Schule

Deutsch mit Trapattoni

Kein wirkliches ICT-Thema, ausser dass man dazu diesen Film ab Youtube zeigen muss:

Giovanni Trapattonis für meine Generation unvergessene Pressekonferenz eignet sich bestens für den Deutsch-Unterricht. Erprobt habe ich dies bereits mehrmals in der 5./6. Klasse, aber auch in Deutsch-Stützkursen an der Berufsschule. Anhand der Fehler lässt sich die Grammatik aufzeigen, aber auch Unterschiede zu anderen Sprachen: Zum Beispiel, dass im Deutschen das Adjektiv immer vor dem Nomen steht und nicht, wie z.B. auf Italienisch, auch hinter das Nomen gestellt werden kann – nicht «eine Flasche leer», sondern eben «eine leere Flasche». Auch das Thema Haupt- und Nebensätze habe ich im Berufsschul-Stützkurs so schon behandelt. Potential dafür sehe ich auch für den Unterricht in DaZ (Deutsch als Zweitsprache).

Hier noch das Arbeitsblatt dazu.

Ich habe fertig.

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Eines der wichtigsten Lernziele: Medienkompetenz

Bild: CC alogenius (Flickr)

Bild: CC algogenius (Flickr)

Immer wieder mal wird man – ob man will oder nicht – mit dem Thema Medienkompetenz konfrontiert. Aktuell führe ich gerade eine Diskussion in einem Social Network, wo ich mir zu dem Thema wieder mal Gedanken mache.

Dies ist kein recherchierter oder mit Quellen abgeglichener Blogpost, sondern ich stelle hier lediglich dar, was Medienkompetenz für mich bedeutet.

Wer medienkompetent ist, ist nicht nur in der Lage, sich bei verschiedenen, gegensätzlichen Quellen zu informieren, sondern erkennt vielmehr sogar die Notwendigkeit darin, eine Information von einer Seite immer auch mit einer Zweitmeinung von anderer Seite zu vergleichen, die durchaus auch widersprüchlich sein kann. Wer medienkompetent ist, weiss auch mit solchen Widersprüchlichkeiten umzugehen.

Zur Medienkompetenz gehört für mich somit:

  • das bewusste Konsultieren verschiedenster, sich durchaus auch widersprechender Quellen;
  • das Abgleichen und Einordnen widersprüchlicher Informationen;
  • die Gewichtung dieser Informationen;
  • Die Information einer Quelle nicht einfach zu glauben, ohne sie vorher mit einer möglichst gegensätzlichen Quelle verglichen zu haben;
  • die abschliessende individuelle Einschätzung, wie glaubwürdig eine bestimmte Information ist, wobei diese Einschätzung stets eine momentane ist. Sie kann und soll sich entsprechend anpassen, wenn neue Informationen vorliegen.

Indizien für die Abwesenheit von Medienkompetenz sind:

  • eine Quelle für unglaubwürdig zu halten, nur weil eine andere Quelle dies behauptet;
  • eine Quelle für unglaubwürdig zu halten, weil sie eine Position vertritt, die der eigenen widerspricht;
  • Urteile zu einem Thema zu bilden, ohne sich sachlich damit auseinandergesetzt zu haben;
  • jede Form von Lagerdenken

Je medienkompetenter die Öffentlichkeit, desto schwieriger wird es für Parteien jeglicher Couleur, propagandistische Erfolge zu erzielen. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Weltlage ist für mich Medienkompetenz eines der wichtigsten schulischen Lernziele überhaupt.

Auf Sonnenfinsternis-Exkursion

Sonnenfinsternis

Einsetzende Sonnenfinsternis, fotografiert durch Rettungsfolie mit der Handy-Kamera.

Ich gebe zu, ich habe sie auch fast verpennt – die Sonnenfinsternis. Obwohl ich diese kosmischen Ereignisse faszinierend finde: So fuhr ich am 11. August 1999 nach Süddeutschland, um dort der totalen Sonnenfinsternis beiwohnen zu können, was eines der eindrücklichsten Ereignisse meines Lebens war. Auch reisten Regula und ich für die ringförmige Sonnenfinsternis vom 3. Oktober 2005 nach Ciudad Rodrigo in Spanien. Doch das Ereignis vom letzten Freitag hätte ich mit meiner Klasse tatsächlich fast verpasst.

Der glückliche Zufall wollte es aber, dass ich für den 20. März seit langem eine Exkursion geplant hatte: Wir gingen auf Geocaching-Tour. Erst Mitte letzter Woche wurde mir bewusst, dass unsere Exkursion genau auf die Sonnenfinsternis fällt; der Zeitpunkt hätte also nicht günstiger liegen können. Doch es gab noch ein Problem: Woher so schnell noch Brillen für die Sonnenfinsternis nehmen? Die Sonne mittels selbstgebastelter Linse zu projizieren wäre eine Möglichkeit gewesen. Ein Lehrer-Kollege von Regula hatte dann einen noch besseren Tipp: Eine Rettungsfolie, von der wir zu Hause zufällig noch eine hatten. Dreifach gefaltet bot diese den klaren und sicheren Blick auf die abgedeckte Sonne.

Wanderung bei partieller Sonnenfinsternis

Auf Wanderung während des Höhepunkts der Sonnenfinsternis: Das spezielle bleierne Licht ist auf dem Foto nicht erkennbar; ebenso wenig wie die eingesetzte Kälte.

Das fast perfekte Wetter (nur die Bergsicht war wegen Dunst leider eingeschränkt) und das zufällig ebenfalls perfekte Timing machten diese partielle Sonnenfinsternis zum Erlebnis. Wir standen mitten in einer Waldlichtung, als das spezielle bleierne Licht, das an Sonnenfinsternissen herrscht, auch von den Kindern staunend wahrgenommen wurde. Beim der maximalen Abdeckung der Sonne kurz nach 10:30 Uhr wanderten wir durch ein Hügeltal und realisierten, dass es spürbar kälter war als noch eine Stunde zuvor – ebenfalls eine Begleiterscheinung der Sonnenfinsternis.

Dass dieses sehr spezielle und seltene Naturphänomen auch für die Kinder zum unvergesslichen Ereignis wurde, da war auch viel Glück im Spiel. Doch vor allem hatten wir auch keine panik-schürenden und erlebnisfeindlichen Vorgaben von oben herab, so wie andernorts. (Hätte ich keine „Brillen“ mehr organisieren können, hätten wir die Exkursion deswegen nicht verschoben. Eine Sonnenfinsternis ist auch ohne Brille allein schon wegen des speziellen Lichtes ein Ereignis. Und ich habe auch Vertrauen in meine 5./6.-Klässler, dass sie nach entsprechenden Vorwarnungen – die ich am Vortag natürlich erteilt hatte – nicht direkt in die Sonne blicken, wenn sie sich der möglichen Konsquenzen bewusst sind.)

Auf die nächste partielle Sonnenfinsternis in der Schweiz vom Mittwoch, 12. August 2026 werde ich hoffentlich schulisch besser vorbereitet sein – wenn ich mir nicht gleich Urlaub nehme und nach Spanien fahre, um dort die totale Sonnenfinsternis zu beobachten.

Gratis-Karten für den Schulunterricht bei d-maps.com

Für den Realien-Unterricht brauche ich immer wieder mal Karten. Bis anhin hab ich das meist so gemacht wie der gewöhnliche Internet-DAU: Auf Google und dann Bildersuche. Sicher, so findet man auch was, irgendwann vielleicht auch in akzeptabler Qualität und möglicherweise gar ohne Copyright.

Bei einem der so gefundenen Bilder war unten eine URL vermerkt: www.d-maps.com. Sie fiel mir schon länger auf, aber da ich an einen kommerziellen Anbieter dachte habe ich sie nie ausprobiert – bis heute. Ich hätte es schon viel früher tun sollen: Unter d-maps.com gibts Karten in bester Qualität und in Hülle und Fülle. Für mein aktuelles Realien-Thema Thurgau finde hier Thurgau-Karten mit Städten, Gemeinden, Bezirken, Flüssen und nach vielen weiteren Kriterien angepasst. Der Dienst beschränkt sich aber nicht auf die Schweiz, sondern bietet Karten von allen Weltgegenden.

Ich bin begeistert und wundere mich, dass ich nicht schon viel früher darauf gestossen bin.

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Ganz ohne Nutzungsrechte gehts allerdings auch bei d-maps nicht:

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AppStore: Bei Missbrauch ist fertig mit Rückgaberecht

Vor gut zwei Wochen habe ich noch geschrieben, wie erstaunlich einfach es ist, im AppStore eine App wieder zurückzugeben. Dass dies manche Zeitgenossen auch zu missbräuchlichen Rückgaben einlädt – z.B. ein Spiel kaufen, zwei Wochen lang spielen und dann wieder rückerstatten lassen – hat man auch bei Apple mit einkalkuliert, wie ich auf Caschys Blog erfuhr. Wer zu viele Apps zurückgibt, wird eines Tages bei einem App-Kauf darauf hingewiesen, dass er die App nur kaufen und runterladen kann, wenn er auf sein Rückgaberecht – das er der EU-Gesetzgebung zu verdanken hat – ausdrücklich verzichtet.

No refunds beyond this point

No refunds beyond this point! (Bild: CC Ben Husmann / Flickr)

 

Deutsch In Schrieft Und Sprache!!!

Deutsch In Schrieft Und Sprache

Immer wieder höre ich im Schulalltag, dass die Schüler besser wieder richtig schreiben lernen, statt sich mit Zeugs wie diesem Internet zu beschäftigen. Dazu antworte ich jeweils: Beides ist wichtig, weil beides im Leben sowie im späteren Berufsalltag der Kinder gebraucht wird. Medienkompetenz brauchte der Transportunternehmer, um sein Inserat erfolgreich auf die Online-Stellenbörse raufzuladen. Doch ich räume ein, dass hinsichtlich seiner Kompetenzen in Rechtschreibung und Grammatik wohl noch Nachbesserungspotenzial besteht.

Versehentlich eingekauft

Problem meldenKürzlich habe ich in Apples Appstore wieder mal eingekauft. Kaum hatte ich auf „Kaufen“ geklickt und mein Passwort eingegeben fiel mir ein dass ich die gleiche Software vor einiger Zeit schon mal beim Hersteller direkt bezogen hatte. Mist – 15 Franken doppelt ausgegeben.

Es war reiner Zufall, dass ich wenige Tage später auf diesen Artikel im ipboneblog.de stiess. Gekaufte Apps kann man also zurückgeben? Wusste ich gar nicht.

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Unter der URL https://reportaproblem.apple.com erscheinen nach Anmeldung sämtliche Käufe, die man je bei Apple getätigt hat. Drückt man rechts neben den Kauf auf „Problem melden“, kann man dieses im Menu „Problem auswählen“ angeben. In meinem Fall wählte ich „Artikel versehentlich gekauft“. Apple will dann noch, dass man selber einige Worte dazu schreibt, was ich brav tat.

Dann ging alles sehr schnell: Ich kriegte eine Bestätigung, dass die Rücknahme erfolgt sei und mir den Kaufbetrag zurückerstattet werde. Voilà! Kundenservice vom Feinsten (den ich mir von Apple nicht immer gewohnt bin).

Update 18.1.15: Grenzenlos ist Apples Geduld mit missbräuchlichen Rückgaben allerdings nicht.

 

Bild der Woche: Instagram

Friends Graffity

Spam und Bots waren schon lange ein Ärgernis auf Instagram, um nicht zu sagen „Instaspam„. Nun endlich hat Instagram reagiert und – nicht ohne vorherige Ankündigung – ein paar Millionen Bots gelöscht, was überfällig war. Das hat dazu geführt, dass Instagram-Nutzer über Nacht einige Follower verloren, oder je nach (vermeintlicher) Popularität eben ein paar Millionen. Nicht richtige Follower, sondern imaginäre Follower; eben Bots, deren Daseinszweck einzig und allein darin bestand, die Followerzahlen anderer Nutzer aufzublähen. Also keine Menschen aus Fleisch und Blut, die anderen Nutzern gefolgt waren, weil sie deren Bilder so toll fanden.

Die Massnahme war überfällig. Dennoch hat sie bei etlichen Usern zu Proteststürmen geführt. Lieber mehr falsche „Fans“ als weniger echte; Hauptsache der Follower-Count ist möglichst aufgebläht. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Mein Instagram-Account ist übrigens seit einigen Monaten ziemlich verwaist. Stattdessen hab ich dafür Flickr wiederentdeckt. Nicht dass ich dort besonders aktiv wäre, aber die Community ist interessant und die Qualität der Bilder hoch.

90 Minuten Autofahrt für fünf Minuten Problemlösung

Weil der Dock-Connector an meinem iPhone kaum mehr Kontakt herstellte und ich Gefahr lief, mein iPhone irgendwann gar nicht mehr aufladen zu können, besuchte ich heute den Apple Store im Glatt-Zentrum in Wallisellen.

Apple Store im Glatt-Zentum

Gemütlicher Samstag-Vormittag-Kaffee vor dem Apple Store im Glatt-Zentrum.

Pünktlich zur Ladenöffnung um 9 Uhr war ich dort. Um 9:02 kam dann eine nette Apple-Store-Mitarbeiterin, fremdsprachiger Akzent (östlich?), wohl etwa 30 Jahre alt. Nicht die Art Person, der man auf Anhieb sein iPhone in Reparatur geben würde, aber das ist natürlich ein übles Klischee. Da ich meinen Besuch via Internet angemeldet und dabei auch mein Problem kurz geschildert hatte, brachte sie auch schon ein Dock-Kabel mit und stellte auf Anhieb fest, dass es gar nicht ganz ins Dock reinpasste, was mir selber gar nicht aufgefallen war. Sie hatte auch schon ein kleines Tool dabei, mit dem sie sogleich eine rund 1 Zentimeter lange Staubmaus aus dem kleinen Dock-Anschluss herauszog.

Ich ärgerte mich über mich selber: Dass Verunreinigungen im Dock-Anschluss der Grund des Problems sein könnten, hätte ich auch selber in Erwägung ziehen können, aber da ich das Problem fälschlicherweise an einem anderen Ort vermutet hatte, dachte ich überhaupt nicht an sowas. Die Apple-Mitarbeiterin tröstete mich und meinte, ich hätte dies nicht unbedingt selber erkennen können. Das Problem sei übrigens ein relativ häufiges: Wird der Dock Connector aus irgend einem Grund etwas feucht – beispielsweise, weil man das Gerät im Regen benutzt – sammelt sich dort Staub an und verstopft nach und nach die Anschlussbuchse. Dann testete sie noch kurz, ob sich das iPhone wieder aufladen lässt, was es problemlos tat.

Um 9:07 Uhr verliess ich den Apfel-Laden auch schon wieder. 90 Minuten Auto fahren für eine fünfminütige «Reparatur». Aber mit Babajeza im Glatt-Zentrum anschliessend einen Kaffee zu trinken war auch schön. Ausserdem machten wir auf dem Heimweg noch einen gemütlichen Verwandtschafts-Überraschungsbesuch in Brütten. Auch eine Möglichkeit, einen freien Samstag Vormittag zu verbringen – gar nicht mal die schlechteste. Und das Ziel dieses Vormittags, nämlich am Mittag wieder ein funktionierendes iPhone in der Tasche zu haben, habe ich ja schliesslich auch erreicht.

Emojis: Mehr als eine Spielerei

Mailbox-App mit Emojis

Mailbox-App auf dem Mac mit Emojis.

Ich mag Emojis. In Mails oder SMS finde ich sie zwar durchaus entbehrlich (bei zurückhaltender Anwendung nett, bei übertriebener eher nervend), doch in meiner persönlichen Arbeitsorganisation sind sie mittlerweile ein fester Bestandteil. Dies weil sie bunt und auffallend sind. Als visueller und im Grunde genommen organisierter Mensch (jedenfalls in Computerdingen; in meinem Arbeitszimmer siehts zuweilen anders aus) mag ich es, Dinge auf den ersten Blick zu erfassen. Und hierbei sind mir Emojis sehr hilfreich.

Während mich die neue Google Inbox zumindest in ihrer Beta-Phase noch nicht wirklich überzeugt, bin ich von der Mailbox App seit längerem schwer angetan. Als Jünger von David Allen und Anhänger des Zero Inbox Prinzips ermöglicht es mir die App, meinen Mail-Posteingang in wenigen Handstreichen leerzufegen und die Dinge so zu sortieren, dass mir der Überblick darüber gewahrt bleibt und ich sicher bin, dass auch nichts vergessen geht. Dass es sie Mailbox App nun seit wenigen Wochen auch für den Mac gibt (als Beta-Version), bedeutet für mich, dass ich mich der Perfektion meines Workflows annähere.

Und was haben nun die Emojis damit zu tun?

Mailbox App iPhone

Mailbox-App mit Emojis auf dem iPhone.

Weil sie bunt und auffallend sind erlauben sie mir einen prägnanten Überblick über meine Pendenzen. und ergänzen die Symbole der Mailbox-App in einer für mich sinnvollen Weise. Der Einsatz von Emojis beschränkt sich bei mir nicht auf die Mailbox, sondern auch auf andere Instrumente meiner Arbeitsorganisation wie etwa OmniFocus.

Da Emojis nicht für den Zweck erfunden wurden, zu dem ich sie verwende, wünsche mir noch viele weitere Emojis. Nicht noch mehr Smilies und Herzchen (von denen hat es nun definitiv genug), sondern solche, die für meine Arbeitsorganisation besser von Nutzen wären.

Emojis

Schriftart für Legastheniker

Zufällig traf ich beim Konfigurieren meiner Instapaper-App auf die Schriftart OpenDyslexic.

opendyslexic

OpenDyslexic wurde speziell für Legastheniker entwickelt. Wie die Schrift diesen helfen kann, können die Entwickler am besten selber erklären:

OpenDyslexic ist eine Schriftart, die speziell für legasthene Menschen entwickelt wurde. Manche legasthene Menschen haben Schwierigkeiten, die Richtung der Buchstaben zu unterscheiden oder es scheint ihnen, dass die Buchstaben nicht an ihrem Platz bleiben, sondern hin und her springen. In OpenDyslexic sind die Buchstaben unten etwas dicker. Durch dieses Gewicht kommt es zu keinem Umdrehen oder Verwechseln der Buchstaben mehr. Jeder Buchstabe hat seine eindeutige Form. So lässt sich z.B. aus einem “b” durch Spiegelung kein “d” erzeugen. Auch stehen die Buchstaben etwas weiter auseinander, was Studien zufolge für legasthene Menschen sehr hilfreich ist.

Die Schriftart gibts gratis zum Download und lässt sich nicht nur auf dem Computer installieren, sondern für die Browser Chrome und Safari auch als Browser-Addon hinzufügen, sodass auch der Inhalt von Internet-Seiten mit OpenDyslexic angezeigt wird.

So sieht das dann auf Safari aus (inklusive Darstellungsfehler im oberen Menu, zurückzuführen auf die grössere Breite der Schriftart):

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Im Vergleich dazu die Standard-Ansicht:

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„Wer wird Millionär“ fürs Schulzimmer

Screenshot von "Who wants to be a winner". Dass es auf Englisch daherkommt und mit dem Dollar als Währung ist kein Problem, weil sich die PowerPoint-Vorlage beliebig bearbeiten lässt.

Screenshot von „Who Wants to be a winner“. Dass es auf Englisch daherkommt und mit dem Dollar als Währung ist kein Problem, weil sich die PowerPoint-Vorlage beliebig bearbeiten lässt.

„Wer wird Millionär“ ist nicht nur eine bekannte Fernsehsendung, sondern auch ein beliebtes Spiel für Kinder, das auch von Lehrpersonen geschätzt wird; sei es um ein Thema zu vertiefen oder einfach nur, um mit der Klasse ein Quiz zu machen, etwa vor den Ferien.

Im Internet gibt es verschiedene kostenlose Möglichkeiten, an dieses Spiel zu kommen (das, wohl aus rechtlichen Gründen, unter unterschiedlichen Namen angeboten wird). Direkt bei RTL kann man „Wer ist Millionär“ online spielen; allerdings nur mit vorgegebenen Fragen, die für Kinder oft zu schwierig sind.

Eine Kollegin hat mich auf das kostenlose Programm „Wer wird Quillionär“ aufmerksam gemacht, das mir einen guten Eindruck macht, zumal man die Fragen und Antworten auch selber erstellen kann und ausserdem zu verschiedenen Themen bereits vorgefertigte Spiele runterladen und einbinden kann. Für manche ein Problem: Läuft leider nur auf Windows.

Dem gegenüber wird das Spiel „Who Wants to be a Winner“ von Mark E. Damon als PowerPoint-Vorlage angeboten, ist somit universell einsetzbar und kann beliebig angepasst werden. Ab dem Mittelstufen-Alter übrigens auch dazu geeignet, von Kindern eigene Quiz erstellen zu lassen.

Als heute Morgen fast das Internet kaputt war

Heute fiel bei „Schulen ans Internet“ die Google-Suche aus. Das ist nicht lustig. Lustig sind aber manche Reaktionen betroffener Lehrpersonen und Schüler.

Ein kurzes Verlaufsprotokoll des heutigen Tages:

  • 7:00 Uhr: Ich arbeite seit 30 Minuten normal mit Internet, ohne etwas Besonderes zu bemerken. Eine Kollegin kommt: „Das Internet geht nicht!“. Ich vermute erst eine lose Kabelverbindung – zu Unrecht. Doch die Google-Website auf ihrem PC lädt tatsächlich nicht. Nach dem Aufruf einer anderen Website ist der Fall schnell klar, und ich schreibe einen Tweet an den Swisscom-Support.
  • 8 Uhr: Ein Schüler, nachdem ich ihn darauf aufmerksam machte, dass Google heute Morgen nicht funktioniert: „Hä? Aber wie komme ich denn zu Antolin ohne Google?“ Es folgt ein Crashkurs in Sachen ICT-Standards M02 und im erweiterten Sinne von M17.
  • 8:30 Uhr: Da ich es versäumt habe, das Team über den Google-Ausfall zu informieren, trudeln die ersten Fehlermeldungen ein: „Das Internet geht nicht!“ – abgeschickt per E-Mail vom Arbeitsplatz. (Ja, genau.)
  • 16 Uhr: Google-Suche funktioniert immer noch nicht. Ob die Ursache bei Swisscoms ZScaler-Hack liegt, ist mir bis dato unbekannt.

Danke fürs Vertrauen

Ich habs gern, wenn die Arbeit unbürokratisch vonstatten geht. Doch manche „Supportanfragen“ lassen mich hin und wieder doch über ein Fehlermeldeformular nachdenken.

MacBook mit Fehlermeldung: «Bitte mal anschauen».

MacBook mit Fehlermeldung: «Bitte mal anschauen».

Da das MacBook normal startete und keinerlei auf den ersten Blick ersichtlichen Probleme aufwies, sage ich nur: Danke für das leider ungerechtfertigte Vertrauen in meine hellseherischen Fähigkeiten. 🙂

Neulich, beim Medienzentrum der PH Thurgau

Ich muss es vorweg sagen: Das Medien- und Didaktikzentrum der PH Thurgau in Kreuzlingen, kurz MDZ, bietet einen hervorragenden Service: Studenten und Lehrpersonen können hier kostenfrei und reichlich Material für den Schulunterricht ausleihen. Ich schätze es, dass es diesen Service gibt und dass ich jederzeit auf ihn zurückgreifen kann, falls es mir zu einem Thema mal an Material fehlt.

Das Corpus Delicti: Mein Benutzerausweis des MDZ, mit sichtbaren Abnützungsspuren durch jahrelanges vergebliches Herumtragen im Portemonnaie.

Das Corpus Delicti: Mein Benutzerausweis des MDZ, mit sichtbaren Abnützungsspuren durch jahrelanges praktisch gebrauchsloses Herumtragen im Portemonnaie.

Allerdings brauche ich den Service auch eher selten. Und so habe ich auch meinen MDZ-Benutzerausweis irgendwann aus meinem Portemonnaie entfernt, zusammen mit etlichen anderen Kärtchen, die ich ebenfalls (fast) nie brauche, wie Krankenkassen-, Autoversicherungs-, Personalausweis- usw.- Kärtchen. Ich trage nämlich auch so noch mehr als genug Kärtchen mit mir herum: Mein Zweitberuf erfordert es, dass ich nicht weniger als drei Fahrausweise bei mir habe, ausserdem benutze ich regelmässig zwei Maestro-Bankkarten sowie eine weitere Kreditkarte, dann kommen noch mein Halbtax-Abo, meine Tank-Karte und meine ID hinzu. Man rechne: Wenn nun jede Karte ca. 0,8 mm dick ist, machen diese allein mein Portemonnaie um gut 7 mm dicker. Als ich noch alle anderen Karten mit mir herumtrug waren es mehr als 10 mm. So habe ich mein Portemonnaie – und mich – einmal von allen überflüssigen Kärtchen befreit. Auch mein MDZ-Benutzerausweis fristet seither sein Dasein zu Hause in einer Schublade.

Manchmal entscheide ich spontan, nach Schulschluss noch schnell im MDZ vorbeizugehen. Oder, zugegeben, ich denke am Morgen zu Hause noch nicht daran, dass ich abends vielleicht im MDZ noch was abhole. In beiden Fällen tauche ich dann ohne Karte am Schalter auf. Für das MDZ aber an sich kein Problem; jedenfalls kein technisches. Ich kenne meine vierstellige Mitgliednummer, und die Bibliothekarin kann meine Identität mit einem der vielen Ausweise, die ich ja bei mir habe, problemlos überprüfen. Da die MDZ-Karte kein Passfoto hat, müsste die Überprüfung via Personalausweis sogar sicherer sein.

Allerdings hat man sich beim MDZ offenbar entschieden, seine Kundschaft zu erziehen. Ich bin mir Rückfragen im belehrenden Ton bereits gewohnt, doch ich letzte Woche erlebt habe, machte mich – wie es auf Mundart so schön heisst – putzig.

Die Bibliothekarin im Studentenalter war kurz davor, mir die Herausgabe der reservierten Gegenstände zu verweigern. Dabei schlug sie einen Tonfall an, mit dem jeder Lehrling, den man auf die Kundschaft loslässt, sei es im KV, als Coiffeuse oder als Velomech, die Lehrstelle innert weniger Wochen los wäre. Eine höflich, aber bestimmt geäusserte Vorwarnung, dass ich den Laden umgehend verlassen würde, wenn sie diese Diskussion ernsthaft so mit mir weiterführen wolle, setzte ich kurz darauf in die Tat um.

Am nächsten Morgen schrieb ich eine E-Mail ans MDZ, um den Vorfall zu schildern, und bekam sogleich eine nette und ausführliche Antwort. Obwohl mir die Antwortende mitteilte, schon alle möglichen Alternativen zur Plastikkarte geprüft zu haben, bedankte sie sich höflich für meine unten genannten Anregungen, die man „wie alles, was der Verbesserung unseres Services dienen könnte, gern entgegennehme und prüfen werde.“ Mal schaun…

Wie gesagt, ich schätze das Angebot des MDZ. Noch viel besser wäre der Service, wenn sich das MDZ eines Tages entscheiden sollte, mit einem technisch moderneren Buchungssystem zu beglücken. Etwa einem Strichcode, den ich mittels Bilddatei auf dem Smartphone mitführen könnte, oder, so wie es die Migros mit dem Cumulus-Code macht, mit einer Klebetikette im Portemonnaie. So würde ich mich auch beim MDZ jederzeit gerne bei einer hoffentlich netten Bibliothekarin ausweisen.

Wir sind wütend!

Eine der wenigen Sternstunden in der Diskussion um die Ukraine-Krise: Der ehemalige Vorsitzende des NATO-Militärausschusses erklärt im ZDF, warum die «Beweise» für eine angebliche russische Invasion in der Ukraine wohl gefälscht sind (ab Minute 4:52).


Medienkompetenz ist eine Fähigkeit, die – wie in diesen Tagen so offensichtlich wie selten zuvor – je länger je wichtiger wird. Um die vielen Informationen, die uns das Internet bereitstellt, nach Qualität und Relevanz abzuwägen braucht es viel kritisches Urteilsvermögen sowie Wissen und Erfahrung. Früher nahm die Bezahlpresse die Funktion des «Torwächters» ein: Aus der Fülle von Informationen, die ihr zugetragen wurden (und dem gewöhnlichen Medienkonsumenten gar nicht zugänglich waren) wählte sie aus, überprüfte Informationen auf ihre Richtigkeit und stellte bei wichtigen Storys auch eigene Recherchen an, wobei gut vernetzte Journalisten auf Informanten ihres Vertrauens zurückgreifen konnten.

Wenn die Torwächter schlafen, wird kritisches Urteilsvermögen umso wichtiger

Die Bezahlmedien sind de facto zu Gratismedien mutiert und haben sich selber das Zertifikat «Qualitätsmedien» verliehen. Entgegen der Selbstbeweihräucherung nehmen sie die Torwächterfunktion immer noch in Anspruch, aber immer seltener wahr. Was uns dieser Tage in Sachen Berichterstattung aus der Ukraine zugemutet wird spricht halbwegs informierten Zeitgenossen Hohn. So kommentiert der Infosperber heute:

Wem darf man in der ganzen Sache noch glauben?
Wahrscheinlich niemandem. Und schon gar nicht den Medien.

Es drängt sich der Eindruck auf, die publizierten Berichte werden der Presse direkt von Rasmussens Redenschreiber diktiert. Die Ukraine-Korrespondenten der „Qualitätsmedien“ sitzen in Wien, Berlin, bestenfalls in Moskau, aber nicht in Kiew oder Sewastopol und schon gar nicht in Donezk oder Luhansk. Schuldfragen werden als geklärt betrachtet, wo noch kaum gesichertes Wissen vorliegt, wie etwa beim Absturz des malaysischen Passagierflugzeugs MH17, bei dem die Publikation des Untersuchungsberichtes von klandestinen Kreisen verzögert wird und – wie man uns schon mal vorab mitteilt – auf die Veröffentlichung von existierenden Stimmenrekorder-Aufnahmen verzichtet werden wird. Als «gesicherte Information» galten auch zwei russische «Invasionen», die sich beide Male als plumpe Fälschungsversuche entpuppten.

Der Journalismus ist kaputt

Die Liste journalistischer Fehlleistungen und Nachlässigkeiten ist lange und eklatant. In manchen Bereichen mag der traditionelle Journalismus noch funktionieren, wie etwa in der Inlandberichterstattung bei der Aufdeckung der Drahtzieher in der Causa Geri Müller, und selbst beim Thema Ukraine gibt es Lichtblicke: So stammt obiger Link zu den (skandalösen) Verschleierungsversuchen zum Untersuchungsbericht verweist auf einen Artikel der deutschen Welt. Der über dem Artikel eingebettete Diskussionsausschnitt stammt aus der Diskussionssendung von Maybrit Illner, und ebenfalls beim ZDF ist die Sendung «Die Anstalt» schon durch wohltuend kritische Betrachtungen der Ukraine-Krise aufgefallen.

Leider sind diese Lichtblicke seltene Ausnahmen im Propagandalärm, den die Massenmedien mangels schlafenden oder entlassenden Torwächtern ungefiltert auf uns hereinprasseln lassen. Gerade in der Ukraine-Krise mit ihren beängstigenden potentiellen Folgen sollte uns dies nicht einfach egal sein.

Und warum steht jetzt dies alles auf dem iScout Blog? Weil Medienkompetenz ein unumstrittener Teil unseres Bildungsauftrags ist. So heisst es im aktuellen Thurgauer Lehrplan für die Primar- sowie für die Sekundarschule:

Die Volksschule unterstützt die Schülerinnen und Schüler in einem überlegten Konsumverhalten, sinnvoller Freizeitgestaltung und kritischer Auseinandersetzung mit den Massenmedien. Sie fördert dabei insbesondere die Eigenaktivität.

… und wer den Schülern einen kritischen Umgang mit den (Massen-)Medien vermitteln will sollte selber über einen solchen verfügen.

Wirklich wütend

Unzufrieden mit den Medien war vor bald drei Jahren am österreichischen Fernsehen auch Roland Düringer, der den Zuschauern in einer dreiminütigen Schimpftirade mitteilte, worauf er alles wütend ist – ab Minute 2:50 kommt auch das (österreichische) Schulsystem dran.

Der Film, der an Kritik nichts enthält, was bei uns in den 80er-Jahren nicht auch ein Niklaus Meienberg hätte sagen dürfen, wurde mittlerweile offenbar vom ORF entfernt und «zur Ausstrahlung gesperrt», was bei den Österreichern im Netz nun für Empörung sorgt. Recht so!

Ja, Medienkompetenz ist wichtig

Die Aargauer Grünen liefern heute ein gelungenes Beispiel, warum Medienkompetenz wichtig ist. Und ich meine jetzt nicht den amtierenden Badener Stadtpräsidenten, sondern den Verantwortlichen für den Parteiauftritt auf Twitter.

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 Vielleicht wäre der untere Tweet nie abgeschickt worden, wären die Betreiber während ihrer Schulzeit in den Genuss des Fachbereichs „Medienbildung“ gekommen, wie es der Lehrplan 21 vorsieht (dessen Einführung im Kanton Aargau soeben um ein paar Jahre zurückgestellt wurde. Dies allerdings nicht unbegründet – Konsolidierung kann im Bildungswesen gegenwärtig auch nicht schaden.)

Fundstücke aus dem Internet: Die Attosekunde

Das eine oder andere Thema zum Bloggen fällt mir zum Schulanfang ja schon ein:

  • … der mehrstündige Aufwand, den man als Admin von drei Schulhäusern hat, bis alle Logins auf den Schulhaus-Servern und LehrerOffice-Zuteilungen wieder einigermassen ordnungsgemäss eingerichtet sind
  • … die Arbeit, welche das Abräumen aller PCs vor und Wiederaufstellen derselben nach den Sommerferien erfordert (je nach Schulhaus mit iMacs oder Laptops eine Frage von Minuten, mit Tower-PCs, die erstaunlicherweise immer noch nicht verschwunden sind, eine von Stunden)
  • … oder, privat, mein (gar nicht so) altes MacBook, das seit vielen Monaten seine WLAN-Dienste nur sehr launisch erfüllt (noch kein Techniker konnte mir bislang sagen warum) und das Steve Jobs‘ enthusiastisches „It just works!“ wie blanker Hohn klingen lässt.

Stattdessen blogge ich lieber über die Attosekunde:

KcGw8YFAwesome! 🙂

Der Blick – ein Porno-Heftli?

Wie weit an Schulen Internet-Content gefiltert werden soll, war bereits in der Diskussion um das Aufbrechen von sinnvollen Sicherheitsmechanismen durch die Swisscom Gegenstand der Debatte. Kürzlich staunte ich aber nicht schlecht, als ich einen auf meinem Twitter-Feed verlinkten Blick-Artikel lesen wollte und auf meinem iPhone statt des Artikels die folgende Meldung erschien:

Der Blick – ein Porno-Heftli?

Beim Blick selber nahm man es, nachdem ich die Pornografie-Warnung getwittert hatte, mit Humor:

Auch bei Swisscom hat man auf meine Meldung hin sofort reagiert und den Blick umgehend wieder von der Schmuddel-Filterliste genommen – jedenfalls im Kanton Thurgau. Wie das andernorts aussieht weiss ich nicht. Als ich vor zwei Jahren im Kanton Zürich unterrichtete stellte ich fest, dass der Blick im Schul-Internet nicht aufrufbar war und dort vom Filter geblockt wurde. An die genaue Filter-Kategorie erinnere ich mich nicht, aber es war wohl nicht „Pornografie“.

Es ist grundsätzlich richtig, dass das Internet in unseren Schulstuben nicht ungefiltert zugänglich ist. Allerdings stellt sich wie überall die Frage nach der Verhältnismässigkeit, sei es bei den Methoden oder bei der Art des gefilterten Inhalts. Als einer, der die Jugendzeit in den in vieler Hinsicht wesentlich liberaleren 80er-Jahren unbeschadet überstanden hat finde ich es richtig, dass man den Blick auch in der Schule ungefiltert lesen darf, selbst wenn es einem dort passieren kann, auch mal auf ein wenig sehr zurückhaltend präsentierte Nacktheit zu stossen. So viel sollte uns unsere verfassungsmässig garantierte Meinungs- und Informationsfreiheit wert sein, ebenso wie wir auch unserer Jugend so viel Vertrauen entgegen bringen sollten, jeglichen von Blick präsentierten Inhalt verarbeiten zu können.

Kindererziehung 2.0

musical-ps-altnau-plakatDie letzte Woche war unsere Klasse mit den letzten, intensiven Vorbereitungen für ein Musical beschäftigt, das wir am vergangenen Wochenende aufgeführt haben. Die Aufführung wurde – ich denke, das darf ich hier so sagen – ein voller Erfolg. Dies vor allem auch deswegen, weil die intrinsische Motivation der Kinder für dieses Projekt zu 100 Prozent vorhanden war. Wenn Schule immer so wäre, so sein könnte, würde sie allen Beteiligten jeden Tag Spass machen, und es bräuchte keine Strafsysteme für nicht gemachte Hausaufgaben.

Leider sind solche Situationen im Schulunterricht – vorsichtig ausgedrückt – doch eher Ausnahme. Vielleicht gibt es vereinzelte Genies von Lehrpersonen, die es schaffen, die intrinsische Motivation der Kinder zu wecken, das Präteritum zu beherrschen, das Französisch-Vokabular zu erweitern oder den Prozess der schriftlichen Division zu verstehen – mir ist dies bislang leider noch nicht gelungen. Damit die Hausaufgaben jeden Tag pünktlich abgegeben werden, braucht es eine Dosis extrinsischer Motivation – bei vereinzelten Kindern eine ziemlich hohe Dosis. Hier ein Vorschlag für Eltern, wie sich eine solche Dosis verabreichen lässt:

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Dem wäre anzufügen: 4. Hausaufgaben machen

Gratis? Von wegen.

Wer noch immer dem Irrtum aufliegt, Dienste wie Google oder Facebook seien gratis zu haben, dem sei dieses Video, auf das ich gestern über den Twitter-Kanal von Kim Dotcom gestossen bin, wärmstens empfohlen:

Und da wir auch namhaften Unternehmen wie Yahoo nicht trauen dürfen, unsere Bedürfnisse und Rechte ernst zu nehmen, dienen die von der Werbeindustrie verpönten AdBlocker nicht nur dazu, lästige Werbung auszublenden, sondern erhöhen, sozusagen als sehr erwünschter Nebeneffekt, gleichzeitig auch unseren Schutz vor Datenklau und unsere Computersicherheit.

Darum meint auch Matthias Leisi völlig zu Recht:

 

Arbeitsblätter für Grundfertigkeiten, leicht gemacht

Wer hat sich kürzlich wieder beklagt, im Unterricht stünden einfach zu wenige Arbeitsblätter zur Verfügung? Dem Mann, der Frau kann geholfen werden:

Unter www.grundschulstoff.de gibts zahlreiche Vorlagen für Arbeitsblätter zum selber Machen. Angeboten werden Grundfertigkeiten in Deutsch und Mathematik, aber auch für Englisch und Realien (Mensch und Umwelt) finden sich ein paar Sachen.

Obwohl die Site aus Deutschland stammt, gibt es vereinzelte Vorlagen, die für den Schweizer Schulunterricht nicht so interessant sind  – wobei es natürlich in der Schweiz nicht untersagt ist, im Geografieunterricht Deutschland zu behandeln und die Schüler auch mal die deutschen Bundesländer und ihre Hauptstädte lernen zu lassen. 😉 Doch hat man sich bei Grundschulstoff.de in anderen Bereichen die Mühe gemacht, auch für den Schweizer Unterricht kompatibel zu sein: So ist etwa beim Arbeitsblatt für die schriftliche Multiplikation eine Funktion implementiert, mit der sich die Rechnungen so gestalten lassen, wie es in der Schweiz gelehrt wird, nämlich mit dem kleineren Faktor auf der linken Seite.

Schriftliche Multiplikation bis 1.000: Das Arbeitsblatt lässt sich auch so generieren, dass es für den Schweizer Schulunterricht passt. (Bildschirmaufnahme von grundschulstoff.de)

Schriftliche Multiplikation bis 1.000: Das Arbeitsblatt lässt sich auch so generieren, dass es für den Schweizer Schulunterricht passt.

Darauf gestossen bin ich über den Newsletter von Educanet, der seinerseits wiederum auf den Zentralschweizer Bildungsserver zebis.ch verweist, wo es noch andere interessante Werkzeuge für den Unterricht gibt.

Fliegen mit Google Earth

Google Earth ist nicht nur ein lustiger Zeitvertreib, sondern auch ein sehr hilfreiches Tool für verschiedenste denkbare Anwendungen.

Ein Schüler-Musical, das wir in wenigen Wochen aufführen werden (am 17. Mai in der Schwärzi-Halle in Altnau) heisst „Musig-Gschichtä us dä Schwiiz“. Die Rahmengeschichte ist eine Busreise an verschiedenste Orte in der Schweiz, und so suchten wir nach Möglichkeiten, wie wir diese kurzen Reisen darstellen können. Da zur Bühnenkulisse auch eine grosse Leinwand gehört, mit denen wir einzelne Szenen bebildern, kam ich auf die Idee, mit Google etwas zu machen. Heraus kam der folgende Kameraflug:

Noch immer liesse sich vieles perfektionieren, doch bis es so weit war, musste ich sehr viel üben, ausprobieren, anpassen, verbessern.

Meine ersten Versuche machte ich nicht mit Google Earth, sondern mit Google Maps. Zunächst erstellte ich auf Google Maps einfache Routen und verfolgte sie mit der 3D-Ansicht. Das Resultat war nicht umwerfend: Abgesehen vom störenden „Pfeil“ (eher ein umgekehrter roter Regentropfen), der dauernd an der Stelle des „Reisenden“ und somit in der Bildmitte bleibt, ist die Bewegung auch ruckelig. So suchte ich nach Möglichkeiten auf Google Earth – und wurde fündig. Wie man zum fertigen Film kommt, dazu gilt das Sprichwort „Viele Wege führen nach Rom“.

Bevor ich genauer schildere, wie ich meinen Kameraflug erstellt habe, sollte ich noch erwähnen, dass ich diese auf einem Mac gemacht habe. Dies ist darum von Bedeutung, weil der Mac als Bordmittel den Quicktime Player mitbringt, inklusive der Funktion, Bildschirmaufnahmen machen zu können. Benutzer anderer Betriebssysteme müssen sich nach einem gleichwertigen Tool umschauen, es sei denn, sie leisten sich Google Earth Pro, bei dem man solche Kamerafahrten als Filmdatei exportieren kann. Mit einem Kaufpreis von 399 $ ist diese Software aber wohl eher nicht für den Heimanwender gedacht.

Um meinen Kameraflug von Altnau nach Glarus zu erstellen ging ich folgendermassen vor:

  1. In Google Earth über die Funktion „Route berechnen“ (oben links unter dem Suchfeld) erst mal die Route von Altnau nach Glarus eingeben. Diese Route brauche ich später nicht mehr, aber sie ist hilfreich bei den folgenden Schritten.
  2. In die Vogelperspektive gehen, so dass die gesamte Route direkt von oben ersichtlich ist
  3. Über die Funktion „Pfad erstellen“, entweder über die Menufunktion Hinzufügen > Pfad“ oder über das folgende Symbol:  Bildschirmfoto 2014-04-20 um 09.58.08
  4. Den Pfad im entsprechenden Feld benennen. Vor dem Schliessen können jetzt auf der Karte die einzelnen Punkte des Pfads ausgewählt werden. Am besten bleibt man nahe bei der Route; damit die Fahrt anschliessend aber nicht zu unruhig wird empfiehlt es sich, nicht gleich bei jeder kleinen Kurve einen Pfadpunkt zu setzen. Sind alle Punkte gesetzt, kann man das Fenster wieder schliessen.
  5. Wer den blauen Strich der Route nicht auf dem Film haben will, kann jetzt die Route schliessen, indem er auf das „X“ unterhalb der Routenangaben klickt.
  6. Damit man nicht wie eine Maus direkt auf dem Asphalt bzw. durch das Gras kriecht und auch Kamerawinkel und Fluggeschwindigkeit einigermassen stimmen, müssen bei Google Earth noch gewisse Einstellungen vorgenommen werden. Hier gilt es zu experimentieren; für meinen Flug habe ich folgende Einstellungen vorgenommen:Pfad-Einstellungen auf Google Earth

Die Route ist nun fertig und kann nun abgeflogen werden. Die Funktion dazu ist eher versteckt: Man startet den Flug, indem den neu erstellten Pfad in der linken Seitenleiste auswählt und danach auf das Start-Symbol klickt:

Start

 

 

Es empfiehlt sich, die Route vor der Bildschirmaufnahme ausreichend oft und auch ausreichend langsam abzufliegen: Die Google-Earth-Kamera fliegt nämlich schneller, als das Programm die Bilddaten in den Cache-Speicher laden kann. Fliegt man zu schnell darüber, sieht man statt Häuser und Felder nur braune und grüne Pixel. So sollte man beim ersten Flug alle paar Sekunden einmal die Pause-Taste drücken, um Google Earth genug Zeit zu geben, die Grafiken in den Speicher zu laden. Sind sie einmal drin, bleiben sie auch dort, und Google Earth ist nun bereit für die Bildschirmaufnahme.

Die Bildschirmaufnahme selber machte ich wie oben erwähnt mit dem Quicktime Player (Befehl „Neue Bildschirmaufnahme“, im sich öffnenden Fenster den roten Knopf drücken, mit der Maus den Bildschirmbereich auswählen und „Aufnahme starten“ drücken).

Perfektionisten seien gewarnt: Zum Verfeinern gibts endlose Möglichkeiten. Um einen schön abgerundeten Flug zu erstellen, habe ich vor und nach dem Flug jeweils eine Ortsmarkierung erstellt. So stellte ich sicher, dass das Anfangs- sowie das Schlussbild des Films genau so aussieht, wie ich mir das vorstelle. Für die Bildschirmaufnahme bedeutet dies volle Konzentration, damit man nicht versehentlich mit der Maus über den Bereich der Bildschirmaufnahme fliegt sowie verhindert, dass Google Earth ein gemeines, gelbes Popup-Fensterchen öffnet, das dann in die Bildschirmaufnahme hineinragt, wenn man die Maus über den falschen Punkt bewegt.

Nun gilt es üben, üben, üben. Für unser Musical habe ich mehrere solche Kameraflüge erstellt. Während ich für den ersten deutlich mehr als eine Stunde brauchte, bis alles einigermassen meinen Vorstellungen entsprach, ging der Prozess schon beim zweiten wesentlich flotter von der Hand.

Billig und effizient Fremdsprachen lernen

Letzte Woche stiess ich auf folgenden Tweet von Martin Weigert:

In relativ jungen Jahren – kurz nach Abschluss meiner Lehre – lebte ich ein halbes Jahr lang in Kanada und bereiste dieses Land auch für mehrere Monate. Schon damals fiel mir auf, was auch im Zeit-Artikel explizit erwähnt wird, nämlich wie gut namentlich Skandinavier und Holländer Englisch sprachen. Als ich die Frage nach dem Grund dafür einem Norweger stellte, antwortete dieser, natürlich lernten Sie in der Schule auch Englisch, aber ihre Fertigkeiten in dieser Sprache hätten sie in erster Linie deswegen, weil in Norwegen (wie auch in den anderen genannten Ländern) sämtliche Filme in Fernsehen und Kino im Originalton gezeigt würden. Für diese bevölkerungsmässig kleinen Sprachgruppen lohnte es sich nicht, Synchronfassungen zu produzieren, weshalb man sich auf Untertitel beschränkt.

Mein subjektiver Eindruck wird nun auch wissenschaftlich untermauert. So beruft sich der Zeit-Artikel auf eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studie mit der Feststellung:

Deutschland gehört wie Frankreich, Italien und Österreich [und die Schweiz – Anm. iScoutblog] zur Gruppe der Länder, in denen die Synchronisation vorherrscht. In Ländern, in denen besonders gut Englisch gesprochen wird wie den Niederlanden, in Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Estland wird der Untertitelung der Vorzug gegeben.

Schon damals – lange vor Beginn meiner Karriere als Primarlehrer – vertrat ich die politisch nicht opportune Meinung, man könne auf Englisch in der Volksschule (damals bei uns erst ab der Sekundarschule) verzichten, wenn man stattdessen englischsprachige Filme in der Originalfassung ausstrahlen würde.

"Dr. House" alias "House, M.D." – in der deutschen Synchronfassung kaum auszuhalten für den, der die Originalfassung kennt. Bild: http://mbti-of-fictional-characters.tumblr.com

„Dr. House“ alias „House, M.D.“ – in der deutschen Synchronfassung kaum auszuhalten für den, der die Originalfassung kennt. Bild: http://mbti-of-fictional-characters.tumblr.com

Schüler schauen sich bestimmte Filme ja oft weit mehr als nur einmal an. Diesen gebe ich dann jeweils den Tipp, ihre Lieblingsfilme spätestens ab dem dritten Mal in Englisch zu schauen. Da sie die Handlung ja bereits kennen, würden sie nichts verpassen, darüber hinaus aber – und davon bin ich überzeugt – sehr viel für ihre Englisch-Kompetenzen tun. Leider tun das dann aber doch nur die allerwenigsten. Sie finden ihre Lieblingsfilme in der Synchronfassung offenbar besser, oder aber sie wollen nicht auch noch in ihrer Freizeit von dem mühseligen Fremdsprachen-Unterricht belästigt werden. Denn mühselig ist dieser – ob auf Französisch oder Englisch – für sehr viele von Ihnen. Die frühen Fremdsprachen sind, entgegen aller Versprechungen von Politikern und Bildungsdirektoren, längst zu knallharten Leistungsfächern „avanciert“.

Das ist schade – in vielerlei Hinsicht. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Filme in ihren Synchronfassungen sehr viel von der Qualität ihres Originals einbüssen.

Weshalb das Aufbrechen von HTTPS-Verbindungen durch die Swisscom problematisch ist

Via Martin Steiger bin ich auf dieses Dokument (PDF-Download) des Informatikers Rainer Meier gestossen, in welchem in einfacher Sprache erklärt wird, wie Swisscom via die Firma ZScaler verschlüsselten Datenverkehr innerhalb des Schulnetzes aufknackt und warum dies problematisch ist.

Unter anderem erklärt Rainer Meier:

«Solche Angriffe werden üblicherweise von dritten vorgenommen, um an die übermittelten Daten zu gelangen, und sind illegal. Aber auch Firmen setzen solche Systeme ein um die verschlüsselten Daten vom und zum Internet analysieren zu können. Die Betroffenen müssen hier aber informiert werden und üblicherweise dem Einsatz solcher Systeme zustimmen (meistens über Mitarbeiter-Vereinbarungen geregelt). Da ein solches System die Privatsphäre sowie Sicherheit der übertragenen Daten gefährdet, sollten sich die Mitarbeiter bewusst sein, dass ihre Daten dadurch von dritten gelesen werden können.» [Hervorhebung durch iScoutblog]

 Die entsprechende Information der Mitarbeiter (sprich Lehrpersonen, Schulleiter u.a.) ist im Fall Swisscom/ZScaler definitiv nicht ausreichend erfolgt. Ich habe jedenfalls in keiner Weise meine Zustimmung dazu gegeben noch irgend eine entsprechende Mitarbeiter-Vereinbarung unterzeichnen müssen, und ich weiss auch von keiner Schule, in der so etwas erfolgt wäre.

Des weiteren mahnt Rainer Meier, skeptisch zu bleiben:

 Wer seiner Firma hier voll vertraut sollte trotzdem skeptisch sein, denn durch die aufgebrochene Verschlüsselung ist es für den Benutzer auch unmöglich, weitere Manipulationen zu erkennen. Beispielsweise wenn die Firmen-Systeme ebenfalls von dritten manipuliert wurden oder die Firma selbst Opfer seines solchen MITM-Angriffs wurde:

Bild: Rainer Meier

Bild: Rainer Meier

Zeitumstellung: Alle halbe Jahre das gleiche Geklön

Nun haben wir unsere Uhren wieder eine Stunde vorgestellt, und ich freue mich bereits im Frühling und noch bis spät in den Herbst auf lange, helle Abende.

Diese Freude teilen nicht alle: Seit einiger Zeit werden die Social Networks (jedenfalls die, auf denen ich mich aufhalte) alle halbe Jahre geflutet mit Protesten gegen die Umstellung der Uhren. Was denn Leute: Findet ihr die langen Abende im Sommer denn nicht schön? Und was habt ihr davon, wenn es im Sommer bereits um 4 Uhr hell wird? Der einzige Protest gegen die Sommerzeit, den ich für halbwegs gerechtfertigt halte ist der der Astronomen, die nun im Sommer etwas länger warten müssen, bis die Sterne hell genug sind. Ansonsten gibts für mich kaum haltbare Argumente dagegen. Auch die Uhren im Winter nicht mehr zurückstellen und das ganze Jahr auf Sommerzeit lassen wäre keine Alternative. Wer will schon, dass es Winter erst gegen 9 Uhr langsam hell wird?

Ich erinnere mich gut an die Einführung der Sommerzeit 1981 – und ich erinnere mich auch an das Jahr davor, als die Schweiz sich wieder mal den Sonderfall probte und als Zeitinsel mitten in Europa die Uhren nicht umstellte. Gingen wir rüber nach Konstanz, mussten wir damals die Uhren umstellen, und bei grenzüberschreitenden Zugfahrten musste man den Fahrplan sehr genau studieren, zumal damals nicht notwendigerweise jede Stunde ein Zug fahren musste. Damals kam der Widerstand von konservativer Seite, unter anderem von den Bauern, die fürchteten, die Zeitumstellung könnte ihre Kühe im Stall total verwirren. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Kühe weniger Mühe mit der Zeitumstellung hatten als die Bauern selber.

Hat automatisch umstestellt: Die Systemuhr auf meinem iMac.

Hat automatisch umstestellt: Uhr auf meinem iMac.

Was bleibt, ist das alljährliche Ritual der Umstellen der Uhren. Auch das entschärft sich durch die billig gewordenen Funkuhren langsam (wobei ich mich frage, warum eigentlich nicht längst im hinterletzten Backofenuhr eine solche installiert ist). Nicht immer klappt die Technik allerdings wie gewünscht: Ist es ein Zufall, dass ich Widerstand gegen die Zeitumstellung immer wieder seitens von Apple-Jüngern feststelle? [Klammer auf] Man kann über Apple schon staunen: Einerseits bietet mein iPhone Dinge wie einen genialen Push-Service, der über alle Apps hinweg absolut perfekt klappt, was mich immer wieder zum Staunen bringt, andererseits bringt Apple vermeintlich einfache Dinge wie die Zeitumstellung, aber auch das reibungslose Funktionieren von WLAN, einfach nicht auf die Reihe. [Klammer wieder geschlossen]

Wie auch immer: Gestern habe ich unsere Backofenuhr umgestellt, heute Abend muss ich noch die Uhr in meinem Auto eine Stunde vorstellen. Und dann steht meiner ungetrübten Vorfreude auf eine lange Frühlings-, Sommer- und Herbstzeit mit hellen Abenden nichts mehr im Weg. 🙂

ICT-Lektüre für die Frühlingsferien

Als Lehrperson geniesst man ja das Privileg, alle paar Wochen wieder in den Genuss von unterrichstfreier Zeit zu kommen (wenngleich diese Zeit längst nicht immer auch arbeitsfrei sein muss). Wer sein persönliches Wissen in Sachen ICT auf unterhaltsame Weise bereichern möchte, für den gibt es auch spannende Literatur, bei der nicht unbedingt das technische Wissen erweitert wird, sondern vielmehr die Möglichkeiten vor Augen geführt werden, mit denen ICT die Welt, in der wir leben, beeinflusst und auch in naher Zukunft weiter verändern wird. Erwähnt seien hier etwa die Klassiker von Daniel Suarez, Daemon und Darknet, aber auch das folgende Buch:

Unterhaltsame Hängematten-Literatur: Andreas Eschbachs Roman "Ein König für Deutschland".

Unterhaltsame und äusserst lehrreiche Hängematten-Literatur: Andreas Eschbachs Roman „Ein König für Deutschland“.

Das frühlingshafte Wetter diesem Wochenende habe ich dazu genutzt, Andreas Eschbachs Roman „Ein König für Deutschland“ zu Ende zu lesen. Von Anfang bis zum Schluss habe ich mich bei dieser Lektüre bestens unterhalten. Wie ein talentierter Programmierer ein Programm entwickelt, mit dem unbemerkt Wahlmaschinen manipuliert werden können, und es dann eine kleine Gruppe von Gamern und Polit-Aktivisten tatsächlich schafft, die Manipulationen dazu zu nutzen, einen biederen Lehrer, der als Anwärter auf den Königsthron kandidiert, tatsächlich zum Wahlsieger zu küren – dies wird auf erschreckend glaubhafte Weise erzählt, ebenso wie in den ersten Kapiteln tatsächlich passierte Ereignisse der beiden letzten amerikanischen Präsidentschaftswahlen in den Roman eingeflechtet sind, die einen an der Rechtmässigkeit des (amerikanischen) demokratischen Systems zweifeln lassen können. Verschwörungstheorien? Vielleicht. Wobei ich ja der Meinung bin, dass man seit 9/11 den Begriff „Verschwörungstheorie“ nicht mehr verwenden sollte, aber das ist ein anderes Thema.

Während in vielen Ländern Wahlmaschinen längst weit verbreitet im Einsatz sind, dürfte Eschbachs Schreckensszenario in der Schweiz in absehbarer Zeit nicht Realität werden: Hierzulande wird immer noch von Hand gezählt, und auch E-Voting wird hoffentlich nicht eingeführt werden bevor auch die letzten Zweifel an der Transparenz und Glaubwürdigkeit dieses technischen Verfahrens ausgeräumt sind. Nach Andreas Eschbachs Lektüre muss man hinsichtlich der Einführung von E-Voting zum Schluss kommen: Hoffentlich gar nie!

Fitness mit dem Smartphone

Schrittzähler

Zwei als Schrittzähler sehr brauchbare Apps fürs iPhone: Moves (links) und Argus.

Elektronische Gadgets verleiten zum Rumhängen. Stimmt. Ebenso richtig ist aber, dass sie zum Training der persönlichen Fitness motivieren können.

Seit ein paar Wochen habe ich auf meinem iPhone einen Schrittzähler installiert. Dieser läuft diskret im Hintergrund und zählt jeden Schritt, den ich mache, solange ich mein Gerät mit mir trage. Ich sagte schon immer, dass Lehrer kein gänzlich ungesunder Beruf ist, weil man doch fast den ganzen Tag auf den Beinen steht und dabei auch viel rumläuft. Dass ich aber an einem durchschnittlichen Arbeitstag allein schon im Schulhaus locker mal 7000 Schritte und mehr mache, hat mich dann doch überrascht. Da genügt am Abend noch ein kleiner Spaziergang, um auf die empfohlenen 10’000 Schritte zu kommen – wobei ich leider doch zugeben muss, dass es dazu dann trotz schönster Wohnlage leider nicht immer reicht. Etwas disziplinierter ist da meine Frau: Seit sie ihren ebenfalls auf ihrem iPhone installierten Schrittzähler mit sich trägt, vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht auf ihr Soll von 10’000 Schritten kommt. Meinen im Gegensatz dazu bescheidene Anzahl von durchschnittlichen 6000 Schritten ist dagegen noch steigerungsfähig.

Wer fürs iPhone im AppStore Schrittzähler sucht, wird sehr sofort fündig. Ich habe einige davon ausprobiert und zwei davon auf meinem iPhone installiert gelassen:

Argus: Ein nettes, kostenloses Programm, das den Anspruch hat, nicht nur die Schritte zu zählen, sondern gleich auch noch den ganzen Fitness- und Kalorienhaushalt zu managen. Ich benutze es im Moment lediglich als Schrittzähler. Erstaunlicherweise lässt bei Argus die Akkulaufzeit trotz ständiger Aufzeichnung nicht spürbar nach.

Moves: Diese App kostet 3 Franken, zählt dabei aber nicht nur die Schritte, sondern zeichnet das gesamte Bewegungsprofil auf. Wer hinsichtlich Datenschutz damit ein Problem hat, sollte also die Finger von dieser App lassen. Wer mit diesem Umstand insofern keine Probleme hat als er weiss, dass jede Telecom-Firma solche Bewegungsprofile auch ohne solche Apps problemlos erstellen können, dem bietet Moves interessantes Datenmaterial, wenn man z.B. mal wissen will, welche Reiseroute man in seinen letzten Ferien genau genommen hat. Moves braucht dazu einen fast ständig aktiven Ortungssensor, mit der Folge, dass der gesteigerte Akkuverbrauch sehr deutlich ins Gewicht fällt.

Wenn man auf dem Gerät verschiedene Schrittzähler installiert hat, sieht man auch, wie es um die Genauigkeit dieser kleinen Helfer bestellt ist: Bei einer Zahl von rund 5000 Schritten können die beiden Apps schon mal um 300 Schritte voneinander abweichen. Für mich ist das aber als grober Überblick über meine körperliche Tagesaktivität ausreichend genau.

Spielerisch Medienkompetenz erlernen

Ein kleines Highlight in meinem iScout-Jahreskalender ist für mich jeweils der Kadervernetzungstag in Wil. In lockerer Atmosphäre trifft man sich unter Gleichgesinnten, erhält Inputs zu ICT und Social Media an der Schule, kann untereinander ein bisschen fachsimpeln und sich austauschen. Ich habe einem interessanten Referat von Philippe Wampfler zugehört (mit dem ich auf Twitter auch schon die eine oder andere Diskussion führte), habe das Potential von Lego Mindstorms erahnen können und habe vom Projekt der Multimedianer erfahren, das ich auch noch genauer unter die Lupe nehmen werde. Auch von diesem Kadervernetzungstag kann ich also einiges mitnehmen, sei es als Bereicherung des eigenen Wissens, aber auch konkret für den Schulunterricht:

Zu den ICT-Standards, den wir an Thurgauer Schulen erfüllen müssen, gehören in der Mittelstufe unter anderem:

  • MS04: Die S kennen und beachten bei der Nutzung digitaler Kommunikationsmedien die entsprechenden Umgangsformen und Regeln.
  • MS05: Die S wenden die Regeln für den sorgfältigen Umgang mit eigenen und fremden Daten an.
  • MS15: Die S halten sich an Verhaltensregeln zur sicheren Onlinekommunikation und gehen angemessen mit virtuellen Identitäten um.

Wie man spielerisch mit der Klasse einen verantwortungsvollen Umgang mit Sozialen Plattformen erlernen kann, habe ich im Workshop von Claudia Bucheli erfahren, die an der Oberstufe Sternmatt in Baar ihren Schülerinnen und Schülern den Umgang mit Social Media lehrt. Ihr Spiel Faceboom – das Spiel zur Medienkompetenz steht auf ihrer Website mediobaar.ch gratis zum Download zur Verfügung. Es ist für die Oberstufe konzipiert, bietet aber genug Material, dass einiges davon auch schon in der 6. Klasse eingesetzt werden kann.

Karte aus dem Spiel "Faceboom"

Karte aus dem Spiel „Faceboom“ – http://www.mediobaar.ch/faceboom

Es geht auch ohne WLAN – irgendwie

Im letzten Blogpost habe ich darüber gejammert, dass ich im damals noch bevorstehenden Skilager eine Woche lang ohne WLAN auskommen muss.

Es wurde ein durchzogenes Lager: Wetter super, Piste super, Kinder untereinander super, Leiter untereinander ebenfalls super. Ab Dienstag wurden wir aber von der gefürchteten Magen-Darm-Grippe heimgesucht. Fast drei Viertel der Kinder wurden im Verlauf des Lagers krank. Für uns Leiter bedeutete dies nächtelanges Kotzkübel-Leeren und für mich als Hauschef (der nicht auf die Piste ging) obendrein viele Arztbesuche: Wir hatten auch noch zwei Skiunfälle, einen unerwarteten Allergieausbruch, einen Herpes-Ausbruch am Auge, eine Blasenentzündung, die allesamt ärztlich behandelt werden mussten, und entsprechend zahlreiche Elternkontakte.

Die Bilanz der Lagerwoche schlug sich auch in meiner Handy-Rechnung nieder: Rund 250 MB Datenvolumen alleine während der Lagerwoche, wovon ein Teil sicher auf privaten Gebrauch zurückzuführen war; der grösste Teil aber fiel wohl auf das Suchen von Telefonnummern, das Herunterladen von Karten zum Aufsuchen von diversen Arztpraxen und Apotheken, das Googeln diverser skilagerbezogener Informationen, vom Wetter über bis zu den Betriebszeiten der Bergbahnen.

Wie wir diese Woche ganz ohne Internet überstanden hätten? Keine Ahnung. Irgendwie wärs schon gegangen. Alles wäre einfach sehr viel mühsamer und zeitaufwendiger gewesen.

Ich bleibe dabei, dass WLAN auch in einer Skilagerhütte allmählich zum Standard gehören sollte, schliesslich ist man auch im Lager nicht weniger auf Informationen aus dem Internet angewiesen als in anderen Lebens- und Berufssituationen. Dabei geht es nicht nur um die Kosten auf der Handyrechnung (die mir von meiner Schulgemeinde zurückerstattet werden), sondern auch darum, dass es extrem mühsam ist, wichtige Informationen aus dem Netz über 3G oder gar EDGE auf den kleinen Handybildschirm zu holen und man doch gerne einfach mal sein Laptop in ein komfortables WLAN reingehängt hätte.

Unsere Lagerwoche war streng und hatte ihre Schattenseiten, doch sie war auch schön: Bei den meisten Kindern dauerte die Grippewelle zum Glück nur einen Tag, was bedeutete, dass sie die übrigen Tage bei schönstem Wetter auf der Skipiste voll geniessen konnten.

Und wir haben auch sehr aufmerksame Eltern, die uns für unsere Arbeit im Skilager – die ja auch unter normalen Umständen doch ein wenig anstrengender ist als während einer gewöhnlichen Schulwoche – mit einem grosszügig befrachteten Geschenkkorb danken. Vielen Dank zurück! 🙂

Früchtekorb

Bildung Schweiz über Swisscom und das Aushebeln von SSL-Verschlüsselungen

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe seines Publikationsorgans Bildung Schweiz auf einer Seite dem Thema Aufknacken der SSL-Verschlüsselung durch Swisscom an Schweizer Schulen. Im Artikel darf auch ich freundlicherweise ein paar Worte zum Thema sagen.

Filtern ja – aber wie? | Bildung Schweiz 02|2014

Im Artikel werden die nicht nur meiner Ansicht nach problematischen Aspekte dieses Vorgehens der Swisscom angesprochen. Doch sind meine Hoffnungen, dass die Praxis der Swisscom letztlich durch die Kantone (denn auf dieser Ebene muss es geschehen) unterbunden wird, recht begrenzt. Die meisten Leute, die ich kenne, fühlen sich nicht betroffen, obwohl sie es oftmals sind – insbesondere wenn sie Google-Dienste wie Gmail benutzen oder gar mit ihren persönlichen Geräten innerhalb des Netzes von SAI arbeiten. Es ist anzunehmen, dass auch viele die Problematik nicht verstehen, und die kompetenten Leute auf der Entscheidungsebene finden das Thema offenbar zu wenig wichtig.

Als löbliche Ausnahme ist, wie bereits in einem früheren Blogpost erwähnt, der Kanton Basel Stadt: «Aktuell stellt für uns das Aufbrechen einer https-Verbindung ein No-Go dar», wird Thomas Grossenbacher, Co-Leiter der Fachstelle ICT und Medien des Erziehungsdepartements Basel Stadt, im Bildung-Schweiz-Artikel zitiert. Und weiter: «Deshalb haben wir unsere DNS-Server so konfiguriert, dass alle Google-Suchanfragen von https- auf das http-Protokoll umgeleitet werden. So funktioniert die bestehende Filterung der Swisscom, das ZScaler-Zertifikat ist hinfällig.»

Eine Lösung, welche keine SSL-Verschlüsselungen aushebelt, ist also problemlos möglich. Man muss sie nur umsetzen wollen.

Google stellt entsprechende Lösungen zur Verfügung. Umso mehr ist es mir unverständlich, weshalb Swisscom diesen Weg wählt und die allermeisten Kantone dies widerspruchslos dulden.

Der LCH-Artikel ist sehr sachlich geschrieben und um formelle Neutralität bemüht. Für sich alleine wird er leider nichts bewirken. Wünschenswert wäre aus meiner Sicht eine klare Stellungnahme mit entsprechenden Forderungen seitens von LCH an Swisscom und die Kantone und den kantonalen Lehrerverbänden (in meinem Fall wäre das Bildung Thurgau).

Die Angst vor Excel-Tabellen

excel-word

Gefühlte 95 Prozent benutzen Microsoft Word, um Texte zu schreiben. Dagegen ist nichts einzuwenden; schliesslich ist Word eine ausgereifte Textverarbeitungssoftware mit sehr vielen Funktionen und Werkzeugen, von Inhaltsverzeichnissen über Fussnoten bis zum Erstellen von Serienbriefen.

Geht es um die reine Bearbeitung von Tabellen, benutzen gefühlte 94 Prozent ebenfalls Word – und das finde ich schon weniger verständlich.

Natürlich kann ich auch mit Word ein bisschen Tabellen machen – aber warum sollte ich, wenn ich auch Excel habe?

Die Tabellenfunktion von Word ist ziemlich rudimentär und dafür gedacht und konzipiert, in Textdokumenten einfache Tabellen einzufügen. Wer mit umfangreicheren und etwas komplexeren Tabellen hantieren möchte, stösst bei Word schnell mal an Grenzen, zumal Word-Tabellen in gewissen Situationen ein eher seltsames und unausgereiftes Verhalten an den Tag legen.

Leider sind die wenigsten Leute mit dem Umgang von Excel vertraut. Wer zum ersten Mal ein leeres Excel-Dokument aufmacht sieht zunächst einmal eine Wüste von leeren Feldern vor sich, die zudem standardmässig nicht in der Seitenlayout-Ansicht angezeigt werden. Viele wissen mit diesem Anblick offenbar nichts anzufangen, so dass sie nicht mehr auf die Idee kommen, wieder einmal ein leeres Excel-Dokument zu öffnen. Das wird wohl der Grund sein, warum sehr viele Leute gewohnheitsmässig zu Word greifen, selbst wenn sie eine reine Tabelle erstellen.

Dabei ist der Umgang mit Excel-Tabellen nicht grundsätzlich schwieriger als in Word, sondern nur ein bisschen anders. Weil es sich bei Excel um ein reines Tabellenbearbeitungsprogramm handelt, ist er in vieler Hinsicht sogar logischer und stringenter. Und vor allem bietet Excel naheliegenderweise weit mehr Tabellenfunktionen als Word.

„Der Umgang mit der Word-Tabelle hat sich bewährt“

Dass Excel – wie jedes Programm – ein wenig Angewöhnung braucht, ist klar. Doch ist diese Herausforderung offenbar so schwierig und unzumutbar, dass mir nahegelegt wurde, Praktikanten von der Pädagogischen Maturitätsschule ihre Tabellen weiterhin mit Word ausfüllen zu lassen und sie doch bitte nicht mit Excel-Tabellen zu überfordern. Dabei spreche ich von pfannenfertig bereitgestellten Dokumenten, die ich den Studenten zur Verfügung stelle und die sie nur ausfüllen müssen. Offenbar zu viel der Herausforderung. Zudem habe sich die alte Word-Tabelle bewährt.

Achso. Schön. Für mich hat sich der Umgang mit besagtem Word-Formular überhaupt nicht bewährt, aber mich hat bislang ja auch noch niemand danach gefragt.

Niemand streitet ab, dass zum Bildungsauftrag der Schule je länger je mehr auch ICT-Kompetenzen gehören. Auch beim Lehrplan 21 geht es klar in diese Richtung, was grundsätzlich nicht kritisiert wird, im Gegenteil: Etliche Kantone fordern gar, dass der Bereich „ICT und Medien“ noch mehr gestärkt wird als vorgesehen und dafür Zeitgefässe geschaffen werden sollen. Zu diesen Kantonen gehört auch der Thurgau. Bei der Ausbildung der Lehrkräfte wäre ein guter Punkt, schon mal damit anzufangen.

Zeit für einen kleinen Neustart

mac-os-retro-bombWenn Kolleginnen und Kollegen wieder mal über die Computer schimpfen, schlüpfe ich meist reflexartig in die Rolle desjenigen, der die tollen technischen Errungenschaften unserer schönen neuen Welt anpreist und verteidigt und auch mal um etwas Nachsicht gegenüber der komplexen Technik wirbt.

Aber manchmal ists ja wirklich ein Ärger, wenn das Computerzeugs nicht so tut, wie uns versprochen wird, und wenn ich einfach nur arbeiten will, fehlt auch mir gern die Geduld, mich mit Troubleshooting rumzuschlagen. Und in letzter Zeit ist es so ziemlich vieles, was bei mir grad nicht läuft.

  • Der  grösste Frust ist für mich immer noch, was Swisscom mit unserem Schulnetz verbrochen hat. Abgesehen von allen Sicherheitsbedenken laufen auf meinem Mac im Schulzimmer viele Sachen nicht richtig – genauer gesagt, alles was mit Google zu tun hat. Google Drive hab ich schon mal aufs Abstellgleis gestellt, aber auch mein Gmail und mein Google-Kalender verhalten sich launisch. Und fast am schlimmsten: Auch alle Google-Anmeldungen funktionieren nicht.(1) Das bedeutet, dass ich weder mein Feedly lesen noch auf meinen Flickr-Account zugreifen noch einen Termin über Doodle organisieren kann – jedenfalls nicht ohne einen tollkühnen „Workaround“: Bin ich im Schulnetz, benutze für alle Google-Dienste eine alte Programmversion von Firefox, die etwas mehr Toleranz gegenüber dem gefälschten ZScaler-Zertifikat zeigt als mein Safari oder Chrome. Ich hatte Firefox zuvor während vielen Monaten nicht mehr verwendet und hüte mich jetzt, das eigentlich dringend notwendige Update zu machen. Sicherheit geht anders.
    Kann natürlich schon sein, dass bei mir etwas nicht richtig eingerichtet ist (wobei ich im Moment nicht wüsste was) und der Swisscom-Vertreter hat mir auch schon seine Hilfe angeboten, mein Problem via Fernzugriff zu lösen. Das ist nett, doch braucht das alles wieder ziemlich viel Zeit, die ich im Moment lieber in den Schulunterricht investieren würde als in ein Problem, das ich nicht verursacht habe.

Bildschirmfoto 2014-01-18 um 17.26.51Auch an anderen Orten läuft die Technik nicht so, wie sie sollte. Vor Kurzem habe ich bei meinem privaten MacBook den Festplattenspeicher verdoppelt, indem ich die SSD ausgetauscht habe. Statt dass ich, wie es mir vom Informatiker empfohlen wurde, von meiner alten Festplatte ein Image erstellt und dieses später auf die neue Platte geklont habe, bin ich den Empfehlungen des Herstellers gefolgt und habe die Daten über TimeMachine-Backup wieder aufgespielt. Das Wichtigste: Die Daten sind alle wieder da, und das System läuft auch fast wieder rund – ausser…

  • das WLAN, das sich nun erst einige Minuten nach der Anmeldung mit dem Netzwerk verbindet, und auch das nicht immer. Manchmal muss ich es deaktivieren und wieder aktivieren, dann gehts meistens. Mit fix zugeteilter IP-Adresse scheints ein bisschen weniger instabil zu funktionieren. Eine Lösung habe ich bislang trotz intensivem Googeln noch nicht gefunden.
  • Auch mein zuvor sauber lizenziertes Microsoft Office 2011 hat sich verabschiedet. Es verlangt nun bei jedem Start penetrant nach dem Lizenzschlüssel, den ich leider verlegt habe. Mehr als ärgerlich! (Aber warum habe ich solcherlei Probleme immer nur mit Microsoft?)

… und doch noch ein kleiner Erfolg

Über all diese Kleinigkeiten ärgere ich mich jedes Mal, wenn ich einen meiner Computer hochfahre. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder: Als ich für diesen Blogbeitrag den Screenshot des Eingabefensters für Office 2011 machen wollte, in dem es nach dem Lizenzschlüssel verlangt, ist mir Excel wider jegliches Erwarten anstandslos gestartet. Einer meiner „Reparaturversuche“ scheint mit etwas zeitlicher Verzögerung doch erfolgreich gewesen zu sein. Wie genau ich das angestellt habe, bleibt hier mein Geheimnis – nur so viel: Weil ich für Office 2011 rechtmässig eine Lizenz erworben habe und besitze, habe ich kein schlechtes Gewissen.

Mein Tag hat sich trotz Nebel gerade wieder etwas erhellt. Zeit für einen Neustart, dann geht alles wieder besser. Schönes Wochenende allerseits.

bomb_mac

(1) Nachtrag 27.1.14 Dass die aufgezählten Google-Dienste mit dem ZScaler-Zertifikat nicht funktionieren, kann durchaus auch bei mir liegen; z.B. an einem nicht ganz korrekt installierten Zertifikat. Ich finde, dass ich mich trotzdem darüber ärgern darf, weil die aus technischer Sicht völlig unnötige Swisscom-„Lösung“ viel Ärger und Mehraufwand mit sich bringt, den ich nicht verursacht habe. Zudem habe ich auf meinem privaten Rechner, den ich sehr oft auch für die Schule brauche, das ZScaler-Zertifikat bewusst wieder deinstalliert. Das heisst, dass ich auf diesem Gerät auf sämtliche Google-Dienste verzichten muss, wenn ich damit im Swisscom-Schulnetz bin.

Die Antwort auf solcherlei Probleme von Swisscom: «Bring your own device» ist kein Bestandteil des SAI-Vertrags. Danke, Swisscom.

Schweizer Schulen im Internet: Paranoia hier, blindes Vertrauen dort

Google Security

Google: Gundsätzlich sicherer geworden, an Schweizer Schulen aber unsicherer.

Angefangen hatte alles damit, als Google damit begann, sämtlichen Suchverkehr mit https zu verschlüsseln. An sich eine sehr sinnvolle Sache, die grundsätzlich mehr Sicherheit bringt für alle, die sich via Google im Netz bewegen.

An unseren Schulen hat leider die Massnahme das Gegenteil bewirkt. Schuld daran ist auch eine Portion Paranoia seitens Swisscom sowie Gleichgültigkeit oder Ahnungslosigkeit der meisten Benutzer.

Was genau ist passiert?

  • Google verschlüsselt sämtlichen Suchverkehr, was bedeutet, dass die Swisscom im Rahmen ihres Programms „Schulen ans Internet“ nicht mehr mitlesen kann.
  • Wenn die Swisscom nicht mehr mitlesen kann, kann sie den Google-Suchverkehr nicht mehr filtern und auch die Google Privatsphären-Einstellungen nicht mehr beeinflussen. Das könnte zur Folge haben, dass z.B. ein Schulkind auf einer Google-Bildersuche mal auf ein Bildchen trifft, das es eigentlich nicht sehen sollte. (Was den Link hinter dem Bildchen betrifft wäre der Swisscom-Filter nach wie vor wirksam.)
  • Weil ein solches Szenario offenbar so schlimm wäre, dass zu dessen Verhinderung sämtlicher Internet-Verkehr um jeden Preis gefiltert werden muss, greift Swisscom zu Brachialmethoden (die, wie mir gesagt wurde, auch bei privaten Firmen nicht ganz unüblich seien): Die Verschlüsselung der Suchanfrage wird mit Hacker-Methoden, einer so genannten Man-In-The-Middle-Attacke, ausgehebelt und die unverschlüsselte Suchanfrage über eine amerikanische Firma namens ZScaler weitergeleitet, wo sie gefiltert werden kann.
  • Um die Sicherheitsvorkehrungen von Google zu umgehen, arbeitet Swisscom bzw. ZScaler mit gefälschten Zertifikaten. Diese können bei jeder Suchanfrage vom User weggeklickt werden, oder aber der IT-Verantwortliche der Schule installiert die gefälschten Zertifikate als Root-Zertifikate, so dass der User (darunter nicht nur Schüler, sondern auch Lehrpersonen) ahnungslos bleiben und nicht merken, dass ihre Daten, die sie über Google senden (dazu gehören z.B. auch Login-Daten für Gmail-Accounts) unverschlüsselt über potentiell unsichere Server weitergeleitet werden.
Gefälschtes ZScaler-Zertifikat

Der Browser warnt zu Recht vor dem gefälschten Zertifikat. An den meisten Schweizer Schulen wird dieses aber standardmässig gutgeheissen.

Unterschiedliche Massstäbe punkto Sicherheit

Wenn es um Cloud-Dienste wie Dropbox an Schulen geht, geht die grosse Sicherheitsdiskussion los, weil Dropbox den Datenverkehr zwar verschlüsselt weiterleitet, die Daten selber dann aber auf den Dropbox-Servern unverschlüsselt rumliegen. Geht es um Dienste wie Office 365, fürchtet man juristische Diskussionen, weil die Daten dann nicht mehr auf Schweizer Servern liegen, sondern auf amerikanischen und somit nicht mehr schweizerischer Rechtssprechung unterliegen (weshalb z.B. die Kantone Solothurn und Luzern ihre Schule offiziell vor der Nutzung von Office 365 warnen). Update: Mittlerweile erfüllt Office 365 nach Angaben von Microsoft sämtliche Anforderungen des schweizerischen Datenschützers.

Wenn Swisscom mit Hacker-Methoden verschlüsselten Datenverkehr knackt und diesen über amerikanische Server weiterleitet, ohne zuvor die betroffenen Schulgemeinden hinreichend informiert zu haben, passiert abgesehen von ein paar kaum beachteten Pressetexten – so gut wie nichts. Löbliche Ausnahme ist der Kanton Basel Stadt: Dort heisst es:

«Uns ist die Integrität der Verschlüsselung wichtiger als vermeintlicher Jugendschutz, den man auch auf anderen Wegen erreichen kann»

„Irgendwo fängt Vertrauen an“

Auf das Problem angesprochen, hat mir unser Informatiker geantwortet: «Irgendwo fängt das Vertrauen an». Damit hat er natürlich auch recht. Unserem Provider müssen wir schicksalsergeben ein grosses Mass an Vertrauen entgegenbringen, sonst können wir das mit dem Internet von Anfang an sein lassen. Trotzdem stört es mich, dass diese Massnahme, von Swisscom notrecht-artig umgesetzt (die Praxis, sämtlichen Verkehr über https zu leiten, wurde von Google nicht angekündigt), an unseren Schulen absolut diskussionslos eingeführt wurde.

Nachdem ich gemerkt habe, dass das niemanden wirklich interessiert, hab ich mich diesem Schicksal gefügt. Nun beginne ich trotzdem, meine Dokumente, die ich bislang auf Google Drive abgelegt habe, auf Skydrive umzuziehen, aus dem einfachen Grund, dass Google Drive seit der Umleitung der Daten über ZScaler nicht mehr richtig funktioniert. Nun hoffe ich, dass es Microsoft in nächster Zeit nicht Google gleichtut.

Update 10. Januar 2014, 10:30 Uhr

Es ist nicht so, dass es keine Alternativen zum Man-In-The-Middle-Angriff gäbe. Google hat an diese Bedürfnisse der Schulen gedacht und pfannenfertige Lösungen bereitgestellt.  Warum Swisscom sich trotzdem für einen derart massiven Eingriff in Sicherheit und Datenschutz entschieden hat, ist mir ein Rätsel.

tl;dr

Google sorgt für mehr Sicherheit, was Swisscom dazu veranlasst, das Internet für die Schulen unsicherer zu machen, um weiterhin alle Daten filtern zu können. Das interessiert aber so gut wie niemanden.

Kinder-Überwachung: Die letzte Meile ist geschlossen

Auf ihrem Schulweg noch garantiert unüberwacht: Schulkinder 1957. – Bild: CC Die Puppenstubensammlerin (Flickr)

Auf ihrem Schulweg noch garantiert unüberwacht: Schulkinder 1957.
Bild: CC Die Puppenstubensammlerin (Flickr)

„Es kommt zur Machtumkehr“, titelte der Tagesanzeiger in einem Artikel, der uns von unserem Schulleiter zugespielt wurde. Untertitel: „Der Kinderpsychiater Michael Winterhoff schlägt in seinem neuen Buch Alarm: Eltern zögen eine Generation von Narzissten und Egomanen heran.“

Michael Winterhoff macht sich darin ernsthafte Sorgen um die nachfolgende Generation: „Es ist so schlimm, glauben Sie mir. Ich arbeite jetzt seit 28 Jahren als Kinder- und Jugendpsychiater. Was ich seit 1995 täglich in meiner Praxis sehe, gab es zuvor nicht.“ Grund für seine Besorgnis: Eltern hielten Spannungen mit ihren Kindern nicht aus, weshalb sie ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen würden. Immer mehr Kinder hätten „keine Frustrationstoleranz, kein Unrechtsbewusstsein, keine Empathie oder sehen sich dauernd als Opfer“. Sie „leben lustorientiert im Moment und meiden jegliche Anstrengung“. Mit schuldig sei auch die technische Entwicklung, seitdem der Computer in jeden Haushalt Einzug gehalten hat und der die Erwachsene überfordere: „Sie wissen nicht mehr, was sie wollen im Leben, sind nicht in der Lage, Freude oder Zufriedenheit zu empfinden. Als Eltern machen sie dann die Freude und die Zufriedenheit des Kindes zu ihrer eigenen. Sie denken, fühlen, spüren durch das Kind.“ 

Auch wenn ich letztere These für eher gewagt halte und ich auch grundsätzlich kein Kulturpessimismus bin: Gewisse Tendenzen, die Winterhoff anspricht, sind auch in unseren Schulzimmern unübersehbar. Daher möchte ich noch auf einen Punkt speziell eingehen: Winterhoff spricht von einer Symbiose, welche (gewisse) Eltern mit ihrem Kind eingehen: „Das Kind ist ein Teil von ihnen, so wie ein Körperteil, wie ein Arm. Wenn der Arm juckt, müssen sie sich kratzen, wenn er schmerzt, müssen sie ihn halten.“

Total sicher überwacht mir Synagram.

Total sicher überwacht mir Synagram.

Solchen Eltern kann geholfen werden, denn für sie gibts auch eine App: Sie heisst Synagram und ist für Windows Phones, Andriod-Handys und bald auch für iPhones erhältlich. Synagram bewirbt sich selber als kleiner Schutzengel für große Entdecker und als App, welche die Welt ein Stück sicherer macht. Dank Synagram wissen Eltern stets, wo sich ihr Kind befindet. Synagram befindet sich auf dem Handy der Eltern sowohl auch des Kindes. Letzteres wird durch Synagram auf Schritt und Tritt mit GPS geortet, so dass die Eltern jederzeit metergenau wissen, wo sich ihr Kind gerade aufhält.

Das Geschäft mit der Angst ist außerordentlich lukrativ, stellt auch die Süddeutsche Zeitung fest. Ich kann mir schon vorstellen, dass es gewisse Situationen gibt, in denen eine solche Möglichkeit tatsächlich der Sicherheit dienen kann. Über alles gesehen sehe ich in Überwachungs-Apps wie Synagram aber deutlich mehr Gefahren als Chancen. Schon jetzt gibt es Kinder, die kaum mehr Zeit verbringen können, die nicht von ihren Eltern verplant wird. Sie werden von ihren Helikopter-Eltern täglich zur Schule gefahren und von dort auch wieder abgeholt (wobei oftmals sämtliche Aspekte der Verkehrssicherheit von eigenen und fremden Kindern ignoriert werden), ihre schulfreien Nachmittage sind verplant mit Ballettunterricht, Kunstturnen oder Musikunterricht (wogegen selbstverständlich überhaupt nichts einzuwenden ist, sofern diese Tätigkeiten auch einem inneren Wunsch der Kinder entsprechen und sie von der Gesamtheit ihres Schul-und-Freizeit-Programms nicht überfordert werden). Und sollten die Kinder wieder mal den Wunsch verspüren, ihre X-Box für eine Weile zu verlassen, um zum Beispiel in den Wald zum Spielen zu gehen, dürfen manche Kinder dies nicht, weil ihre Eltern es zu gefährlich finden.

Ich sage nicht, dass alle Eltern so seien. In meinem Schulalltag erlebe ich sehr viele Eltern ganz anders. Aber der Trend ist nicht zu übersehen.

Nun gibts also auch noch Synagram. Für Kinder überfürsorglicher Eltern ist nun auch noch die letzte Meile der totalen Überwachung geschlossen. Keine Fussballspiele mehr mit Kollegen, keine Fasnachtstouren mehr durchs Dorf, ohne dass Mami und Papi nicht jederzeit ganz genau wissen, was ich wo gerade mache. Ich persönlich schätze mich glücklich, dass es in meiner Kindheit noch kein Synagram gab.

Religion im Schulzimmer – ernsthaft?

Religionen

Dass wir es in der Schweiz mit der Trennung von Religion und Staat nicht so genau nehmen ist nichts Neues. Bislang ging ich davon aus, dass diese Trennung wenigstens an Thurgauer Schulen einigermassen konsequent erfolgt. Wohl sind Thurgauer Schulen verpflichtet, den Landeskirchen unentgeltlich Räume für deren Religionsunterricht zur Verfügung zu stellen, und im Lehrplan gibt im Bereich „Realien“ den Unterbereich „Biblische Geschichte, Religion und Kultur“, dessen Bezeichnung allein an der Neutralität des Staates in Sachen Religion zweifeln lässt. Da für Lehrpersonen aber keinerlei konkrete Verpflichtung besteht, diese Themen auch in den Unterricht einfliessen zu lassen, kann man das Thema Religion bislang ohne Konsequenzen aus dem Schulzimmer raushalten.

Trotzdem schadet es nicht, mal nachzulesen, was im Thurgauer Lehrplan unter „Biblische Geschichte, Religion und Kultur“ eigentlich verstanden wird. Unter dem Punkt „Allgemeines“ heisst es dort:

Das Gedankengut des Christen- und Judentums hat die abendländische Kultur und Lebensweise wesentlich mitgeprägt. Insbesondere beeinflusst es massgeblich Wertvorstellungen, Sitten und Normen unserer Kultur. Die Kenntnis wesentlicher Inhalte der Bibel und deren Wirkungsgeschichte gehört daher zum Bildungsgut. Sie ermöglicht es, grosse Bereiche der Literatur, Musik, bildenden Kunst und Architektur insbesondere Europas besser zu verstehen.

Es gibt säkular denkende, sich der Aufklärung verpflichtet fühlende Lehrpersonen und ganz sicher auch Eltern, für die solche staatlich verordnete Hypothesen nicht einfach zu verdauen sind. Natürlich lässt es sich endlos streiten, ob die Aufklärung nun trotz oder wegen der christlichen Kultur hat stattfinden können. Dass aber unser moderner Bundesstaat mit basisdemokratischer Mitbestimmung, Gewaltentrennung, Minderheitenschutz, Menschenrechten und Religionsfreiheit (was man auch wörtlich verstehen darf: religions-frei) harmonisch und übergangslos aus den „christlichen Werten“ entstanden sein soll, ist wohl auch für kirchennahe Personen schwer vorstellbar.

Wenn also schon davon die Rede ist, dass „Christen und Judentum massgeblich“ die „Wertvorstellungen, Sitten und Normen unserer Kultur“ beeinflussen, dann sollte auch der Beitrag derjenigen nicht vergessen werden, welche unsere heute gültigen westlichen Werte erdacht und erkämpft haben. Rechte, die für uns in der Schweiz heute nicht mehr wegzudenken sind wie die Persönlichkeitsrechte, das Recht auf Meinungsfreiheit, das Recht auf Gewissensfreiheit, das Recht auf Selbstbestimmung, das Recht auf Bildung und viele andere heute bei uns als selbstverständlich geltende Rechte, die nicht unbedingt dem ideologischen Hintergrund von Religion und Kirchen entwachsen, sondern Errungenschaften der Aufklärung sind.

Thugauer Schulblatt 6

Ich hätte diesen Blogbeitrag nicht geschrieben, wäre nicht dieser Tage das Thurgauer Schulblatt unter dem Titel „Von und über Religionen lernen“ erschienen.

Viel ist darin die Rede von der „christlichen Tradition als Erbe der Schweiz“ und vom „Lernen von Religion“ als „Lernen über sich selbst„. Es kommen Katechetinnen und Religionspädagoginnen zu Wort, Vertreter der jüdlischen und islamischen Religion, christliche und mormonische Pastoren und auch eine Sektenberaterin. Das Interview mit Letzterer ist lesenswert, zumal sie sich vom theologischen Sektenbegriff distanziert, der unter Sekten Gemeinschaften versteht, die neben der Bibel zusätzlich ausserbiblische Wahrheiten und Offenbarungen beiziehen oder die heilige Schrift umdeuten.

Dennoch habe ich mich beim Überfliegen des Schulblattes, das zu lesen ich als Thurgauer Lehrperson verpflichtet bin, gefragt, was mir mein Kanton mit dieser Religionspropaganda (man kann es durchaus als solche bezeichnen) sagen will. Ist es ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass ich als einer, der bislang Religion und Schule bewusst strikt getrennt hat, mich mit den mir anvertrauten Kindern nun in Teaching About Religion üben soll, wie es bereits in anderen Kantonen der Fall ist?

Ich fühle mich von solchen Aufforderungen jedenfalls reflexartig abgestossen. Religion gehört nicht ins Schulzimmer – in diesem Punkt bin ich ganz fundamentalistisch. Und sollte mich mein Staat und Arbeitgeber je nötigen, gegen meine Überzeugung die Religion in mein Schulzimmer reinzulassen, dann werde ich den Fokus auf eine Epoche legen, die sich sehr stark mit Religionen auseinandergesetzt hat: die Aufklärung.

Richtig doodeln

DoodleLogo

Sehr viele Dinge im Internet sind gratis, was schön ist. Viele dieser Dinge werden kostenpflichtig, wenn man ein bisschen mehr als nur die Grundfunktionen brauchen will, was verständlich ist. Ein Angebot, das ich mir in der Premium-Version leiste, ist Doodle. Dafür zahle ich im Jahr 39 Franken.

Der Hauptgrund, dass ich mir diesen Luxus leiste (so wahnsinnig viele Termine muss nämlich gar nicht über Doodle organisieren) liegt in der vollständigen Integration der Google-Kalender. Ich nutze intensiv verschiedene Google-Kalender, weil ich mindestens drei getrennte Arbeitsbereiche habe, in denen ich separate Kalender führe. Wenn ich nun einen Termin via Doodle organisieren muss, sei er von mir selber erstellt oder von jemand anderem – kann ich diesen dem jeweiligen Kalender zuordnen. Doodle reserviert mir dann dort vorsorglich alle möglichen Termine, bei denen ich selber „Ja“ angewählt habe. Eine äusserst praktische Sache, die mir auch ein bisschen Geld wert ist.

Die Integration in den Google-Kalender funktioniert auch ohne Premium-Konto. Die Einschränkung liegt darin, dass Doodle-Termine nur in den Hauptkalender eingetragen werden können. Und natürlich werden neben dem Google-Kalender auch noch andere unterstützt.

1. Bei der Terminfindung kann meine Google-Kalender direkt ein- oder ausblenden, und so habe ich die direkte Übersicht, wann ein Termin frei ist oder nicht.

 

Doodle1

2. Daraufhin erscheinen sämtliche Termine, die ich bei Doodle mit „Ja“ angegeben habe, direkt im Google-Kalender.

Doodle2

Nun gibt es immer wieder unwissende Doodle-Administratoren, die beschränken sich darauf, den Termin zu bestimmen und dann alle Eingeladenen mit einer einfachen E-Mail zu benachrichtigen. Für sie ist die Sache nachher abgeschlossen. Für mich nicht. Denn während die immer noch offene Umfrage auf Ewigkeit im Doodle-Nirwana ihre Nichtexistenz fristet, darf ich nun alle Termine, welche mir Doodle netterweise in den Kalender eingetragen hat und im Namen den Anhang „[Doodle-provisorisch]“ tragen, von Hand löschen und den festgesetzten Termin ebenfalls von Hand noch anständig benennen. Ich gebe zu, dass ich mich dann jeweils ein bisschen aufrege.

Denn eigentlich hat man bei Doodle die Sache gut durchdacht: Der endgültige Termin lässt sich vom Administrator mittels Häkchen festlegen, worauf Doodle dann automatisch alle überflüssigen Terminreservationen löscht und den festgesetzten Termin richtig benennt.

Doodle5

3. Nachdem Doodle aufgeräumt hat, sieht auch mein Google-Kalender wieder übersichtlich aus.

Doodle3

Bitte, liebe Doodle-Gelegenheitsadminstratoren, schliesst doch eröffnete Umfragen jeweils auch noch korrekt ab. Ich bin sicher nicht der einzige, der euch dafür dankbar ist. 🙂

Geocaching mit einer Schulklasse

Geocaching_logo

Dass Geocaching auch für Schulklassen geeignet sein kann, wird derzeit in verschiedenen Lehrerfortbildungskursen angepriesen. Vor zwei Jahren habe ich selber mal mit einer 6. Klasse eine Geocaching-Exkursion durchgeführt.

Die ganze Technik, die hinter Geocaching steckt, bietet schon viel Stoff zum Vermitteln im Voraus. Die meisten Kinder kennen das Navigationsgerät im Auto ihrer Eltern, doch die Technik dahinter dürften die wenigsten verstehen. Natürlich ist es ein hochkomplexer Vorgang, bis die Position des Autos über das GPS ermittelt und auf dem Navi-Bildschirm dargestellt wird, doch die Prinzipien dahinter sind verhältnismässig einfach und auch einer Mittelstufenklasse zu vermitteln. Zum Ermitteln der Position im freien Feld verwendet die Geocaching-Software bzw. das Gerät, auf dem sie installiert ist (ob ein gewöhnliches Smartphone oder ein spezielles GPS-Gerät) das Prinzip der Triangulation – das selbe geometrische Prinzip, mit dem seit Jahrhunderten Landkarten erstellt werden.

Wie Triangulation funktioniert, wird in einem knapp zehnminütigen Film der „Sendung mit der Maus“ kindgerecht erklärt:

Wer statt einen Film zu zeigen lieber die Kinder selber Hand anlegt, kann auch auf die Wiese gehen und mit Stecken und Schnur dem Prinzip der Triangulation auf den Grund gehen.

Worauf man bei der Umsetzung achten muss

Hat man die theoretischen Grundlagen erarbeitet, gehts an die Praxis, und da gilt es einige Dinge zu berücksichtigen:

Rein theoretisch braucht man kein GPS-Gerät, um einen Geocache zu loggen. Für jeden Geocache finden sich im Internet die exakten Koordinaten, und diese könnte man nun auf herkömmliche Weise auf einer (sehr genauen!) Landkarte eintragen. Ist der Cache gefunden, trägt man sich von Hand dort ein; geloggt werden kann der Cache auch zu Hause wieder am Computer. Aber so macht die Sache ja irgendwie nicht richtig Spass. 😉

Richtig Spass macht die Suche, wenn man mit dem GPS-Gerät raus aufs Feld geht und sich so dem Cache nähert – und da fängt das erste Problem an: Geocaching ist im Prinzip gratis, doch wer die Geocaching-App auf seinem Smartphone installieren will, muss dafür 10 Franken hinblättern. Natürlich wollen dann alle Kinder diese App haben – hier gilt es deutlich darauf hinzuweisen, dass kein Kind verpflichtet ist, diese App zu kaufen und jedes Kind den Cache ohne diese App loggen kann. Wie es letztlich organisiert wird, dass die Kinder zumindest in Gruppen auch mit einem eigenen Gerät einen Cache finden können, darin liegt somit eine Schwierigkeit.

In meinem Geocaching-Ausflug gingen wir gemeinsam auf Wanderung, auf der wir fünf Caches in meiner Wohnumgebung hoben, die ich alle bestens kannte. Ich teilte die Klasse in fünf Gruppen ein, wobei jede mit mindestens einem GPS-fähigen Gerät (in unserem Fall allesamt Smartphones mit der Geocaching-App) ausgerüstet war. So konnte ich die Gruppen so einteilen, dass in fast jeder bereits ein Gerät vorhanden war, und wo nicht, vertraute ich der Gruppe zum Finden des Caches mein persönliches Handy an. Bei jedem Cache durfte eine andere Gruppe vorausgehen, um den versteckten Cache zu finden.

Welche und wie viele Caches an einer Exkursion gehoben werden sollen, gilt es zu rekognoszieren. Wichtig scheint mir, dass man neben den üblichen Exkursionsvorbereitungen die Caches auch im Vorfeld selber hebt, denn manchmal ist ein Cache auch unauffindbar oder nicht zu heben, etwa weil er z.B. auf einem hohen Baum versteckt ist oder grad wieder mal von nichtwissenden Muggles entfernt wurde.

Ist dies getan und die Route ausgearbeitet, steht einer schönen Wanderung oder einem interessanten Ausflug in eine Stadt nichts mehr im Weg.

Geocaches sind oft an sehr originellen Orten versteckt, wobei einige Cacher versuchen, sich an Originalität gegenseitig zu überbieten. Ein zweifellos sehr phantasievolles Versteck hatte ein deutscher Geocacher gefunden, der seinen Cache in einer Schleuse versteckt und damit einen Bombenalarm ausgelöst hatte.

ICT-Standards und Lehrplan 21: Eine Gegenüberstellung

Lehrplan 21Grosses Thema im deutschschweizer Bildungsbereich ist gegenwärtig der Lehrplan 21, bei dem auch der Bereich ICT und Medien ausreichend berücksichtig wird.

Aktuell gelten im Kanton Thurgau die so genannten ICT-Standards, die sich auf die Unter-, Mittel- und Sekundarstufe aufteilen. Dem gegenüber stehen im Lehrplan 21 Kompetenzbereiche, die von der Unter- bis zur Sekundarstufe erarbeitet werden sollen (wobei sich nicht alle Kompetenzbereiche über alle Stufen erstrecken).

Hier eine kommentarlose Gegenüberstellung der ICT-Standards und der Kompetenzbereiche des Lehrplan 21, auch zum Download als PDF.

ICT-Standards - Lehrplan 21 | S1

ICT-Standards - Lehrplan 21 | S2

ICT-Standards - Lehrplan 21 | S3

Ein Nachruf auf das Europäische Sprachenportfolio

ESP

Nutzlos geworden: Schülermaterial für das Europäische Sprachenportfolio

Soll niemand sagen, man habe es nicht vorher gewusst, oder es habe niemand die Entscheidungsträger darauf aufmerksam gemacht.

Immer wieder erlebt die Primarschule Hypes, die kommen und gehen, ohne wesentliche Spuren zu hinterlassen. Einige dieser Hypes tun dies einigermassen kostenneutral – etwa der Hype „Konsequentes Hochdeutsch“ –, andere kosten so richtig viel Geld.

Unserem scheidenden Regierungsrat Bernhard Koch, der während seiner Zeit als Vorsteher des Bildungsdepartements im Fahrwasser seines Zürcher Amtskollegen Ernst Buschor zahlreiche grössere Schulreformen gleichzeitig einführte, haben wir die Einführung des Europäischen Sprachenportfolio (ESP) zu verdanken. Mit viel bürokratischem und propagandistischem Aufwand wurden für die gesamte Lehrerschaft obligatorische Weiterbildungskurse organisiert, in denen der korrekte Einsatz des ESP erlernt wurde. Nichts gegen diese Kurse! Sie wurden von den Leitenden mit viel Herzblut einer – gelinde gesagt – nicht allzu motivierten Kursteilnehmerschaft vermittelt, und wer mit der richtigen Einstellung kommt, der lernt immer und überall etwas. Ich lernte an dem Kurs viel über Sprachkompetenzen. Das ESP selber aber kam in meinem Schulzimmer (wie in sehr vielen anderen) kaum je richtig zur Anwendung.

Das Problem lag in einer ohnehin bereits überladenen Stundentafel. Als ob die zeitlichen Ressourcen für das Französisch in der 5. und 6. Klasse nicht ohnehin schon viel zu knapp bemessen waren, durften wir nun also zusätzlich in die zwei Wochenlektionen auch noch das ESP reinpacken. Wenn man sich an das von den Kursleitern vorgeschlagene Minimum hielt, war das auch ganz knapp realistisch, wobei man sich dann auch fragen musste, was der Sache überhaupt noch bringt. Gewissenhaft und mit einiger Anstrengung füllte ich mit meiner Klasse im ersten Jahr dann auch die ESP-Ordner aus.

Mit der Realität wurde ich dann am Ende des Schuljahres konfrontiert, als der Schulleiter der abnehmenden Oberstufe an meinem damaligen Schulort uns abgebenden Primarlehrpersonen an einer Sitzung beiläufig mitteilte:

Wir haben beschlossen, dass wir das ESP bei uns an der Oberstufe vorläufig nicht machen.

Wir wussten alle, dass sowas früher oder später passieren würde, aber gleich im ersten Jahr der notabene obligatorischen Umsetzung, das war schon ein bisschen überraschend.

Das war vor rund fünf Jahren. Heute habe ich die letzten ESP-Unterlagen entsorgt, die an meinem neuen Schulort seit Jahren nutzlos rumliegen.

Was das ESP kostete:

Europ. Sprachenportfolio I Handreichung ohne Ordner 2.-5. Sj.
Fr. 44.00 (pro Lehrperson)

Europ. Sprachenportfolio I, Schülerunterlagen, ohne Ordner 2.-5.Sj.
Fr. 9.60 (pro Schulkind)

Ordner zu allen Europ. Sprachenportfolio
Fr. 5.00 (pro Schulkind)

Lingualevel – CDs und Software zur Evaluation von Fremdsprachenkompetenzen
Französisch und Englisch
Fr. 180.00 (Laufzeit der Lizenz: 2 Jahre)

 

Nachtrag

Ich will nicht sagen, dass das ESP aus den Schulstuben grundsätzlich verschwunden ist. Jedenfalls nicht überall. Wo mit dem ESP gearbeitet, geschieht dies aber oft in reduziertem Umfang und ohne das dazugehörende Material zu verwenden; so auch bei uns. Für die Ordner und Unterlagen, die ich heute aus meinem Zimmer entfernt habe, ist hier jedenfalls kein Bedarf mehr.

Mancherorts wird das ESP nach wie vor im Sinne des Erfinders angewendet (s. Kommentar von Regula). Grundsätzlich ist das ESP ja auch eine gute Sache: Es ist ein sehr präzises Instrument zur Erfassung der Sprachkompetenzen der Kinder. Allerdings ist es damit in der Umsetzung auch sehr zeitaufwendig – Zeit, die in den meisten Fächern ohnehin schon (zu) knapp bemessen ist und zwangsläufig woanders eingespart werden muss. So ist es letztlich eine Abwägung und ein Entscheid, wo die zur Verfügung stehenden Ressourcen ab besten eingesetzt werden.

Thurgauer Schulen: Paradigmenwechsel in Sachen ICT

Diesen Freitag besuchte ich das Bildungsforum Romanshorn. Es war in vieler Hinsicht eine sehr aufschlussreiche Veranstaltung, an der grösstenteils die „Neuen Medien“ im Vordergrund standen. Da ich zu diesem Thema in letzter Zeit doch ziemlich viele Referate gehört habe und mich auch persönlich auf dem Laufenden halte, erwartete ich nicht, allzu viel Neues zu erfahren, doch da sollte ich mich täuschen. Nachträglichen Eindruck gemacht haben mir das Referat des Zukunftsforschers Georges T. Roos und der Auftritt von André Stern, der, in Frankreich aufgewachsen, Zeit seines Lebens nie eine Schule besucht hat und von seinen Eltern auch nicht beschult wurde, deswegen aber trotzdem ganz und gar nicht auf den Kopf gefallen ist. (Und während man so dachte, dass sowas in der Schweiz sicher nicht möglich sei, holte Moderator Kurt Aeschbacher noch eine im Saal anwesende Schweizer Jugendliche auf die Bühne, die bis vor kurzem weder eine Volksschule besuchte noch beschult wurde, nun aber ans Euregio Gymnasium in Romanshorn geht und gegenwärtig noch nicht weiss, ob sie danach Physik studieren oder Blumenbinderin werden soll).

ICT an der Schule

Bildbearbeitung mit einer Primarschulklasse: Der Thurgau vertritt nun die Position, dass der bisher vertretene rein integrative Ansatz nicht für alle ICT-Ziele ausreicht.

An dieser Stelle aber den Inhalt des Bildungsforums zu besprechen führte zu weit. Ich möchte hier vor allem noch eine weitere Aussage erwähnen, die eher nebenbei fiel, die jedoch für unseren Schulalltag in den nächsten Jahren Konsequenzen haben wird.

Abschied vom rein integrativen Ansatz

So erklärte der Amtschef des Thurgauer Amtes für Volksschule Walter Berger, dass es zu überlegen gilt, was in der ICT integrativ eingeführt werden kann und in welchen Bereichen spezielle Gefässe geschaffen werden müssen. Und an anderer Stelle plädierte Thomas Merz, Medienexperte und Prorektor der PH Thurgau, dafür, künftig ICT durch speziell dafür ausgebildete Lehrpersonen unterrichten zu lassen.

Ich weiss nicht, ob dies schon zuvor kommuniziert wurde, doch ich jedenfalls habe eine solche Aussage Seitens des Thurgauer Amtes für Volksschule gestern zum ersten Mal gehört, denn bislang lautete die Position des AV: „Es gibt kein neues Fach ICT“.  Nun bedeutet „Gefässe schaffen“ noch nicht zwingend, damit auch gleich ein neues Fach in die Stundentafel einzuführen, doch man räumt ein, dass es nicht genügt, die Kinder im Regelunterricht nebenbei auch noch etwas am PC arbeiten zu lassen. Über die überfällige Erkenntnis kann man sich freuen oder sich andererseits daran stören, dass nun wieder mal mit Salamitaktik nach anfänglicher Beschwichtigung der Lehrerschaft durch die Hintertür ein neues Fach eingeführt wird, wobei jedoch solche Diskussionen hinsichtlich des Lehrplans 21 müssig sind.

Persönlich habe ich mich über die Aussage gefreut, weil sie meine Position bestätigt. Wenn man bisher mit Kantonsverantwortlichen über die Problematik gesprochen hat, dass gewisse Bereiche den Schulkindern einfach nicht rein integrativ zu vermitteln sind, erntete man bislang nur ein vielsagendes Lächeln. Man wusste das natürlich sehr wohl, durfte aber aufgrund des kantonalen Paradigmas nichts anderes sagen. Nun ist man also im Thurgau in der Realität angekommen.

P.S. Die Schaffung eines eigenen Fachs ICT ist erst recht unumgänglich, sollten die viel zu hoch gegriffenen ICT-Ziele im Lehrplan 21 auch tatsächlich umgesetzt probiert werden.

Präsentationen mit Prezi

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PowerPoint habe ich schon viele Jahre nicht mehr gebraucht – als Macianer verwendete ich dafür Keynote. Bisher. Doch das könnte sich ändern, seit ich Prezi entdeckt habe. Darauf gestossen bin ich durch einen Digital-Podcast von Radio Stadtfilter. Dass es ein Tool wie Prezi gibt war mir schon länger bekannt, doch der Podcast machte mich gwundrig, es einmal auszuprobieren, und ich habe es nicht bereut.

Prezi ändert die Art und Weise, wie man sich Präsentationen gewohnt ist, von Grund auf. Anstatt Folien zu erstellen, die meistens aus Auflistungen bestehen und hin und wieder mal aus ein bisschen Text, gestaltet man mit Prezi im Prinzip ein Plakat, durch das sich der Betrachter dann durch Zoomen und Drehen hindurchbewegt. Der Effekt ist verblüffend (vermutlich auch deswegen, weil er noch recht ungewohnt ist), und das Erstellen einer „Prezi“ erstaunlich einfach – so einfach, dass es durchaus auch Kindern im Mittelstufen-Alter zugemutet werden kann.

Ein kleines Ärgernis habe ich jedoch beim Schreiben dieses Blogposts entdeckt: Prezis sollten sich im Prinzip – so wie z.B. Youtube-Filme – in Webseiten einbinden lassen. Funktioniert aber bei Word press nicht so ohne weiteres. Schade! Habe deshalb von meiner ersten Prezi ein Bildschirmfoto gemacht und dieses direkt mit der Prezi-Website verlinkt.

Zeitumstellung: Es ist kompliziert

zeit-gadgetIch hoffe, dass nun alle die Zeit wieder umgestellt haben.

Damit meine ich nicht nur die Leser dieses Beitrags, sondern auch die von mir betreuten PCs in den Schulhäusern. Dies sollte allerdings reibungslos geschehen, den deren Systemzeit wird permanent über einen Timeserver abgeglichen. Dies klappt dann auch gut und zuverlässig – meistens.

Nun hatten wir in einem Schulhaus auf einen Timeserver zurückgegriffen, der vor einigen Monaten abgestellt wurde. Am Anfang merkt man davon als Anwender noch gar nichts, schliesslich läuft die Uhr des PCs ja auch von selber weiter, einfach nicht mehr so genau. Die Systemzeit der betreffenden PCs wird durch den Server abgeglichen, und da der Server selber nicht mehr auf eine genaue Zeitangabe zurückgreifen kann, gingen in dem Schulhaus die Zeiten sämtlicher PCs nach ein paar Monaten fast 15 Minuten nach. Das ist an sich für den Anwender in der Regel noch kein richtiges Problem; höchstens etwas lästig.

Zum echten Problem wird es dann, wenn man ein Programm starten will, das partout auf eine korrekte Systemzeit insistiert, ansonsten es sich weigert zu starten. Ein solches Programm ist zum Beispiel Dybuster. Dybuster speichert die Daten der Anwender auf einem zentralen Server im Internet. Wenn die lokale Systemzeit nicht mehr genau stimmt, wird die Software davon offenbar so irritiert, dass sie mit dem Problem nicht mehr umgehen kann. Jedenfalls verweigert Dybuster in einem solchen Fall rundweg den Start und bricht nach einer entsprechenden Fehlermeldung ab. Arbeitet der Anwender auf einem PC, dessen Zeit von einem lokalen Server abgeglichen wird (eben zum Beispiel von einem Schulhaus-Server), kann er nur noch den Administrator benachrichtigen.

Die Antwort des zu Hilfe gerufenen Technikers:

Der Server sollte so eingerichtet sein, dass er sich die Zeit über das Internet von einem Timeserver holt (NTP). Das lässt sich in der Registry bewerkstelligen. Gleichzeitig kommen und gehen die Timeserver – einem, den ich lange Zeit vertraut hatte, war der der ETH Zürich.
Wenn nun euer Server die Zeit hier abholt – schlecht. Wenn die Uhrzeit zwischen Server und Clients zu stark auseinandergeht, können sich die Clients gar nicht mehr am Server anmelden (Kerberos) – ich glaube die Differenz liegt um die 300 Sekunden.
Im Login-Skript der Clients ist üblicherweise ein Befehl enthalten, die Zeit des Servers zu übernehmen (#set time), gerade um die Kerberos-Geschichte in den Griff zu kriegen. Doch sollte der Server tatsächlich über eine falsche Zeit verfügen, wird diese tatsächlich von den Clients übernommen.
Der kurzer Rede langer Sinn – ich muss mir das vor Ort ansehen können.

Oder zusammengefasst: „Es ist kompliziert“. Danke Remo fürs Flicken! 😉

Kinderleichte Wetten zum Nachmachen

Richard Wiseman ist Leiter der Psychologie-Abteilung an einer englischen Universität, der sich unter anderem dem Paranormalen verschrieben hat. Zu weltweiter Bekanntheit gebracht hat es der ehemalige professionelle Zauberkünstler durch seinen Blog, in dem er auf interessante Phänomene hinweist oder knifflige Rätsel stellt.

Regelmässig veröffentlicht Wiseman auch Kurzvideos unter dem Titel 10 bets you will always win. Diese sind gespickt von Schalk, Raffinesse und britischem Humor. Und: Die Wetten sind so kinderleicht nachzumachen, dass sie sich auch für für die Primarschule eignen. Wie amerikanische Kinder auf Wisemans nicht immer ganz redliche Tricks reagierten, wird in diesem unterhaltsamen Video gezeigt:

Wisemans Videos bieten also Stoff für die Primarschule; neben Englisch und Physik (Realien) gerade auch im Bereich ICT. Die Filme sind so einfach gemacht, dass sie sich in einem Projekt gut auch von Kindern nachfilmen lassen sollten.

 

Schweizer Landeskarten: Schön, dass es sie auch online gibt

Wer auf dem Strassenweg möglichst komfortabel und effizient nach – sagen wir – Bern fahren muss und dabei einen Traktor oder einen Mercedes zur Verfügung hat, der nimmt in aller Regel den Mercedes. Wenn es darum geht, online auf Karten eine Gegend zu erkundschaften – etwa für eine Klassenwanderung – und dabei auf hochwertiges Kartenmaterial angewiesen ist, so nehmen viele das Äquivalent des Traktors – sie nehmen Google Maps.

Google Maps oder die Karten von Swisstopo – wenns ums Detail geht, ist der Sieger klar.

Google Maps oder die Karten von Swisstopo – wenns ums Detail geht, ist der Sieger klar.

Nichts gegen Google Maps. Ich verwende es auch oft und gerne, zum Beispiel wenn ich via Street View eine fremde Stadt auskundschafte oder die Distanz von hier nach Murmansk wissen möchte. Wenn es aber um Feld- und Wanderwege in der Region geht, sprich um die Planung einer Schulwanderung, ist Google Maps so untauglich wie ein Traktor für eine Autofahrt quer durch die Schweiz.

Selbst viele Schweizer Lehrpersonen scheinen nicht mehr zu wissen, dass die Karten der Schweizer Landestopografie, auf neudeutsch Swisstopo, weltweit einen erstklassigen Ruf geniessen, seit die «Dufourkarte» 1855 an der Weltausstellung in Paris mit der goldenen Ehrenmedaille ausgezeichnet wurde. Ihre Präzision, aber auch ihre Ästhetik waren für die damaligen Verhältnisse einzigartig. Ihre Qualität und ihren Weltruf konnten die Schweizer Landeskarten bis zum heutigen Tag erhalten. Und das beste: Sie sind auch online gratis abrufbar.

In die Karten von Swisstopo habe ich volles Vertrauen und plane, wenn es nicht gerade im Hochgebirge ist, ohne rekognoszieren vor Ort auch einen Klassenwanderung ohne Weiters allein mit dieser Karte, in der selbst jeder freistehende Baum punktgenau eingezeichnet ist. Die Landeskarten sind für mich (Jg. 1968) so urtümlich schweizerisch wie der Gotthard, Bundeshaus und SBB. Kein Ausflug in die Berge mit der Grossmutter, keine Schulwanderung, in der die örtliche 1:25’000er-Landeskarte nicht dabei gewesen wäre. Schön, dass es sie heute auch online gibt!

Ausschnitt aus der Dufourkarte, ca. 1860 (Bild: ETHeritage – blogs.ethz.ch)

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Wir würfeln uns ein Passwort

Darüber, was ein sicheres Passwort ist, gibt es im Internet ausreichend Hinweise und Tipps. Die wichtigsten:

  • Ein sicheres Passwort besteht nicht nur aus Zahlen oder nur aus Buchstaben, sondern aus einer Kombination von Zahlen sowie Gross- und Kleinbuchstaben. Können auch noch Sonderzeichen hinzugefügt werden, wird das Passwort dadurch noch einmal deutlich sicherer.
  • Eine Länge von acht Zeichen ist das Minimum für ein einigermassen sicheres Passwort.
Zumindest die wichtigsten Kennwörter – etwa das Passwort für das E-Mail-Konto oder für 1Password sollten sicher und gut merkbar sein.

Zumindest die wichtigsten Kennwörter – etwa das Passwort für das E-Mail-Konto oder für 1Password – sollten sicher und gut merkbar sein.

Doch ein sehr wichtiger Punkt geht oft vergessen: Ein Passwort ist nur dann sicher, wenn ich es mir auch merken kann. So wäre etwa xeWq)&F7p!( nach den oben genannten Kriterien eine gute Wahl, doch da es sich sehr schlecht einprägen lässt und die Gefahr gross ist, dass ich es nicht mehr reproduzieren kann (ein Passwort sollte ja schliesslich auch nicht unverschlüsselt auf der Festplatte gespeichert werden), ist es als Passwort dennoch ungeeignet.

Von Agile Bits, dem Hersteller von 1Password, gibt es einen Artikel, in dem die wichtigsten Kriterien für ein sicheres, aber doch relativ gut merkbares Passwort erklärt werden.

In dem Blogpost wird daran erinnert, dass ein Passwort zudem auch eine zufällige Abfolge Zeichen oder Wörtern darstellen muss, da es sonst von Hacker-Software schnell geknackt werden kann. So kann ich zum Beispiel aus folgendem gut merkbaren Satz Meine 2 Katzen heissen Miezi und Fredi das Passwort M2KhM&F erstellen. Scheint auf den ersten Blick ein sehr sicheres Passwort zu sein, doch da die Programmierer von Hacker-Software auch die Entstehung solcher Passwörter mit einkalkulieren und auf entsprechende Kombinationen vorbereitet sind, wäre es vermutlich ebenfalls schnell geknackt.

Die Buchstabenreihenfolge muss also rein zufällig sein – und damit kommt Diceware ins Spiel: Diceware sind Listen von hunderten beliebiger Wörter, denen ein kurzer Zahlencode vorangeht, der ausschliesslich die Ziffern von 1-6 enthält. Ein Auszug aus der deutschen Diceware-Liste sieht zum Beispiel so aus:

63553 vor
63554 vorab
63555 voran
63556 voraus
63561 vorbau
63562 vordem
63563 vorfall
63564 vorher

Der Trick ist nun, dass ich mir eine Reihenfolge von Wörtern würfle. Gemäss obiger Liste entspräche also die Würfelreihenfolge 6-3-5-6-1 dem Wort vorbau. Nun „erwürfle“ ich mir also fünf oder sechs Wörter aus der Diceware-Liste. Daraus könnte dann zum Beispiel die Wortreihenfolge woelbt-Chaos-Pfund-jung-sofern entstehen. Macht absolut keinen Sinn – und soll es ja auch nicht. Was ich erhalten habe ist jedoch eine auf rein zufälliger Grundlage generierte Liste von Wörtern, die ich relativ gut auswendig lernen kann.

Dennoch erscheint das Passwort immer noch nicht allzu sicher, da es ja keine Sonderzeichen enthält. Nun kann ich aber ohne Weiteres noch das Passwort mit meinen beiden Katzen vorne anhängen, und mein Passwort würde lauten: M2KhM&Fwoelbt-Chaos-Pfund-jung-sofern.

Doch auch bei einem solchen Passwort besteht die Gefahr, dass es vergessen wird; insbesondere wenn man es in der Anfangsphase nicht oft verwenden muss. Unter Voraussetzung der Verhältnismässigkeit sieht Agile Bits ein relativ geringes Sicherheitsrisiko, wenn man das Passwort von Hand auf einen Zettel schreibt und diesen z.B. im Portemonnaie aufbewahrt, bis man das Passwort genügende Male auf dem Computer eingegeben hat, dass man es sich sicher einprägen konnte. Dann kann man den Zettel vernichten.

Und schliesslich noch ein Tipp speziell für Deutschschweizer: Beim Diceware-Prinzip könnte sich unser Dialekt noch als zusätzlicher Vorteil erweisen, da unsere Dialektwörter wohl kaum je auf irgend einer Diceware-Liste auftauchen werden. Ich würfle also so lange, bis ich ausschliesslich Wörter habe, welche im Dialekt anders geschrieben werden als auf Hochdeutsch. Kommt also beim Würfeln die Wortkombination Tausch-Laune-gewinnt-schade-Biene heraus, so verwende ich für mein Passwort Tuusch-Luune-gwuennt-schaad-Bienli. Unschlagbar.