Medien

Darf eine Lehrperson politisch sein?

Um meine persönliche Antwort auf diese Frage gleich vorwegzunehmen: Ich meine ganz klar ja!

Soziale Netzwerke: Darf sich eine Lehrperson im Internet noch politisch äussern?

Soziale Netzwerke: Darf sich eine Lehrperson im Internet politisch äussern?

Doch das sehen nicht alle so. An einem Referat am diesjährlgen Kadervernetzungstag in Wil empfahl ein Mitarbeiter des Thurgauer Amts für Volksschule uns Lehrpersonen, sich auch privat im Internet möglichst nicht politisch zu äussern. Diese Aussage hat mich damals sehr gestört. Kann es wirklich sein, dass ich als Bürger meine politische Meinung nicht mehr kundtun soll, nur weil mein Arbeitgeber zufällig eine Primarschule ist?

Andreas von Gunten widmet sich auf seinem Blog ebendieser Frage. Ausgehend von einer Rüge, die ein SRF-Journalist von seinem Chefredaktor für eine private politische Äusserung auf Twitter erhielt, hinterfragt von Gunten diese Vorgehensweise kritisch und weitet sie gleichzeitig auf weitere Berufsfelder wie Behördenmitarbeiter, Angestellte von grösseren Unternehmen, die unter einer gewissen öffentlichen Beobachtung stehen, und eben auch Lehrpersonen aus. → Eine Rüge wegen Twitter, die nicht nur Journalisten betrifft

Keine „Maske des Haltungslosen“

Andreas von Gunten kommt dabei zum Schluss:

Ich bin der Meinung, (…) dass es zur moralischen Bildung des Menschen gehört, möglichst oft mit anderen Meinungen auch zu kontroversen Themen konfrontiert zu werden. Weiterhin muss es so sein, dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Ansichten zusammenarbeiten und zusammenleben können müssen. Dass sollte aber nicht dadurch erreicht werden, indem der eigentliche Mensch, hinter einer „Maske des Haltungslosen“ verschwindet, sondern dadurch, dass gegenseitiger Respekt bei gleichzeitiger Kritikfähigkeit gelebt wird.

Nur weil ich Lehrer bin, brauche ich deswegen nicht gleich meine politischen Einstellungen unter den Tisch zu kehren. Klar ist, dass ich mich mit politischen Äusserungen zurückzuhalten habe, wenn ich in meiner Funktion als Lehrperson auftrete. Doch auch wenn es zuweilen heisst, Primarlehrer sei ein Beruf, an dem es keinen Feierabend gebe: Wenn ich am Abend das Schulzimmer abschliesse und nach Hause gehe, bin ich nicht mehr in erster Linie Lehrer, sondern Privatmensch mit staatsbürgerlichen Rechten. Und zu diesen gehört selbstverständlich auch die Meinungsäusserungsfreiheit.

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ICT in der Schule: Integrativ alleine reicht nicht

Primarlehrer sein ist ein Beruf, in dem man nicht selten vor Widersprüche gestellt wird. So wird beispielsweise von uns gefordert, dass wir den Unterricht individualisieren und jedes Kind nach seinen gegebenen Fähigkeiten und Entwicklungsstand fördern, gleichzeitig aber müssen wir Lernziele erreichen, die für alle Kinder in der ganzen Klasse genau die gleichen sind. Wie Remo Largo im Buch Schülerjahre feststellt, sind das zwei Forderungen, die sich fundamental widersprechen. Man kann nur eines haben; beides zusammen geht nicht. (Wobei Remo Largo die Auffassung vertritt, dass es allein schon eine Illusion ist, Klassenlernziele umfassend zu erfüllen, und deshalb vehement für eine Individualisierung des Unterrichts plädiert, aber das ist ein anderes Thema.)

„Es gibt kein Fach ICT“

Für den…

Für die Vermittlung von ICT gibt es sehr gute Lehrmittel, sowohl für den integrativen Ansatz…

Ein anderer Widerspruch, mit dem wir Lehrpersonen in der Primarschule konfrontiert sind, betrifft das Thema ICT: Zu recht wird von der Schule verlangt, dass sie sich technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verschliesst, und so sollen wir unseren Primarschülern auch Kompetenzen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien, eben IKT oder ICT, beibringen. Weil der Stundenplan jedoch eine heilige Kuh ist, bei dem den geringsten Änderungen und Anpassungen jahrelange politische Diskussionen vorausgehen, gibt es im Kanton Thurgau laut dem Amt für Volksschule kein Fach ICT, was bedeutet, dass die gesamte Vermittlung von ICT integrativ in den gewöhnlichen Regelunterricht eingebettet werden soll.

Wenn ich hier stutzig werde, kann ich mich auch hier auf Aussagen anderer Leute aus der Bildungslandschaft berufen, so etwa auf Thomas Merz, Prorektor für Forschung und Wissensmanagement und Fachbeauftragter für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Thurgau, der hinsichtlich der integrativen ICT-Kompetenzvermittlung auf Zeit online sagte:

«Das integrative Konzept macht zwar theoretisch Sinn, aber in der Umsetzung funktioniert es offensichtlich nicht.»

Meiner Meinung kommt es sehr darauf an, von welchen Bereichen in der ICT wir sprechen. Geht es darum, zu lernen, wie man ein Word-Dokument formatiert oder Massnahmen gegen Datenverlust trifft, so kann solches durchaus integrativ zum Regelunterricht vermittelt werden, indem man die Kinder am Computer arbeiten lässt, ihnen wo nötig entscheidende Tipps gibt, jedoch auch den Raum zum Ausprobieren und für Selbsterfahrungen lässt.

Gerade in den wichtigen Bereichen sind wir besonders gefordert

… als auch für die vertiefende Vermittlung spezifischer Themen in Lektionsreihen.

… als auch für die vertiefende Vermittlung spezifischer Themen in Lektionsreihen.

Geht es hingegen um Kompetenzen wie den Umgang mit persönlichen Daten (eigenen oder fremden) im Internet, Verhaltensregeln zur sicheren Online-Kommunikation oder virtuelle Identitäten, greift der integrative Ansatz klar zu kurz. Dabei sind gerade dies nicht nur die wichtigen, sondern auch die interessanten und herausfordernden Bereiche. Hier sind wir Lehrpersonen als Pädagogen gefragt, und hier können wir den Kindern durchaus auch einiges vermitteln – sofern wir selber die entsprechenden Kompetenzen mitbringen. Eine anspruchsvolle Aufgabe!

Das mit dem integrativen Ansatz halte ich trotzdem nicht für falsch. Um die von uns geforderten ICT-Standards zu vermitteln braucht kein eigenes Fach ICT. Wo wir meiner Meinung nach jedoch nicht herumkommen, wenn wir das Vermitteln von sozialen und kommunikativen Aspekten der ICT gewissenhaft machen wollen, sind Gefässe von ein paar wenigen Lektionen im Jahr, in denen wir diese Kompetenzen gezielt vermitteln. Dies müssen wir uns jedoch nicht alles selber aus den Fingern saugen; es gibt hierzu bereits sehr gute Lehrmittel, die uns dabei unterstützen. Mehr davon im nächsten in einem späteren Blogpost.

Jugendliche und Soziale Medien – kein Grund zur Panik

Von Eltern- und Erzieherseite (zu letzteren darf man wohl auch Lehrpersonen zählen) herrscht nach wie vor viel Unsicherheit darüber, wie Kinder und Jugendliche mit den so genannten Neuen Medien umgehen, welche Grenzen man von Erzieherseite setzen soll, ob und wie gewisse Themen thematisiert werden sollen, wo man den Nachwuchs bei seinen Erkundigungen ungestört lassen soll und wo klar elterliche bzw. pädagogische Führung gefragt ist.

NetzgemüseAn dieser Stelle möchte ich das Buch Netzgemüse von Johnny und Tanja Häusler beliebt machen. Man kann es in Fragen „Aufzucht und Pflege der Generation Internet“ (so der Untertitel des Buches) wohl mittlerweile zu den Standardwerken zählen – meines Erachtens völlig zu Recht. Selber Eltern von zwei Jungs im Teenager-Alter spricht das Autoren-Paar aus Erfahrung. Es nähert sich dem Thema mit der nötigen Coolness, ohne dabei die real bestehenden problematischen Seiten zu verharmlosen. Grundsätzlich anerkennen sie die technische Entwicklung der Medien aber nicht nur als Fakt („Nein, das Internet wird nicht abgestellt!“), sondern vor allem auch als Chance.

Die erzieherische Grundhaltung des Buches lässt sich in folgender Analogie beschreiben: Das Internet ist wie eine Stadt, in der die Kinder aufwachsen. Grundsätzlich können und sollen sich die Kinder ab einem gewissen Alter durchaus auch mal unbeaufsichtigt in dieser Stadt bewegen dürfen. Allerdings nicht immer und auch nicht überall. In der Stadt gibt es nicht nur Spielplätze und Eisdielen, sondern auch Viertel, in dem sich die Kinder lieber nicht aufhalten sollen. Hier sind nun die Erzieher gefragt, welche den Kindern aber ihre selbständigen Stadterkundungen nicht gleich grundsätzlich verbieten sollen, deren erzieherische Pflicht es aber ist, die Kinder auf problematische Gegenden hinzuweisen und sie über mögliche Gefahren aufzuklären.

Jugendliche kennen durchaus eine Privatsphäre in der Netzöffentlichkeit, die aber von Eltern nicht wahrgenommen oder gar übertreten wird.

Aus Erwachsenensicht verhalten sich Kinder und Jugendliche im Internet oft vermeintlich sorglos. Manchmal kann der Eindruck aber auch täuschen: Wie im richtigen Leben stellt der Nachwuchs manchmal ganz ohne Einfluss der Eltern seine eigenen Anstandsregeln auf, die von den Erwachsenen aber nicht immer gleich verstanden werden. Teenager haben für den Aufenthalt bei Facebook & Co. offenbar durchaus soziale Codes entwickelt. So gibt es unter Jugendlichen im Internet offenbar „eine Privatsphäre in dieser Netzöffentlichkeit, die aber von Eltern nicht wahrgenommen oder gar übertreten wird“, wie auf Telepolis nachzulesen ist.

SRF-Musikpodcasts nur für die Schweiz

SRF PodcastDa tuckert man also gemütlich durch Südengland, vorbei an Kornkreisen und jungsteinzeitlichen Dolmen, und als die Gegend nach ein paar Stunden etwas eintöniger wird und man sich allmählich auch an den Linksverkehr gewöhnt hat, möchte man gerne via Smartphone ein paar Musik-Podcasts anhören, die man sich extra für die Autoferien aufgespart hat. Aber nix da! Die Dauer des Podcasts beträgt nicht wie gewohnt etwa 56:21 Minuten, sondern exakt 13 Sekunden. Gerade lange genug für den SRF-Podcast-Jingle und den Satz: „Dieser Podcast von Schweizer Radio und Fernsehen ist aus urheberrechtlichen Gründen nur in der Schweiz verfügbar“. (Für eine Entschuldigung ist in den 13 Sekunden leider kein Platz mehr.) Das Erstaunen, wie man das bei SRF technisch wieder hingekriegt hat, weicht nach 0,1 Sekunden dem Ärger darüber.

Wer kennt nicht die ermüdenden Rechtshinweise nach jedem Einlegen einer Film-DVD oder ist auf Youtube noch nie auf den Satz gestossen: „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar“ – die Ausgeburten einer auf maximalen Profit ausgelegten Content-Industrie. Ein neuartiges Erlebnis ist für mich, dass auch Podcasts nicht davon ausgenommen sind.

Nachtrag 23. Juli

Um es genauer zu wissen, habe ich beim SRF-Kundendienst via Kontaktformular nachgefragt, wo ich folgende Antwort erhielt:

«Neuerdings können unsere Sendungen im Ausland nicht mehr herunterladen und nachgehört werden. Dazu haben wir die folgende Erklärung: SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) hat einen Vertrag mit der IFPI (IFPI Schweiz ist der Dachverband der Ton- und Tonbildträgerhersteller in der Schweiz) der vorschreibt, dass Musiksendungen zum Nachhören und auch als Podcast nur noch in der Schweiz abrufbar sein dürfen. Es gab bisher eine mit der IFPI vereinbarte Pilotphase, in der Musiksendungen zum Nachhören als Stream verfügbar waren und Musikpodcasts wurden während 28 Tagen weltweit zum Download angeboten.»

Die Einschränkung betrifft also offenbar nur Musik-, nicht aber Nachrichtensendungen. Auf meine Rückfrage, auf welche Weise SRF meinen Standort ermittelt, hiess es:

«Wenn Sie eine Sendung auf Ihrem Gerät speichern, so wird zu diesem Zeitpunkt die IP-Adresse überprüft. Somit können Sie Sendungen, wenn Sie in der Schweiz sind, herunterladen und später im Ausland hören.»

Das deckt sich mit meiner Erfahrung: Nur ein SRF-Podcasts ist bei mir nicht vorhanden. Zum Zeitpunkt des Downloads dieses Podcasts muss ich mich gerade in Deutschland aufgehalten haben.

Social Networks – wie social darf es sein?

Ich glaube, mich zu Recht zu den Early Adoptern im Internet zählen zu dürfen – auch was Social Networks betrifft. Kaum hatte zu Hause mein Analog-Modem, das mir Zugang ins Internet verschaffte, trieb ich mich auch schon im Usenet rum. Das Usenet ist älter als das www (World Wide Web), was aber nicht mehr als ein interessanter Fakt für Netzhistoriker ist, denn im Zeitalter von Facebook und Twitter spielt es heute für die meisten Leute kaum mehr eine Rolle. Dabei kann man es aus gewissen Gesichtspunkten durchaus als einen Urahn der heutigen Social Networks bezeichnen.

Als ich mich also damals, 1999, vermehrt in diesem Usenet rumtrieb (bevorzugt in ch.talk, später auch öfter in ch.soc.politics) und dort auch etliche durchaus interessante Bekanntschaften machte, tönte es aus dem Umfeld in meinem sogenannten Real Life: „Aber was verbringst du da auch so viel Zeit – das sind doch alles keine echten Bekanntschaften!“ Falsch!, wusste und entgegnete ich schon damals. Allein schon die Diskussionen, die wir führten, waren wie im echten Leben: Manchmal spassig, es wurde auch viel geblödelt, aber auch viel politisiert, gestritten und wieder versöhnt (oder auch nicht), verbündet – und man traf sich auch in eben diesem Real Life in mehreren ct-Treffs. (Historisch für alle, die dabei waren: der ct-Treff 1 in der Pizzeria Molino in Winterthur, von dem leider keine Bilder mehr online sind.)

Irgendwann im Laufe der Zeit hatten Neonazis und andere Trolls mit zweifelhafter Motivation die Oberhand über ch.talk gewonnen. Ein Versuch mit einer moderierten Gruppe namens ch.talk.moderated gelang nur halbwegs – die Gruppe dümpelt mit wenig Teilnahme vor sich hin. Gewisse Bereiche des Usenet sind aber bis heute durchaus rege belebt, oder es finden dort zumindest bereichernde Diskussionen statt. Es sind dies jedoch vor allem Gruppen in spezifischen Fachbereichen wie etwa ch.soc.law, de.comp.sys.mac.misc etc. Was ch.talk betrifft, waren aber schon vorher die meisten der alten ch-Talker in die bekannten Social Networks wie Twitter, Facebook, Google+ emigriert – oder auch nach Instagram.

social-networksAuf Instagram traf ich auch rookie74 (Name geändert). Sie lebt in einer wunderschönen Gegend Nordenglands, die wir in unseren Ferien vor zwei Jahren selber bereist haben. Auf der Suche nach Bildern von dort traf ich eben auch Rookie74. Eine sympathische Frau mit Familie, leicht hippiemässiger Lebensstil, viele schöne Landschaftsaufnahmen und Bilder ihrer Kinder. Mir gefielen ihre Aufnahmen immer sehr gut. Wir kommentierten auch ein paarmal gegenseitig unsere Bilder, wie mans auf Instagram halt so macht.

Nun fahre ich diesen Sommer mit dem Auto nach Schottland. Eine gute Gelegenheit, die Swaledales wieder zu besuchen, und warum bei dieser Gelegenheit nicht auch gleich einen Abstecher bei Rookie machen? So schrieb ich in das damals aktuellste Bild ihres Fotostreams: „I’m driving to Scotland this summer some time end of July Any chance of visiting you on the way…?“

Da hab ich wohl irgend etwas falsch gemacht. Rookie74s Reaktion war jedenfalls, dass sie mich – nein, nicht einfach nur entfolgte, sondern blockierte. Das hinterlässt nun doch ein komisches Gefühl. Hält sie mich nun für einen Stalker? Ich muss es fast annehmen. Wirklich wissen werde ich es wohl nie. Ich werde in ein paar Tagen zwar wie geplant in die Swaledales fahren, aber dort sicher nicht Rookie74 aufsuchen, um sie das zu fragen.

Gelernt habe ich aber Folgendes: So nett eine Bekanntschaft in einem Social Network auch sein mag – ein Treffen im „Real Life“ muss deshalb nicht unbedingt erwünscht sein.

Jetzt wird wieder eisern gebloggt

Schlafen im BüroBei Spiegel online habe ich zum ersten Mal von Ironblogging gehört – offenbar ein relativ neuer Trend, da noch nicht einmal ein Wikipedia-Artikel dazu existiert. Die Grundregeln einfach: Ironblogger verpflichten sich, jede Woche mindestens einen Blogbeitrag zu veröffentlichen, und wers versäumt, der zahlt einen kleinen Beitrag in eine gemeinsame Kasse, die einmal im Jahr bei einem Treffen geleert wird. So sind Ironblogging-Gruppen auch regional organisiert, denn man will ja selbst für einen gemütlichen Abend nicht unbedingt ans andere Ende Europas fahren.

Jedenfalls wurde mir sogleich bewusst, dass ich nebst dem iscoutblog ja noch den einen oder anderen weiteren Blog in die Welt gesetzt habe, der nun vor sich hindämmert.

Auf der Suche nach Ironbloggern in meiner Region bin ich bald einmal auf IronBlogging Bodensee gestossen. Zur Zeit meiner Anmeldung am 3. Juli noch ein überschaubares Grüppchen von 13 Boggern aus der Bodensee-Gegend, allesamt von der deutschen Seite. Eine gute Gelegenheit, auch mal Kontakte jenseits der Grenze kennenzulernen, die wir ja trotz längst offenen und kaum mehr sichtbaren Grenzen viel zu wenig pflegen.

So habe ich hiermit meinen ersten Ironblogging-Beitrag veröffentlicht. Obwohl mir schon noch zwei oder drei iScout-Themen in den Sinn kommen, über die es sich zu bloggen lohnt, könnte die nächste Zeit wohl anstrengend werden, denn in knapp zwei Wochen gehts erst mal für eine Weile nach Schottland (nein, nicht nach Russland und ans Nordkap). Mal sehen, wie viele der vier Ferienwochen, die mir IronBlogging Bodensee zur Verfügung stellt, ich für diese Zeit einsetzen werde.

Gratis surfen im Schulnetz

An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.

Erich Kästner

Stell dir vor, du bist der Verwalter eines Schulhauses. Im oberen Stock des Schulhauses gibt es eine Wohnung, die während einigen Monaten leer gestanden ist, nun aber einen neuen Mieter hat. Leider ist in der Wohnung die Dusche kaputt. Weil die Reparatur der Dusche ein bisschen Geld kosten würde, hat jemand auf dem Schulbüro die glorreiche Idee, dass der neue Mieter ja einfach die Duschen der Turnhallengarderobe benutzen kann. Dazu braucht er natürlich einen Schulhausschlüssel.

Doch in dem fiktiven Schulhaus gibt es nicht nur sanitäre Installationen, sondern es stehen und liegen auch Dinge rum wie teure Computer oder vertrauliche Schüler- und Personalakten, vielleicht auch mal private Wertgegenstände einer Lehrperson. Diese sind zwar in Schulzimmern eingeschlossen, welche aber mit einfachen Türschlössern versehen sind, die mit einem simplen Dietrich, den sich jeder technisch halbwegs Begabte in wenigen Minuten selber zusammenbiegen kann, geöffnet werden können. Doch nicht nur das: Es stellt sich heraus, dass der Schulhausschlüssel, den dem Mieter überreicht werden soll, auch noch zu anderen Schulhäusern im ganzen Kanton passt.

Nun sollst du, auf Auftrag von oben, dem neuen, völlig unbekannten Mieter also den Schulhausschlüssel überreichen. Weil du ein ernsthaftes Sicherheitsproblem erkennst, welches nicht nur das eigene Schulhaus betrifft, willst du das nicht tun. Von „oben“ heisst es: „Wir übernehmen die Verantwortung“. Doch weil schliesslich noch andere Schulhäuser ein potentielles Sicherheitsproblem haben, weigerst du dich weiterhin standhaft, so lange, bis es ultimativ heisst: „Bis heute Mittag hast du dem Mieter den Schlüssel überreicht“.

Würdest du also dem Mieter den Schlüssel geben?

Genau mit einer solchen Forderung sah ich mich letzte Woche konfrontiert. Natürlich nicht exakt der gleichen, sondern auf einer anderen Ebene: In die Schulhauswohnung war ein neuer Mieter eingezogen. Leider hatte die Wohnung keinen Internet-Anschluss eingerichtet. Nun sollte ich dem Mieter das WLAN-Passwort mitteilen, damit er über unser Schulnetz einen Internetzugang hat.

Was den Leuten auf der Schulbüro nicht klar war (und auch nach eingehenden Erläuterungen nicht einleuchten wollte): Unser Schulhaus hat, wie die meisten anderen, keinen Internetzugang wie ein gewöhnlicher Haushalt, sondern ist in das Wide Area Network des kantonalen Schulnetzes eingebunden. Die Chefs dieses Netzwerkes sitzen also nicht in meiner Schulgemeinde, sondern beim Kanton. Niemand in meiner Schulverwaltung ist berechtigt, mich zu beauftragen, einem Unbefugten Zugang ins Schulnetz zu verschaffen. So habe ich die Weitergabe des WLAN-Passwortes rundweg verweigert, was in einen relativ heftigen Streit mit einer Vorgesetzten mündete. Erst nach folgender Antwort von kantonaler Seite hatte ich Ruhe:

An der Freigabe eines WLAN-Passworts kann euch grundsätzlich niemand hindern, so lange es nicht um das Schulnetz geht – alle Risiken für euch als Schule inklusive.
Was aber nicht geht und von Swisscom klar kommuniziert wird – PPPSiN ist ein Angebot ausschliesslich für Schulen und die schulische Nutzung. Eine Nutzung für Privatpersonen ist nicht erlaubt.

Das Problem liegt meines Erachtens darin, dass es an unseren Schulen im IT-Bereich sehr wenige wirklich qualifizierte Leute gibt, sprich Informatiker mit einer entsprechenden grundlegenden Ausbildung. Dafür gibt es viele Freaks und Power-User, die auch ein bisschen was von der Computern und Netzwerken verstehen, deren Wissen allerdings an Grenzen stösst (also solche wie mich). Manche sind sich der Begrenztheit ihres technischen Horizontes bewusst, andere offenbar weniger (wobei ich mich natürlich zu ersteren zähle 😉 ). Und dann gibt es auch noch die, welche überhaupt keine Ahnung davon haben, sich aber manchmal schulintern an vorgesetzter Stelle befinden.

Natürlich hätte ich das WLAN-Passwort auch einfach weitergeben können. Ich hätte mir so wieder mal einigen Ärger erspart, und passiert wäre wahrscheinlich überhaupt nichts. Genauso wie wahrscheinlich überhaupt nichts passieren würde, wenn man einem Wohnungsmieter den Schulhausschlüssel in die Hand drückt, damit er in der Turnhallengarderobe duschen kann. Aber eben, nur „wahrscheinlich“: Denn wer weiss denn schon so genau, ob der Mieter vielleicht nicht auch noch ein paar Kollegen die Schulhaus-Infrastruktur mitbenützen lässt, oder ob womöglich ohne Wissen des Mieters Unbekannte ins Schulhaus reingehen, während die Türe offen steht…?

Ob „Befehl von oben“ oder nicht: Welcher Schulhausverwalter, der noch ganz bei Trost ist, würde bei so einem Unfug mitmachen?

Kinder im Medienzeitalter – Beitrag von Radio DRS

SRDRSJe länger je mehr werden Lehrpersonen – und nicht nur iScouts – mit der Frage „Kinder und Medien“ konfrontiert. Vor allem, wer in der Primarschule etwas intensiver mit Computern im Schulzimmer arbeitet, vielleicht sogar im Internet, hat bei manchen Eltern schnell Erklärungsbedarf.

Antworten auf viele Fragen liefert dieser Beitrag von Radio DRS.

Google Wave: Müssen wir das kennen?

Mal ehrlich: Wer von uns hat gewusst, dass es E-Mails schon seit bald 40 Jahren gibt?

Bei Google hat man sich die Frage gestellt: Wie würde E-Mail aussehen, wenn es heute erfunden würde?, und präsentiert nun Google Wave. Richtige Begeisterungsstürme sind unter den 100’000 glücklichen Testusern aber noch nicht ausgebrochen.

Müssen wir uns als Anwender im Allgemeinen und als iScouts im Besonderen schon mal etwas näher mit Google Wave befassen, oder ist diese Idee zum Scheitern verurteilt, einfach weil das menschliche Hirn im Gegensatz zum Computer nur ein begrenztes Mass an Informationen aufnehmen kann?

Wie Google Wave aussieht und wie es funktionieren soll, ist hier in einem kleine Werbefilmchen von Google dargestellt:

Und wo die Grenzen von Google Wave liegen könnten, sehen wir hier:

Spiele für den Unterricht

Bin beim Suchen auf diesen empfehlenswerten Link gestossen:

www.gruppenspiele-hits.de

Spiele für den Unterricht

Spiele für den Unterricht

Die Seite enthält eine umfangreiche und sehr gut strukturierte und dokumentierte Spielesammlung für alle möglichen Situationen in und ausserhalb der Schule: fürs Schulzimmer, die Turnhalle oder Feld und Wald, Kennenlernspiele oder Spiele für Mobbing-Interventionen oder einfach nur zum Überbrücken von Zeit.

Twitter: Massenhaft Belangloses, aber auch sehr Ernsthaftes

So weit wie in den USA sind wir bei uns noch nicht, doch eine konservative Partei aus Übersee ist offenbar dran, in Sachen moderne Kommunikationsmittel den Anschluss zu verlieren. Fast alle – bis auf einen Senator älteren Kalibers aus Iowa.

Doch ich muss zugeben, dass sich mir der Sinn von Twitter bislang auch noch nicht ganz erschlossen hat. Auf hundert belanglose Tweets kommt vielleicht mal einer, der mich wirklich interessiert, doch in der Regel ist es dann etwas, worauf ich kurze Zeit später in einem Blog sowieso gestossen wäre.

Doch bei einem ganz aktuellen Anlass spielt Twitter offenbar eine wichtige Rolle: Bei http://twitter.com/IranElection findet man quasi in Echtzeit Nachrichten aus dem Iran; die Twits tropfen da dieser Tage im Sekundentakt rein. Gestern Abend vor einer erneuten grossen Demonstration in Teheran überboten sich die Nachrichten an Dramatik. Allerdings sind diese Beiträge mit Vorsicht zu geniessen, denn es ist davon auszugehen, dass auch die Staatspropaganda mittwittert.

Schulgetwitter

Eine Lehrerin in Schottland hat über Twitter Nachrichten aus der Schule und über die Schule verschickt. Mit ein wenig Recherche findet man auch ein paar Auszüge aus ihrem Mini-Blog:

  • Had S3 period 6 for last two years…don’t know who least wants to do anything, them or me
  • Have three Asperger’s boys in S1 class – never a dull moment! Always offer an interesting take on things
  • The thought of having some of my S4 beyond exam time doesn’t bear thinking about – for them as well as me I suspect
  • Depute came in while I was logging on

Die Angelegenheit wird nun polizeilich untersucht, zumal in Schottland für Lehrpersonen während der Arbeit allein schon die Nutzung von sozialen Netzwerken (dazu gehört im übrigen auch Facebook) verboten ist. Wie der Tages Anzeiger schreibt, wird bezüglich möglichen Disziplinarmassnahmen ausschlaggebend sein, ob die Lehrerin negativ über namentlich genannte Schüler getwittert hat.

Regieren mit dem Internet

Wie heute unter anderem dem St. Galler Tagblatt zu entnehmen ist, setzt Barack Obama mit seinem Open Government auch im Internet neue Massstäbe.

Wie lange wird es wohl dauern, bis unser Bundesrat einen vergleichbaren Bürgerservice bietet? Werden es nur Jahre sein, oder müssen wir eher mit Jahrzehnten rechnen? 😉

Von unseren Bundesräten gibt es gegenwärtig nur einen, der – mittels Blog – mit dem Volk im Dialog steht, und das ist Moritz Leuenberger. Ich persönlich lese seine Einträge gerne. Sie sind meistens recht sozialkritisch (wie von einem Sozialdemokraten nicht anders zu erwarten), oft aber auch sehr unterhaltsam.

Chat mit der Nigeria Connection

Ein ebenso unterhaltsamer wie lehrreicher Beitrag im Tages Anzeiger über Gefahren im Internet und wie man ihnen begegnen kann. (Nicht vorbehaltlos zur Nachahmung empfohlen, da nicht ganz ungefährlich)

Mein Lieblingskommentar zum Artikel stammt von einem gewissen „Andi Matata“ (wohl ein Pseudonym):

Was dieser (weise) Nigerianer uns voraus hat; „er weiss, das jeden Tag ein Depp auf dieser Welt aufsteht, der Geldgeil und blöd ist“, das finde ich rationelles und professionelles Geld verdienen.

Vom Zynismus mal abgesehen, hat er im empfindlichsten Punkt leider recht: Der Grund, warum Spam überhaupt funktioniert, liegt darin, dass unter 100’000 Spam-Empfängern todsicher einer darauf antwortet und eine Packung Viagra bestellt. Und nur wegen diesen Deppen dürfen wir übrigen 99’999 Internet-User täglich unsere Ration Spam aus der Mailbox löschen. Und genau darum funktionieren auch die Methoden der Nigeria Connection.

Nachtrag: Wie ich Kathizas Link entnehme, war die von mit aus dem Bauch heraus geschätzte Zahl von 1/100’000 erfolgreichen Spam-Mails krass untertrieben:

US-Wissenschaftler haben aufdeckt, wieviel sich mit dem illegalen Versand von Werbe-E-Mails oder gefälschten Nachrichten verdienen lässt. Demnach „arbeiten“ Spammer recht profitabel auch wenn nur eine von 12,5 Millionen Spam-Mails erfolgreich ist.

Danke, Kathiza. 🙂