Kompetenzen

Eines der wichtigsten Lernziele: Medienkompetenz

Bild: CC alogenius (Flickr)

Bild: CC algogenius (Flickr)

Immer wieder mal wird man – ob man will oder nicht – mit dem Thema Medienkompetenz konfrontiert. Aktuell führe ich gerade eine Diskussion in einem Social Network, wo ich mir zu dem Thema wieder mal Gedanken mache.

Dies ist kein recherchierter oder mit Quellen abgeglichener Blogpost, sondern ich stelle hier lediglich dar, was Medienkompetenz für mich bedeutet.

Wer medienkompetent ist, ist nicht nur in der Lage, sich bei verschiedenen, gegensätzlichen Quellen zu informieren, sondern erkennt vielmehr sogar die Notwendigkeit darin, eine Information von einer Seite immer auch mit einer Zweitmeinung von anderer Seite zu vergleichen, die durchaus auch widersprüchlich sein kann. Wer medienkompetent ist, weiss auch mit solchen Widersprüchlichkeiten umzugehen.

Zur Medienkompetenz gehört für mich somit:

  • das bewusste Konsultieren verschiedenster, sich durchaus auch widersprechender Quellen;
  • das Abgleichen und Einordnen widersprüchlicher Informationen;
  • die Gewichtung dieser Informationen;
  • Die Information einer Quelle nicht einfach zu glauben, ohne sie vorher mit einer möglichst gegensätzlichen Quelle verglichen zu haben;
  • die abschliessende individuelle Einschätzung, wie glaubwürdig eine bestimmte Information ist, wobei diese Einschätzung stets eine momentane ist. Sie kann und soll sich entsprechend anpassen, wenn neue Informationen vorliegen.

Indizien für die Abwesenheit von Medienkompetenz sind:

  • eine Quelle für unglaubwürdig zu halten, nur weil eine andere Quelle dies behauptet;
  • eine Quelle für unglaubwürdig zu halten, weil sie eine Position vertritt, die der eigenen widerspricht;
  • Urteile zu einem Thema zu bilden, ohne sich sachlich damit auseinandergesetzt zu haben;
  • jede Form von Lagerdenken

Je medienkompetenter die Öffentlichkeit, desto schwieriger wird es für Parteien jeglicher Couleur, propagandistische Erfolge zu erzielen. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Weltlage ist für mich Medienkompetenz eines der wichtigsten schulischen Lernziele überhaupt.

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90 Minuten Autofahrt für fünf Minuten Problemlösung

Weil der Dock-Connector an meinem iPhone kaum mehr Kontakt herstellte und ich Gefahr lief, mein iPhone irgendwann gar nicht mehr aufladen zu können, besuchte ich heute den Apple Store im Glatt-Zentrum in Wallisellen.

Apple Store im Glatt-Zentum

Gemütlicher Samstag-Vormittag-Kaffee vor dem Apple Store im Glatt-Zentrum.

Pünktlich zur Ladenöffnung um 9 Uhr war ich dort. Um 9:02 kam dann eine nette Apple-Store-Mitarbeiterin, fremdsprachiger Akzent (östlich?), wohl etwa 30 Jahre alt. Nicht die Art Person, der man auf Anhieb sein iPhone in Reparatur geben würde, aber das ist natürlich ein übles Klischee. Da ich meinen Besuch via Internet angemeldet und dabei auch mein Problem kurz geschildert hatte, brachte sie auch schon ein Dock-Kabel mit und stellte auf Anhieb fest, dass es gar nicht ganz ins Dock reinpasste, was mir selber gar nicht aufgefallen war. Sie hatte auch schon ein kleines Tool dabei, mit dem sie sogleich eine rund 1 Zentimeter lange Staubmaus aus dem kleinen Dock-Anschluss herauszog.

Ich ärgerte mich über mich selber: Dass Verunreinigungen im Dock-Anschluss der Grund des Problems sein könnten, hätte ich auch selber in Erwägung ziehen können, aber da ich das Problem fälschlicherweise an einem anderen Ort vermutet hatte, dachte ich überhaupt nicht an sowas. Die Apple-Mitarbeiterin tröstete mich und meinte, ich hätte dies nicht unbedingt selber erkennen können. Das Problem sei übrigens ein relativ häufiges: Wird der Dock Connector aus irgend einem Grund etwas feucht – beispielsweise, weil man das Gerät im Regen benutzt – sammelt sich dort Staub an und verstopft nach und nach die Anschlussbuchse. Dann testete sie noch kurz, ob sich das iPhone wieder aufladen lässt, was es problemlos tat.

Um 9:07 Uhr verliess ich den Apfel-Laden auch schon wieder. 90 Minuten Auto fahren für eine fünfminütige «Reparatur». Aber mit Babajeza im Glatt-Zentrum anschliessend einen Kaffee zu trinken war auch schön. Ausserdem machten wir auf dem Heimweg noch einen gemütlichen Verwandtschafts-Überraschungsbesuch in Brütten. Auch eine Möglichkeit, einen freien Samstag Vormittag zu verbringen – gar nicht mal die schlechteste. Und das Ziel dieses Vormittags, nämlich am Mittag wieder ein funktionierendes iPhone in der Tasche zu haben, habe ich ja schliesslich auch erreicht.

Als heute Morgen fast das Internet kaputt war

Heute fiel bei „Schulen ans Internet“ die Google-Suche aus. Das ist nicht lustig. Lustig sind aber manche Reaktionen betroffener Lehrpersonen und Schüler.

Ein kurzes Verlaufsprotokoll des heutigen Tages:

  • 7:00 Uhr: Ich arbeite seit 30 Minuten normal mit Internet, ohne etwas Besonderes zu bemerken. Eine Kollegin kommt: „Das Internet geht nicht!“. Ich vermute erst eine lose Kabelverbindung – zu Unrecht. Doch die Google-Website auf ihrem PC lädt tatsächlich nicht. Nach dem Aufruf einer anderen Website ist der Fall schnell klar, und ich schreibe einen Tweet an den Swisscom-Support.
  • 8 Uhr: Ein Schüler, nachdem ich ihn darauf aufmerksam machte, dass Google heute Morgen nicht funktioniert: „Hä? Aber wie komme ich denn zu Antolin ohne Google?“ Es folgt ein Crashkurs in Sachen ICT-Standards M02 und im erweiterten Sinne von M17.
  • 8:30 Uhr: Da ich es versäumt habe, das Team über den Google-Ausfall zu informieren, trudeln die ersten Fehlermeldungen ein: „Das Internet geht nicht!“ – abgeschickt per E-Mail vom Arbeitsplatz. (Ja, genau.)
  • 16 Uhr: Google-Suche funktioniert immer noch nicht. Ob die Ursache bei Swisscoms ZScaler-Hack liegt, ist mir bis dato unbekannt.

Neulich, beim Medienzentrum der PH Thurgau

Ich muss es vorweg sagen: Das Medien- und Didaktikzentrum der PH Thurgau in Kreuzlingen, kurz MDZ, bietet einen hervorragenden Service: Studenten und Lehrpersonen können hier kostenfrei und reichlich Material für den Schulunterricht ausleihen. Ich schätze es, dass es diesen Service gibt und dass ich jederzeit auf ihn zurückgreifen kann, falls es mir zu einem Thema mal an Material fehlt.

Das Corpus Delicti: Mein Benutzerausweis des MDZ, mit sichtbaren Abnützungsspuren durch jahrelanges vergebliches Herumtragen im Portemonnaie.

Das Corpus Delicti: Mein Benutzerausweis des MDZ, mit sichtbaren Abnützungsspuren durch jahrelanges praktisch gebrauchsloses Herumtragen im Portemonnaie.

Allerdings brauche ich den Service auch eher selten. Und so habe ich auch meinen MDZ-Benutzerausweis irgendwann aus meinem Portemonnaie entfernt, zusammen mit etlichen anderen Kärtchen, die ich ebenfalls (fast) nie brauche, wie Krankenkassen-, Autoversicherungs-, Personalausweis- usw.- Kärtchen. Ich trage nämlich auch so noch mehr als genug Kärtchen mit mir herum: Mein Zweitberuf erfordert es, dass ich nicht weniger als drei Fahrausweise bei mir habe, ausserdem benutze ich regelmässig zwei Maestro-Bankkarten sowie eine weitere Kreditkarte, dann kommen noch mein Halbtax-Abo, meine Tank-Karte und meine ID hinzu. Man rechne: Wenn nun jede Karte ca. 0,8 mm dick ist, machen diese allein mein Portemonnaie um gut 7 mm dicker. Als ich noch alle anderen Karten mit mir herumtrug waren es mehr als 10 mm. So habe ich mein Portemonnaie – und mich – einmal von allen überflüssigen Kärtchen befreit. Auch mein MDZ-Benutzerausweis fristet seither sein Dasein zu Hause in einer Schublade.

Manchmal entscheide ich spontan, nach Schulschluss noch schnell im MDZ vorbeizugehen. Oder, zugegeben, ich denke am Morgen zu Hause noch nicht daran, dass ich abends vielleicht im MDZ noch was abhole. In beiden Fällen tauche ich dann ohne Karte am Schalter auf. Für das MDZ aber an sich kein Problem; jedenfalls kein technisches. Ich kenne meine vierstellige Mitgliednummer, und die Bibliothekarin kann meine Identität mit einem der vielen Ausweise, die ich ja bei mir habe, problemlos überprüfen. Da die MDZ-Karte kein Passfoto hat, müsste die Überprüfung via Personalausweis sogar sicherer sein.

Allerdings hat man sich beim MDZ offenbar entschieden, seine Kundschaft zu erziehen. Ich bin mir Rückfragen im belehrenden Ton bereits gewohnt, doch ich letzte Woche erlebt habe, machte mich – wie es auf Mundart so schön heisst – putzig.

Die Bibliothekarin im Studentenalter war kurz davor, mir die Herausgabe der reservierten Gegenstände zu verweigern. Dabei schlug sie einen Tonfall an, mit dem jeder Lehrling, den man auf die Kundschaft loslässt, sei es im KV, als Coiffeuse oder als Velomech, die Lehrstelle innert weniger Wochen los wäre. Eine höflich, aber bestimmt geäusserte Vorwarnung, dass ich den Laden umgehend verlassen würde, wenn sie diese Diskussion ernsthaft so mit mir weiterführen wolle, setzte ich kurz darauf in die Tat um.

Am nächsten Morgen schrieb ich eine E-Mail ans MDZ, um den Vorfall zu schildern, und bekam sogleich eine nette und ausführliche Antwort. Obwohl mir die Antwortende mitteilte, schon alle möglichen Alternativen zur Plastikkarte geprüft zu haben, bedankte sie sich höflich für meine unten genannten Anregungen, die man „wie alles, was der Verbesserung unseres Services dienen könnte, gern entgegennehme und prüfen werde.“ Mal schaun…

Wie gesagt, ich schätze das Angebot des MDZ. Noch viel besser wäre der Service, wenn sich das MDZ eines Tages entscheiden sollte, mit einem technisch moderneren Buchungssystem zu beglücken. Etwa einem Strichcode, den ich mittels Bilddatei auf dem Smartphone mitführen könnte, oder, so wie es die Migros mit dem Cumulus-Code macht, mit einer Klebetikette im Portemonnaie. So würde ich mich auch beim MDZ jederzeit gerne bei einer hoffentlich netten Bibliothekarin ausweisen.

Wir sind wütend!

Eine der wenigen Sternstunden in der Diskussion um die Ukraine-Krise: Der ehemalige Vorsitzende des NATO-Militärausschusses erklärt im ZDF, warum die «Beweise» für eine angebliche russische Invasion in der Ukraine wohl gefälscht sind (ab Minute 4:52).


Medienkompetenz ist eine Fähigkeit, die – wie in diesen Tagen so offensichtlich wie selten zuvor – je länger je wichtiger wird. Um die vielen Informationen, die uns das Internet bereitstellt, nach Qualität und Relevanz abzuwägen braucht es viel kritisches Urteilsvermögen sowie Wissen und Erfahrung. Früher nahm die Bezahlpresse die Funktion des «Torwächters» ein: Aus der Fülle von Informationen, die ihr zugetragen wurden (und dem gewöhnlichen Medienkonsumenten gar nicht zugänglich waren) wählte sie aus, überprüfte Informationen auf ihre Richtigkeit und stellte bei wichtigen Storys auch eigene Recherchen an, wobei gut vernetzte Journalisten auf Informanten ihres Vertrauens zurückgreifen konnten.

Wenn die Torwächter schlafen, wird kritisches Urteilsvermögen umso wichtiger

Die Bezahlmedien sind de facto zu Gratismedien mutiert und haben sich selber das Zertifikat «Qualitätsmedien» verliehen. Entgegen der Selbstbeweihräucherung nehmen sie die Torwächterfunktion immer noch in Anspruch, aber immer seltener wahr. Was uns dieser Tage in Sachen Berichterstattung aus der Ukraine zugemutet wird spricht halbwegs informierten Zeitgenossen Hohn. So kommentiert der Infosperber heute:

Wem darf man in der ganzen Sache noch glauben?
Wahrscheinlich niemandem. Und schon gar nicht den Medien.

Es drängt sich der Eindruck auf, die publizierten Berichte werden der Presse direkt von Rasmussens Redenschreiber diktiert. Die Ukraine-Korrespondenten der „Qualitätsmedien“ sitzen in Wien, Berlin, bestenfalls in Moskau, aber nicht in Kiew oder Sewastopol und schon gar nicht in Donezk oder Luhansk. Schuldfragen werden als geklärt betrachtet, wo noch kaum gesichertes Wissen vorliegt, wie etwa beim Absturz des malaysischen Passagierflugzeugs MH17, bei dem die Publikation des Untersuchungsberichtes von klandestinen Kreisen verzögert wird und – wie man uns schon mal vorab mitteilt – auf die Veröffentlichung von existierenden Stimmenrekorder-Aufnahmen verzichtet werden wird. Als «gesicherte Information» galten auch zwei russische «Invasionen», die sich beide Male als plumpe Fälschungsversuche entpuppten.

Der Journalismus ist kaputt

Die Liste journalistischer Fehlleistungen und Nachlässigkeiten ist lange und eklatant. In manchen Bereichen mag der traditionelle Journalismus noch funktionieren, wie etwa in der Inlandberichterstattung bei der Aufdeckung der Drahtzieher in der Causa Geri Müller, und selbst beim Thema Ukraine gibt es Lichtblicke: So stammt obiger Link zu den (skandalösen) Verschleierungsversuchen zum Untersuchungsbericht verweist auf einen Artikel der deutschen Welt. Der über dem Artikel eingebettete Diskussionsausschnitt stammt aus der Diskussionssendung von Maybrit Illner, und ebenfalls beim ZDF ist die Sendung «Die Anstalt» schon durch wohltuend kritische Betrachtungen der Ukraine-Krise aufgefallen.

Leider sind diese Lichtblicke seltene Ausnahmen im Propagandalärm, den die Massenmedien mangels schlafenden oder entlassenden Torwächtern ungefiltert auf uns hereinprasseln lassen. Gerade in der Ukraine-Krise mit ihren beängstigenden potentiellen Folgen sollte uns dies nicht einfach egal sein.

Und warum steht jetzt dies alles auf dem iScout Blog? Weil Medienkompetenz ein unumstrittener Teil unseres Bildungsauftrags ist. So heisst es im aktuellen Thurgauer Lehrplan für die Primar- sowie für die Sekundarschule:

Die Volksschule unterstützt die Schülerinnen und Schüler in einem überlegten Konsumverhalten, sinnvoller Freizeitgestaltung und kritischer Auseinandersetzung mit den Massenmedien. Sie fördert dabei insbesondere die Eigenaktivität.

… und wer den Schülern einen kritischen Umgang mit den (Massen-)Medien vermitteln will sollte selber über einen solchen verfügen.

Wirklich wütend

Unzufrieden mit den Medien war vor bald drei Jahren am österreichischen Fernsehen auch Roland Düringer, der den Zuschauern in einer dreiminütigen Schimpftirade mitteilte, worauf er alles wütend ist – ab Minute 2:50 kommt auch das (österreichische) Schulsystem dran.

Der Film, der an Kritik nichts enthält, was bei uns in den 80er-Jahren nicht auch ein Niklaus Meienberg hätte sagen dürfen, wurde mittlerweile offenbar vom ORF entfernt und «zur Ausstrahlung gesperrt», was bei den Österreichern im Netz nun für Empörung sorgt. Recht so!

Ja, Medienkompetenz ist wichtig

Die Aargauer Grünen liefern heute ein gelungenes Beispiel, warum Medienkompetenz wichtig ist. Und ich meine jetzt nicht den amtierenden Badener Stadtpräsidenten, sondern den Verantwortlichen für den Parteiauftritt auf Twitter.

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 Vielleicht wäre der untere Tweet nie abgeschickt worden, wären die Betreiber während ihrer Schulzeit in den Genuss des Fachbereichs „Medienbildung“ gekommen, wie es der Lehrplan 21 vorsieht (dessen Einführung im Kanton Aargau soeben um ein paar Jahre zurückgestellt wurde. Dies allerdings nicht unbegründet – Konsolidierung kann im Bildungswesen gegenwärtig auch nicht schaden.)

Der Blick – ein Porno-Heftli?

Wie weit an Schulen Internet-Content gefiltert werden soll, war bereits in der Diskussion um das Aufbrechen von sinnvollen Sicherheitsmechanismen durch die Swisscom Gegenstand der Debatte. Kürzlich staunte ich aber nicht schlecht, als ich einen auf meinem Twitter-Feed verlinkten Blick-Artikel lesen wollte und auf meinem iPhone statt des Artikels die folgende Meldung erschien:

Der Blick – ein Porno-Heftli?

Beim Blick selber nahm man es, nachdem ich die Pornografie-Warnung getwittert hatte, mit Humor:

Auch bei Swisscom hat man auf meine Meldung hin sofort reagiert und den Blick umgehend wieder von der Schmuddel-Filterliste genommen – jedenfalls im Kanton Thurgau. Wie das andernorts aussieht weiss ich nicht. Als ich vor zwei Jahren im Kanton Zürich unterrichtete stellte ich fest, dass der Blick im Schul-Internet nicht aufrufbar war und dort vom Filter geblockt wurde. An die genaue Filter-Kategorie erinnere ich mich nicht, aber es war wohl nicht „Pornografie“.

Es ist grundsätzlich richtig, dass das Internet in unseren Schulstuben nicht ungefiltert zugänglich ist. Allerdings stellt sich wie überall die Frage nach der Verhältnismässigkeit, sei es bei den Methoden oder bei der Art des gefilterten Inhalts. Als einer, der die Jugendzeit in den in vieler Hinsicht wesentlich liberaleren 80er-Jahren unbeschadet überstanden hat finde ich es richtig, dass man den Blick auch in der Schule ungefiltert lesen darf, selbst wenn es einem dort passieren kann, auch mal auf ein wenig sehr zurückhaltend präsentierte Nacktheit zu stossen. So viel sollte uns unsere verfassungsmässig garantierte Meinungs- und Informationsfreiheit wert sein, ebenso wie wir auch unserer Jugend so viel Vertrauen entgegen bringen sollten, jeglichen von Blick präsentierten Inhalt verarbeiten zu können.

Gratis? Von wegen.

Wer noch immer dem Irrtum aufliegt, Dienste wie Google oder Facebook seien gratis zu haben, dem sei dieses Video, auf das ich gestern über den Twitter-Kanal von Kim Dotcom gestossen bin, wärmstens empfohlen:

Und da wir auch namhaften Unternehmen wie Yahoo nicht trauen dürfen, unsere Bedürfnisse und Rechte ernst zu nehmen, dienen die von der Werbeindustrie verpönten AdBlocker nicht nur dazu, lästige Werbung auszublenden, sondern erhöhen, sozusagen als sehr erwünschter Nebeneffekt, gleichzeitig auch unseren Schutz vor Datenklau und unsere Computersicherheit.

Darum meint auch Matthias Leisi völlig zu Recht:

 

Fliegen mit Google Earth

Google Earth ist nicht nur ein lustiger Zeitvertreib, sondern auch ein sehr hilfreiches Tool für verschiedenste denkbare Anwendungen.

Ein Schüler-Musical, das wir in wenigen Wochen aufführen werden (am 17. Mai in der Schwärzi-Halle in Altnau) heisst „Musig-Gschichtä us dä Schwiiz“. Die Rahmengeschichte ist eine Busreise an verschiedenste Orte in der Schweiz, und so suchten wir nach Möglichkeiten, wie wir diese kurzen Reisen darstellen können. Da zur Bühnenkulisse auch eine grosse Leinwand gehört, mit denen wir einzelne Szenen bebildern, kam ich auf die Idee, mit Google etwas zu machen. Heraus kam der folgende Kameraflug:

Noch immer liesse sich vieles perfektionieren, doch bis es so weit war, musste ich sehr viel üben, ausprobieren, anpassen, verbessern.

Meine ersten Versuche machte ich nicht mit Google Earth, sondern mit Google Maps. Zunächst erstellte ich auf Google Maps einfache Routen und verfolgte sie mit der 3D-Ansicht. Das Resultat war nicht umwerfend: Abgesehen vom störenden „Pfeil“ (eher ein umgekehrter roter Regentropfen), der dauernd an der Stelle des „Reisenden“ und somit in der Bildmitte bleibt, ist die Bewegung auch ruckelig. So suchte ich nach Möglichkeiten auf Google Earth – und wurde fündig. Wie man zum fertigen Film kommt, dazu gilt das Sprichwort „Viele Wege führen nach Rom“.

Bevor ich genauer schildere, wie ich meinen Kameraflug erstellt habe, sollte ich noch erwähnen, dass ich diese auf einem Mac gemacht habe. Dies ist darum von Bedeutung, weil der Mac als Bordmittel den Quicktime Player mitbringt, inklusive der Funktion, Bildschirmaufnahmen machen zu können. Benutzer anderer Betriebssysteme müssen sich nach einem gleichwertigen Tool umschauen, es sei denn, sie leisten sich Google Earth Pro, bei dem man solche Kamerafahrten als Filmdatei exportieren kann. Mit einem Kaufpreis von 399 $ ist diese Software aber wohl eher nicht für den Heimanwender gedacht.

Um meinen Kameraflug von Altnau nach Glarus zu erstellen ging ich folgendermassen vor:

  1. In Google Earth über die Funktion „Route berechnen“ (oben links unter dem Suchfeld) erst mal die Route von Altnau nach Glarus eingeben. Diese Route brauche ich später nicht mehr, aber sie ist hilfreich bei den folgenden Schritten.
  2. In die Vogelperspektive gehen, so dass die gesamte Route direkt von oben ersichtlich ist
  3. Über die Funktion „Pfad erstellen“, entweder über die Menufunktion Hinzufügen > Pfad“ oder über das folgende Symbol:  Bildschirmfoto 2014-04-20 um 09.58.08
  4. Den Pfad im entsprechenden Feld benennen. Vor dem Schliessen können jetzt auf der Karte die einzelnen Punkte des Pfads ausgewählt werden. Am besten bleibt man nahe bei der Route; damit die Fahrt anschliessend aber nicht zu unruhig wird empfiehlt es sich, nicht gleich bei jeder kleinen Kurve einen Pfadpunkt zu setzen. Sind alle Punkte gesetzt, kann man das Fenster wieder schliessen.
  5. Wer den blauen Strich der Route nicht auf dem Film haben will, kann jetzt die Route schliessen, indem er auf das „X“ unterhalb der Routenangaben klickt.
  6. Damit man nicht wie eine Maus direkt auf dem Asphalt bzw. durch das Gras kriecht und auch Kamerawinkel und Fluggeschwindigkeit einigermassen stimmen, müssen bei Google Earth noch gewisse Einstellungen vorgenommen werden. Hier gilt es zu experimentieren; für meinen Flug habe ich folgende Einstellungen vorgenommen:Pfad-Einstellungen auf Google Earth

Die Route ist nun fertig und kann nun abgeflogen werden. Die Funktion dazu ist eher versteckt: Man startet den Flug, indem den neu erstellten Pfad in der linken Seitenleiste auswählt und danach auf das Start-Symbol klickt:

Start

 

 

Es empfiehlt sich, die Route vor der Bildschirmaufnahme ausreichend oft und auch ausreichend langsam abzufliegen: Die Google-Earth-Kamera fliegt nämlich schneller, als das Programm die Bilddaten in den Cache-Speicher laden kann. Fliegt man zu schnell darüber, sieht man statt Häuser und Felder nur braune und grüne Pixel. So sollte man beim ersten Flug alle paar Sekunden einmal die Pause-Taste drücken, um Google Earth genug Zeit zu geben, die Grafiken in den Speicher zu laden. Sind sie einmal drin, bleiben sie auch dort, und Google Earth ist nun bereit für die Bildschirmaufnahme.

Die Bildschirmaufnahme selber machte ich wie oben erwähnt mit dem Quicktime Player (Befehl „Neue Bildschirmaufnahme“, im sich öffnenden Fenster den roten Knopf drücken, mit der Maus den Bildschirmbereich auswählen und „Aufnahme starten“ drücken).

Perfektionisten seien gewarnt: Zum Verfeinern gibts endlose Möglichkeiten. Um einen schön abgerundeten Flug zu erstellen, habe ich vor und nach dem Flug jeweils eine Ortsmarkierung erstellt. So stellte ich sicher, dass das Anfangs- sowie das Schlussbild des Films genau so aussieht, wie ich mir das vorstelle. Für die Bildschirmaufnahme bedeutet dies volle Konzentration, damit man nicht versehentlich mit der Maus über den Bereich der Bildschirmaufnahme fliegt sowie verhindert, dass Google Earth ein gemeines, gelbes Popup-Fensterchen öffnet, das dann in die Bildschirmaufnahme hineinragt, wenn man die Maus über den falschen Punkt bewegt.

Nun gilt es üben, üben, üben. Für unser Musical habe ich mehrere solche Kameraflüge erstellt. Während ich für den ersten deutlich mehr als eine Stunde brauchte, bis alles einigermassen meinen Vorstellungen entsprach, ging der Prozess schon beim zweiten wesentlich flotter von der Hand.

Billig und effizient Fremdsprachen lernen

Letzte Woche stiess ich auf folgenden Tweet von Martin Weigert:

In relativ jungen Jahren – kurz nach Abschluss meiner Lehre – lebte ich ein halbes Jahr lang in Kanada und bereiste dieses Land auch für mehrere Monate. Schon damals fiel mir auf, was auch im Zeit-Artikel explizit erwähnt wird, nämlich wie gut namentlich Skandinavier und Holländer Englisch sprachen. Als ich die Frage nach dem Grund dafür einem Norweger stellte, antwortete dieser, natürlich lernten Sie in der Schule auch Englisch, aber ihre Fertigkeiten in dieser Sprache hätten sie in erster Linie deswegen, weil in Norwegen (wie auch in den anderen genannten Ländern) sämtliche Filme in Fernsehen und Kino im Originalton gezeigt würden. Für diese bevölkerungsmässig kleinen Sprachgruppen lohnte es sich nicht, Synchronfassungen zu produzieren, weshalb man sich auf Untertitel beschränkt.

Mein subjektiver Eindruck wird nun auch wissenschaftlich untermauert. So beruft sich der Zeit-Artikel auf eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studie mit der Feststellung:

Deutschland gehört wie Frankreich, Italien und Österreich [und die Schweiz – Anm. iScoutblog] zur Gruppe der Länder, in denen die Synchronisation vorherrscht. In Ländern, in denen besonders gut Englisch gesprochen wird wie den Niederlanden, in Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Estland wird der Untertitelung der Vorzug gegeben.

Schon damals – lange vor Beginn meiner Karriere als Primarlehrer – vertrat ich die politisch nicht opportune Meinung, man könne auf Englisch in der Volksschule (damals bei uns erst ab der Sekundarschule) verzichten, wenn man stattdessen englischsprachige Filme in der Originalfassung ausstrahlen würde.

"Dr. House" alias "House, M.D." – in der deutschen Synchronfassung kaum auszuhalten für den, der die Originalfassung kennt. Bild: http://mbti-of-fictional-characters.tumblr.com

„Dr. House“ alias „House, M.D.“ – in der deutschen Synchronfassung kaum auszuhalten für den, der die Originalfassung kennt. Bild: http://mbti-of-fictional-characters.tumblr.com

Schüler schauen sich bestimmte Filme ja oft weit mehr als nur einmal an. Diesen gebe ich dann jeweils den Tipp, ihre Lieblingsfilme spätestens ab dem dritten Mal in Englisch zu schauen. Da sie die Handlung ja bereits kennen, würden sie nichts verpassen, darüber hinaus aber – und davon bin ich überzeugt – sehr viel für ihre Englisch-Kompetenzen tun. Leider tun das dann aber doch nur die allerwenigsten. Sie finden ihre Lieblingsfilme in der Synchronfassung offenbar besser, oder aber sie wollen nicht auch noch in ihrer Freizeit von dem mühseligen Fremdsprachen-Unterricht belästigt werden. Denn mühselig ist dieser – ob auf Französisch oder Englisch – für sehr viele von Ihnen. Die frühen Fremdsprachen sind, entgegen aller Versprechungen von Politikern und Bildungsdirektoren, längst zu knallharten Leistungsfächern „avanciert“.

Das ist schade – in vielerlei Hinsicht. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Filme in ihren Synchronfassungen sehr viel von der Qualität ihres Originals einbüssen.

Weshalb das Aufbrechen von HTTPS-Verbindungen durch die Swisscom problematisch ist

Via Martin Steiger bin ich auf dieses Dokument (PDF-Download) des Informatikers Rainer Meier gestossen, in welchem in einfacher Sprache erklärt wird, wie Swisscom via die Firma ZScaler verschlüsselten Datenverkehr innerhalb des Schulnetzes aufknackt und warum dies problematisch ist.

Unter anderem erklärt Rainer Meier:

«Solche Angriffe werden üblicherweise von dritten vorgenommen, um an die übermittelten Daten zu gelangen, und sind illegal. Aber auch Firmen setzen solche Systeme ein um die verschlüsselten Daten vom und zum Internet analysieren zu können. Die Betroffenen müssen hier aber informiert werden und üblicherweise dem Einsatz solcher Systeme zustimmen (meistens über Mitarbeiter-Vereinbarungen geregelt). Da ein solches System die Privatsphäre sowie Sicherheit der übertragenen Daten gefährdet, sollten sich die Mitarbeiter bewusst sein, dass ihre Daten dadurch von dritten gelesen werden können.» [Hervorhebung durch iScoutblog]

 Die entsprechende Information der Mitarbeiter (sprich Lehrpersonen, Schulleiter u.a.) ist im Fall Swisscom/ZScaler definitiv nicht ausreichend erfolgt. Ich habe jedenfalls in keiner Weise meine Zustimmung dazu gegeben noch irgend eine entsprechende Mitarbeiter-Vereinbarung unterzeichnen müssen, und ich weiss auch von keiner Schule, in der so etwas erfolgt wäre.

Des weiteren mahnt Rainer Meier, skeptisch zu bleiben:

 Wer seiner Firma hier voll vertraut sollte trotzdem skeptisch sein, denn durch die aufgebrochene Verschlüsselung ist es für den Benutzer auch unmöglich, weitere Manipulationen zu erkennen. Beispielsweise wenn die Firmen-Systeme ebenfalls von dritten manipuliert wurden oder die Firma selbst Opfer seines solchen MITM-Angriffs wurde:

Bild: Rainer Meier

Bild: Rainer Meier

Spielerisch Medienkompetenz erlernen

Ein kleines Highlight in meinem iScout-Jahreskalender ist für mich jeweils der Kadervernetzungstag in Wil. In lockerer Atmosphäre trifft man sich unter Gleichgesinnten, erhält Inputs zu ICT und Social Media an der Schule, kann untereinander ein bisschen fachsimpeln und sich austauschen. Ich habe einem interessanten Referat von Philippe Wampfler zugehört (mit dem ich auf Twitter auch schon die eine oder andere Diskussion führte), habe das Potential von Lego Mindstorms erahnen können und habe vom Projekt der Multimedianer erfahren, das ich auch noch genauer unter die Lupe nehmen werde. Auch von diesem Kadervernetzungstag kann ich also einiges mitnehmen, sei es als Bereicherung des eigenen Wissens, aber auch konkret für den Schulunterricht:

Zu den ICT-Standards, den wir an Thurgauer Schulen erfüllen müssen, gehören in der Mittelstufe unter anderem:

  • MS04: Die S kennen und beachten bei der Nutzung digitaler Kommunikationsmedien die entsprechenden Umgangsformen und Regeln.
  • MS05: Die S wenden die Regeln für den sorgfältigen Umgang mit eigenen und fremden Daten an.
  • MS15: Die S halten sich an Verhaltensregeln zur sicheren Onlinekommunikation und gehen angemessen mit virtuellen Identitäten um.

Wie man spielerisch mit der Klasse einen verantwortungsvollen Umgang mit Sozialen Plattformen erlernen kann, habe ich im Workshop von Claudia Bucheli erfahren, die an der Oberstufe Sternmatt in Baar ihren Schülerinnen und Schülern den Umgang mit Social Media lehrt. Ihr Spiel Faceboom – das Spiel zur Medienkompetenz steht auf ihrer Website mediobaar.ch gratis zum Download zur Verfügung. Es ist für die Oberstufe konzipiert, bietet aber genug Material, dass einiges davon auch schon in der 6. Klasse eingesetzt werden kann.

Karte aus dem Spiel "Faceboom"

Karte aus dem Spiel „Faceboom“ – http://www.mediobaar.ch/faceboom