Soziale Medien

Die Usenet-Laws: Eine wertvolle und vergessene Bereicherung der Netzkultur

Kaum ein Mensch weiss heute noch, was das Usenet ist. In der Medienpädagogik bin ich auf den Begriff noch gar nie gestossen. Dabei ist das Usenet älter als das WWW und somit in der Geschichte des Internets durchaus von Relevanz. Vor der bunten und geschützten, aber auch protektionierten Disney-Welt von Facebook, Twitter & Co. war das Usenet die vorderste Bastion der freien Meinungsäusserung im Internet und könnte das auch heute noch sein, mit allen Vor- und Nachteilen einer offenen und wirklich freien Infrastruktur.

Die Infrastruktur besteht weiterhin, doch hauptsächlich waren es – nach meiner persönlichen Erinnerung – zwei Faktoren, die dazu geführt haben, dass das Usenet heute ein Mauerblümchendasein in den Winkeln des Internets führt: Es wurde immer schwieriger, Spams Einhalt zu gebieten, und dann kam auch noch Facebook.

Der Forté Agent war zur Blütezeit einer der beliebtesten Usenet-Reader.

Das Usenet entwickelte seine eigenständige Netzkultur, gab sich selber Netiquetten und Umgangsformen. Dies war schon deswegen unumgänglich, um sich als Community gegen die Nachteile der offenen Infrastruktur wie Spams, Crosspostings oder Flames zu wehren, damit sachliche Diskussionen möglich bleiben. So wie ich das Usenet in Erinnerung habe, ist dies trotz allen Widerwärtigkeiten wie sich herumtummelnden aggressiven Spammern oder offen bekennenden Nazis (und damit meine ich nicht AfD-Wähler, sondern richtige Nazis) recht gut gelungen. Ganz alles konnte man sich trotzdem nicht erlauben: Wer es zu weit trieb, wurde gebannt und konnte – theoretisch – nicht mehr ins Usenet posten. Doch die Hürde dazu war im Vergleich zu heute sehr hoch, und natürlich konnten auch solche Sperren relativ leicht umgangen werden.

Ein Teil der Usenet-Kultur sind die Usenet-Laws. In den heutigen Social Media gibt es dazu kein Äquivalent – leider. Die Usenet-Gemeinde hat gut erkannt, dass es manchen Diskussionsteilnehmern nicht um Wahrheitsfindung ging, sondern nur um Rechthaberei. Wenn dabei Methoden angewendet werden, welche mit dem Thema nichts zu tun haben, aber den Kontrahenten auf der Oberfläche angreifen, kommen die Usenet-Laws zum Zug.

Die meisten und gebräuchlichsten Usenet-Laws wie etwa Godwin’s Law stammen aus dem englischen Sprachraum. Dieter Brügmann hat sie damals gesammelt und ins Deutsche übersetzt, und die Laws wurden um deutschsprachige Eigenheiten erweitert. Seine Website ist immer noch im originalen Stil der 90er abrufbar, darunter auch die Seite mit den Usenet-Laws, die ich in diesem Post daraus entnehme.

Beim Lesen der Laws wird auch klar, dass nicht alle ganz ernst gemeint sind. Als Ganzes aber stellen die Usenet-Laws eine wertvolle Bereicherung der Netzkultur dar, da – zumindest erfahrene Usenetter – sich nicht die Blösse geben wollten, aufgrund eines Verstosses gegen ein Usenet-Law eine Diskussion erklärtermassen zu verlieren.

Meine persönlichen Lieblings-Laws übrigens:
• Godwin’s Law (der Klassiker)
• Herrmann’s Law / Hartge’s Law
• Kohrssches Law
• Lemken’s Law


Der Übersichtlichkeit halber habe ich die Links sowie für Nichtvertraute der Usenet-Kultur verwirrende Begriffe ausgegraut. Manche Laws sind zudem nur in der technischen Infrastruktur des Usenets anwendbar oder sind nicht mehr zeitgemäss. Diese habe ich unten kursiv markiert und z.T. mit eigenen Bemerkungen versehen. Einige Laws, die sich in hohem Mass um die Laws selber drehen, habe ebenfalls ausgegraut, dafür habe ich Laws, die auch in heutige Social Media sehr gut angewendet werden können, blau markiert. Und schliesslich habe ich einige in der Usenet-Kultur gebräuchliche, heute aber nicht mehr für alle verständliche Begriffe verlinkt. Die Original-Liste von Dieter Brügmann ist hier abrufbar.

Godwin’s Law

Je länger eine Usenet-Diskussion andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand mit einem unpassenden Nazi-Vergleich auftritt. Normalerweise wird dann die Diskussion für beendet erklärt und der Betreffende steckt tonnenweise *plonk*s ein.

Kitzler’s Law

Stasi-Vergleiche (analog zu Godwin)

Seitz‘ Addendum zu Godwin’s Law

Dito für unpassende Kinderschänder-Vergleiche, allerdings mit der erhöhten Gefahr, dass die Diskussion nicht beendet wird.

(Anmerkung Andreas Stricker: Ausser Elon Musk sind mir dazu in der nahen Vergangenheit sonst keine Beispiele begegnet.)

Gassner’s Law

Jemand, der gewisse Grundsätze und Prinzipien als „typisch deutsch!“ bezeichnet, hat automatisch verloren. „Typisch deutsch“ kommt nur von Argumentationslosen. Sie haben nichts mehr zu sagen.

Noschinski’s Zusatz: Es sind meistens Deutsche, die von „typisch Deutsch“ reden.

Gassner’s Conjecture

Jemand, der ein Law bricht, wird auch bald die anderen brechen, Pseudonyme verwenden oder Adressen fälschen.

Anm. des Redakteurs: Hier ist „brechen“ im Sinne von „erfüllen“ gemeint!

pi’s Law

Je hitziger die Diskussion wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand den Namen des Diskussionsgegners in die Subject-Zeile übernimmt. Der, der das getan hat, hat automatisch verloren.

(Anmerkung Andreas Stricker: Dieses Gesetz bezieht sich auf die Usenet-Struktur. Eine analoge Formulierung könnte z.B. auf Twitter sein: «… desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass jemand seine Antwort auf den Tweet in die eigene Timeline postet.»)

pi’s Second Law

Wer das Subject missbräuchlich ändert, um damit seine Meinung in den Vordergrund zu drängen, macht sich lächerlich und hat keine Argumente. Wenn er dazu das Subject noch flasch ändert, ist er ein DAU.

Brülls‘ Law

Je länger ein Thread wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand spontan zum Thema »Pädophile« springt, sei es, um Bürgerrechte zu verteidigen oder um sie einzuschränken.

Suter’s Law

Im Rahmen einer Diskussion über oder um die Netiquette zeigen bei fortschreitender Diskussionsdauer Newbies die Tendenz zu Elchen und Regulars die Tendenz zu Netzsheriffs.

Kühnert’s Ergänzung

Wer das Alter, Behinderungen oder sonstige persönliche Eigenheiten des Diskussionsteilnehmers nutzt, um ihn als inkompetent darzustellen, hat automatisch verloren.

Heidtmann’s Law

Wer den Lebenslauf seines Gegenübers als Argument missbraucht, hat verloren.

Hartge’s Second Law

Wer mit den Lebensumständen einer anderen Person argumentiert, um diese Person dadurch anzugreifen oder in ein schlechtes Licht zu rücken, hat keine Argumente mehr und damit automatisch verloren.

Tetzlaff’s Law

Im Laufe einer Usenetdiskussion steigt die Wahrscheinlichkeit, daß einer der Beteiligten Verschwörungstheorien verlautbart, proportional zur Länge des Threads gegen 1.

Pluntke’s untere Schranke: Dies gilt mindestens für die Gruppen der de.admin.news-Hierarchie.

(Stricker’s Ergänzung [hier gibt’s noch eine Lücke in den Laws]: Wer jedoch anderen Beteiligten die Verbreitung von Verschwörungstheorien unterstellt, ohne dies stichhaltig zu begründen, hat verloren.)

Brügmann’s Law

Wer im Laufe einer Diskussion das (vermeintliche) Betriebssystem seines Gegners als „Argument“ anführt, hat verloren.

Hartge’s Third Law

Wer mit dem verwendeten Newsreader des Gegenübers argumentiert, hat in Wirklichkeit keine Argumente mehr und damit automatisch verloren.

Hoffmann’s Law

Merkt jemand an, er hätte das letzte Wort im Thread, werden ihn auf der Stelle mehrere Poster darauf hinweisen, daß das letzte Wort bei ihnen läge.

Tsang’s Law

Wer die schweigende Masse als Kriterium für Zustimmung oder Ablehnung einer Frage heranzieht, hat automatisch verloren.

Egg’s Law

Wer mit „hast du das sexuell nötig“ o.ä. argumentieren will, verliert.

Schröder’s Law

Sobald jemand „Mutter“ und „Problem“ in einem Satz erwähnt, kommt gleich Freud auf den Tisch.

Riedel’s Law

Je länger eine Usenet-Diskussion andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand seinem Diskussionsgegner zum Vorwurf macht, er verschwende Steuergelder und zahle seine Netzanbindung nicht selbst. Derjenige hat automatisch verloren.

Hellinger’s Law

Wer zuerst mit dem Spruch „ich mache schon länger DFÜ als einige hier auf der Welt sind“ kommt, hat die Diskussion automatisch verloren.

(Anmerkung Andreas Stricker: Eine moderne Formulierung könnte sein: «Ich bin schon länger im Internet als…»)

Borutta’s Law

Wer im Laufe einer Diskussion ein von ihm mißbilligtes Verhalten als typisch für eine ganze Generation hinstellt, hat automatisch verloren.

Ergänzung: In Diskussionen zum Thema Netiquette wird als Generation bevorzugt „die Jugend“ hergenommen.

Roesen’s Law

Sobald ein Troll, DAU oder Elch im Lauf eines Threads auf heftige Kritik stößt, argumentiert er mit der Arroganz des Kritikers. Dies kann auch vorsorglich erfolgen.

Krietsch’s Egotheorem

Ich habe im Usenet (Anmerkung Andreas Stricker: auf Twitter, Facebook…) die Gesetzmäßigkeit erkannt, daß jeder, der mir widerspricht, ein Idiot ist und schon verloren hat.

Unterweger’s Law

Mit der Länge eines Threads steigt die Wahrscheinlichkeit, daß irgend ein Diskussionsteilnehmer vorschlägt, das Wort „Intoleranz“ in den Newsgruppennamen aufzunehmen.

Schulte’s Law

Flameversuche gegen Frauen beginnen immer mit „Du bist häßlich“.

Weiland’s Law

Sobald sich in einem Thread ein weiblicher Poster zu Wort meldet, hat dieser automatisch die ganze Aufmerksamkeit der Newsgroup, was den Tod des urprünglichen Themas mit sich zieht.

Bauer’s Law

Leute, die ihren „Dr.“ in das Absenderfeld aufnehmen, sind irgendwie sonderbar.

(Anmerkung Andreas Stricker: «… oder in ihre Twitter/Facebook-Bio…»

Gienger’s Law

Die Wichtigkeit eines Newspostings im Usenet ist reziprok zur Anzahl der enthaltenenen, kumulierten Ausrufungszeichen.

Hügelschäfer’s Law

Beiträge werden dort gepostet, wo sie den größten Widerstand hervorrufen.

Gröschel’s Law

Je mehr Postings nötig sind, um einen Diskussionsgegner bei einem einzigen Diskussionsaspekt argumentativ in die Ecke zu manövrieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß man vergisst, was man eigentlich beweisen wollte, wenn es dann doch mal klappt.

Definition der Indifferenz eines Diskussionsergebnisses:
Sobald die Beteiligten in einer Diskussion vergessen haben, was man eigentlich beweisen wollte, endet die Diskussion mit einem Unentschieden.

Hüls‘ Verallgemeinerung (Gesetz der großen Zahlen für das Usenet)

Mit steigender Threadlänge steigt trivialerweise die Wahrscheinlichkeit jedweden beliebigen Verhaltens der Diskussionsteilnehmer, das nicht an sich unmöglich ist.

Anomalie:
Die Wahrscheinlichkeit, daß die Diskutanten den Thread früh beenden, steigt vermutlich nicht mit der Threadlänge.

Kohrssches Law

Jeder, der eine Diskussion aufgrund eines oder mehrerer Laws verloren hat, behauptet, daß diese Laws sowieso Blödsinn sind.

Raimund’s Law

Wer sich provozieren läßt, hat verloren.

Sanio’s Law

Hängt jemand lange genug in den de.admin-Gruppen (incl. dsn, dnq und daa) rum, „entdeckt“ sie/er früher oder später einen nach ihr/ihm zu benennenden gesetzesartigen Zusammenhang.

Bachem’s Law

Jeder Thread läßt sich in einen Teethread umbiegen.

Mangelsdorff’s Anmerkung:
Wer innerhalb eines Teethreads nach dem Teethread fragt, neigt zur Rekursion.

Fornefeld’s Law

Jeder Thread landet irgendwann in daaa’ooo. (= de.alt.arnooo)

Hüls‘ Korollar zu Fornefeld’s Law

Jeder Usenet-Teilnehmer landet irgendwann in de.alt.arnooo.

Fuchs‘ Paradoxon

Wer eine allgemeine Frage beliebigen Themas nach de.alt.arnooo postet und eine ernsthafte Antwort erwartet, ist dort eigentlich ziemlich ontopic.

Schmitt’s Law

Je länger ein Thread in drm wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, daß es um Bier geht. Die Breissn haben dann automatisch verloren.

(Anmerkung der Einreicherin Kathinka Diehl: „IMHO sollte es aber nach dem Entdecker ‚Schmitts Law‘ heißen, nicht Florschütz. Philipp hat es ja nur befolgt.“)

Das Peukert-Law

Jeder will sein eigenes Law haben.

Krahl’s Erweiterung von Peukert’s Law

Wer irgendeine Gesetzmäßigkeit erfindet, nur um seinen Namen in der Law-Liste wiederzufinden, hat verloren.

Das Pommer’sche Law

Jeder Thread führt einmal zu einer Law- bzw. Meta-Law-Diskussion.

Brügmann’s Law-Law

In jeder Diskussion über die Usenet-Laws kommt der Zeitpunkt, wo die Laws als Gesetze betrachtet werden, die z.B. in Kraft treten können. Wer damit anfängt, hat verloren und die Diskussion ist sinnlos geworden.

Suter’s Second Law

Wenn jemand fragt ‚gibt es schon ein Law für…‘, dann wird jemand anders das Law nach dem Frager benennen.

Esken’s Law

Wer anderen unter Hinweis auf Aussagekraft oder Usenetspezifischkeit etc. ein Law verwehrt, hat automatisch verloren.

Braun’s Law

Wenn jemand versucht, ein Law zu kreieren, wird ein anderer ihm unter Verwendung bereits bestehender Laws klar machen, daß das Law bereits existiert.

Esken’s Große Frage

Wie kommt es eigentlich, dass kein Law im Rohzustand überlebt, sondern immer noch einer Überarbeitung der Formulierung bedarf?

Lemken’s Law

Wer „You lose“ schreibt, hat automatisch verloren.

Brügmann’s Induktion

Nach dem n-ten Law gibt es auch immer noch ein n+1-tes Law.

Brügmann’s Law-Erfüllung

Immer dann, wenn nach einem der Laws gefragt wird, erfüllt sich nach kurzer Zeit eins der Laws.

Mickey’s Verschärfung

Es wird immer genau das Law erfüllt, nach dem gefragt wird.

Barth’s Law

Ab einem gewissen Zustand der Lawdiskussion erfüllen die Leute nicht nur Laws, sondern schreiben es auch gleich in ihre Postings.

Perkowsky’s Law

Wer im Laufe einer Diskussion die Erfüllung eines unzutreffenden Laws reklamiert, um damit die Diskussion als beendet gelten zu lassen, hat verloren.

(Originalartikel)

Haug’s Law

Je länger eine Usenet-Diskussion andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand mit einem unpassenden Usenet-Law auftritt, um seinen Gegner zum Verlierer zu erklären. Derjenige hat dann automatisch verloren.

Peukert’s Second Law

Verwendet jemand Nazi- oder 3. Reich-Vergleiche in der Absicht, mittels Godwin’s Law so einen Thread zu beenden, so hat dies keinen Effekt.

Barth’sches Axiom

Die Menge der registrierten Laws wird immer endlich sein. Aber es gibt unendlich viele Laws – nur sind die meisten nicht registriert.

Die These lautet also:
Die Laws existieren – man muß sie nur noch hinschreiben und benennen.

Krahnke’s 1.Folgerung

Wenn es erstmal eine kritische Menge Laws gibt, werden zwangsläufig immer mehr Trivialitäten als Law identifiziert.

Weimer’s Korollar

Ab einer gewissen Länge tendiert jeder Thread dazu, selbstbezüglich zu werden.

Das Donnerhacke-Axiom

Zeigt ein Thread Selbstbezüge, wird er rekursiv und das Usenet fraktal. Der Einbringer des Selbstbezuges hat verloren.

Formulierung von Dieter Brügmann: „Ab einem bestimmten Grad der Selbstbezüglichkeit eines Threads wird irgendein Spaßvogel fragen, was eigentlich ‚Rekursion‘ bedeutet. Der Thread sollte dann sofort gekündigt werden, da sein Sinngehalt damit gegen 0 geht.“

Das Dauer/Kottenhahn-Law

Teil 1:
Jemand, der in einer Diskussion das Argument „[ ] Du hast verstanden.“ oder sinngemäße Aussagen wiederholt verwendet, hat verloren.

Teil 2:
Jemand, der während einer Diskussion beleidigende Behauptungen aufstellt und diese damit begründet, daß auch andere dies so sehen würden, hat verloren.

Teil 3:
Jemand, der zwar Kritik austeilt, aber keine begründeten Einwände gegen diese Kritik akzeptiert, sondern die eigene Meinung als die einzig richtige darstellen will und den Diskussionspartner daher als kritikunfähig diffamiert, hat verloren.

Ringeisen’s Law

Wer immer dem anderen – ohne auf seine Argumentation einzugehen – vorwirft, er argumentiere „politisch korrekt“, hat das Anrecht verloren, in diesem Punkt ernst genommen zu werden.

Müller’s Law

Wer (ausschließlich) mit „no comment“, „no reply“, „kein Kommentar“ o.ä. antwortet, hat verloren.

Herrmann’s Law

Wer mit Rechtschreib- und Tippfehlern eines Diskussionsteilnehmers argumentiert, hat verloren.

Hartge’s Law

Wer sich an einem Spelling-Flame versucht, wird unter Garantie die angemeckerten Fehler selber begehen.

Hoffmann’s Erweiterung:
Diejenigen, die sich am lautesten über Crosspostings beschweren, crossposten selbst weiter, ohne ein Followup-To zu setzen. War bereits eins gesetzt, wird es natürlich nicht bemerkt.

Aller’s Law

Je geeigneter ein Autor seinen Ausspruch für eine Signatur empfindet, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ihn tatsächlich in einer Signatur verwendet.

mico’s Law

Je länger eine Diskussion dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand einen absolut sinnlosen Ausdruck seines Diskussionspartners in die eigene Signatur aufnimmt.

Krahl’s Law

Nach der Erfüllung eines der Usenet-Laws ist die Diskussion beendet. Wer dennoch weiterdiskutiert, hat es nur noch nicht gemerkt.

pi’s refinement of Krahl’s Law

Wer unter Anwendung eines einschlägigen Usenet-Laws das Ende einer Debatte postuliert und sie dann dennoch fortsetzt, schießt sich selbst ins Knie.

rolfzwei’s Law

Immer wenn einer erklärt, er sei kein Usenet-Diktator oder er wolle nicht die Weltherrschaft erlangen, hat er gewonnen und der Thread ist beendet.

Übrigens: Das Usenet ist noch nicht tot, die Infrastruktur noch vorhanden. Usenet-Gruppen sind u.a. über Google Groups zu finden, so z.B. die Schweizer Gruppen ch.talk oder ch.soc.politics. Wie man aber schnell feststellen kann, ist dort praktisch nur noch Spam zu finden.

Als um die Jahrtausendwende das Internet die grossen Massen erreichte und immer mehr Leute auch ins Usenet drängten, was das Führen gesitteter Diskussionen immer schwieriger machte, wurde in der Schweiz noch die moderierte Gruppe ch.talk.moderated eröffnet. Spam gibt’s dort keinen – der letzte Beitrag stammt vom November 2018.

Bild der Woche: Instagram

Friends Graffity

Spam und Bots waren schon lange ein Ärgernis auf Instagram, um nicht zu sagen „Instaspam„. Nun endlich hat Instagram reagiert und – nicht ohne vorherige Ankündigung – ein paar Millionen Bots gelöscht, was überfällig war. Das hat dazu geführt, dass Instagram-Nutzer über Nacht einige Follower verloren, oder je nach (vermeintlicher) Popularität eben ein paar Millionen. Nicht richtige Follower, sondern imaginäre Follower; eben Bots, deren Daseinszweck einzig und allein darin bestand, die Followerzahlen anderer Nutzer aufzublähen. Also keine Menschen aus Fleisch und Blut, die anderen Nutzern gefolgt waren, weil sie deren Bilder so toll fanden.

Die Massnahme war überfällig. Dennoch hat sie bei etlichen Usern zu Proteststürmen geführt. Lieber mehr falsche „Fans“ als weniger echte; Hauptsache der Follower-Count ist möglichst aufgebläht. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Mein Instagram-Account ist übrigens seit einigen Monaten ziemlich verwaist. Stattdessen hab ich dafür Flickr wiederentdeckt. Nicht dass ich dort besonders aktiv wäre, aber die Community ist interessant und die Qualität der Bilder hoch.

Zufrieden mit Apple – aus Gründen

Apple-Kunden

Über diese Karikatur, die anlässlich des Verkaufsstarts des iPhone 6 die Runde machte, musste ich lachen. Denn auch als an sich sehr zufriedener Apple-Kunde ist mir das sektenartige Gebaren des Konzerns zuweilen auch zuwider. Allerdings kann man auch alles übertreiben – auch den irrationalen Hass auf eine Firma.

Die legendären Apple-Keynotes, welche ich seit vielen Jahren gespannt und wenn möglich live verfolge, polarisieren. Wie viel Apple mit seinen übersteigert euphorischen Auftritten, das uns Europäern grundsätzlich suspekt ist, selber dazu beiträgt, sei dahingestellt. Jedenfalls scheint es keine neutralen Meinungen zu Apple zu geben: Entweder man liebt Apple (oder wenigstens seine Produkte), oder man hasst diesen Konzern abgrundtief – dies fiel mir in der letzten Keynote von Cook & Co besonders auf. Während man die rituellen Apple-Keynotes jahrelang ungestört mit Gleichgesinnten in den Sozialen Medien verfolgen und sich gegenseitig austauschen konnte, war ich diesmal vor allem damit beschäftigt, die vielen Hater-Posts zu überlesen. Wie können sich Leute so über Produkte aufregen, die sie ohnehin nicht kaufen wollen? Ich bin noch daran, dies zu verstehen zu versuchen.

Ich werde in den nächsten Monaten nicht in den Apple Store pilgern; weder für das iPhone 6 noch für die Apple Watch. Mit meinem iPhone 5S bin ich noch immer mehr als zufrieden, und das Nachfolgemodell bietet mir keine Verbesserungen, für die sich der Kauf eines so teuren Produktes lohnen würde. Am interessantesten wäre allenfalls der NFC-Chip, doch auch erst dann, wenn auch in Läden und Warenhäusern die entsprechende Infrastruktur ausreichend zur Verfügung steht. Hinsichtlich des grösseren Bildschirms des iPhone 6 bin ich noch skeptisch, und ein 6 Plus kommt für mich ohnehin nicht in Frage. Was die Apple Watch betrifft, finde ich das Design langweilig und das Produkt interessant, weiss aber als alter Apple-Hase vor allem auch, dass man nie die erste Generation eines Apple-Produkts kaufen sollte.

Was das iPhone und auch den Mac betrifft, werde ich Apple für absehbare Zeit treu bleiben. Auch wenn ich mich hin und wieder mal über einen nicht funktionierenden Mac ärgern muss, kenne ich keine Produkte, die so rund und aufeinander abgestimmt laufen. Die gegenseitige Abgestimmtheit der Apple-Geräte (das Konzept heisst „Continuity“) finde ich denn auch die weitaus interessanteste Neuerung, die Apple in den letzten Monaten vorgestellt hat. Als Beta-Tester von OS X Yosemite schätze ich die Magie, auf einem iPhone eine E-Mail beginnen und auf dem Mac nahtlos weiter schreiben zu können, bereits jetzt. Auch wenn mir auf dem iPhone eine Seite zu klein wird, kann ich schnell zum Mac wechseln und dort die geöffnete Website praktisch mit einem Tastendruck (cmd-Tab) öffnen.

Während Windows es allmählich geschafft hat, sich nach jahrelangen Versuchen krampfhaft von XP zu entledigen (XP 2001 erschienen 2001 und wird von vielen Windows-Usern immer noch für das beste Windows aller Zeiten gehalten), entwickelt Apple sein OS X und iOS kontinuierlich weiter und bringt im Jahreszyklus Updates des Betriebssystems, die oftmals weit mehr sind als ein bisschen Produktpflege. Für mich ist Apples Innovationskraft ungebrochen.

Ja, Medienkompetenz ist wichtig

Die Aargauer Grünen liefern heute ein gelungenes Beispiel, warum Medienkompetenz wichtig ist. Und ich meine jetzt nicht den amtierenden Badener Stadtpräsidenten, sondern den Verantwortlichen für den Parteiauftritt auf Twitter.

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 Vielleicht wäre der untere Tweet nie abgeschickt worden, wären die Betreiber während ihrer Schulzeit in den Genuss des Fachbereichs „Medienbildung“ gekommen, wie es der Lehrplan 21 vorsieht (dessen Einführung im Kanton Aargau soeben um ein paar Jahre zurückgestellt wurde. Dies allerdings nicht unbegründet – Konsolidierung kann im Bildungswesen gegenwärtig auch nicht schaden.)

Vorbildliche Stadtpolizei Zürich

Wow! Der Stadtpolizei Zürich werden via Twitter Mängel an einer Baustelle gemeldet. Konkret ging es darum, dass die Baustelle für Fussgänger nicht sicher war; dies an einer Stelle, an der offenbar oft Kindergärtler vorbeigehen. Nach einer kurzen Rückfrage ebenfalls auf Twitter am gleichen Tag sind die Mängel zwei Tage später behoben.

So effizient können soziale Medien sein, wenn sie auch von Amtsstellen genutzt werden.

Gratis? Von wegen.

Wer noch immer dem Irrtum aufliegt, Dienste wie Google oder Facebook seien gratis zu haben, dem sei dieses Video, auf das ich gestern über den Twitter-Kanal von Kim Dotcom gestossen bin, wärmstens empfohlen:

Und da wir auch namhaften Unternehmen wie Yahoo nicht trauen dürfen, unsere Bedürfnisse und Rechte ernst zu nehmen, dienen die von der Werbeindustrie verpönten AdBlocker nicht nur dazu, lästige Werbung auszublenden, sondern erhöhen, sozusagen als sehr erwünschter Nebeneffekt, gleichzeitig auch unseren Schutz vor Datenklau und unsere Computersicherheit.

Darum meint auch Matthias Leisi völlig zu Recht:

 

Spielerisch Medienkompetenz erlernen

Ein kleines Highlight in meinem iScout-Jahreskalender ist für mich jeweils der Kadervernetzungstag in Wil. In lockerer Atmosphäre trifft man sich unter Gleichgesinnten, erhält Inputs zu ICT und Social Media an der Schule, kann untereinander ein bisschen fachsimpeln und sich austauschen. Ich habe einem interessanten Referat von Philippe Wampfler zugehört (mit dem ich auf Twitter auch schon die eine oder andere Diskussion führte), habe das Potential von Lego Mindstorms erahnen können und habe vom Projekt der Multimedianer erfahren, das ich auch noch genauer unter die Lupe nehmen werde. Auch von diesem Kadervernetzungstag kann ich also einiges mitnehmen, sei es als Bereicherung des eigenen Wissens, aber auch konkret für den Schulunterricht:

Zu den ICT-Standards, den wir an Thurgauer Schulen erfüllen müssen, gehören in der Mittelstufe unter anderem:

  • MS04: Die S kennen und beachten bei der Nutzung digitaler Kommunikationsmedien die entsprechenden Umgangsformen und Regeln.
  • MS05: Die S wenden die Regeln für den sorgfältigen Umgang mit eigenen und fremden Daten an.
  • MS15: Die S halten sich an Verhaltensregeln zur sicheren Onlinekommunikation und gehen angemessen mit virtuellen Identitäten um.

Wie man spielerisch mit der Klasse einen verantwortungsvollen Umgang mit Sozialen Plattformen erlernen kann, habe ich im Workshop von Claudia Bucheli erfahren, die an der Oberstufe Sternmatt in Baar ihren Schülerinnen und Schülern den Umgang mit Social Media lehrt. Ihr Spiel Faceboom – das Spiel zur Medienkompetenz steht auf ihrer Website mediobaar.ch gratis zum Download zur Verfügung. Es ist für die Oberstufe konzipiert, bietet aber genug Material, dass einiges davon auch schon in der 6. Klasse eingesetzt werden kann.

Karte aus dem Spiel "Faceboom"

Karte aus dem Spiel „Faceboom“ – http://www.mediobaar.ch/faceboom

Die Angst vor Excel-Tabellen

excel-word

Gefühlte 95 Prozent benutzen Microsoft Word, um Texte zu schreiben. Dagegen ist nichts einzuwenden; schliesslich ist Word eine ausgereifte Textverarbeitungssoftware mit sehr vielen Funktionen und Werkzeugen, von Inhaltsverzeichnissen über Fussnoten bis zum Erstellen von Serienbriefen.

Geht es um die reine Bearbeitung von Tabellen, benutzen gefühlte 94 Prozent ebenfalls Word – und das finde ich schon weniger verständlich.

Natürlich kann ich auch mit Word ein bisschen Tabellen machen – aber warum sollte ich, wenn ich auch Excel habe?

Die Tabellenfunktion von Word ist ziemlich rudimentär und dafür gedacht und konzipiert, in Textdokumenten einfache Tabellen einzufügen. Wer mit umfangreicheren und etwas komplexeren Tabellen hantieren möchte, stösst bei Word schnell mal an Grenzen, zumal Word-Tabellen in gewissen Situationen ein eher seltsames und unausgereiftes Verhalten an den Tag legen.

Leider sind die wenigsten Leute mit dem Umgang von Excel vertraut. Wer zum ersten Mal ein leeres Excel-Dokument aufmacht sieht zunächst einmal eine Wüste von leeren Feldern vor sich, die zudem standardmässig nicht in der Seitenlayout-Ansicht angezeigt werden. Viele wissen mit diesem Anblick offenbar nichts anzufangen, so dass sie nicht mehr auf die Idee kommen, wieder einmal ein leeres Excel-Dokument zu öffnen. Das wird wohl der Grund sein, warum sehr viele Leute gewohnheitsmässig zu Word greifen, selbst wenn sie eine reine Tabelle erstellen.

Dabei ist der Umgang mit Excel-Tabellen nicht grundsätzlich schwieriger als in Word, sondern nur ein bisschen anders. Weil es sich bei Excel um ein reines Tabellenbearbeitungsprogramm handelt, ist er in vieler Hinsicht sogar logischer und stringenter. Und vor allem bietet Excel naheliegenderweise weit mehr Tabellenfunktionen als Word.

„Der Umgang mit der Word-Tabelle hat sich bewährt“

Dass Excel – wie jedes Programm – ein wenig Angewöhnung braucht, ist klar. Doch ist diese Herausforderung offenbar so schwierig und unzumutbar, dass mir nahegelegt wurde, Praktikanten von der Pädagogischen Maturitätsschule ihre Tabellen weiterhin mit Word ausfüllen zu lassen und sie doch bitte nicht mit Excel-Tabellen zu überfordern. Dabei spreche ich von pfannenfertig bereitgestellten Dokumenten, die ich den Studenten zur Verfügung stelle und die sie nur ausfüllen müssen. Offenbar zu viel der Herausforderung. Zudem habe sich die alte Word-Tabelle bewährt.

Achso. Schön. Für mich hat sich der Umgang mit besagtem Word-Formular überhaupt nicht bewährt, aber mich hat bislang ja auch noch niemand danach gefragt.

Niemand streitet ab, dass zum Bildungsauftrag der Schule je länger je mehr auch ICT-Kompetenzen gehören. Auch beim Lehrplan 21 geht es klar in diese Richtung, was grundsätzlich nicht kritisiert wird, im Gegenteil: Etliche Kantone fordern gar, dass der Bereich „ICT und Medien“ noch mehr gestärkt wird als vorgesehen und dafür Zeitgefässe geschaffen werden sollen. Zu diesen Kantonen gehört auch der Thurgau. Bei der Ausbildung der Lehrkräfte wäre ein guter Punkt, schon mal damit anzufangen.

Die Krux mit den Passwörtern

Darf ich jetzt das folgende Bild posten, obwohl es unanständige Wörter enthält und ich meinen Blog als „jugendfrei“ deklariert habe? Ich riskiers: 😉

BewAi4sIUAEN0pvDieses Bild ist mir kürzlich irgendwo auf Twitter begegnet, und es bringt ein Problem an den Tag, mit dem wir uns alle immer wieder rumschlagen. Es kursieren viele Tricks und Vorschläge, wie sich einigermassen sichere Passwörter generieren lassen, die man sich hoffentlich auch noch merken kann – eine Patentlösung gibt es nicht. Es ist letztlich immer ein Abwägen zwischen Sicherheit und Praxistauglichkeit.

Selber halte ich es mit den Passwörtern so:

  • Ich benutze 1Password. Ein extrem hilfreiches Tool, mit dem ich stets all meine Passwörter einigermassen sicher und stets zuverlässig zur Hand habe. Es ist nicht ganz billig, doch habe ich den Kauf noch nie bereut. Es gibt Freeware-Alternativen wie KeePass oder LastPass, die ich aber selber nicht ausprobiert habe.

Bei der Wahl der Passwörter halte ich es pragmatisch. Ich unterscheide zwischen unwichtigen, wichtigen und sehr wichtigen Logins:

  • Unwichtige Logins sind solche, bei denen ich nichts von mir preisgebe und die ich oft anonym oder mit Fakenamen verwende. Dies ist z.B. bei Diensten wie Supportforen der Fall, bei denen ich gar kein eigenes Login will, die aber eins erfordern, wenn man z.B. einen Anhang zu einem Beitrag runterladen möchte. Auch Angebote wie Cineman zählen für mich zu den unwichtigen Logins. Da erlaube ich mir durchaus auch Passwörter wie 123456 (sofern vom Anbieter überhaupt akzeptiert) weil ich mir diese leicht merken kann und es mir völlig egal ist, wenn jemand sich zu diesen Logins Zugang verschafft.
  • Wichtige Logins: Dazu gehören Social Networks, also Twitter oder Tumblr (auch Facebook, dessen Account ich seit geraumer Zeit deaktiviert habe), mein Ricardo-Account und alle Konten, bei denen ich einkaufe. Auch das WordPress-Konto, mit dem ich diesen Blog schreibe, gehört dazu. Da wäre es mir nun wirklich nicht mehr egal, wenn sich jemand Fremder unter meinem Namen einloggen könnte. Hier benutze ich Passwörter, die nach heutigem Standard als sicher gelten (also mehr als 8 Zeichen, Gross- und Kleinbuchstaben, auch Sonderzeichen). Sie sind sich untereinander auch schon mal ähnlich oder sogar gleich.
  • Sehr wichtige Logins habe ich bewusst ganz wenige. Dazu zählt in erster Linie mein E-Mail-Account, aber z.B. auch mein Dropbox-Zugang. Hier habe ich für jedes Konto ein Passwort, das sich von allen anderen Passwörtern komplett unterscheidet.

Auch wenn ich in Schulhausteams bei jeder Gelegenheit sage, wie wichtig es ist, mindestens den Mailaccount mit einem wirklich sicheren Passwort zu versehen, erlebe ich es immer wieder, wie mir Kolleginnen – obwohl ich nie nach privaten Passwörtern frage! – mir bei privaten Support-Diensten bereitwillig und ungefragt ihr Mail-Passwort mitteilen, das dann oft auch noch so lautet wie z.B. der Vorname des Ehemannes. Oder ich kriege private Laptops in die Hand gedrückt, die mit keinem Benutzerpasswort versehen sind und ohne Anmeldepasswort direkt in den User-Account starten, wo sich dank im Browser gespeicherten Passwörtern auch problemlos das Web-Interface des privaten Mailaccounts öffnen lässt.

Peinlich, wenn der Chef so eine Mail erhält

Wer jedoch schon mal im Freundeskreis erlebt hat, was passiert, wenn sich Kriminelle Zugang zum privaten Mailaccount verschaffen, wünscht sich das niemandem – nicht sich selbst und vor allem auch nicht seinem eigenen Bekanntenkreis inklusive Freunden und Vorgesetzten. Nicht nur, dass sich jemand mit E-Mail-Zugang in der Regel fast alle übrigen Logins einfach rausfischen kann (wenn es sich um die Mailadresse handelt, die bei der Anmeldung bei den betreffenden Konten hinterlegt wurde), vom eigenen Mailacount werden dann auch noch ans ganze Adressbuch Mails verschickt wie

„Hallo Vorname – ich bin in London und mir ist das ganze Gepäck gestohlen worden, inklusiv Brieftasche und Reisepass. Kannst du mir bitte aushelfen?! Zahle bitte möglichst bald 1000 Fr. auf Konto Nr. xx.xxxxxx.xx ein. Ich werde dir das Geld ganz sicher wieder zurückzahlen – Vielen Dank und liebe Grüsse Vorname und Name des Mailkontoinhabers inkl. Signatur mit vollständiger Privatadresse

Peinlich, wenn der Chef von mir so ein Mail kriegt? Würde ich auch meinen. Schon gar nicht zu reden davon, wenn jemand das Geld wirklich eingezahlt hat und es nun wieder zurückfordert. Ein solches Szenario ist keineswegs unwahrscheinlich.

Mit wenig Aufwand ein vernünftiges Mass an Sicherheit

Man kanns nicht oft genug sagen: Zumindest für die eigene Mailadresse ist ein sicheres Passwort zwingend nötig, und wers wirklich sicher haben will, sollte auch eine Zwei-Schritt-Verifizierung in Erwägung ziehen. Und PCs oder sogar Laptops, die ohne Passwort direkt ins Benutzerkonto aufstarten, sind ein No-Go.

Und wissen muss man auch: Es wäre seit Edward Snowdens Enthüllungen vermessen, von hundertprozentiger Sicherheit zu sprechen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich neben der NSA auch noch Kleinkriminelle Zugang zu den eigenen Daten verschaffen, lässt sich mit relativ wenig Aufwand signifikant verringern.

Thurgauer Schulen: Paradigmenwechsel in Sachen ICT

Diesen Freitag besuchte ich das Bildungsforum Romanshorn. Es war in vieler Hinsicht eine sehr aufschlussreiche Veranstaltung, an der grösstenteils die „Neuen Medien“ im Vordergrund standen. Da ich zu diesem Thema in letzter Zeit doch ziemlich viele Referate gehört habe und mich auch persönlich auf dem Laufenden halte, erwartete ich nicht, allzu viel Neues zu erfahren, doch da sollte ich mich täuschen. Nachträglichen Eindruck gemacht haben mir das Referat des Zukunftsforschers Georges T. Roos und der Auftritt von André Stern, der, in Frankreich aufgewachsen, Zeit seines Lebens nie eine Schule besucht hat und von seinen Eltern auch nicht beschult wurde, deswegen aber trotzdem ganz und gar nicht auf den Kopf gefallen ist. (Und während man so dachte, dass sowas in der Schweiz sicher nicht möglich sei, holte Moderator Kurt Aeschbacher noch eine im Saal anwesende Schweizer Jugendliche auf die Bühne, die bis vor kurzem weder eine Volksschule besuchte noch beschult wurde, nun aber ans Euregio Gymnasium in Romanshorn geht und gegenwärtig noch nicht weiss, ob sie danach Physik studieren oder Blumenbinderin werden soll).

ICT an der Schule

Bildbearbeitung mit einer Primarschulklasse: Der Thurgau vertritt nun die Position, dass der bisher vertretene rein integrative Ansatz nicht für alle ICT-Ziele ausreicht.

An dieser Stelle aber den Inhalt des Bildungsforums zu besprechen führte zu weit. Ich möchte hier vor allem noch eine weitere Aussage erwähnen, die eher nebenbei fiel, die jedoch für unseren Schulalltag in den nächsten Jahren Konsequenzen haben wird.

Abschied vom rein integrativen Ansatz

So erklärte der Amtschef des Thurgauer Amtes für Volksschule Walter Berger, dass es zu überlegen gilt, was in der ICT integrativ eingeführt werden kann und in welchen Bereichen spezielle Gefässe geschaffen werden müssen. Und an anderer Stelle plädierte Thomas Merz, Medienexperte und Prorektor der PH Thurgau, dafür, künftig ICT durch speziell dafür ausgebildete Lehrpersonen unterrichten zu lassen.

Ich weiss nicht, ob dies schon zuvor kommuniziert wurde, doch ich jedenfalls habe eine solche Aussage Seitens des Thurgauer Amtes für Volksschule gestern zum ersten Mal gehört, denn bislang lautete die Position des AV: „Es gibt kein neues Fach ICT“.  Nun bedeutet „Gefässe schaffen“ noch nicht zwingend, damit auch gleich ein neues Fach in die Stundentafel einzuführen, doch man räumt ein, dass es nicht genügt, die Kinder im Regelunterricht nebenbei auch noch etwas am PC arbeiten zu lassen. Über die überfällige Erkenntnis kann man sich freuen oder sich andererseits daran stören, dass nun wieder mal mit Salamitaktik nach anfänglicher Beschwichtigung der Lehrerschaft durch die Hintertür ein neues Fach eingeführt wird, wobei jedoch solche Diskussionen hinsichtlich des Lehrplans 21 müssig sind.

Persönlich habe ich mich über die Aussage gefreut, weil sie meine Position bestätigt. Wenn man bisher mit Kantonsverantwortlichen über die Problematik gesprochen hat, dass gewisse Bereiche den Schulkindern einfach nicht rein integrativ zu vermitteln sind, erntete man bislang nur ein vielsagendes Lächeln. Man wusste das natürlich sehr wohl, durfte aber aufgrund des kantonalen Paradigmas nichts anderes sagen. Nun ist man also im Thurgau in der Realität angekommen.

P.S. Die Schaffung eines eigenen Fachs ICT ist erst recht unumgänglich, sollten die viel zu hoch gegriffenen ICT-Ziele im Lehrplan 21 auch tatsächlich umgesetzt probiert werden.

Präsentationen mit Prezi

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PowerPoint habe ich schon viele Jahre nicht mehr gebraucht – als Macianer verwendete ich dafür Keynote. Bisher. Doch das könnte sich ändern, seit ich Prezi entdeckt habe. Darauf gestossen bin ich durch einen Digital-Podcast von Radio Stadtfilter. Dass es ein Tool wie Prezi gibt war mir schon länger bekannt, doch der Podcast machte mich gwundrig, es einmal auszuprobieren, und ich habe es nicht bereut.

Prezi ändert die Art und Weise, wie man sich Präsentationen gewohnt ist, von Grund auf. Anstatt Folien zu erstellen, die meistens aus Auflistungen bestehen und hin und wieder mal aus ein bisschen Text, gestaltet man mit Prezi im Prinzip ein Plakat, durch das sich der Betrachter dann durch Zoomen und Drehen hindurchbewegt. Der Effekt ist verblüffend (vermutlich auch deswegen, weil er noch recht ungewohnt ist), und das Erstellen einer „Prezi“ erstaunlich einfach – so einfach, dass es durchaus auch Kindern im Mittelstufen-Alter zugemutet werden kann.

Ein kleines Ärgernis habe ich jedoch beim Schreiben dieses Blogposts entdeckt: Prezis sollten sich im Prinzip – so wie z.B. Youtube-Filme – in Webseiten einbinden lassen. Funktioniert aber bei Word press nicht so ohne weiteres. Schade! Habe deshalb von meiner ersten Prezi ein Bildschirmfoto gemacht und dieses direkt mit der Prezi-Website verlinkt.

Computerkenntnisse von Kindern werden überschätzt

Wenn vor 20 Jahren 5 Prozent der Leute einen Computer zu Hause hatten, waren 95 Prozent von ihnen auch technisch versiert. Wenn heute 95 Prozent einen Computer haben, sind wohl noch rund 5 Prozent von ihnen technisch versiert.

Marc Scott

Computer werden immer anwenderfreundlicher. Spätestens als Apple im Januar 2007 das erste iPhone vorstellte brach die Zeit an, in der hochkomplexe Computer auch von Kindergärtnern bedient werden können. Das war nicht immer so: Zu meiner Jugendzeit brauchte ich noch rudimentäre Basic-Kenntnisse, um auf dem Commodore 64 meines Bruders ein Programm überhaupt zum Laufen zu bringen.

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Bild: Wikipedia

Es gehörte zur Selbstverständlichkeit, dass man sich zwischen den Spielen auch etwas näher mit Basic beschäftigte. Ein Höhepunkt war es, das selber geschriebene Programm fehlerfrei zum Laufen gebracht zu haben, und bestand dies nur darin, einen Punkt über den Bildschirm wandern zu lassen oder sogar eine einfache, selbstkreierte Pixelfigur. Basic lernen konnte man auch, indem man für einmal keine Raubkopien von Spielen laufen liess, sondern ganz legal in der Buchhandlung einen Wälzer von Data Becker kaufte und an regnerischen Sonntag Nachmittagen Spiele im Basic-Quellcode abtippte. Wenn nach ungezählten Stunden die Tipparbeit zu Ende war, kam, bevor das Programm endlich lief, die unvermeidliche Fehlersuche (auch genannt Troubleshooting), was fast noch einmal so lange dauerte.

Soviel zur Computer-Nostalgie.

eudora-mail-warningWeitere Generationen von Jugendlichen folgten. Die Kinder meiner Frau machten später die Erfahrung, dass es höchstes drei Wochen dauerte, bis ein Windows 95 hoffnungslos hinüber war, wenn man keinen Virenscanner installiert hatte und jeden Systemhinweis, jede Warnung ungesehen mit „OK“ quittierte, nur damit das sich auf welchen Wegen auch immer beschaffte Spiel möglichst schnell lief. Doch das machte nichts, weil schon irgend ein Erwachsener in der Nähe war, der für sie das Windows wieder neu aufsetzte. Aus pädagogischer Sicht ein klarer Fehler, weil ich die Kinder so um die wertvolle Erfahrung brachte, sich selber mit der die Installation des Windows-Betriebssystem auseinandersetzen zu müssen, und weil sie nicht damit konfrontiert waren, die Konsequenzen ihres Tuns selber zu tragen.

„Kinder sind am Computer sehr versiert“ – Wirklich?

In einem langen, sehr lesenswerten Artikel schreibt Marc Scott, wie die Computer-Skills von Kindern überschätzt werden von Erwachsenen, denen es ebenfalls an Computer-Skills fehlt.

Kinder und Jugendliche sind in der Handhabung am Computer sehr schnell, wodurch es scheint, dass sie sehr versiert mit einem Computer umgehen können. Das ist aber nur auf den ersten Blick so: Wenn man genauer hinschaut, so sieht man: Fehlermeldungen und Warnungen werden ungelesen weggeklickt. Oft haben sie keine Ahnung von Dateistruktur. Sie speichern in wochenlanger Arbeit erstellte Dokumente ausschliesslich auf einem Memory Stick ab und ziehen diesen furchtlos aus dem Computer aus, ohne ihn vorher auszuwerfen. Wenn jemand am Computer das LAN-Kabel ausgesteckt hat heisst es „Das Internet geht nicht mehr“.

Kinder sind aber auch sehr gut am Computer. Sie lernen am Computer das, was sie wirklich wollen und brauchen, auf effiziente Weise, indem sie ohne Hemmungen einfach ausprobieren – gar nicht anders, wie sie in der physischen Welt lernen. Was sie am Computer effektiv tun wollen, erreichen sie zielorientiert, indem sie nicht nur einfach ausprobieren, sondern auch wissen, wo sie nachfragen können, sei es bei ihren Kollegen – natürlich via Internet – oder bei Freund Google.

Nicht technik-, aber ziemlich medienkompetent

Kinder wissen zwar nicht, wie ein Computer funktioniert oder wie das Internet aufgebaut ist, doch sie finden sich darin bestens zurecht, genauso wie viele Erwachsene auch nicht wissen, wie ein Otto-Motor funktioniert, aber trotzdem Auto fahren können. Kindern muss man nicht erklären, was ein Link im Internet ist. Ihnen ist bekannt, dass ein Facebook-Konto erst ab dem Alter von 13 Jahren eröffnet werden darf, sie wissen aber auch, dass diese Einschränkung auf lächerlich einfache Weise zu umgehen ist. Sie können auf Facebook problemlos ein Youtube-Video posten. Sie können auch recht bald selbständig PowerPoint-Präsentationen erstellen. Als Jugendliche wissen sie, wie sich gewisse Einschränkungen des Betriebssystems auch ohne Admin-Rechte umgehen lassen, und sie können über Filesharing Dateien austauschen.

Das alles hat unbestritten eine Qualität: Sie heisst Medienkompetenz. Diese ist durchaus teilweise vorhanden, aber definitiv auch noch entwicklungsbedürftig. Und hier sind wir Erwachsenen gefragt; Lehrpersonen und Eltern gleichermassen. Voraussetzung ist allerdings, dass wir selber diese Kompetenz mitbringen.

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WLAN-Router von Apple: Muss ich wissen, was das ist? (Bild: Wikipedia)

Marc Scott beklagt nicht nur die überschätzten Computerfähigkeiten von Kindern, sondern ist auch besorgt über jene vieler Erwachsener. Als iScout kann ich davon manchmal ein Liedchen singen. Kürzlich war in einem Bereich eines Schulhauses das WLAN ausgefallen. Ich fragte eine betroffene Kollegin, wo in ihrem Zimmer der Router stehe. „Ach, ich weiss nicht, was ein Router ist“, sagte sie mit einem Unterton, der signalisierte, dass es sie auch nicht interessierte, was ein Router ist. Sie wollte einfach wieder Internet haben.

Ich brauchte nicht lange, um den Router zu finden und wieder einzustecken.

***

Auf Google+ hat Stefan Werner einen Kommentar hinterlassen, den ich gerne hier anfügen möchte:

Genau das, was ich bei meinen Kindern auch feststelle. „Ihre“ Anwendungen bedienen sie so schnell, dass ich keine Chance habe, mitzuhalten. Bei Rennspielen und so hängen sie mich problemlos ab. Bei Minecraft verstehe ich nichtmal genau, was sie machen.

Aber wenn sie einen Minecraft-Mod installieren wollen, dann muss Papa wieder ran. Und meine zaghaften Versuche, ihnen mit „AntMe“ oder einfachen Basic-Dialekten irgendeine Programmierbegeisterung beizubringen, waren nie so erfolgreich.

Ich glaube, die Computer sind einfach zu komplex geworden. Man muss eine extrem steile Lernkurve bewältigen, um von Null auf ein heutiges System zu kommen. Damit ist ein Kind einfach überfordert. Wir hatten es damals einfacher: Beim C64 kannte ich jedes Byte mit Vornamen und es gab die berühmten kommentierten ROM-Listings von DataBecker. Es war wirklich möglich, dem Computer beim Arbeiten zuzusehen, und man verstand, was er warum tat.

Heute tut er einfach magische Dinge, die nicht unbedingt logisch oder nachvollziehbar sind.

Darf eine Lehrperson politisch sein?

Um meine persönliche Antwort auf diese Frage gleich vorwegzunehmen: Ich meine ganz klar ja!

Soziale Netzwerke: Darf sich eine Lehrperson im Internet noch politisch äussern?

Soziale Netzwerke: Darf sich eine Lehrperson im Internet politisch äussern?

Doch das sehen nicht alle so. An einem Referat am diesjährlgen Kadervernetzungstag in Wil empfahl ein Mitarbeiter des Thurgauer Amts für Volksschule uns Lehrpersonen, sich auch privat im Internet möglichst nicht politisch zu äussern. Diese Aussage hat mich damals sehr gestört. Kann es wirklich sein, dass ich als Bürger meine politische Meinung nicht mehr kundtun soll, nur weil mein Arbeitgeber zufällig eine Primarschule ist?

Andreas von Gunten widmet sich auf seinem Blog ebendieser Frage. Ausgehend von einer Rüge, die ein SRF-Journalist von seinem Chefredaktor für eine private politische Äusserung auf Twitter erhielt, hinterfragt von Gunten diese Vorgehensweise kritisch und weitet sie gleichzeitig auf weitere Berufsfelder wie Behördenmitarbeiter, Angestellte von grösseren Unternehmen, die unter einer gewissen öffentlichen Beobachtung stehen, und eben auch Lehrpersonen aus. → Eine Rüge wegen Twitter, die nicht nur Journalisten betrifft

Keine „Maske des Haltungslosen“

Andreas von Gunten kommt dabei zum Schluss:

Ich bin der Meinung, (…) dass es zur moralischen Bildung des Menschen gehört, möglichst oft mit anderen Meinungen auch zu kontroversen Themen konfrontiert zu werden. Weiterhin muss es so sein, dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Ansichten zusammenarbeiten und zusammenleben können müssen. Dass sollte aber nicht dadurch erreicht werden, indem der eigentliche Mensch, hinter einer „Maske des Haltungslosen“ verschwindet, sondern dadurch, dass gegenseitiger Respekt bei gleichzeitiger Kritikfähigkeit gelebt wird.

Nur weil ich Lehrer bin, brauche ich deswegen nicht gleich meine politischen Einstellungen unter den Tisch zu kehren. Klar ist, dass ich mich mit politischen Äusserungen zurückzuhalten habe, wenn ich in meiner Funktion als Lehrperson auftrete. Doch auch wenn es zuweilen heisst, Primarlehrer sei ein Beruf, an dem es keinen Feierabend gebe: Wenn ich am Abend das Schulzimmer abschliesse und nach Hause gehe, bin ich nicht mehr in erster Linie Lehrer, sondern Privatmensch mit staatsbürgerlichen Rechten. Und zu diesen gehört selbstverständlich auch die Meinungsäusserungsfreiheit.