Medienkompetenz

Die Usenet-Laws: Eine wertvolle und vergessene Bereicherung der Netzkultur

Kaum ein Mensch weiss heute noch, was das Usenet ist. In der Medienpädagogik bin ich auf den Begriff noch gar nie gestossen. Dabei ist das Usenet älter als das WWW und somit in der Geschichte des Internets durchaus von Relevanz. Vor der bunten und geschützten, aber auch protektionierten Disney-Welt von Facebook, Twitter & Co. war das Usenet die vorderste Bastion der freien Meinungsäusserung im Internet und könnte das auch heute noch sein, mit allen Vor- und Nachteilen einer offenen und wirklich freien Infrastruktur.

Die Infrastruktur besteht weiterhin, doch hauptsächlich waren es – nach meiner persönlichen Erinnerung – zwei Faktoren, die dazu geführt haben, dass das Usenet heute ein Mauerblümchendasein in den Winkeln des Internets führt: Es wurde immer schwieriger, Spams Einhalt zu gebieten, und dann kam auch noch Facebook.

Der Forté Agent war zur Blütezeit einer der beliebtesten Usenet-Reader.

Das Usenet entwickelte seine eigenständige Netzkultur, gab sich selber Netiquetten und Umgangsformen. Dies war schon deswegen unumgänglich, um sich als Community gegen die Nachteile der offenen Infrastruktur wie Spams, Crosspostings oder Flames zu wehren, damit sachliche Diskussionen möglich bleiben. So wie ich das Usenet in Erinnerung habe, ist dies trotz allen Widerwärtigkeiten wie sich herumtummelnden aggressiven Spammern oder offen bekennenden Nazis (und damit meine ich nicht AfD-Wähler, sondern richtige Nazis) recht gut gelungen. Ganz alles konnte man sich trotzdem nicht erlauben: Wer es zu weit trieb, wurde gebannt und konnte – theoretisch – nicht mehr ins Usenet posten. Doch die Hürde dazu war im Vergleich zu heute sehr hoch, und natürlich konnten auch solche Sperren relativ leicht umgangen werden.

Ein Teil der Usenet-Kultur sind die Usenet-Laws. In den heutigen Social Media gibt es dazu kein Äquivalent – leider. Die Usenet-Gemeinde hat gut erkannt, dass es manchen Diskussionsteilnehmern nicht um Wahrheitsfindung ging, sondern nur um Rechthaberei. Wenn dabei Methoden angewendet werden, welche mit dem Thema nichts zu tun haben, aber den Kontrahenten auf der Oberfläche angreifen, kommen die Usenet-Laws zum Zug.

Die meisten und gebräuchlichsten Usenet-Laws wie etwa Godwin’s Law stammen aus dem englischen Sprachraum. Dieter Brügmann hat sie damals gesammelt und ins Deutsche übersetzt, und die Laws wurden um deutschsprachige Eigenheiten erweitert. Seine Website ist immer noch im originalen Stil der 90er abrufbar, darunter auch die Seite mit den Usenet-Laws, die ich in diesem Post daraus entnehme.

Beim Lesen der Laws wird auch klar, dass nicht alle ganz ernst gemeint sind. Als Ganzes aber stellen die Usenet-Laws eine wertvolle Bereicherung der Netzkultur dar, da – zumindest erfahrene Usenetter – sich nicht die Blösse geben wollten, aufgrund eines Verstosses gegen ein Usenet-Law eine Diskussion erklärtermassen zu verlieren.

Meine persönlichen Lieblings-Laws übrigens:
• Godwin’s Law (der Klassiker)
• Herrmann’s Law / Hartge’s Law
• Kohrssches Law
• Lemken’s Law


Der Übersichtlichkeit halber habe ich die Links sowie für Nichtvertraute der Usenet-Kultur verwirrende Begriffe ausgegraut. Manche Laws sind zudem nur in der technischen Infrastruktur des Usenets anwendbar oder sind nicht mehr zeitgemäss. Diese habe ich unten kursiv markiert und z.T. mit eigenen Bemerkungen versehen. Einige Laws, die sich in hohem Mass um die Laws selber drehen, habe ebenfalls ausgegraut, dafür habe ich Laws, die auch in heutige Social Media sehr gut angewendet werden können, blau markiert. Und schliesslich habe ich einige in der Usenet-Kultur gebräuchliche, heute aber nicht mehr für alle verständliche Begriffe verlinkt. Die Original-Liste von Dieter Brügmann ist hier abrufbar.

Godwin’s Law

Je länger eine Usenet-Diskussion andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand mit einem unpassenden Nazi-Vergleich auftritt. Normalerweise wird dann die Diskussion für beendet erklärt und der Betreffende steckt tonnenweise *plonk*s ein.

Kitzler’s Law

Stasi-Vergleiche (analog zu Godwin)

Seitz‘ Addendum zu Godwin’s Law

Dito für unpassende Kinderschänder-Vergleiche, allerdings mit der erhöhten Gefahr, dass die Diskussion nicht beendet wird.

(Anmerkung Andreas Stricker: Ausser Elon Musk sind mir dazu in der nahen Vergangenheit sonst keine Beispiele begegnet.)

Gassner’s Law

Jemand, der gewisse Grundsätze und Prinzipien als „typisch deutsch!“ bezeichnet, hat automatisch verloren. „Typisch deutsch“ kommt nur von Argumentationslosen. Sie haben nichts mehr zu sagen.

Noschinski’s Zusatz: Es sind meistens Deutsche, die von „typisch Deutsch“ reden.

Gassner’s Conjecture

Jemand, der ein Law bricht, wird auch bald die anderen brechen, Pseudonyme verwenden oder Adressen fälschen.

Anm. des Redakteurs: Hier ist „brechen“ im Sinne von „erfüllen“ gemeint!

pi’s Law

Je hitziger die Diskussion wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand den Namen des Diskussionsgegners in die Subject-Zeile übernimmt. Der, der das getan hat, hat automatisch verloren.

(Anmerkung Andreas Stricker: Dieses Gesetz bezieht sich auf die Usenet-Struktur. Eine analoge Formulierung könnte z.B. auf Twitter sein: «… desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass jemand seine Antwort auf den Tweet in die eigene Timeline postet.»)

pi’s Second Law

Wer das Subject missbräuchlich ändert, um damit seine Meinung in den Vordergrund zu drängen, macht sich lächerlich und hat keine Argumente. Wenn er dazu das Subject noch flasch ändert, ist er ein DAU.

Brülls‘ Law

Je länger ein Thread wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand spontan zum Thema »Pädophile« springt, sei es, um Bürgerrechte zu verteidigen oder um sie einzuschränken.

Suter’s Law

Im Rahmen einer Diskussion über oder um die Netiquette zeigen bei fortschreitender Diskussionsdauer Newbies die Tendenz zu Elchen und Regulars die Tendenz zu Netzsheriffs.

Kühnert’s Ergänzung

Wer das Alter, Behinderungen oder sonstige persönliche Eigenheiten des Diskussionsteilnehmers nutzt, um ihn als inkompetent darzustellen, hat automatisch verloren.

Heidtmann’s Law

Wer den Lebenslauf seines Gegenübers als Argument missbraucht, hat verloren.

Hartge’s Second Law

Wer mit den Lebensumständen einer anderen Person argumentiert, um diese Person dadurch anzugreifen oder in ein schlechtes Licht zu rücken, hat keine Argumente mehr und damit automatisch verloren.

Tetzlaff’s Law

Im Laufe einer Usenetdiskussion steigt die Wahrscheinlichkeit, daß einer der Beteiligten Verschwörungstheorien verlautbart, proportional zur Länge des Threads gegen 1.

Pluntke’s untere Schranke: Dies gilt mindestens für die Gruppen der de.admin.news-Hierarchie.

(Stricker’s Ergänzung [hier gibt’s noch eine Lücke in den Laws]: Wer jedoch anderen Beteiligten die Verbreitung von Verschwörungstheorien unterstellt, ohne dies stichhaltig zu begründen, hat verloren.)

Brügmann’s Law

Wer im Laufe einer Diskussion das (vermeintliche) Betriebssystem seines Gegners als „Argument“ anführt, hat verloren.

Hartge’s Third Law

Wer mit dem verwendeten Newsreader des Gegenübers argumentiert, hat in Wirklichkeit keine Argumente mehr und damit automatisch verloren.

Hoffmann’s Law

Merkt jemand an, er hätte das letzte Wort im Thread, werden ihn auf der Stelle mehrere Poster darauf hinweisen, daß das letzte Wort bei ihnen läge.

Tsang’s Law

Wer die schweigende Masse als Kriterium für Zustimmung oder Ablehnung einer Frage heranzieht, hat automatisch verloren.

Egg’s Law

Wer mit „hast du das sexuell nötig“ o.ä. argumentieren will, verliert.

Schröder’s Law

Sobald jemand „Mutter“ und „Problem“ in einem Satz erwähnt, kommt gleich Freud auf den Tisch.

Riedel’s Law

Je länger eine Usenet-Diskussion andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand seinem Diskussionsgegner zum Vorwurf macht, er verschwende Steuergelder und zahle seine Netzanbindung nicht selbst. Derjenige hat automatisch verloren.

Hellinger’s Law

Wer zuerst mit dem Spruch „ich mache schon länger DFÜ als einige hier auf der Welt sind“ kommt, hat die Diskussion automatisch verloren.

(Anmerkung Andreas Stricker: Eine moderne Formulierung könnte sein: «Ich bin schon länger im Internet als…»)

Borutta’s Law

Wer im Laufe einer Diskussion ein von ihm mißbilligtes Verhalten als typisch für eine ganze Generation hinstellt, hat automatisch verloren.

Ergänzung: In Diskussionen zum Thema Netiquette wird als Generation bevorzugt „die Jugend“ hergenommen.

Roesen’s Law

Sobald ein Troll, DAU oder Elch im Lauf eines Threads auf heftige Kritik stößt, argumentiert er mit der Arroganz des Kritikers. Dies kann auch vorsorglich erfolgen.

Krietsch’s Egotheorem

Ich habe im Usenet (Anmerkung Andreas Stricker: auf Twitter, Facebook…) die Gesetzmäßigkeit erkannt, daß jeder, der mir widerspricht, ein Idiot ist und schon verloren hat.

Unterweger’s Law

Mit der Länge eines Threads steigt die Wahrscheinlichkeit, daß irgend ein Diskussionsteilnehmer vorschlägt, das Wort „Intoleranz“ in den Newsgruppennamen aufzunehmen.

Schulte’s Law

Flameversuche gegen Frauen beginnen immer mit „Du bist häßlich“.

Weiland’s Law

Sobald sich in einem Thread ein weiblicher Poster zu Wort meldet, hat dieser automatisch die ganze Aufmerksamkeit der Newsgroup, was den Tod des urprünglichen Themas mit sich zieht.

Bauer’s Law

Leute, die ihren „Dr.“ in das Absenderfeld aufnehmen, sind irgendwie sonderbar.

(Anmerkung Andreas Stricker: «… oder in ihre Twitter/Facebook-Bio…»

Gienger’s Law

Die Wichtigkeit eines Newspostings im Usenet ist reziprok zur Anzahl der enthaltenenen, kumulierten Ausrufungszeichen.

Hügelschäfer’s Law

Beiträge werden dort gepostet, wo sie den größten Widerstand hervorrufen.

Gröschel’s Law

Je mehr Postings nötig sind, um einen Diskussionsgegner bei einem einzigen Diskussionsaspekt argumentativ in die Ecke zu manövrieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß man vergisst, was man eigentlich beweisen wollte, wenn es dann doch mal klappt.

Definition der Indifferenz eines Diskussionsergebnisses:
Sobald die Beteiligten in einer Diskussion vergessen haben, was man eigentlich beweisen wollte, endet die Diskussion mit einem Unentschieden.

Hüls‘ Verallgemeinerung (Gesetz der großen Zahlen für das Usenet)

Mit steigender Threadlänge steigt trivialerweise die Wahrscheinlichkeit jedweden beliebigen Verhaltens der Diskussionsteilnehmer, das nicht an sich unmöglich ist.

Anomalie:
Die Wahrscheinlichkeit, daß die Diskutanten den Thread früh beenden, steigt vermutlich nicht mit der Threadlänge.

Kohrssches Law

Jeder, der eine Diskussion aufgrund eines oder mehrerer Laws verloren hat, behauptet, daß diese Laws sowieso Blödsinn sind.

Raimund’s Law

Wer sich provozieren läßt, hat verloren.

Sanio’s Law

Hängt jemand lange genug in den de.admin-Gruppen (incl. dsn, dnq und daa) rum, „entdeckt“ sie/er früher oder später einen nach ihr/ihm zu benennenden gesetzesartigen Zusammenhang.

Bachem’s Law

Jeder Thread läßt sich in einen Teethread umbiegen.

Mangelsdorff’s Anmerkung:
Wer innerhalb eines Teethreads nach dem Teethread fragt, neigt zur Rekursion.

Fornefeld’s Law

Jeder Thread landet irgendwann in daaa’ooo. (= de.alt.arnooo)

Hüls‘ Korollar zu Fornefeld’s Law

Jeder Usenet-Teilnehmer landet irgendwann in de.alt.arnooo.

Fuchs‘ Paradoxon

Wer eine allgemeine Frage beliebigen Themas nach de.alt.arnooo postet und eine ernsthafte Antwort erwartet, ist dort eigentlich ziemlich ontopic.

Schmitt’s Law

Je länger ein Thread in drm wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, daß es um Bier geht. Die Breissn haben dann automatisch verloren.

(Anmerkung der Einreicherin Kathinka Diehl: „IMHO sollte es aber nach dem Entdecker ‚Schmitts Law‘ heißen, nicht Florschütz. Philipp hat es ja nur befolgt.“)

Das Peukert-Law

Jeder will sein eigenes Law haben.

Krahl’s Erweiterung von Peukert’s Law

Wer irgendeine Gesetzmäßigkeit erfindet, nur um seinen Namen in der Law-Liste wiederzufinden, hat verloren.

Das Pommer’sche Law

Jeder Thread führt einmal zu einer Law- bzw. Meta-Law-Diskussion.

Brügmann’s Law-Law

In jeder Diskussion über die Usenet-Laws kommt der Zeitpunkt, wo die Laws als Gesetze betrachtet werden, die z.B. in Kraft treten können. Wer damit anfängt, hat verloren und die Diskussion ist sinnlos geworden.

Suter’s Second Law

Wenn jemand fragt ‚gibt es schon ein Law für…‘, dann wird jemand anders das Law nach dem Frager benennen.

Esken’s Law

Wer anderen unter Hinweis auf Aussagekraft oder Usenetspezifischkeit etc. ein Law verwehrt, hat automatisch verloren.

Braun’s Law

Wenn jemand versucht, ein Law zu kreieren, wird ein anderer ihm unter Verwendung bereits bestehender Laws klar machen, daß das Law bereits existiert.

Esken’s Große Frage

Wie kommt es eigentlich, dass kein Law im Rohzustand überlebt, sondern immer noch einer Überarbeitung der Formulierung bedarf?

Lemken’s Law

Wer „You lose“ schreibt, hat automatisch verloren.

Brügmann’s Induktion

Nach dem n-ten Law gibt es auch immer noch ein n+1-tes Law.

Brügmann’s Law-Erfüllung

Immer dann, wenn nach einem der Laws gefragt wird, erfüllt sich nach kurzer Zeit eins der Laws.

Mickey’s Verschärfung

Es wird immer genau das Law erfüllt, nach dem gefragt wird.

Barth’s Law

Ab einem gewissen Zustand der Lawdiskussion erfüllen die Leute nicht nur Laws, sondern schreiben es auch gleich in ihre Postings.

Perkowsky’s Law

Wer im Laufe einer Diskussion die Erfüllung eines unzutreffenden Laws reklamiert, um damit die Diskussion als beendet gelten zu lassen, hat verloren.

(Originalartikel)

Haug’s Law

Je länger eine Usenet-Diskussion andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand mit einem unpassenden Usenet-Law auftritt, um seinen Gegner zum Verlierer zu erklären. Derjenige hat dann automatisch verloren.

Peukert’s Second Law

Verwendet jemand Nazi- oder 3. Reich-Vergleiche in der Absicht, mittels Godwin’s Law so einen Thread zu beenden, so hat dies keinen Effekt.

Barth’sches Axiom

Die Menge der registrierten Laws wird immer endlich sein. Aber es gibt unendlich viele Laws – nur sind die meisten nicht registriert.

Die These lautet also:
Die Laws existieren – man muß sie nur noch hinschreiben und benennen.

Krahnke’s 1.Folgerung

Wenn es erstmal eine kritische Menge Laws gibt, werden zwangsläufig immer mehr Trivialitäten als Law identifiziert.

Weimer’s Korollar

Ab einer gewissen Länge tendiert jeder Thread dazu, selbstbezüglich zu werden.

Das Donnerhacke-Axiom

Zeigt ein Thread Selbstbezüge, wird er rekursiv und das Usenet fraktal. Der Einbringer des Selbstbezuges hat verloren.

Formulierung von Dieter Brügmann: „Ab einem bestimmten Grad der Selbstbezüglichkeit eines Threads wird irgendein Spaßvogel fragen, was eigentlich ‚Rekursion‘ bedeutet. Der Thread sollte dann sofort gekündigt werden, da sein Sinngehalt damit gegen 0 geht.“

Das Dauer/Kottenhahn-Law

Teil 1:
Jemand, der in einer Diskussion das Argument „[ ] Du hast verstanden.“ oder sinngemäße Aussagen wiederholt verwendet, hat verloren.

Teil 2:
Jemand, der während einer Diskussion beleidigende Behauptungen aufstellt und diese damit begründet, daß auch andere dies so sehen würden, hat verloren.

Teil 3:
Jemand, der zwar Kritik austeilt, aber keine begründeten Einwände gegen diese Kritik akzeptiert, sondern die eigene Meinung als die einzig richtige darstellen will und den Diskussionspartner daher als kritikunfähig diffamiert, hat verloren.

Ringeisen’s Law

Wer immer dem anderen – ohne auf seine Argumentation einzugehen – vorwirft, er argumentiere „politisch korrekt“, hat das Anrecht verloren, in diesem Punkt ernst genommen zu werden.

Müller’s Law

Wer (ausschließlich) mit „no comment“, „no reply“, „kein Kommentar“ o.ä. antwortet, hat verloren.

Herrmann’s Law

Wer mit Rechtschreib- und Tippfehlern eines Diskussionsteilnehmers argumentiert, hat verloren.

Hartge’s Law

Wer sich an einem Spelling-Flame versucht, wird unter Garantie die angemeckerten Fehler selber begehen.

Hoffmann’s Erweiterung:
Diejenigen, die sich am lautesten über Crosspostings beschweren, crossposten selbst weiter, ohne ein Followup-To zu setzen. War bereits eins gesetzt, wird es natürlich nicht bemerkt.

Aller’s Law

Je geeigneter ein Autor seinen Ausspruch für eine Signatur empfindet, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ihn tatsächlich in einer Signatur verwendet.

mico’s Law

Je länger eine Diskussion dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand einen absolut sinnlosen Ausdruck seines Diskussionspartners in die eigene Signatur aufnimmt.

Krahl’s Law

Nach der Erfüllung eines der Usenet-Laws ist die Diskussion beendet. Wer dennoch weiterdiskutiert, hat es nur noch nicht gemerkt.

pi’s refinement of Krahl’s Law

Wer unter Anwendung eines einschlägigen Usenet-Laws das Ende einer Debatte postuliert und sie dann dennoch fortsetzt, schießt sich selbst ins Knie.

rolfzwei’s Law

Immer wenn einer erklärt, er sei kein Usenet-Diktator oder er wolle nicht die Weltherrschaft erlangen, hat er gewonnen und der Thread ist beendet.

Übrigens: Das Usenet ist noch nicht tot, die Infrastruktur noch vorhanden. Usenet-Gruppen sind u.a. über Google Groups zu finden, so z.B. die Schweizer Gruppen ch.talk oder ch.soc.politics. Wie man aber schnell feststellen kann, ist dort praktisch nur noch Spam zu finden.

Als um die Jahrtausendwende das Internet die grossen Massen erreichte und immer mehr Leute auch ins Usenet drängten, was das Führen gesitteter Diskussionen immer schwieriger machte, wurde in der Schweiz noch die moderierte Gruppe ch.talk.moderated eröffnet. Spam gibt’s dort keinen – der letzte Beitrag stammt vom November 2018.

Eines der wichtigsten Lernziele: Medienkompetenz

Bild: CC alogenius (Flickr)

Bild: CC algogenius (Flickr)

Immer wieder mal wird man – ob man will oder nicht – mit dem Thema Medienkompetenz konfrontiert. Aktuell führe ich gerade eine Diskussion in einem Social Network, wo ich mir zu dem Thema wieder mal Gedanken mache.

Dies ist kein recherchierter oder mit Quellen abgeglichener Blogpost, sondern ich stelle hier lediglich dar, was Medienkompetenz für mich bedeutet.

Wer medienkompetent ist, ist nicht nur in der Lage, sich bei verschiedenen, gegensätzlichen Quellen zu informieren, sondern erkennt vielmehr sogar die Notwendigkeit darin, eine Information von einer Seite immer auch mit einer Zweitmeinung von anderer Seite zu vergleichen, die durchaus auch widersprüchlich sein kann. Wer medienkompetent ist, weiss auch mit solchen Widersprüchlichkeiten umzugehen.

Zur Medienkompetenz gehört für mich somit:

  • das bewusste Konsultieren verschiedenster, sich durchaus auch widersprechender Quellen;
  • das Abgleichen und Einordnen widersprüchlicher Informationen;
  • die Gewichtung dieser Informationen;
  • Die Information einer Quelle nicht einfach zu glauben, ohne sie vorher mit einer möglichst gegensätzlichen Quelle verglichen zu haben;
  • die abschliessende individuelle Einschätzung, wie glaubwürdig eine bestimmte Information ist, wobei diese Einschätzung stets eine momentane ist. Sie kann und soll sich entsprechend anpassen, wenn neue Informationen vorliegen.

Indizien für die Abwesenheit von Medienkompetenz sind:

  • eine Quelle für unglaubwürdig zu halten, nur weil eine andere Quelle dies behauptet;
  • eine Quelle für unglaubwürdig zu halten, weil sie eine Position vertritt, die der eigenen widerspricht;
  • Urteile zu einem Thema zu bilden, ohne sich sachlich damit auseinandergesetzt zu haben;
  • jede Form von Lagerdenken

Je medienkompetenter die Öffentlichkeit, desto schwieriger wird es für Parteien jeglicher Couleur, irreführende Nachrichten, neudeutsch Fakenews, zu verbreiten. Daher ist für mich Medienkompetenz eines der wichtigsten schulischen Lernziele überhaupt.

Deutsch In Schrieft Und Sprache!!!

Deutsch In Schrieft Und Sprache

Immer wieder höre ich im Schulalltag, dass die Schüler besser wieder richtig schreiben lernen, statt sich mit Zeugs wie diesem Internet zu beschäftigen. Dazu antworte ich jeweils: Beides ist wichtig, weil beides im Leben sowie im späteren Berufsalltag der Kinder gebraucht wird. Medienkompetenz brauchte der Transportunternehmer, um sein Inserat erfolgreich auf die Online-Stellenbörse raufzuladen. Doch ich räume ein, dass hinsichtlich seiner Kompetenzen in Rechtschreibung und Grammatik wohl noch Nachbesserungspotenzial besteht.

Bild der Woche: Instagram

Friends Graffity

Spam und Bots waren schon lange ein Ärgernis auf Instagram, um nicht zu sagen „Instaspam„. Nun endlich hat Instagram reagiert und – nicht ohne vorherige Ankündigung – ein paar Millionen Bots gelöscht, was überfällig war. Das hat dazu geführt, dass Instagram-Nutzer über Nacht einige Follower verloren, oder je nach (vermeintlicher) Popularität eben ein paar Millionen. Nicht richtige Follower, sondern imaginäre Follower; eben Bots, deren Daseinszweck einzig und allein darin bestand, die Followerzahlen anderer Nutzer aufzublähen. Also keine Menschen aus Fleisch und Blut, die anderen Nutzern gefolgt waren, weil sie deren Bilder so toll fanden.

Die Massnahme war überfällig. Dennoch hat sie bei etlichen Usern zu Proteststürmen geführt. Lieber mehr falsche „Fans“ als weniger echte; Hauptsache der Follower-Count ist möglichst aufgebläht. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Mein Instagram-Account ist übrigens seit einigen Monaten ziemlich verwaist. Stattdessen hab ich dafür Flickr wiederentdeckt. Nicht dass ich dort besonders aktiv wäre, aber die Community ist interessant und die Qualität der Bilder hoch.

Bevormundung durch die Wоrdpress-Sprachpolizei

Wоrdpress – eine Internet-Plattform zum Hosten von Blogs, auf der auch dieser iScoutblog produziert wird – hat eine je nach Sichtweise lustige, seltsame oder nervende Angewohnheit: Schreibt man den Namen „Wоrdpress“ in irgend einen Blogpost, so wird aus dem Wort automatisch „WordPress“ mit Binnenmajuskel, so wie die Firma WоrdPress™ ihren Namen gerne geschrieben sieht. Ich persönlich finde solcherlei Bevormundung eher nervend als lustig.

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Wie ich es trotzdem geschafft habe, „Wоrdpress“ zu schreiben? Ganz einfach: Ich schreibe „Wrdpress„, schalte meine Tastatur auf kyrillische Schrift um (also zum Beispiel auf Russisch) und füge zwischen dem W und den r ein kyrillisches о hinzu – voilà.

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Emojis: Mehr als eine Spielerei

Mailbox-App mit Emojis

Mailbox-App auf dem Mac mit Emojis.

Ich mag Emojis. In Mails oder SMS finde ich sie zwar durchaus entbehrlich (bei zurückhaltender Anwendung nett, bei übertriebener eher nervend), doch in meiner persönlichen Arbeitsorganisation sind sie mittlerweile ein fester Bestandteil. Dies weil sie bunt und auffallend sind. Als visueller und im Grunde genommen organisierter Mensch (jedenfalls in Computerdingen; in meinem Arbeitszimmer siehts zuweilen anders aus) mag ich es, Dinge auf den ersten Blick zu erfassen. Und hierbei sind mir Emojis sehr hilfreich.

Während mich die neue Google Inbox zumindest in ihrer Beta-Phase noch nicht wirklich überzeugt, bin ich von der Mailbox App seit längerem schwer angetan. Als Jünger von David Allen und Anhänger des Zero Inbox Prinzips ermöglicht es mir die App, meinen Mail-Posteingang in wenigen Handstreichen leerzufegen und die Dinge so zu sortieren, dass mir der Überblick darüber gewahrt bleibt und ich sicher bin, dass auch nichts vergessen geht. Dass es sie Mailbox App nun seit wenigen Wochen auch für den Mac gibt (als Beta-Version), bedeutet für mich, dass ich mich der Perfektion meines Workflows annähere.

Und was haben nun die Emojis damit zu tun?

Mailbox App iPhone

Mailbox-App mit Emojis auf dem iPhone.

Weil sie bunt und auffallend sind erlauben sie mir einen prägnanten Überblick über meine Pendenzen. und ergänzen die Symbole der Mailbox-App in einer für mich sinnvollen Weise. Der Einsatz von Emojis beschränkt sich bei mir nicht auf die Mailbox, sondern auch auf andere Instrumente meiner Arbeitsorganisation wie etwa OmniFocus.

Da Emojis nicht für den Zweck erfunden wurden, zu dem ich sie verwende, wünsche mir noch viele weitere Emojis. Nicht noch mehr Smilies und Herzchen (von denen hat es nun definitiv genug), sondern solche, die für meine Arbeitsorganisation besser von Nutzen wären.

Emojis