Kinder

Auf Satellitenjagd

Ob die moderne Kommunikationstechnik mehr Segnungen oder mehr Schattenseiten mit sich bringt, darüber lässt sich streiten. Einige Dinge sind aber schlicht zu faszinierend, um die Technik wieder hergeben zu wollen.

Mein neues Steckenpferd ist die Himmelsbeobachtung. Nicht nur das Tracken von von Verkehrsflugzeugen mit Apps wie Plane Finder, sondern neuerdings vor allem das Aufspüren von Satelliten in der Morgen- oder Abenddämmerung. Es ist unglaublich, wie viele künstliche Himmelskörper sich allmorgendlich und -abendlich am Himmel tummeln, sei es das Heer von Satelliten oder abgetrennte Raketenstufen, die zum Teil vor 40 und mehr Jahren in die Umlaufbahn geschossen wurden und bis heute dort herumkreisen. Viele davon sind von blossem Auge sichtbar, wenn man genau weiss, wann sie wo auftauchen (wobei mir unser abgelegener Wohnort verhältnismässig gute äussere Bedingungen für die Himmelsbeobachtung bietet).

Allabendliches Himmelsereignis: Der Vorbeiflug der ISS

Die International Space Station ISS – bei klarem Himmel praktisch täglich von Auge gut sichtbar. (Bild: Wikimedia)

Die International Space Station ISS – bei klarem Himmel praktisch täglich von Auge gut sichtbar. (Bild: Wikimedia)

Ein fast allabendliches Ereignis – klarer Himmel natürlich vorausgesetzt – ist für mich der Vorbeiflug der ISS geworden. Sie ist an den meisten Morgen und Abenden zu sehen; manchmal aufgrund ihrer Erdumlaufzeit von 93 Minuten auch zweimal. Als ich sie das erste Mal sah war ich absolut fasziniert und fragte mich auch, wie sie mir in all den Jahren überhaupt entgehen konnte. Ist sie präsent, ist sie nach dem Mond das hellste Objekt am Sternenhimmel und unterscheidet sich nicht nur durch ihr ruhiges Licht, sondern auch durch ihre Flugbahn klar von – natürlich ebenfalls präsenten – Verkehrsflugzeugen. Wenn sie in ihrem ruhigen, goldenen Licht über einem vorbeizieht und bald darauf erlischt, wenn sie in den Erdschatten eintaucht, hat das etwas sehr Anmutiges.

Spektakuläre Iridium-Flares

Mit Aluminium beschichteter Iridium-Satellit: Reflektiert er das Sonnenlicht auf die Erdoberfläche, kann man dies als spektakuläres Himmelsereignis beobachten – wenn man weiss wann. (Bild: Wikimedia)

Mit Aluminium beschichteter Iridium-Satellit: Reflektiert er das Sonnenlicht auf die Erdoberfläche, kann man dies als spektakuläres Himmelsereignis beobachten – wenn man weiss wann. (Bild: Wikimedia)

Weitere sehr effektvolle Erscheinungen sind die sogenannten Iridium Flares. Sie stammen von den Iridium Satelliten und sind so hell, dass sie manchmal sogar am Taghimmel zu sehen sind. Verursacht werden sie von den insgesamt 66 gleichnamigen Kommunikationssatelliten, deren Oberfläche mit Aluminium beschichtet ist und deshalb das Sonnenlicht besonders hell auf die Erdoberfläche reflektieren. Die ausserordentlich spektakulären Ereignisse dauern nur 5–20 Sekunden, weshalb man genau wissen muss, wann sie wo auftauchen.

Kein Ereignis verpassen mit der richtigen App

Womit wir wieder bei den Segnungen moderner Kommunikationstechnik angelangt wären. Heute muss man keine dicken Bücher mit hunderten von Tabellen kaufen und diese interpretieren, um die ISS oder einen Iridium Flare beobachten zu können. Es genügt eine kleine Smartphone-App für nur wenige Franken. Drei davon habe ich ausprobiert und bin schliesslich bei Sky Guide hängengeblieben. Sie zeigt mir nicht nur jedes sichtbare und unsichtbare Himmelsobjekt an, sondern lässt auch Erinnerungen einrichten, die mich auf gut sichtbare Satellitenvorbeiflüge hinweisen. Ausserdem enthält sie Informationen zu zahllosen Himmelsobjekten wie Planeten, Sternen und Galaxien. Allein deswegen finde ich die App die paar Franken wert.

Beinahe-Kreuzung zweier künstlicher Satelliten am heutigen Abend: die ISS und der "Earth Radiation Budget Satellite" der NASA, dargestellt durch die App SkyGuide.

Kreuzung zweier künstlicher Satelliten am heutigen Abend: die ISS und der Earth Radiation Budget Satellite der NASA, dargestellt und vorausgesagt durch die App Sky Guide.

 

Auf Sonnenfinsternis-Exkursion

Sonnenfinsternis

Einsetzende Sonnenfinsternis, fotografiert durch Rettungsfolie mit der Handy-Kamera.

Ich gebe zu, ich habe sie auch fast verpennt – die Sonnenfinsternis. Obwohl ich diese kosmischen Ereignisse faszinierend finde: So fuhr ich am 11. August 1999 nach Süddeutschland, um dort der totalen Sonnenfinsternis beiwohnen zu können, was eines der eindrücklichsten Ereignisse meines Lebens war. Auch reisten Regula und ich für die ringförmige Sonnenfinsternis vom 3. Oktober 2005 nach Ciudad Rodrigo in Spanien. Doch das Ereignis vom letzten Freitag hätte ich mit meiner Klasse tatsächlich fast verpasst.

Der glückliche Zufall wollte es aber, dass ich für den 20. März seit langem eine Exkursion geplant hatte: Wir gingen auf Geocaching-Tour. Erst Mitte letzter Woche wurde mir bewusst, dass unsere Exkursion genau auf die Sonnenfinsternis fällt; der Zeitpunkt hätte also nicht günstiger liegen können. Doch es gab noch ein Problem: Woher so schnell noch Brillen für die Sonnenfinsternis nehmen? Die Sonne mittels selbstgebastelter Linse zu projizieren wäre eine Möglichkeit gewesen. Ein Lehrer-Kollege von Regula hatte dann einen noch besseren Tipp: Eine Rettungsfolie, von der wir zu Hause zufällig noch eine hatten. Dreifach gefaltet bot diese den klaren und sicheren Blick auf die abgedeckte Sonne.

Wanderung bei partieller Sonnenfinsternis

Auf Wanderung während des Höhepunkts der Sonnenfinsternis: Das spezielle bleierne Licht ist auf dem Foto nicht erkennbar; ebenso wenig wie die eingesetzte Kälte.

Das fast perfekte Wetter (nur die Bergsicht war wegen Dunst leider eingeschränkt) und das zufällig ebenfalls perfekte Timing machten diese partielle Sonnenfinsternis zum Erlebnis. Wir standen mitten in einer Waldlichtung, als das spezielle bleierne Licht, das an Sonnenfinsternissen herrscht, auch von den Kindern staunend wahrgenommen wurde. Beim der maximalen Abdeckung der Sonne kurz nach 10:30 Uhr wanderten wir durch ein Hügeltal und realisierten, dass es spürbar kälter war als noch eine Stunde zuvor – ebenfalls eine Begleiterscheinung der Sonnenfinsternis.

Dass dieses sehr spezielle und seltene Naturphänomen auch für die Kinder zum unvergesslichen Ereignis wurde, da war auch viel Glück im Spiel. Doch vor allem hatten wir auch keine panik-schürenden und erlebnisfeindlichen Vorgaben von oben herab, so wie andernorts. (Hätte ich keine „Brillen“ mehr organisieren können, hätten wir die Exkursion deswegen nicht verschoben. Eine Sonnenfinsternis ist auch ohne Brille allein schon wegen des speziellen Lichtes ein Ereignis. Und ich habe auch Vertrauen in meine 5./6.-Klässler, dass sie nach entsprechenden Vorwarnungen – die ich am Vortag natürlich erteilt hatte – nicht direkt in die Sonne blicken, wenn sie sich der möglichen Konsquenzen bewusst sind.)

Auf die nächste partielle Sonnenfinsternis in der Schweiz vom Mittwoch, 12. August 2026 werde ich hoffentlich schulisch besser vorbereitet sein – wenn ich mir nicht gleich Urlaub nehme und nach Spanien fahre, um dort die totale Sonnenfinsternis zu beobachten.

Schriftart für Legastheniker

Zufällig traf ich beim Konfigurieren meiner Instapaper-App auf die Schriftart OpenDyslexic.

opendyslexic

OpenDyslexic wurde speziell für Legastheniker entwickelt. Wie die Schrift diesen helfen kann, können die Entwickler am besten selber erklären:

OpenDyslexic ist eine Schriftart, die speziell für legasthene Menschen entwickelt wurde. Manche legasthene Menschen haben Schwierigkeiten, die Richtung der Buchstaben zu unterscheiden oder es scheint ihnen, dass die Buchstaben nicht an ihrem Platz bleiben, sondern hin und her springen. In OpenDyslexic sind die Buchstaben unten etwas dicker. Durch dieses Gewicht kommt es zu keinem Umdrehen oder Verwechseln der Buchstaben mehr. Jeder Buchstabe hat seine eindeutige Form. So lässt sich z.B. aus einem “b” durch Spiegelung kein “d” erzeugen. Auch stehen die Buchstaben etwas weiter auseinander, was Studien zufolge für legasthene Menschen sehr hilfreich ist.

Die Schriftart gibts gratis zum Download und lässt sich nicht nur auf dem Computer installieren, sondern für die Browser Chrome und Safari auch als Browser-Addon hinzufügen, sodass auch der Inhalt von Internet-Seiten mit OpenDyslexic angezeigt wird.

So sieht das dann auf Safari aus (inklusive Darstellungsfehler im oberen Menu, zurückzuführen auf die grössere Breite der Schriftart):

Bildschirmfoto 2014-10-25 um 08.41.08

Im Vergleich dazu die Standard-Ansicht:

Bildschirmfoto 2014-10-25 um 08.22.50

„Wer wird Millionär“ fürs Schulzimmer

Screenshot von "Who wants to be a winner". Dass es auf Englisch daherkommt und mit dem Dollar als Währung ist kein Problem, weil sich die PowerPoint-Vorlage beliebig bearbeiten lässt.

Screenshot von „Who Wants to be a winner“. Dass es auf Englisch daherkommt und mit dem Dollar als Währung ist kein Problem, weil sich die PowerPoint-Vorlage beliebig bearbeiten lässt.

„Wer wird Millionär“ ist nicht nur eine bekannte Fernsehsendung, sondern auch ein beliebtes Spiel für Kinder, das auch von Lehrpersonen geschätzt wird; sei es um ein Thema zu vertiefen oder einfach nur, um mit der Klasse ein Quiz zu machen, etwa vor den Ferien.

Im Internet gibt es verschiedene kostenlose Möglichkeiten, an dieses Spiel zu kommen (das, wohl aus rechtlichen Gründen, unter unterschiedlichen Namen angeboten wird). Direkt bei RTL kann man „Wer ist Millionär“ online spielen; allerdings nur mit vorgegebenen Fragen, die für Kinder oft zu schwierig sind.

Eine Kollegin hat mich auf das kostenlose Programm „Wer wird Quillionär“ aufmerksam gemacht, das mir einen guten Eindruck macht, zumal man die Fragen und Antworten auch selber erstellen kann und ausserdem zu verschiedenen Themen bereits vorgefertigte Spiele runterladen und einbinden kann. Für manche ein Problem: Läuft leider nur auf Windows.

Dem gegenüber wird das Spiel „Who Wants to be a Winner“ von Mark E. Damon als PowerPoint-Vorlage angeboten, ist somit universell einsetzbar und kann beliebig angepasst werden. Ab dem Mittelstufen-Alter übrigens auch dazu geeignet, von Kindern eigene Quiz erstellen zu lassen.

Als heute Morgen fast das Internet kaputt war

Heute fiel bei „Schulen ans Internet“ die Google-Suche aus. Das ist nicht lustig. Lustig sind aber manche Reaktionen betroffener Lehrpersonen und Schüler.

Ein kurzes Verlaufsprotokoll des heutigen Tages:

  • 7:00 Uhr: Ich arbeite seit 30 Minuten normal mit Internet, ohne etwas Besonderes zu bemerken. Eine Kollegin kommt: „Das Internet geht nicht!“. Ich vermute erst eine lose Kabelverbindung – zu Unrecht. Doch die Google-Website auf ihrem PC lädt tatsächlich nicht. Nach dem Aufruf einer anderen Website ist der Fall schnell klar, und ich schreibe einen Tweet an den Swisscom-Support.
  • 8 Uhr: Ein Schüler, nachdem ich ihn darauf aufmerksam machte, dass Google heute Morgen nicht funktioniert: „Hä? Aber wie komme ich denn zu Antolin ohne Google?“ Es folgt ein Crashkurs in Sachen ICT-Standards M02 und im erweiterten Sinne von M17.
  • 8:30 Uhr: Da ich es versäumt habe, das Team über den Google-Ausfall zu informieren, trudeln die ersten Fehlermeldungen ein: „Das Internet geht nicht!“ – abgeschickt per E-Mail vom Arbeitsplatz. (Ja, genau.)
  • 16 Uhr: Google-Suche funktioniert immer noch nicht. Ob die Ursache bei Swisscoms ZScaler-Hack liegt, ist mir bis dato unbekannt.

Och Mama…!

Einen Film, der mir vorgestern von einer Kollegin zugeschickt wurde, zeigte ich gleichentags noch am Elternabend. Vielleicht wars mutig, weil sich einige hätten angesprochen fühlen können, doch das passierte nicht. Es wurde herzlich gelacht, und ich konnte danach noch ein paar Sachen zum Thema Hausaufgaben erklären.

Eine gewisse Aktualität hat auch dieser Film aus der gleichen Reihe, der sich dem Thema „Frühes Fremdsprachen-Lernen“ widmet. Wie der erste zeigt er in überspitzter Form eine Problematik auf: Nämlich die, dass „je früher, desto“ besser beim Lernen von Fremdsprachen nicht stimmt, wenn das Lernen nicht immersiv vonstatten geht.

Vorbildliche Stadtpolizei Zürich

Wow! Der Stadtpolizei Zürich werden via Twitter Mängel an einer Baustelle gemeldet. Konkret ging es darum, dass die Baustelle für Fussgänger nicht sicher war; dies an einer Stelle, an der offenbar oft Kindergärtler vorbeigehen. Nach einer kurzen Rückfrage ebenfalls auf Twitter am gleichen Tag sind die Mängel zwei Tage später behoben.

So effizient können soziale Medien sein, wenn sie auch von Amtsstellen genutzt werden.

Der Blick – ein Porno-Heftli?

Wie weit an Schulen Internet-Content gefiltert werden soll, war bereits in der Diskussion um das Aufbrechen von sinnvollen Sicherheitsmechanismen durch die Swisscom Gegenstand der Debatte. Kürzlich staunte ich aber nicht schlecht, als ich einen auf meinem Twitter-Feed verlinkten Blick-Artikel lesen wollte und auf meinem iPhone statt des Artikels die folgende Meldung erschien:

Der Blick – ein Porno-Heftli?

Beim Blick selber nahm man es, nachdem ich die Pornografie-Warnung getwittert hatte, mit Humor:

Auch bei Swisscom hat man auf meine Meldung hin sofort reagiert und den Blick umgehend wieder von der Schmuddel-Filterliste genommen – jedenfalls im Kanton Thurgau. Wie das andernorts aussieht weiss ich nicht. Als ich vor zwei Jahren im Kanton Zürich unterrichtete stellte ich fest, dass der Blick im Schul-Internet nicht aufrufbar war und dort vom Filter geblockt wurde. An die genaue Filter-Kategorie erinnere ich mich nicht, aber es war wohl nicht „Pornografie“.

Es ist grundsätzlich richtig, dass das Internet in unseren Schulstuben nicht ungefiltert zugänglich ist. Allerdings stellt sich wie überall die Frage nach der Verhältnismässigkeit, sei es bei den Methoden oder bei der Art des gefilterten Inhalts. Als einer, der die Jugendzeit in den in vieler Hinsicht wesentlich liberaleren 80er-Jahren unbeschadet überstanden hat finde ich es richtig, dass man den Blick auch in der Schule ungefiltert lesen darf, selbst wenn es einem dort passieren kann, auch mal auf ein wenig sehr zurückhaltend präsentierte Nacktheit zu stossen. So viel sollte uns unsere verfassungsmässig garantierte Meinungs- und Informationsfreiheit wert sein, ebenso wie wir auch unserer Jugend so viel Vertrauen entgegen bringen sollten, jeglichen von Blick präsentierten Inhalt verarbeiten zu können.

Kindererziehung 2.0

musical-ps-altnau-plakatDie letzte Woche war unsere Klasse mit den letzten, intensiven Vorbereitungen für ein Musical beschäftigt, das wir am vergangenen Wochenende aufgeführt haben. Die Aufführung wurde – ich denke, das darf ich hier so sagen – ein voller Erfolg. Dies vor allem auch deswegen, weil die intrinsische Motivation der Kinder für dieses Projekt zu 100 Prozent vorhanden war. Wenn Schule immer so wäre, so sein könnte, würde sie allen Beteiligten jeden Tag Spass machen, und es bräuchte keine Strafsysteme für nicht gemachte Hausaufgaben.

Leider sind solche Situationen im Schulunterricht – vorsichtig ausgedrückt – doch eher Ausnahme. Vielleicht gibt es vereinzelte Genies von Lehrpersonen, die es schaffen, die intrinsische Motivation der Kinder zu wecken, das Präteritum zu beherrschen, das Französisch-Vokabular zu erweitern oder den Prozess der schriftlichen Division zu verstehen – mir ist dies bislang leider noch nicht gelungen. Damit die Hausaufgaben jeden Tag pünktlich abgegeben werden, braucht es eine Dosis extrinsischer Motivation – bei vereinzelten Kindern eine ziemlich hohe Dosis. Hier ein Vorschlag für Eltern, wie sich eine solche Dosis verabreichen lässt:

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Dem wäre anzufügen: 4. Hausaufgaben machen

Arbeitsblätter für Grundfertigkeiten, leicht gemacht

Wer hat sich kürzlich wieder beklagt, im Unterricht stünden einfach zu wenige Arbeitsblätter zur Verfügung? Dem Mann, der Frau kann geholfen werden:

Unter www.grundschulstoff.de gibts zahlreiche Vorlagen für Arbeitsblätter zum selber Machen. Angeboten werden Grundfertigkeiten in Deutsch und Mathematik, aber auch für Englisch und Realien (Mensch und Umwelt) finden sich ein paar Sachen.

Obwohl die Site aus Deutschland stammt, gibt es vereinzelte Vorlagen, die für den Schweizer Schulunterricht nicht so interessant sind  – wobei es natürlich in der Schweiz nicht untersagt ist, im Geografieunterricht Deutschland zu behandeln und die Schüler auch mal die deutschen Bundesländer und ihre Hauptstädte lernen zu lassen. 😉 Doch hat man sich bei Grundschulstoff.de in anderen Bereichen die Mühe gemacht, auch für den Schweizer Unterricht kompatibel zu sein: So ist etwa beim Arbeitsblatt für die schriftliche Multiplikation eine Funktion implementiert, mit der sich die Rechnungen so gestalten lassen, wie es in der Schweiz gelehrt wird, nämlich mit dem kleineren Faktor auf der linken Seite.

Schriftliche Multiplikation bis 1.000: Das Arbeitsblatt lässt sich auch so generieren, dass es für den Schweizer Schulunterricht passt. (Bildschirmaufnahme von grundschulstoff.de)

Schriftliche Multiplikation bis 1.000: Das Arbeitsblatt lässt sich auch so generieren, dass es für den Schweizer Schulunterricht passt.

Darauf gestossen bin ich über den Newsletter von Educanet, der seinerseits wiederum auf den Zentralschweizer Bildungsserver zebis.ch verweist, wo es noch andere interessante Werkzeuge für den Unterricht gibt.

Fliegen mit Google Earth

Google Earth ist nicht nur ein lustiger Zeitvertreib, sondern auch ein sehr hilfreiches Tool für verschiedenste denkbare Anwendungen.

Ein Schüler-Musical, das wir in wenigen Wochen aufführen werden (am 17. Mai in der Schwärzi-Halle in Altnau) heisst „Musig-Gschichtä us dä Schwiiz“. Die Rahmengeschichte ist eine Busreise an verschiedenste Orte in der Schweiz, und so suchten wir nach Möglichkeiten, wie wir diese kurzen Reisen darstellen können. Da zur Bühnenkulisse auch eine grosse Leinwand gehört, mit denen wir einzelne Szenen bebildern, kam ich auf die Idee, mit Google etwas zu machen. Heraus kam der folgende Kameraflug:

Noch immer liesse sich vieles perfektionieren, doch bis es so weit war, musste ich sehr viel üben, ausprobieren, anpassen, verbessern.

Meine ersten Versuche machte ich nicht mit Google Earth, sondern mit Google Maps. Zunächst erstellte ich auf Google Maps einfache Routen und verfolgte sie mit der 3D-Ansicht. Das Resultat war nicht umwerfend: Abgesehen vom störenden „Pfeil“ (eher ein umgekehrter roter Regentropfen), der dauernd an der Stelle des „Reisenden“ und somit in der Bildmitte bleibt, ist die Bewegung auch ruckelig. So suchte ich nach Möglichkeiten auf Google Earth – und wurde fündig. Wie man zum fertigen Film kommt, dazu gilt das Sprichwort „Viele Wege führen nach Rom“.

Bevor ich genauer schildere, wie ich meinen Kameraflug erstellt habe, sollte ich noch erwähnen, dass ich diese auf einem Mac gemacht habe. Dies ist darum von Bedeutung, weil der Mac als Bordmittel den Quicktime Player mitbringt, inklusive der Funktion, Bildschirmaufnahmen machen zu können. Benutzer anderer Betriebssysteme müssen sich nach einem gleichwertigen Tool umschauen, es sei denn, sie leisten sich Google Earth Pro, bei dem man solche Kamerafahrten als Filmdatei exportieren kann. Mit einem Kaufpreis von 399 $ ist diese Software aber wohl eher nicht für den Heimanwender gedacht.

Um meinen Kameraflug von Altnau nach Glarus zu erstellen ging ich folgendermassen vor:

  1. In Google Earth über die Funktion „Route berechnen“ (oben links unter dem Suchfeld) erst mal die Route von Altnau nach Glarus eingeben. Diese Route brauche ich später nicht mehr, aber sie ist hilfreich bei den folgenden Schritten.
  2. In die Vogelperspektive gehen, so dass die gesamte Route direkt von oben ersichtlich ist
  3. Über die Funktion „Pfad erstellen“, entweder über die Menufunktion Hinzufügen > Pfad“ oder über das folgende Symbol:  Bildschirmfoto 2014-04-20 um 09.58.08
  4. Den Pfad im entsprechenden Feld benennen. Vor dem Schliessen können jetzt auf der Karte die einzelnen Punkte des Pfads ausgewählt werden. Am besten bleibt man nahe bei der Route; damit die Fahrt anschliessend aber nicht zu unruhig wird empfiehlt es sich, nicht gleich bei jeder kleinen Kurve einen Pfadpunkt zu setzen. Sind alle Punkte gesetzt, kann man das Fenster wieder schliessen.
  5. Wer den blauen Strich der Route nicht auf dem Film haben will, kann jetzt die Route schliessen, indem er auf das „X“ unterhalb der Routenangaben klickt.
  6. Damit man nicht wie eine Maus direkt auf dem Asphalt bzw. durch das Gras kriecht und auch Kamerawinkel und Fluggeschwindigkeit einigermassen stimmen, müssen bei Google Earth noch gewisse Einstellungen vorgenommen werden. Hier gilt es zu experimentieren; für meinen Flug habe ich folgende Einstellungen vorgenommen:Pfad-Einstellungen auf Google Earth

Die Route ist nun fertig und kann nun abgeflogen werden. Die Funktion dazu ist eher versteckt: Man startet den Flug, indem den neu erstellten Pfad in der linken Seitenleiste auswählt und danach auf das Start-Symbol klickt:

Start

 

 

Es empfiehlt sich, die Route vor der Bildschirmaufnahme ausreichend oft und auch ausreichend langsam abzufliegen: Die Google-Earth-Kamera fliegt nämlich schneller, als das Programm die Bilddaten in den Cache-Speicher laden kann. Fliegt man zu schnell darüber, sieht man statt Häuser und Felder nur braune und grüne Pixel. So sollte man beim ersten Flug alle paar Sekunden einmal die Pause-Taste drücken, um Google Earth genug Zeit zu geben, die Grafiken in den Speicher zu laden. Sind sie einmal drin, bleiben sie auch dort, und Google Earth ist nun bereit für die Bildschirmaufnahme.

Die Bildschirmaufnahme selber machte ich wie oben erwähnt mit dem Quicktime Player (Befehl „Neue Bildschirmaufnahme“, im sich öffnenden Fenster den roten Knopf drücken, mit der Maus den Bildschirmbereich auswählen und „Aufnahme starten“ drücken).

Perfektionisten seien gewarnt: Zum Verfeinern gibts endlose Möglichkeiten. Um einen schön abgerundeten Flug zu erstellen, habe ich vor und nach dem Flug jeweils eine Ortsmarkierung erstellt. So stellte ich sicher, dass das Anfangs- sowie das Schlussbild des Films genau so aussieht, wie ich mir das vorstelle. Für die Bildschirmaufnahme bedeutet dies volle Konzentration, damit man nicht versehentlich mit der Maus über den Bereich der Bildschirmaufnahme fliegt sowie verhindert, dass Google Earth ein gemeines, gelbes Popup-Fensterchen öffnet, das dann in die Bildschirmaufnahme hineinragt, wenn man die Maus über den falschen Punkt bewegt.

Nun gilt es üben, üben, üben. Für unser Musical habe ich mehrere solche Kameraflüge erstellt. Während ich für den ersten deutlich mehr als eine Stunde brauchte, bis alles einigermassen meinen Vorstellungen entsprach, ging der Prozess schon beim zweiten wesentlich flotter von der Hand.

Billig und effizient Fremdsprachen lernen

Letzte Woche stiess ich auf folgenden Tweet von Martin Weigert:

In relativ jungen Jahren – kurz nach Abschluss meiner Lehre – lebte ich ein halbes Jahr lang in Kanada und bereiste dieses Land auch für mehrere Monate. Schon damals fiel mir auf, was auch im Zeit-Artikel explizit erwähnt wird, nämlich wie gut namentlich Skandinavier und Holländer Englisch sprachen. Als ich die Frage nach dem Grund dafür einem Norweger stellte, antwortete dieser, natürlich lernten Sie in der Schule auch Englisch, aber ihre Fertigkeiten in dieser Sprache hätten sie in erster Linie deswegen, weil in Norwegen (wie auch in den anderen genannten Ländern) sämtliche Filme in Fernsehen und Kino im Originalton gezeigt würden. Für diese bevölkerungsmässig kleinen Sprachgruppen lohnte es sich nicht, Synchronfassungen zu produzieren, weshalb man sich auf Untertitel beschränkt.

Mein subjektiver Eindruck wird nun auch wissenschaftlich untermauert. So beruft sich der Zeit-Artikel auf eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studie mit der Feststellung:

Deutschland gehört wie Frankreich, Italien und Österreich [und die Schweiz – Anm. iScoutblog] zur Gruppe der Länder, in denen die Synchronisation vorherrscht. In Ländern, in denen besonders gut Englisch gesprochen wird wie den Niederlanden, in Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Estland wird der Untertitelung der Vorzug gegeben.

Schon damals – lange vor Beginn meiner Karriere als Primarlehrer – vertrat ich die politisch nicht opportune Meinung, man könne auf Englisch in der Volksschule (damals bei uns erst ab der Sekundarschule) verzichten, wenn man stattdessen englischsprachige Filme in der Originalfassung ausstrahlen würde.

"Dr. House" alias "House, M.D." – in der deutschen Synchronfassung kaum auszuhalten für den, der die Originalfassung kennt. Bild: http://mbti-of-fictional-characters.tumblr.com

„Dr. House“ alias „House, M.D.“ – in der deutschen Synchronfassung kaum auszuhalten für den, der die Originalfassung kennt. Bild: http://mbti-of-fictional-characters.tumblr.com

Schüler schauen sich bestimmte Filme ja oft weit mehr als nur einmal an. Diesen gebe ich dann jeweils den Tipp, ihre Lieblingsfilme spätestens ab dem dritten Mal in Englisch zu schauen. Da sie die Handlung ja bereits kennen, würden sie nichts verpassen, darüber hinaus aber – und davon bin ich überzeugt – sehr viel für ihre Englisch-Kompetenzen tun. Leider tun das dann aber doch nur die allerwenigsten. Sie finden ihre Lieblingsfilme in der Synchronfassung offenbar besser, oder aber sie wollen nicht auch noch in ihrer Freizeit von dem mühseligen Fremdsprachen-Unterricht belästigt werden. Denn mühselig ist dieser – ob auf Französisch oder Englisch – für sehr viele von Ihnen. Die frühen Fremdsprachen sind, entgegen aller Versprechungen von Politikern und Bildungsdirektoren, längst zu knallharten Leistungsfächern „avanciert“.

Das ist schade – in vielerlei Hinsicht. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Filme in ihren Synchronfassungen sehr viel von der Qualität ihres Originals einbüssen.

Selbständigkeit kann nur lernen, wer auch Gelegenheit dazu hat

Als ich den Blogpost „Kinder-Überwachung: Die letzte Meile ist geschlossen“ schrieb, dachte ich mir, das mit den Überwachungs-Apps sei’s nun aber gewesen mit der lückenlosen Kontrolle über Tätigkeit und Kontrolle von Kindern. Doch wie ich heute im Mamablog erfuhr, gibts auch dafür noch eine Steigerung: So gibt es offenbar Privatschulen, welche ihre Schützlinge mit einer Smart-Card ausrüsten:

„Die Smart-Card ist ein Schülerausweis mit Foto, der registriert, wann der Schüler die Schule oder das Klassenzimmer betritt. Die Karte vermerkt zudem, wann und was das Schulkind zu Mittag gegessen hat und wie viel es dafür ausgegeben hat. Der Ausweis ermöglicht den Zugang zur Schulbibliothek und dient zur Kontrolle, wo sich das Kind auf dem Schulgelände befindet – schon im Schulbus oder noch in der Turnhalle?“ – Mamablog

Kürzlich hatte ich mit einer Lehrerkollegin eine Diskussion über eine Schülerin, die ohne Wissen, geschweige denn Erlaubnis ihrer Eltern an einem schulfreien Nachmittag nach Konstanz fuhr. Wie sie diesen verbracht hatte wissen wir nicht und soll hier auch nicht Thema sein. Ich erinnere mich nur, dass es für mich (Jg. 1968) als Kind nie ein Thema war, solcherlei Ausflüge alleine unternehmen zu dürfen.

Hauptstrasse in Tobel TG: Auch wenn auf diesem Bild grad kein Auto zu sehen ist schon seit Jahrzehnten eine stark befahrene Durchgangsstrasse.

Blick vom Primarschulhaus auf die Hauptstrasse in Tobel TG: Auch wenn auf diesem Bild grad kein Auto zu sehen ist schon seit Jahrzehnten eine stark befahrene Durchgangsstrasse.
(Bild: tobel-taegerschen.ch)

Oft fuhr ich alleine oder mit Kollegen in die Stadt, in jüngerem Alter mit dem Zug, ab der 4. Klasse auch mal mit dem Fahrrad. Darüber hatte meine Lehrerkollegin dann doch etwas gestaunt. Dabei war es bei meinen Eltern nie ein Thema, dass dies zu gefährlich gewesen wäre . War es auch nicht, obwohl die Hauptstrasse von Tobel nach Wil schon damals eine stark befahrene Verkehrsachse war. Nur einmal verbot mir mein Vater am Mittagstisch, die 7 Kilometer nach Wil mit dem Velo zu fahren: Es hatte damals frisch geschneit und die Strassen waren wegen dem geräumten Schnee verengt, weswegen er diese Velofahrt für zu gefährlich hielt. Da nützte es auch nichts, dass mein Schulkollege die Erlaubnis seiner Eltern gehabt hatte. Nun denn, fuhren wir halt wieder mal mit dem Zug.

Rückblickend bin ich immer noch dankbar für meine Kindheit ohne überfürsorgliche Eltern, die auch Vertrauen in die Selbständigkeit ihrer Kinder hatten (weswegen wir diese auch früh erlernen konnten). Ich bin überzeugt, dass eine Kindheit ohne Überwachungs-Apps und Smart-Cards eine qualitativ bessere ist.

In Erinnerung gerufen sei hier noch einmal das Bild, welches ich letzten Januar bereits einmal gepostet hatte:

How far a child is allowed to walk on their own, then vs. now

Die Welt wird kleiner

How far a child is allowed to walk on their own, then vs. now

Auf Philippe Wampflers Tumblr-Blog bin ich auf dieses Bild gestossen. Es zeigt die Bewegungsrayons eines heute im Norden Englands lebenden achtjährigen Kindes und dessen Vorfahren dreier Generationen, als diese im gleichen Alter waren.

Wie weit soll sich ein achtjähriges Kind alleine vom Wohnhaus entfernen dürfen?

Wie waren unsere Bewegungsrayons in diesem Alter?

Wie sieht es bei den heutigen Kindern bei uns aus?

Ist ein eingeschränkter Bewegungsraum für die Sicherheit des Kindes notwendig?

Oder hindert er es an seiner Entwicklung?

Ist unsere Welt so gefährlich geworden?

Warum wundern wir uns noch, wenn Kinder Nachmittage lang vor der Gamekonsole sitzen?

Fragen über Fragen.