Kinder

Vorbildliche Stadtpolizei Zürich

Wow! Der Stadtpolizei Zürich werden via Twitter Mängel an einer Baustelle gemeldet. Konkret ging es darum, dass die Baustelle für Fussgänger nicht sicher war; dies an einer Stelle, an der offenbar oft Kindergärtler vorbeigehen. Nach einer kurzen Rückfrage ebenfalls auf Twitter am gleichen Tag sind die Mängel zwei Tage später behoben.

So effizient können soziale Medien sein, wenn sie auch von Amtsstellen genutzt werden.

Die Welt wird kleiner

How far a child is allowed to walk on their own, then vs. now

Auf Philippe Wampflers Tumblr-Blog bin ich auf dieses Bild gestossen. Es zeigt die Bewegungsrayons eines heute im Norden Englands lebenden achtjährigen Kindes und dessen Vorfahren dreier Generationen, als diese im gleichen Alter waren.

Wie weit soll sich ein achtjähriges Kind alleine vom Wohnhaus entfernen dürfen?

Wie waren unsere Bewegungsrayons in diesem Alter?

Wie sieht es bei den heutigen Kindern bei uns aus?

Ist ein eingeschränkter Bewegungsraum für die Sicherheit des Kindes notwendig?

Oder hindert er es an seiner Entwicklung?

Ist unsere Welt so gefährlich geworden?

Warum wundern wir uns noch, wenn Kinder Nachmittage lang vor der Gamekonsole sitzen?

Fragen über Fragen.

Kinder-Überwachung: Die letzte Meile ist geschlossen

Auf ihrem Schulweg noch garantiert unüberwacht: Schulkinder 1957. – Bild: CC Die Puppenstubensammlerin (Flickr)

Auf ihrem Schulweg noch garantiert unüberwacht: Schulkinder 1957.
Bild: CC Die Puppenstubensammlerin (Flickr)

„Es kommt zur Machtumkehr“, titelte der Tagesanzeiger in einem Artikel, der uns von unserem Schulleiter zugespielt wurde. Untertitel: „Der Kinderpsychiater Michael Winterhoff schlägt in seinem neuen Buch Alarm: Eltern zögen eine Generation von Narzissten und Egomanen heran.“

Michael Winterhoff macht sich darin ernsthafte Sorgen um die nachfolgende Generation: „Es ist so schlimm, glauben Sie mir. Ich arbeite jetzt seit 28 Jahren als Kinder- und Jugendpsychiater. Was ich seit 1995 täglich in meiner Praxis sehe, gab es zuvor nicht.“ Grund für seine Besorgnis: Eltern hielten Spannungen mit ihren Kindern nicht aus, weshalb sie ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen würden. Immer mehr Kinder hätten „keine Frustrationstoleranz, kein Unrechtsbewusstsein, keine Empathie oder sehen sich dauernd als Opfer“. Sie „leben lustorientiert im Moment und meiden jegliche Anstrengung“. Mit schuldig sei auch die technische Entwicklung, seitdem der Computer in jeden Haushalt Einzug gehalten hat und der die Erwachsene überfordere: „Sie wissen nicht mehr, was sie wollen im Leben, sind nicht in der Lage, Freude oder Zufriedenheit zu empfinden. Als Eltern machen sie dann die Freude und die Zufriedenheit des Kindes zu ihrer eigenen. Sie denken, fühlen, spüren durch das Kind.“ 

Auch wenn ich letztere These für eher gewagt halte und ich auch grundsätzlich kein Kulturpessimismus bin: Gewisse Tendenzen, die Winterhoff anspricht, sind auch in unseren Schulzimmern unübersehbar. Daher möchte ich noch auf einen Punkt speziell eingehen: Winterhoff spricht von einer Symbiose, welche (gewisse) Eltern mit ihrem Kind eingehen: „Das Kind ist ein Teil von ihnen, so wie ein Körperteil, wie ein Arm. Wenn der Arm juckt, müssen sie sich kratzen, wenn er schmerzt, müssen sie ihn halten.“

Total sicher überwacht mir Synagram.

Total sicher überwacht mir Synagram.

Solchen Eltern kann geholfen werden, denn für sie gibts auch eine App: Sie heisst Synagram und ist für Windows Phones, Andriod-Handys und bald auch für iPhones erhältlich. Synagram bewirbt sich selber als kleiner Schutzengel für große Entdecker und als App, welche die Welt ein Stück sicherer macht. Dank Synagram wissen Eltern stets, wo sich ihr Kind befindet. Synagram befindet sich auf dem Handy der Eltern sowohl auch des Kindes. Letzteres wird durch Synagram auf Schritt und Tritt mit GPS geortet, so dass die Eltern jederzeit metergenau wissen, wo sich ihr Kind gerade aufhält.

Das Geschäft mit der Angst ist außerordentlich lukrativ, stellt auch die Süddeutsche Zeitung fest. Ich kann mir schon vorstellen, dass es gewisse Situationen gibt, in denen eine solche Möglichkeit tatsächlich der Sicherheit dienen kann. Über alles gesehen sehe ich in Überwachungs-Apps wie Synagram aber deutlich mehr Gefahren als Chancen. Schon jetzt gibt es Kinder, die kaum mehr Zeit verbringen können, die nicht von ihren Eltern verplant wird. Sie werden von ihren Helikopter-Eltern täglich zur Schule gefahren und von dort auch wieder abgeholt (wobei oftmals sämtliche Aspekte der Verkehrssicherheit von eigenen und fremden Kindern ignoriert werden), ihre schulfreien Nachmittage sind verplant mit Ballettunterricht, Kunstturnen oder Musikunterricht (wogegen selbstverständlich überhaupt nichts einzuwenden ist, sofern diese Tätigkeiten auch einem inneren Wunsch der Kinder entsprechen und sie von der Gesamtheit ihres Schul-und-Freizeit-Programms nicht überfordert werden). Und sollten die Kinder wieder mal den Wunsch verspüren, ihre X-Box für eine Weile zu verlassen, um zum Beispiel in den Wald zum Spielen zu gehen, dürfen manche Kinder dies nicht, weil ihre Eltern es zu gefährlich finden.

Ich sage nicht, dass alle Eltern so seien. In meinem Schulalltag erlebe ich sehr viele Eltern ganz anders. Aber der Trend ist nicht zu übersehen.

Nun gibts also auch noch Synagram. Für Kinder überfürsorglicher Eltern ist nun auch noch die letzte Meile der totalen Überwachung geschlossen. Keine Fussballspiele mehr mit Kollegen, keine Fasnachtstouren mehr durchs Dorf, ohne dass Mami und Papi nicht jederzeit ganz genau wissen, was ich wo gerade mache. Ich persönlich schätze mich glücklich, dass es in meiner Kindheit noch kein Synagram gab.