre eine Möglichkeit gewesen. Ein Lehrer-Kollege von Regula hatte dann einen noch besseren Tipp: Eine Rettungsfolie, von der wir zu Hause zufällig noch eine hatten. Dreifach gefaltet bot diese den klaren und sicheren Blick auf die abgedeckte Sonne.

Wanderung bei partieller Sonnenfinsternis

Auf Wanderung während des Höhepunkts der Sonnenfinsternis: Das spezielle bleierne Licht ist auf dem Foto nicht erkennbar; ebenso wenig wie die eingesetzte Kälte.

Das fast perfekte Wetter (nur die Bergsicht war wegen Dunst leider eingeschränkt) und das zufällig ebenfalls perfekte Timing machten diese partielle Sonnenfinsternis zum Erlebnis. Wir standen mitten in einer Waldlichtung, als das spezielle bleierne Licht, das an Sonnenfinsternissen herrscht, auch von den Kindern staunend wahrgenommen wurde. Beim der maximalen Abdeckung der Sonne kurz nach 10:30 Uhr wanderten wir durch ein Hügeltal und realisierten, dass es spürbar kälter war als noch eine Stunde zuvor – ebenfalls eine Begleiterscheinung der Sonnenfinsternis.

Dass dieses sehr spezielle und seltene Naturphänomen auch für die Kinder zum unvergesslichen Ereignis wurde, da war auch viel Glück im Spiel. Doch vor allem hatten wir auch keine panik-schürenden und erlebnisfeindlichen Vorgaben von oben herab, so wie andernorts. (Hätte ich keine „Brillen“ mehr organisieren können, hätten wir die Exkursion deswegen nicht verschoben. Eine Sonnenfinsternis ist auch ohne Brille allein schon wegen des speziellen Lichtes ein Ereignis. Und ich habe auch Vertrauen in meine 5./6.-Klässler, dass sie nach entsprechenden Vorwarnungen – die ich am Vortag natürlich erteilt hatte – nicht direkt in die Sonne blicken, wenn sie sich der möglichen Konsquenzen bewusst sind.)

Auf die nächste partielle Sonnenfinsternis in der Schweiz vom Mittwoch, 12. August 2026 werde ich hoffentlich schulisch besser vorbereitet sein – wenn ich mir nicht gleich Urlaub nehme und nach Spanien fahre, um dort die totale Sonnenfinsternis zu beobachten.

Gratis-Karten für den Schulunterricht bei d-maps.com

Für den Realien-Unterricht brauche ich immer wieder mal Karten. Bis anhin hab ich das meist so gemacht wie der gewöhnliche Internet-DAU: Auf Google und dann Bildersuche. Sicher, so findet man auch was, irgendwann vielleicht auch in akzeptabler Qualität und möglicherweise gar ohne Copyright.

Bei einem der so gefundenen Bilder war unten eine URL vermerkt: www.d-maps.com. Sie fiel mir schon länger auf, aber da ich an einen kommerziellen Anbieter dachte habe ich sie nie ausprobiert – bis heute. Ich hätte es schon viel früher tun sollen: Unter d-maps.com gibts Karten in bester Qualität und in Hülle und Fülle. Für mein aktuelles Realien-Thema Thurgau finde hier Thurgau-Karten mit Städten, Gemeinden, Bezirken, Flüssen und nach vielen weiteren Kriterien angepasst. Der Dienst beschränkt sich aber nicht auf die Schweiz, sondern bietet Karten von allen Weltgegenden.

Ich bin begeistert und wundere mich, dass ich nicht schon viel früher darauf gestossen bin.

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Ganz ohne Nutzungsrechte gehts allerdings auch bei d-maps nicht:

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Schriftart für Legastheniker

Zufällig traf ich beim Konfigurieren meiner Instapaper-App auf die Schriftart OpenDyslexic.

opendyslexic

OpenDyslexic wurde speziell für Legastheniker entwickelt. Wie die Schrift diesen helfen kann, können die Entwickler am besten selber erklären:

OpenDyslexic ist eine Schriftart, die speziell für legasthene Menschen entwickelt wurde. Manche legasthene Menschen haben Schwierigkeiten, die Richtung der Buchstaben zu unterscheiden oder es scheint ihnen, dass die Buchstaben nicht an ihrem Platz bleiben, sondern hin und her springen. In OpenDyslexic sind die Buchstaben unten etwas dicker. Durch dieses Gewicht kommt es zu keinem Umdrehen oder Verwechseln der Buchstaben mehr. Jeder Buchstabe hat seine eindeutige Form. So lässt sich z.B. aus einem “b” durch Spiegelung kein “d” erzeugen. Auch stehen die Buchstaben etwas weiter auseinander, was Studien zufolge für legasthene Menschen sehr hilfreich ist.

Die Schriftart gibts gratis zum Download und lässt sich nicht nur auf dem Computer installieren, sondern für die Browser Chrome und Safari auch als Browser-Addon hinzufügen, sodass auch der Inhalt von Internet-Seiten mit OpenDyslexic angezeigt wird.

So sieht das dann auf Safari aus (inklusive Darstellungsfehler im oberen Menu, zurückzuführen auf die grössere Breite der Schriftart):

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Im Vergleich dazu die Standard-Ansicht:

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„Wer wird Millionär“ fürs Schulzimmer

Screenshot von "Who wants to be a winner". Dass es auf Englisch daherkommt und mit dem Dollar als Währung ist kein Problem, weil sich die PowerPoint-Vorlage beliebig bearbeiten lässt.

Screenshot von „Who Wants to be a winner“. Dass es auf Englisch daherkommt und mit dem Dollar als Währung ist kein Problem, weil sich die PowerPoint-Vorlage beliebig bearbeiten lässt.

„Wer wird Millionär“ ist nicht nur eine bekannte Fernsehsendung, sondern auch ein beliebtes Spiel für Kinder, das auch von Lehrpersonen geschätzt wird; sei es um ein Thema zu vertiefen oder einfach nur, um mit der Klasse ein Quiz zu machen, etwa vor den Ferien.

Im Internet gibt es verschiedene kostenlose Möglichkeiten, an dieses Spiel zu kommen (das, wohl aus rechtlichen Gründen, unter unterschiedlichen Namen angeboten wird). Direkt bei RTL kann man „Wer ist Millionär“ online spielen; allerdings nur mit vorgegebenen Fragen, die für Kinder oft zu schwierig sind.

Eine Kollegin hat mich auf das kostenlose Programm „Wer wird Quillionär“ aufmerksam gemacht, das mir einen guten Eindruck macht, zumal man die Fragen und Antworten auch selber erstellen kann und ausserdem zu verschiedenen Themen bereits vorgefertigte Spiele runterladen und einbinden kann. Für manche ein Problem: Läuft leider nur auf Windows.

Dem gegenüber wird das Spiel „Who Wants to be a Winner“ von Mark E. Damon als PowerPoint-Vorlage angeboten, ist somit universell einsetzbar und kann beliebig angepasst werden. Ab dem Mittelstufen-Alter übrigens auch dazu geeignet, von Kindern eigene Quiz erstellen zu lassen.

Och Mama…!

Einen Film, der mir vorgestern von einer Kollegin zugeschickt wurde, zeigte ich gleichentags noch am Elternabend. Vielleicht wars mutig, weil sich einige hätten angesprochen fühlen können, doch das passierte nicht. Es wurde herzlich gelacht, und ich konnte danach noch ein paar Sachen zum Thema Hausaufgaben erklären.

Eine gewisse Aktualität hat auch dieser Film aus der gleichen Reihe, der sich dem Thema „Frühes Fremdsprachen-Lernen“ widmet. Wie der erste zeigt er in überspitzter Form eine Problematik auf: Nämlich die, dass „je früher, desto“ besser beim Lernen von Fremdsprachen nicht stimmt, wenn das Lernen nicht immersiv vonstatten geht.

Vorbildliche Stadtpolizei Zürich

Wow! Der Stadtpolizei Zürich werden via Twitter Mängel an einer Baustelle gemeldet. Konkret ging es darum, dass die Baustelle für Fussgänger nicht sicher war; dies an einer Stelle, an der offenbar oft Kindergärtler vorbeigehen. Nach einer kurzen Rückfrage ebenfalls auf Twitter am gleichen Tag sind die Mängel zwei Tage später behoben.

So effizient können soziale Medien sein, wenn sie auch von Amtsstellen genutzt werden.

Der Blick – ein Porno-Heftli?

Wie weit an Schulen Internet-Content gefiltert werden soll, war bereits in der Diskussion um das Aufbrechen von sinnvollen Sicherheitsmechanismen durch die Swisscom Gegenstand der Debatte. Kürzlich staunte ich aber nicht schlecht, als ich einen auf meinem Twitter-Feed verlinkten Blick-Artikel lesen wollte und auf meinem iPhone statt des Artikels die folgende Meldung erschien:

Der Blick – ein Porno-Heftli?

Beim Blick selber nahm man es, nachdem ich die Pornografie-Warnung getwittert hatte, mit Humor:

Auch bei Swisscom hat man auf meine Meldung hin sofort reagiert und den Blick umgehend wieder von der Schmuddel-Filterliste genommen – jedenfalls im Kanton Thurgau. Wie das andernorts aussieht weiss ich nicht. Als ich vor zwei Jahren im Kanton Zürich unterrichtete stellte ich fest, dass der Blick im Schul-Internet nicht aufrufbar war und dort vom Filter geblockt wurde. An die genaue Filter-Kategorie erinnere ich mich nicht, aber es war wohl nicht „Pornografie“.

Es ist grundsätzlich richtig, dass das Internet in unseren Schulstuben nicht ungefiltert zugänglich ist. Allerdings stellt sich wie überall die Frage nach der Verhältnismässigkeit, sei es bei den Methoden oder bei der Art des gefilterten Inhalts. Als einer, der die Jugendzeit in den in vieler Hinsicht wesentlich liberaleren 80er-Jahren unbeschadet überstanden hat finde ich es richtig, dass man den Blick auch in der Schule ungefiltert lesen darf, selbst wenn es einem dort passieren kann, auch mal auf ein wenig sehr zurückhaltend präsentierte Nacktheit zu stossen. So viel sollte uns unsere verfassungsmässig garantierte Meinungs- und Informationsfreiheit wert sein, ebenso wie wir auch unserer Jugend so viel Vertrauen entgegen bringen sollten, jeglichen von Blick präsentierten Inhalt verarbeiten zu können.

Kindererziehung 2.0

musical-ps-altnau-plakatDie letzte Woche war unsere Klasse mit den letzten, intensiven Vorbereitungen für ein Musical beschäftigt, das wir am vergangenen Wochenende aufgeführt haben. Die Aufführung wurde – ich denke, das darf ich hier so sagen – ein voller Erfolg. Dies vor allem auch deswegen, weil die intrinsische Motivation der Kinder für dieses Projekt zu 100 Prozent vorhanden war. Wenn Schule immer so wäre, so sein könnte, würde sie allen Beteiligten jeden Tag Spass machen, und es bräuchte keine Strafsysteme für nicht gemachte Hausaufgaben.

Leider sind solche Situationen im Schulunterricht – vorsichtig ausgedrückt – doch eher Ausnahme. Vielleicht gibt es vereinzelte Genies von Lehrpersonen, die es schaffen, die intrinsische Motivation der Kinder zu wecken, das Präteritum zu beherrschen, das Französisch-Vokabular zu erweitern oder den Prozess der schriftlichen Division zu verstehen – mir ist dies bislang leider noch nicht gelungen. Damit die Hausaufgaben jeden Tag pünktlich abgegeben werden, braucht es eine Dosis extrinsischer Motivation – bei vereinzelten Kindern eine ziemlich hohe Dosis. Hier ein Vorschlag für Eltern, wie sich eine solche Dosis verabreichen lässt:

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Dem wäre anzufügen: 4. Hausaufgaben machen

Arbeitsblätter für Grundfertigkeiten, leicht gemacht

Wer hat sich kürzlich wieder beklagt, im Unterricht stünden einfach zu wenige Arbeitsblätter zur Verfügung? Dem Mann, der Frau kann geholfen werden:

Unter www.grundschulstoff.de gibts zahlreiche Vorlagen für Arbeitsblätter zum selber Machen. Angeboten werden Grundfertigkeiten in Deutsch und Mathematik, aber auch für Englisch und Realien (Mensch und Umwelt) finden sich ein paar Sachen.

Obwohl die Site aus Deutschland stammt, gibt es vereinzelte Vorlagen, die für den Schweizer Schulunterricht nicht so interessant sind  – wobei es natürlich in der Schweiz nicht untersagt ist, im Geografieunterricht Deutschland zu behandeln und die Schüler auch mal die deutschen Bundesländer und ihre Hauptstädte lernen zu lassen. 😉 Doch hat man sich bei Grundschulstoff.de in anderen Bereichen die Mühe gemacht, auch für den Schweizer Unterricht kompatibel zu sein: So ist etwa beim Arbeitsblatt für die schriftliche Multiplikation eine Funktion implementiert, mit der sich die Rechnungen so gestalten lassen, wie es in der Schweiz gelehrt wird, nämlich mit dem kleineren Faktor auf der linken Seite.

Schriftliche Multiplikation bis 1.000: Das Arbeitsblatt lässt sich auch so generieren, dass es für den Schweizer Schulunterricht passt. (Bildschirmaufnahme von grundschulstoff.de)

Schriftliche Multiplikation bis 1.000: Das Arbeitsblatt lässt sich auch so generieren, dass es für den Schweizer Schulunterricht passt.

Darauf gestossen bin ich über den Newsletter von Educanet, der seinerseits wiederum auf den Zentralschweizer Bildungsserver zebis.ch verweist, wo es noch andere interessante Werkzeuge für den Unterricht gibt.

Billig und effizient Fremdsprachen lernen

Letzte Woche stiess ich auf folgenden Tweet von Martin Weigert:

In relativ jungen Jahren – kurz nach Abschluss meiner Lehre – lebte ich ein halbes Jahr lang in Kanada und bereiste dieses Land auch für mehrere Monate. Schon damals fiel mir auf, was auch im Zeit-Artikel explizit erwähnt wird, nämlich wie gut namentlich Skandinavier und Holländer Englisch sprachen. Als ich die Frage nach dem Grund dafür einem Norweger stellte, antwortete dieser, natürlich lernten Sie in der Schule auch Englisch, aber ihre Fertigkeiten in dieser Sprache hätten sie in erster Linie deswegen, weil in Norwegen (wie auch in den anderen genannten Ländern) sämtliche Filme in Fernsehen und Kino im Originalton gezeigt würden. Für diese bevölkerungsmässig kleinen Sprachgruppen lohnte es sich nicht, Synchronfassungen zu produzieren, weshalb man sich auf Untertitel beschränkt.

Mein subjektiver Eindruck wird nun auch wissenschaftlich untermauert. So beruft sich der Zeit-Artikel auf eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studie mit der Feststellung:

Deutschland gehört wie Frankreich, Italien und Österreich [und die Schweiz – Anm. iScoutblog] zur Gruppe der Länder, in denen die Synchronisation vorherrscht. In Ländern, in denen besonders gut Englisch gesprochen wird wie den Niederlanden, in Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Estland wird der Untertitelung der Vorzug gegeben.

Schon damals – lange vor Beginn meiner Karriere als Primarlehrer – vertrat ich die politisch nicht opportune Meinung, man könne auf Englisch in der Volksschule (damals bei uns erst ab der Sekundarschule) verzichten, wenn man stattdessen englischsprachige Filme in der Originalfassung ausstrahlen würde.

"Dr. House" alias "House, M.D." – in der deutschen Synchronfassung kaum auszuhalten für den, der die Originalfassung kennt. Bild: http://mbti-of-fictional-characters.tumblr.com

„Dr. House“ alias „House, M.D.“ – in der deutschen Synchronfassung kaum auszuhalten für den, der die Originalfassung kennt. Bild: http://mbti-of-fictional-characters.tumblr.com

Schüler schauen sich bestimmte Filme ja oft weit mehr als nur einmal an. Diesen gebe ich dann jeweils den Tipp, ihre Lieblingsfilme spätestens ab dem dritten Mal in Englisch zu schauen. Da sie die Handlung ja bereits kennen, würden sie nichts verpassen, darüber hinaus aber – und davon bin ich überzeugt – sehr viel für ihre Englisch-Kompetenzen tun. Leider tun das dann aber doch nur die allerwenigsten. Sie finden ihre Lieblingsfilme in der Synchronfassung offenbar besser, oder aber sie wollen nicht auch noch in ihrer Freizeit von dem mühseligen Fremdsprachen-Unterricht belästigt werden. Denn mühselig ist dieser – ob auf Französisch oder Englisch – für sehr viele von Ihnen. Die frühen Fremdsprachen sind, entgegen aller Versprechungen von Politikern und Bildungsdirektoren, längst zu knallharten Leistungsfächern „avanciert“.

Das ist schade – in vielerlei Hinsicht. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Filme in ihren Synchronfassungen sehr viel von der Qualität ihres Originals einbüssen.

Selbständigkeit kann nur lernen, wer auch Gelegenheit dazu hat

Als ich den Blogpost „Kinder-Überwachung: Die letzte Meile ist geschlossen“ schrieb, dachte ich mir, das mit den Überwachungs-Apps sei’s nun aber gewesen mit der lückenlosen Kontrolle über Tätigkeit und Kontrolle von Kindern. Doch wie ich heute im Mamablog erfuhr, gibts auch dafür noch eine Steigerung: So gibt es offenbar Privatschulen, welche ihre Schützlinge mit einer Smart-Card ausrüsten:

„Die Smart-Card ist ein Schülerausweis mit Foto, der registriert, wann der Schüler die Schule oder das Klassenzimmer betritt. Die Karte vermerkt zudem, wann und was das Schulkind zu Mittag gegessen hat und wie viel es dafür ausgegeben hat. Der Ausweis ermöglicht den Zugang zur Schulbibliothek und dient zur Kontrolle, wo sich das Kind auf dem Schulgelände befindet – schon im Schulbus oder noch in der Turnhalle?“ – Mamablog

Kürzlich hatte ich mit einer Lehrerkollegin eine Diskussion über eine Schülerin, die ohne Wissen, geschweige denn Erlaubnis ihrer Eltern an einem schulfreien Nachmittag nach Konstanz fuhr. Wie sie diesen verbracht hatte wissen wir nicht und soll hier auch nicht Thema sein. Ich erinnere mich nur, dass es für mich (Jg. 1968) als Kind nie ein Thema war, solcherlei Ausflüge alleine unternehmen zu dürfen.

Hauptstrasse in Tobel TG: Auch wenn auf diesem Bild grad kein Auto zu sehen ist schon seit Jahrzehnten eine stark befahrene Durchgangsstrasse.

Blick vom Primarschulhaus auf die Hauptstrasse in Tobel TG: Auch wenn auf diesem Bild grad kein Auto zu sehen ist schon seit Jahrzehnten eine stark befahrene Durchgangsstrasse.
(Bild: tobel-taegerschen.ch)

Oft fuhr ich alleine oder mit Kollegen in die Stadt, in jüngerem Alter mit dem Zug, ab der 4. Klasse auch mal mit dem Fahrrad. Darüber hatte meine Lehrerkollegin dann doch etwas gestaunt. Dabei war es bei meinen Eltern nie ein Thema, dass dies zu gefährlich gewesen wäre . War es auch nicht, obwohl die Hauptstrasse von Tobel nach Wil schon damals eine stark befahrene Verkehrsachse war. Nur einmal verbot mir mein Vater am Mittagstisch, die 7 Kilometer nach Wil mit dem Velo zu fahren: Es hatte damals frisch geschneit und die Strassen waren wegen dem geräumten Schnee verengt, weswegen er diese Velofahrt für zu gefährlich hielt. Da nützte es auch nichts, dass mein Schulkollege die Erlaubnis seiner Eltern gehabt hatte. Nun denn, fuhren wir halt wieder mal mit dem Zug.

Rückblickend bin ich immer noch dankbar für meine Kindheit ohne überfürsorgliche Eltern, die auch Vertrauen in die Selbständigkeit ihrer Kinder hatten (weswegen wir diese auch früh erlernen konnten). Ich bin überzeugt, dass eine Kindheit ohne Überwachungs-Apps und Smart-Cards eine qualitativ bessere ist.

In Erinnerung gerufen sei hier noch einmal das Bild, welches ich letzten Januar bereits einmal gepostet hatte:

How far a child is allowed to walk on their own, then vs. now

Die Krux mit den Passwörtern

Darf ich jetzt das folgende Bild posten, obwohl es unanständige Wörter enthält und ich meinen Blog als „jugendfrei“ deklariert habe? Ich riskiers: 😉

BewAi4sIUAEN0pvDieses Bild ist mir kürzlich irgendwo auf Twitter begegnet, und es bringt ein Problem an den Tag, mit dem wir uns alle immer wieder rumschlagen. Es kursieren viele Tricks und Vorschläge, wie sich einigermassen sichere Passwörter generieren lassen, die man sich hoffentlich auch noch merken kann – eine Patentlösung gibt es nicht. Es ist letztlich immer ein Abwägen zwischen Sicherheit und Praxistauglichkeit.

Selber halte ich es mit den Passwörtern so:

  • Ich benutze 1Password. Ein extrem hilfreiches Tool, mit dem ich stets all meine Passwörter einigermassen sicher und stets zuverlässig zur Hand habe. Es ist nicht ganz billig, doch habe ich den Kauf noch nie bereut. Es gibt Freeware-Alternativen wie KeePass oder LastPass, die ich aber selber nicht ausprobiert habe.

Bei der Wahl der Passwörter halte ich es pragmatisch. Ich unterscheide zwischen unwichtigen, wichtigen und sehr wichtigen Logins:

  • Unwichtige Logins sind solche, bei denen ich nichts von mir preisgebe und die ich oft anonym oder mit Fakenamen verwende. Dies ist z.B. bei Diensten wie Supportforen der Fall, bei denen ich gar kein eigenes Login will, die aber eins erfordern, wenn man z.B. einen Anhang zu einem Beitrag runterladen möchte. Auch Angebote wie Cineman zählen für mich zu den unwichtigen Logins. Da erlaube ich mir durchaus auch Passwörter wie 123456 (sofern vom Anbieter überhaupt akzeptiert) weil ich mir diese leicht merken kann und es mir völlig egal ist, wenn jemand sich zu diesen Logins Zugang verschafft.
  • Wichtige Logins: Dazu gehören Social Networks, also Twitter oder Tumblr (auch Facebook, dessen Account ich seit geraumer Zeit deaktiviert habe), mein Ricardo-Account und alle Konten, bei denen ich einkaufe. Auch das WordPress-Konto, mit dem ich diesen Blog schreibe, gehört dazu. Da wäre es mir nun wirklich nicht mehr egal, wenn sich jemand Fremder unter meinem Namen einloggen könnte. Hier benutze ich Passwörter, die nach heutigem Standard als sicher gelten (also mehr als 8 Zeichen, Gross- und Kleinbuchstaben, auch Sonderzeichen). Sie sind sich untereinander auch schon mal ähnlich oder sogar gleich.
  • Sehr wichtige Logins habe ich bewusst ganz wenige. Dazu zählt in erster Linie mein E-Mail-Account, aber z.B. auch mein Dropbox-Zugang. Hier habe ich für jedes Konto ein Passwort, das sich von allen anderen Passwörtern komplett unterscheidet.

Auch wenn ich in Schulhausteams bei jeder Gelegenheit sage, wie wichtig es ist, mindestens den Mailaccount mit einem wirklich sicheren Passwort zu versehen, erlebe ich es immer wieder, wie mir Kolleginnen – obwohl ich nie nach privaten Passwörtern frage! – mir bei privaten Support-Diensten bereitwillig und ungefragt ihr Mail-Passwort mitteilen, das dann oft auch noch so lautet wie z.B. der Vorname des Ehemannes. Oder ich kriege private Laptops in die Hand gedrückt, die mit keinem Benutzerpasswort versehen sind und ohne Anmeldepasswort direkt in den User-Account starten, wo sich dank im Browser gespeicherten Passwörtern auch problemlos das Web-Interface des privaten Mailaccounts öffnen lässt.

Peinlich, wenn der Chef so eine Mail erhält

Wer jedoch schon mal im Freundeskreis erlebt hat, was passiert, wenn sich Kriminelle Zugang zum privaten Mailaccount verschaffen, wünscht sich das niemandem – nicht sich selbst und vor allem auch nicht seinem eigenen Bekanntenkreis inklusive Freunden und Vorgesetzten. Nicht nur, dass sich jemand mit E-Mail-Zugang in der Regel fast alle übrigen Logins einfach rausfischen kann (wenn es sich um die Mailadresse handelt, die bei der Anmeldung bei den betreffenden Konten hinterlegt wurde), vom eigenen Mailacount werden dann auch noch ans ganze Adressbuch Mails verschickt wie

„Hallo Vorname – ich bin in London und mir ist das ganze Gepäck gestohlen worden, inklusiv Brieftasche und Reisepass. Kannst du mir bitte aushelfen?! Zahle bitte möglichst bald 1000 Fr. auf Konto Nr. xx.xxxxxx.xx ein. Ich werde dir das Geld ganz sicher wieder zurückzahlen – Vielen Dank und liebe Grüsse Vorname und Name des Mailkontoinhabers inkl. Signatur mit vollständiger Privatadresse

Peinlich, wenn der Chef von mir so ein Mail kriegt? Würde ich auch meinen. Schon gar nicht zu reden davon, wenn jemand das Geld wirklich eingezahlt hat und es nun wieder zurückfordert. Ein solches Szenario ist keineswegs unwahrscheinlich.

Mit wenig Aufwand ein vernünftiges Mass an Sicherheit

Man kanns nicht oft genug sagen: Zumindest für die eigene Mailadresse ist ein sicheres Passwort zwingend nötig, und wers wirklich sicher haben will, sollte auch eine Zwei-Schritt-Verifizierung in Erwägung ziehen. Und PCs oder sogar Laptops, die ohne Passwort direkt ins Benutzerkonto aufstarten, sind ein No-Go.

Und wissen muss man auch: Es wäre seit Edward Snowdens Enthüllungen vermessen, von hundertprozentiger Sicherheit zu sprechen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich neben der NSA auch noch Kleinkriminelle Zugang zu den eigenen Daten verschaffen, lässt sich mit relativ wenig Aufwand signifikant verringern.

Die Welt wird kleiner

How far a child is allowed to walk on their own, then vs. now

Auf Philippe Wampflers Tumblr-Blog bin ich auf dieses Bild gestossen. Es zeigt die Bewegungsrayons eines heute im Norden Englands lebenden achtjährigen Kindes und dessen Vorfahren dreier Generationen, als diese im gleichen Alter waren.

Wie weit soll sich ein achtjähriges Kind alleine vom Wohnhaus entfernen dürfen?

Wie waren unsere Bewegungsrayons in diesem Alter?

Wie sieht es bei den heutigen Kindern bei uns aus?

Ist ein eingeschränkter Bewegungsraum für die Sicherheit des Kindes notwendig?

Oder hindert er es an seiner Entwicklung?

Ist unsere Welt so gefährlich geworden?

Warum wundern wir uns noch, wenn Kinder Nachmittage lang vor der Gamekonsole sitzen?

Fragen über Fragen.

Kinder-Überwachung: Die letzte Meile ist geschlossen

Auf ihrem Schulweg noch garantiert unüberwacht: Schulkinder 1957. – Bild: CC Die Puppenstubensammlerin (Flickr)

Auf ihrem Schulweg noch garantiert unüberwacht: Schulkinder 1957.
Bild: CC Die Puppenstubensammlerin (Flickr)

„Es kommt zur Machtumkehr“, titelte der Tagesanzeiger in einem Artikel, der uns von unserem Schulleiter zugespielt wurde. Untertitel: „Der Kinderpsychiater Michael Winterhoff schlägt in seinem neuen Buch Alarm: Eltern zögen eine Generation von Narzissten und Egomanen heran.“

Michael Winterhoff macht sich darin ernsthafte Sorgen um die nachfolgende Generation: „Es ist so schlimm, glauben Sie mir. Ich arbeite jetzt seit 28 Jahren als Kinder- und Jugendpsychiater. Was ich seit 1995 täglich in meiner Praxis sehe, gab es zuvor nicht.“ Grund für seine Besorgnis: Eltern hielten Spannungen mit ihren Kindern nicht aus, weshalb sie ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen würden. Immer mehr Kinder hätten „keine Frustrationstoleranz, kein Unrechtsbewusstsein, keine Empathie oder sehen sich dauernd als Opfer“. Sie „leben lustorientiert im Moment und meiden jegliche Anstrengung“. Mit schuldig sei auch die technische Entwicklung, seitdem der Computer in jeden Haushalt Einzug gehalten hat und der die Erwachsene überfordere: „Sie wissen nicht mehr, was sie wollen im Leben, sind nicht in der Lage, Freude oder Zufriedenheit zu empfinden. Als Eltern machen sie dann die Freude und die Zufriedenheit des Kindes zu ihrer eigenen. Sie denken, fühlen, spüren durch das Kind.“ 

Auch wenn ich letztere These für eher gewagt halte und ich auch grundsätzlich kein Kulturpessimismus bin: Gewisse Tendenzen, die Winterhoff anspricht, sind auch in unseren Schulzimmern unübersehbar. Daher möchte ich noch auf einen Punkt speziell eingehen: Winterhoff spricht von einer Symbiose, welche (gewisse) Eltern mit ihrem Kind eingehen: „Das Kind ist ein Teil von ihnen, so wie ein Körperteil, wie ein Arm. Wenn der Arm juckt, müssen sie sich kratzen, wenn er schmerzt, müssen sie ihn halten.“

Total sicher überwacht mir Synagram.

Total sicher überwacht mir Synagram.

Solchen Eltern kann geholfen werden, denn für sie gibts auch eine App: Sie heisst Synagram und ist für Windows Phones, Andriod-Handys und bald auch für iPhones erhältlich. Synagram bewirbt sich selber als kleiner Schutzengel für große Entdecker und als App, welche die Welt ein Stück sicherer macht. Dank Synagram wissen Eltern stets, wo sich ihr Kind befindet. Synagram befindet sich auf dem Handy der Eltern sowohl auch des Kindes. Letzteres wird durch Synagram auf Schritt und Tritt mit GPS geortet, so dass die Eltern jederzeit metergenau wissen, wo sich ihr Kind gerade aufhält.

Das Geschäft mit der Angst ist außerordentlich lukrativ, stellt auch die Süddeutsche Zeitung fest. Ich kann mir schon vorstellen, dass es gewisse Situationen gibt, in denen eine solche Möglichkeit tatsächlich der Sicherheit dienen kann. Über alles gesehen sehe ich in Überwachungs-Apps wie Synagram aber deutlich mehr Gefahren als Chancen. Schon jetzt gibt es Kinder, die kaum mehr Zeit verbringen können, die nicht von ihren Eltern verplant wird. Sie werden von ihren Helikopter-Eltern täglich zur Schule gefahren und von dort auch wieder abgeholt (wobei oftmals sämtliche Aspekte der Verkehrssicherheit von eigenen und fremden Kindern ignoriert werden), ihre schulfreien Nachmittage sind verplant mit Ballettunterricht, Kunstturnen oder Musikunterricht (wogegen selbstverständlich überhaupt nichts einzuwenden ist, sofern diese Tätigkeiten auch einem inneren Wunsch der Kinder entsprechen und sie von der Gesamtheit ihres Schul-und-Freizeit-Programms nicht überfordert werden). Und sollten die Kinder wieder mal den Wunsch verspüren, ihre X-Box für eine Weile zu verlassen, um zum Beispiel in den Wald zum Spielen zu gehen, dürfen manche Kinder dies nicht, weil ihre Eltern es zu gefährlich finden.

Ich sage nicht, dass alle Eltern so seien. In meinem Schulalltag erlebe ich sehr viele Eltern ganz anders. Aber der Trend ist nicht zu übersehen.

Nun gibts also auch noch Synagram. Für Kinder überfürsorglicher Eltern ist nun auch noch die letzte Meile der totalen Überwachung geschlossen. Keine Fussballspiele mehr mit Kollegen, keine Fasnachtstouren mehr durchs Dorf, ohne dass Mami und Papi nicht jederzeit ganz genau wissen, was ich wo gerade mache. Ich persönlich schätze mich glücklich, dass es in meiner Kindheit noch kein Synagram gab.

Geocaching mit einer Schulklasse

Geocaching_logo

Dass Geocaching auch für Schulklassen geeignet sein kann, wird derzeit in verschiedenen Lehrerfortbildungskursen angepriesen. Vor zwei Jahren habe ich selber mal mit einer 6. Klasse eine Geocaching-Exkursion durchgeführt.

Die ganze Technik, die hinter Geocaching steckt, bietet schon viel Stoff zum Vermitteln im Voraus. Die meisten Kinder kennen das Navigationsgerät im Auto ihrer Eltern, doch die Technik dahinter dürften die wenigsten verstehen. Natürlich ist es ein hochkomplexer Vorgang, bis die Position des Autos über das GPS ermittelt und auf dem Navi-Bildschirm dargestellt wird, doch die Prinzipien dahinter sind verhältnismässig einfach und auch einer Mittelstufenklasse zu vermitteln. Zum Ermitteln der Position im freien Feld verwendet die Geocaching-Software bzw. das Gerät, auf dem sie installiert ist (ob ein gewöhnliches Smartphone oder ein spezielles GPS-Gerät) das Prinzip der Triangulation – das selbe geometrische Prinzip, mit dem seit Jahrhunderten Landkarten erstellt werden.

Wie Triangulation funktioniert, wird in einem knapp zehnminütigen Film der „Sendung mit der Maus“ kindgerecht erklärt:

Wer statt einen Film zu zeigen lieber die Kinder selber Hand anlegt, kann auch auf die Wiese gehen und mit Stecken und Schnur dem Prinzip der Triangulation auf den Grund gehen.

Worauf man bei der Umsetzung achten muss

Hat man die theoretischen Grundlagen erarbeitet, gehts an die Praxis, und da gilt es einige Dinge zu berücksichtigen:

Rein theoretisch braucht man kein GPS-Gerät, um einen Geocache zu loggen. Für jeden Geocache finden sich im Internet die exakten Koordinaten, und diese könnte man nun auf herkömmliche Weise auf einer (sehr genauen!) Landkarte eintragen. Ist der Cache gefunden, trägt man sich von Hand dort ein; geloggt werden kann der Cache auch zu Hause wieder am Computer. Aber so macht die Sache ja irgendwie nicht richtig Spass. 😉

Richtig Spass macht die Suche, wenn man mit dem GPS-Gerät raus aufs Feld geht und sich so dem Cache nähert – und da fängt das erste Problem an: Geocaching ist im Prinzip gratis, doch wer die Geocaching-App auf seinem Smartphone installieren will, muss dafür 10 Franken hinblättern. Natürlich wollen dann alle Kinder diese App haben – hier gilt es deutlich darauf hinzuweisen, dass kein Kind verpflichtet ist, diese App zu kaufen und jedes Kind den Cache ohne diese App loggen kann. Wie es letztlich organisiert wird, dass die Kinder zumindest in Gruppen auch mit einem eigenen Gerät einen Cache finden können, darin liegt somit eine Schwierigkeit.

In meinem Geocaching-Ausflug gingen wir gemeinsam auf Wanderung, auf der wir fünf Caches in meiner Wohnumgebung hoben, die ich alle bestens kannte. Ich teilte die Klasse in fünf Gruppen ein, wobei jede mit mindestens einem GPS-fähigen Gerät (in unserem Fall allesamt Smartphones mit der Geocaching-App) ausgerüstet war. So konnte ich die Gruppen so einteilen, dass in fast jeder bereits ein Gerät vorhanden war, und wo nicht, vertraute ich der Gruppe zum Finden des Caches mein persönliches Handy an. Bei jedem Cache durfte eine andere Gruppe vorausgehen, um den versteckten Cache zu finden.

Welche und wie viele Caches an einer Exkursion gehoben werden sollen, gilt es zu rekognoszieren. Wichtig scheint mir, dass man neben den üblichen Exkursionsvorbereitungen die Caches auch im Vorfeld selber hebt, denn manchmal ist ein Cache auch unauffindbar oder nicht zu heben, etwa weil er z.B. auf einem hohen Baum versteckt ist oder grad wieder mal von nichtwissenden Muggles entfernt wurde.

Ist dies getan und die Route ausgearbeitet, steht einer schönen Wanderung oder einem interessanten Ausflug in eine Stadt nichts mehr im Weg.

Geocaches sind oft an sehr originellen Orten versteckt, wobei einige Cacher versuchen, sich an Originalität gegenseitig zu überbieten. Ein zweifellos sehr phantasievolles Versteck hatte ein deutscher Geocacher gefunden, der seinen Cache in einer Schleuse versteckt und damit einen Bombenalarm ausgelöst hatte.

Ein Nachruf auf das Europäische Sprachenportfolio

ESP

Nutzlos geworden: Schülermaterial für das Europäische Sprachenportfolio

Soll niemand sagen, man habe es nicht vorher gewusst, oder es habe niemand die Entscheidungsträger darauf aufmerksam gemacht.

Immer wieder erlebt die Primarschule Hypes, die kommen und gehen, ohne wesentliche Spuren zu hinterlassen. Einige dieser Hypes tun dies einigermassen kostenneutral – etwa der Hype „Konsequentes Hochdeutsch“ –, andere kosten so richtig viel Geld.

Unserem scheidenden Regierungsrat Bernhard Koch, der während seiner Zeit als Vorsteher des Bildungsdepartements im Fahrwasser seines Zürcher Amtskollegen Ernst Buschor zahlreiche grössere Schulreformen gleichzeitig einführte, haben wir die Einführung des Europäischen Sprachenportfolio (ESP) zu verdanken. Mit viel bürokratischem und propagandistischem Aufwand wurden für die gesamte Lehrerschaft obligatorische Weiterbildungskurse organisiert, in denen der korrekte Einsatz des ESP erlernt wurde. Nichts gegen diese Kurse! Sie wurden von den Leitenden mit viel Herzblut einer – gelinde gesagt – nicht allzu motivierten Kursteilnehmerschaft vermittelt, und wer mit der richtigen Einstellung kommt, der lernt immer und überall etwas. Ich lernte an dem Kurs viel über Sprachkompetenzen. Das ESP selber aber kam in meinem Schulzimmer (wie in sehr vielen anderen) kaum je richtig zur Anwendung.

Das Problem lag in einer ohnehin bereits überladenen Stundentafel. Als ob die zeitlichen Ressourcen für das Französisch in der 5. und 6. Klasse nicht ohnehin schon viel zu knapp bemessen waren, durften wir nun also zusätzlich in die zwei Wochenlektionen auch noch das ESP reinpacken. Wenn man sich an das von den Kursleitern vorgeschlagene Minimum hielt, war das auch ganz knapp realistisch, wobei man sich dann auch fragen musste, was der Sache überhaupt noch bringt. Gewissenhaft und mit einiger Anstrengung füllte ich mit meiner Klasse im ersten Jahr dann auch die ESP-Ordner aus.

Mit der Realität wurde ich dann am Ende des Schuljahres konfrontiert, als der Schulleiter der abnehmenden Oberstufe an meinem damaligen Schulort uns abgebenden Primarlehrpersonen an einer Sitzung beiläufig mitteilte:

Wir haben beschlossen, dass wir das ESP bei uns an der Oberstufe vorläufig nicht machen.

Wir wussten alle, dass sowas früher oder später passieren würde, aber gleich im ersten Jahr der notabene obligatorischen Umsetzung, das war schon ein bisschen überraschend.

Das war vor rund fünf Jahren. Heute habe ich die letzten ESP-Unterlagen entsorgt, die an meinem neuen Schulort seit Jahren nutzlos rumliegen.

Was das ESP kostete:

Europ. Sprachenportfolio I Handreichung ohne Ordner 2.-5. Sj.
Fr. 44.00 (pro Lehrperson)

Europ. Sprachenportfolio I, Schülerunterlagen, ohne Ordner 2.-5.Sj.
Fr. 9.60 (pro Schulkind)

Ordner zu allen Europ. Sprachenportfolio
Fr. 5.00 (pro Schulkind)

Lingualevel – CDs und Software zur Evaluation von Fremdsprachenkompetenzen
Französisch und Englisch
Fr. 180.00 (Laufzeit der Lizenz: 2 Jahre)

 

Nachtrag

Ich will nicht sagen, dass das ESP aus den Schulstuben grundsätzlich verschwunden ist. Jedenfalls nicht überall. Wo mit dem ESP gearbeitet, geschieht dies aber oft in reduziertem Umfang und ohne das dazugehörende Material zu verwenden; so auch bei uns. Für die Ordner und Unterlagen, die ich heute aus meinem Zimmer entfernt habe, ist hier jedenfalls kein Bedarf mehr.

Mancherorts wird das ESP nach wie vor im Sinne des Erfinders angewendet (s. Kommentar von Regula). Grundsätzlich ist das ESP ja auch eine gute Sache: Es ist ein sehr präzises Instrument zur Erfassung der Sprachkompetenzen der Kinder. Allerdings ist es damit in der Umsetzung auch sehr zeitaufwendig – Zeit, die in den meisten Fächern ohnehin schon (zu) knapp bemessen ist und zwangsläufig woanders eingespart werden muss. So ist es letztlich eine Abwägung und ein Entscheid, wo die zur Verfügung stehenden Ressourcen ab besten eingesetzt werden.

Kinderleichte Wetten zum Nachmachen

Richard Wiseman ist Leiter der Psychologie-Abteilung an einer englischen Universität, der sich unter anderem dem Paranormalen verschrieben hat. Zu weltweiter Bekanntheit gebracht hat es der ehemalige professionelle Zauberkünstler durch seinen Blog, in dem er auf interessante Phänomene hinweist oder knifflige Rätsel stellt.

Regelmässig veröffentlicht Wiseman auch Kurzvideos unter dem Titel 10 bets you will always win. Diese sind gespickt von Schalk, Raffinesse und britischem Humor. Und: Die Wetten sind so kinderleicht nachzumachen, dass sie sich auch für für die Primarschule eignen. Wie amerikanische Kinder auf Wisemans nicht immer ganz redliche Tricks reagierten, wird in diesem unterhaltsamen Video gezeigt:

Wisemans Videos bieten also Stoff für die Primarschule; neben Englisch und Physik (Realien) gerade auch im Bereich ICT. Die Filme sind so einfach gemacht, dass sie sich in einem Projekt gut auch von Kindern nachfilmen lassen sollten.

 

Wir würfeln uns ein Passwort

Darüber, was ein sicheres Passwort ist, gibt es im Internet ausreichend Hinweise und Tipps. Die wichtigsten:

  • Ein sicheres Passwort besteht nicht nur aus Zahlen oder nur aus Buchstaben, sondern aus einer Kombination von Zahlen sowie Gross- und Kleinbuchstaben. Können auch noch Sonderzeichen hinzugefügt werden, wird das Passwort dadurch noch einmal deutlich sicherer.
  • Eine Länge von acht Zeichen ist das Minimum für ein einigermassen sicheres Passwort.
Zumindest die wichtigsten Kennwörter – etwa das Passwort für das E-Mail-Konto oder für 1Password sollten sicher und gut merkbar sein.

Zumindest die wichtigsten Kennwörter – etwa das Passwort für das E-Mail-Konto oder für 1Password – sollten sicher und gut merkbar sein.

Doch ein sehr wichtiger Punkt geht oft vergessen: Ein Passwort ist nur dann sicher, wenn ich es mir auch merken kann. So wäre etwa xeWq)&F7p!( nach den oben genannten Kriterien eine gute Wahl, doch da es sich sehr schlecht einprägen lässt und die Gefahr gross ist, dass ich es nicht mehr reproduzieren kann (ein Passwort sollte ja schliesslich auch nicht unverschlüsselt auf der Festplatte gespeichert werden), ist es als Passwort dennoch ungeeignet.

Von Agile Bits, dem Hersteller von 1Password, gibt es einen Artikel, in dem die wichtigsten Kriterien für ein sicheres, aber doch relativ gut merkbares Passwort erklärt werden.

In dem Blogpost wird daran erinnert, dass ein Passwort zudem auch eine zufällige Abfolge Zeichen oder Wörtern darstellen muss, da es sonst von Hacker-Software schnell geknackt werden kann. So kann ich zum Beispiel aus folgendem gut merkbaren Satz Meine 2 Katzen heissen Miezi und Fredi das Passwort M2KhM&F erstellen. Scheint auf den ersten Blick ein sehr sicheres Passwort zu sein, doch da die Programmierer von Hacker-Software auch die Entstehung solcher Passwörter mit einkalkulieren und auf entsprechende Kombinationen vorbereitet sind, wäre es vermutlich ebenfalls schnell geknackt.

Die Buchstabenreihenfolge muss also rein zufällig sein – und damit kommt Diceware ins Spiel: Diceware sind Listen von hunderten beliebiger Wörter, denen ein kurzer Zahlencode vorangeht, der ausschliesslich die Ziffern von 1-6 enthält. Ein Auszug aus der deutschen Diceware-Liste sieht zum Beispiel so aus:

63553 vor
63554 vorab
63555 voran
63556 voraus
63561 vorbau
63562 vordem
63563 vorfall
63564 vorher

Der Trick ist nun, dass ich mir eine Reihenfolge von Wörtern würfle. Gemäss obiger Liste entspräche also die Würfelreihenfolge 6-3-5-6-1 dem Wort vorbau. Nun „erwürfle“ ich mir also fünf oder sechs Wörter aus der Diceware-Liste. Daraus könnte dann zum Beispiel die Wortreihenfolge woelbt-Chaos-Pfund-jung-sofern entstehen. Macht absolut keinen Sinn – und soll es ja auch nicht. Was ich erhalten habe ist jedoch eine auf rein zufälliger Grundlage generierte Liste von Wörtern, die ich relativ gut auswendig lernen kann.

Dennoch erscheint das Passwort immer noch nicht allzu sicher, da es ja keine Sonderzeichen enthält. Nun kann ich aber ohne Weiteres noch das Passwort mit meinen beiden Katzen vorne anhängen, und mein Passwort würde lauten: M2KhM&Fwoelbt-Chaos-Pfund-jung-sofern.

Doch auch bei einem solchen Passwort besteht die Gefahr, dass es vergessen wird; insbesondere wenn man es in der Anfangsphase nicht oft verwenden muss. Unter Voraussetzung der Verhältnismässigkeit sieht Agile Bits ein relativ geringes Sicherheitsrisiko, wenn man das Passwort von Hand auf einen Zettel schreibt und diesen z.B. im Portemonnaie aufbewahrt, bis man das Passwort genügende Male auf dem Computer eingegeben hat, dass man es sich sicher einprägen konnte. Dann kann man den Zettel vernichten.

Und schliesslich noch ein Tipp speziell für Deutschschweizer: Beim Diceware-Prinzip könnte sich unser Dialekt noch als zusätzlicher Vorteil erweisen, da unsere Dialektwörter wohl kaum je auf irgend einer Diceware-Liste auftauchen werden. Ich würfle also so lange, bis ich ausschliesslich Wörter habe, welche im Dialekt anders geschrieben werden als auf Hochdeutsch. Kommt also beim Würfeln die Wortkombination Tausch-Laune-gewinnt-schade-Biene heraus, so verwende ich für mein Passwort Tuusch-Luune-gwuennt-schaad-Bienli. Unschlagbar.

Teer aus 400 Zigaretten, veranschaulicht

Wie viel Teer 400 Zigaretten enthalten, wird in einem Experiment in diesem Youtube-Video sehr schön demonstriert:

Screenshot aus dem gelinkten Video.

Screenshot aus dem gelinkten Video.

Wer pro Tag ein Päckli Zigaretten raucht, hat diese eklige Masse an Teer schon in knapp drei Wochen inhaliert.

Oder in einem anderen, aktuellen Vergleich: Diese Menge Teer zu inhalieren kostet heute in der Schweiz 164 Franken – kommt der Bund mit seinen Preiserhöhungsplänen durch, könnte es in ein paar Jahren bis zu 220 Franken teuer sein.

Screenshot aus dem gelinkten Video.

Screenshot aus dem gelinkten Video.

Screenshot aus dem gelinkten Video.

Screenshot aus dem gelinkten Video.

Computerkenntnisse von Kindern werden überschätzt

Wenn vor 20 Jahren 5 Prozent der Leute einen Computer zu Hause hatten, waren 95 Prozent von ihnen auch technisch versiert. Wenn heute 95 Prozent einen Computer haben, sind wohl noch rund 5 Prozent von ihnen technisch versiert.

Marc Scott

Computer werden immer anwenderfreundlicher. Spätestens als Apple im Januar 2007 das erste iPhone vorstellte brach die Zeit an, in der hochkomplexe Computer auch von Kindergärtnern bedient werden können. Das war nicht immer so: Zu meiner Jugendzeit brauchte ich noch rudimentäre Basic-Kenntnisse, um auf dem Commodore 64 meines Bruders ein Programm überhaupt zum Laufen zu bringen.

C64SuperspieleCover

Bild: Wikipedia

Es gehörte zur Selbstverständlichkeit, dass man sich zwischen den Spielen auch etwas näher mit Basic beschäftigte. Ein Höhepunkt war es, das selber geschriebene Programm fehlerfrei zum Laufen gebracht zu haben, und bestand dies nur darin, einen Punkt über den Bildschirm wandern zu lassen oder sogar eine einfache, selbstkreierte Pixelfigur. Basic lernen konnte man auch, indem man für einmal keine Raubkopien von Spielen laufen liess, sondern ganz legal in der Buchhandlung einen Wälzer von Data Becker kaufte und an regnerischen Sonntag Nachmittagen Spiele im Basic-Quellcode abtippte. Wenn nach ungezählten Stunden die Tipparbeit zu Ende war, kam, bevor das Programm endlich lief, die unvermeidliche Fehlersuche (auch genannt Troubleshooting), was fast noch einmal so lange dauerte.

Soviel zur Computer-Nostalgie.

eudora-mail-warningWeitere Generationen von Jugendlichen folgten. Die Kinder meiner Frau machten später die Erfahrung, dass es höchstes drei Wochen dauerte, bis ein Windows 95 hoffnungslos hinüber war, wenn man keinen Virenscanner installiert hatte und jeden Systemhinweis, jede Warnung ungesehen mit „OK“ quittierte, nur damit das sich auf welchen Wegen auch immer beschaffte Spiel möglichst schnell lief. Doch das machte nichts, weil schon irgend ein Erwachsener in der Nähe war, der für sie das Windows wieder neu aufsetzte. Aus pädagogischer Sicht ein klarer Fehler, weil ich die Kinder so um die wertvolle Erfahrung brachte, sich selber mit der die Installation des Windows-Betriebssystem auseinandersetzen zu müssen, und weil sie nicht damit konfrontiert waren, die Konsequenzen ihres Tuns selber zu tragen.

„Kinder sind am Computer sehr versiert“ – Wirklich?

In einem langen, sehr lesenswerten Artikel schreibt Marc Scott, wie die Computer-Skills von Kindern überschätzt werden von Erwachsenen, denen es ebenfalls an Computer-Skills fehlt.

Kinder und Jugendliche sind in der Handhabung am Computer sehr schnell, wodurch es scheint, dass sie sehr versiert mit einem Computer umgehen können. Das ist aber nur auf den ersten Blick so: Wenn man genauer hinschaut, so sieht man: Fehlermeldungen und Warnungen werden ungelesen weggeklickt. Oft haben sie keine Ahnung von Dateistruktur. Sie speichern in wochenlanger Arbeit erstellte Dokumente ausschliesslich auf einem Memory Stick ab und ziehen diesen furchtlos aus dem Computer aus, ohne ihn vorher auszuwerfen. Wenn jemand am Computer das LAN-Kabel ausgesteckt hat heisst es „Das Internet geht nicht mehr“.

Kinder sind aber auch sehr gut am Computer. Sie lernen am Computer das, was sie wirklich wollen und brauchen, auf effiziente Weise, indem sie ohne Hemmungen einfach ausprobieren – gar nicht anders, wie sie in der physischen Welt lernen. Was sie am Computer effektiv tun wollen, erreichen sie zielorientiert, indem sie nicht nur einfach ausprobieren, sondern auch wissen, wo sie nachfragen können, sei es bei ihren Kollegen – natürlich via Internet – oder bei Freund Google.

Nicht technik-, aber ziemlich medienkompetent

Kinder wissen zwar nicht, wie ein Computer funktioniert oder wie das Internet aufgebaut ist, doch sie finden sich darin bestens zurecht, genauso wie viele Erwachsene auch nicht wissen, wie ein Otto-Motor funktioniert, aber trotzdem Auto fahren können. Kindern muss man nicht erklären, was ein Link im Internet ist. Ihnen ist bekannt, dass ein Facebook-Konto erst ab dem Alter von 13 Jahren eröffnet werden darf, sie wissen aber auch, dass diese Einschränkung auf lächerlich einfache Weise zu umgehen ist. Sie können auf Facebook problemlos ein Youtube-Video posten. Sie können auch recht bald selbständig PowerPoint-Präsentationen erstellen. Als Jugendliche wissen sie, wie sich gewisse Einschränkungen des Betriebssystems auch ohne Admin-Rechte umgehen lassen, und sie können über Filesharing Dateien austauschen.

Das alles hat unbestritten eine Qualität: Sie heisst Medienkompetenz. Diese ist durchaus teilweise vorhanden, aber definitiv auch noch entwicklungsbedürftig. Und hier sind wir Erwachsenen gefragt; Lehrpersonen und Eltern gleichermassen. Voraussetzung ist allerdings, dass wir selber diese Kompetenz mitbringen.

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WLAN-Router von Apple: Muss ich wissen, was das ist? (Bild: Wikipedia)

Marc Scott beklagt nicht nur die überschätzten Computerfähigkeiten von Kindern, sondern ist auch besorgt über jene vieler Erwachsener. Als iScout kann ich davon manchmal ein Liedchen singen. Kürzlich war in einem Bereich eines Schulhauses das WLAN ausgefallen. Ich fragte eine betroffene Kollegin, wo in ihrem Zimmer der Router stehe. „Ach, ich weiss nicht, was ein Router ist“, sagte sie mit einem Unterton, der signalisierte, dass es sie auch nicht interessierte, was ein Router ist. Sie wollte einfach wieder Internet haben.

Ich brauchte nicht lange, um den Router zu finden und wieder einzustecken.

***

Auf Google+ hat Stefan Werner einen Kommentar hinterlassen, den ich gerne hier anfügen möchte:

Genau das, was ich bei meinen Kindern auch feststelle. „Ihre“ Anwendungen bedienen sie so schnell, dass ich keine Chance habe, mitzuhalten. Bei Rennspielen und so hängen sie mich problemlos ab. Bei Minecraft verstehe ich nichtmal genau, was sie machen.

Aber wenn sie einen Minecraft-Mod installieren wollen, dann muss Papa wieder ran. Und meine zaghaften Versuche, ihnen mit „AntMe“ oder einfachen Basic-Dialekten irgendeine Programmierbegeisterung beizubringen, waren nie so erfolgreich.

Ich glaube, die Computer sind einfach zu komplex geworden. Man muss eine extrem steile Lernkurve bewältigen, um von Null auf ein heutiges System zu kommen. Damit ist ein Kind einfach überfordert. Wir hatten es damals einfacher: Beim C64 kannte ich jedes Byte mit Vornamen und es gab die berühmten kommentierten ROM-Listings von DataBecker. Es war wirklich möglich, dem Computer beim Arbeiten zuzusehen, und man verstand, was er warum tat.

Heute tut er einfach magische Dinge, die nicht unbedingt logisch oder nachvollziehbar sind.

Ab welchem Alter ist ein Passwort sinnvoll?

Sicherheit und Datenschutz ist ein Thema, um das wir nicht herumkommen, wenn wir in der Schule ICT vermitteln sollen. So heisst ein ICT-Standard des Kantons Thurgau für die Unterstufe: Die Schülerinnen und Schüler gehen mit Passwörtern verantwortungsvoll um.

Doch ist es überhaupt sinnvoll, dieses Thema bereits in der Unterstufe aufzugreifen? Denn…

In der Praxis sieht der Umgang mit Passwörtern an Schulen in etwa so aus:

An vielen Schulen arbeiten die Kinder bereits ab der 1. Klasse gelegentlich an Computern. Dazu müssen sie sich am Computer vorher einloggen. Die wenigsten Kinder können in diesem Alter nur schon ihren Namen korrekt eintippen. Ein Passwort überfordert sie total. Da somit die Lehrperson die Kinder am Computer einloggt, braucht es „Passwörter“, welche sich diese sich merken kann, ohne für jedes Kind einzeln in einer Liste nachschauen zu müssen. Warum also nicht gleich den Vornamen oder die Initialen als Passwort nehmen? Ist doch praktisch – und vor allem praktikabel. Irgendwann ab der 2. Klasse ist das Eintippen des eigenen Namens für die meisten kein Problem mehr – ein Passwort, dass diesen Namen verdient, aber schon, und zwar noch für eine ganze Weile. Darum bleibt man vorerst bei dem Passwort, dass sich die Lehrperson für jedes Kind merken kann

Doch mit einem „Passwort“, das nicht nur die Lehrperson weiss, sondern auch von sämtlichen Mitschülern leicht erraten werden kann, führt man das Prinzip des Passworts ad absurdum und vermittelt ein völlig falsches Konzept von dem, was ein Passwort eigentlich sein sollte.

Dabei lässt sich fragen, ob Kinder bis zur Unterstufe überhaupt Daten auf einem Schulcomputer haben, die passwortgeschützt sein müssen. Auch mit Datenvandalismus seitens von Mitschülern ist in diesem Alter noch kaum zu rechnen. Ganz abgesehen davon, ob es überhaupt stufengerecht ist, in der Unterstufe bereits Konzept und Sicherheit von Passwörtern zu diskutieren. Sowas ist meines Erachtens erst etwa ab der 4. oder 5. Klasse sinnvoll (und spätestens ab der 6. Klasse auch notwendig).

Aus diesem Grund habe ich an der Schule, an der ich als iScout tätig bin, die Anmeldepasswörter für die Unterstüfler abgeschafft. Weil die Serversoftware für die Anmeldung zwingend ein Passwort verlangt, sich aber bereits mit einem einstelligen zufrieden gibt, habe ich bei allen Erst- und Zweitklässlern einen Leerschlag als Passwort eingerichtet. Auf diese Weise werden die Nerven von Lehrperson und Kindern geschont, und ausserdem wird so weit als möglich vermieden, ein falsches Passwort-Konzept zu vermitteln. Wenn dann ein paar Schuljahre später sich die Mittelstufen-Lehrperson dem Thema annimmt und mit der Klasse über den Zweck und die Sicherheit von Passwörtern spricht, können sich die Kinder selber ihr eigenes Passwort geben. Auch auf die Gefahr hin, dass sie dieses am nächsten Tag schon wieder vergessen haben.

Jugendliche und Soziale Medien – kein Grund zur Panik

Von Eltern- und Erzieherseite (zu letzteren darf man wohl auch Lehrpersonen zählen) herrscht nach wie vor viel Unsicherheit darüber, wie Kinder und Jugendliche mit den so genannten Neuen Medien umgehen, welche Grenzen man von Erzieherseite setzen soll, ob und wie gewisse Themen thematisiert werden sollen, wo man den Nachwuchs bei seinen Erkundigungen ungestört lassen soll und wo klar elterliche bzw. pädagogische Führung gefragt ist.

NetzgemüseAn dieser Stelle möchte ich das Buch Netzgemüse von Johnny und Tanja Häusler beliebt machen. Man kann es in Fragen „Aufzucht und Pflege der Generation Internet“ (so der Untertitel des Buches) wohl mittlerweile zu den Standardwerken zählen – meines Erachtens völlig zu Recht. Selber Eltern von zwei Jungs im Teenager-Alter spricht das Autoren-Paar aus Erfahrung. Es nähert sich dem Thema mit der nötigen Coolness, ohne dabei die real bestehenden problematischen Seiten zu verharmlosen. Grundsätzlich anerkennen sie die technische Entwicklung der Medien aber nicht nur als Fakt („Nein, das Internet wird nicht abgestellt!“), sondern vor allem auch als Chance.

Die erzieherische Grundhaltung des Buches lässt sich in folgender Analogie beschreiben: Das Internet ist wie eine Stadt, in der die Kinder aufwachsen. Grundsätzlich können und sollen sich die Kinder ab einem gewissen Alter durchaus auch mal unbeaufsichtigt in dieser Stadt bewegen dürfen. Allerdings nicht immer und auch nicht überall. In der Stadt gibt es nicht nur Spielplätze und Eisdielen, sondern auch Viertel, in dem sich die Kinder lieber nicht aufhalten sollen. Hier sind nun die Erzieher gefragt, welche den Kindern aber ihre selbständigen Stadterkundungen nicht gleich grundsätzlich verbieten sollen, deren erzieherische Pflicht es aber ist, die Kinder auf problematische Gegenden hinzuweisen und sie über mögliche Gefahren aufzuklären.

Jugendliche kennen durchaus eine Privatsphäre in der Netzöffentlichkeit, die aber von Eltern nicht wahrgenommen oder gar übertreten wird.

Aus Erwachsenensicht verhalten sich Kinder und Jugendliche im Internet oft vermeintlich sorglos. Manchmal kann der Eindruck aber auch täuschen: Wie im richtigen Leben stellt der Nachwuchs manchmal ganz ohne Einfluss der Eltern seine eigenen Anstandsregeln auf, die von den Erwachsenen aber nicht immer gleich verstanden werden. Teenager haben für den Aufenthalt bei Facebook & Co. offenbar durchaus soziale Codes entwickelt. So gibt es unter Jugendlichen im Internet offenbar „eine Privatsphäre in dieser Netzöffentlichkeit, die aber von Eltern nicht wahrgenommen oder gar übertreten wird“, wie auf Telepolis nachzulesen ist.

Kinder im Medienzeitalter – Beitrag von Radio DRS

SRDRSJe länger je mehr werden Lehrpersonen – und nicht nur iScouts – mit der Frage „Kinder und Medien“ konfrontiert. Vor allem, wer in der Primarschule etwas intensiver mit Computern im Schulzimmer arbeitet, vielleicht sogar im Internet, hat bei manchen Eltern schnell Erklärungsbedarf.

Antworten auf viele Fragen liefert dieser Beitrag von Radio DRS.