passwort

Die Krux mit den Passwörtern

Darf ich jetzt das folgende Bild posten, obwohl es unanständige Wörter enthält und ich meinen Blog als „jugendfrei“ deklariert habe? Ich riskiers: 😉

BewAi4sIUAEN0pvDieses Bild ist mir kürzlich irgendwo auf Twitter begegnet, und es bringt ein Problem an den Tag, mit dem wir uns alle immer wieder rumschlagen. Es kursieren viele Tricks und Vorschläge, wie sich einigermassen sichere Passwörter generieren lassen, die man sich hoffentlich auch noch merken kann – eine Patentlösung gibt es nicht. Es ist letztlich immer ein Abwägen zwischen Sicherheit und Praxistauglichkeit.

Selber halte ich es mit den Passwörtern so:

  • Ich benutze 1Password. Ein extrem hilfreiches Tool, mit dem ich stets all meine Passwörter einigermassen sicher und stets zuverlässig zur Hand habe. Es ist nicht ganz billig, doch habe ich den Kauf noch nie bereut. Es gibt Freeware-Alternativen wie KeePass oder LastPass, die ich aber selber nicht ausprobiert habe.

Bei der Wahl der Passwörter halte ich es pragmatisch. Ich unterscheide zwischen unwichtigen, wichtigen und sehr wichtigen Logins:

  • Unwichtige Logins sind solche, bei denen ich nichts von mir preisgebe und die ich oft anonym oder mit Fakenamen verwende. Dies ist z.B. bei Diensten wie Supportforen der Fall, bei denen ich gar kein eigenes Login will, die aber eins erfordern, wenn man z.B. einen Anhang zu einem Beitrag runterladen möchte. Auch Angebote wie Cineman zählen für mich zu den unwichtigen Logins. Da erlaube ich mir durchaus auch Passwörter wie 123456 (sofern vom Anbieter überhaupt akzeptiert) weil ich mir diese leicht merken kann und es mir völlig egal ist, wenn jemand sich zu diesen Logins Zugang verschafft.
  • Wichtige Logins: Dazu gehören Social Networks, also Twitter oder Tumblr (auch Facebook, dessen Account ich seit geraumer Zeit deaktiviert habe), mein Ricardo-Account und alle Konten, bei denen ich einkaufe. Auch das WordPress-Konto, mit dem ich diesen Blog schreibe, gehört dazu. Da wäre es mir nun wirklich nicht mehr egal, wenn sich jemand Fremder unter meinem Namen einloggen könnte. Hier benutze ich Passwörter, die nach heutigem Standard als sicher gelten (also mehr als 8 Zeichen, Gross- und Kleinbuchstaben, auch Sonderzeichen). Sie sind sich untereinander auch schon mal ähnlich oder sogar gleich.
  • Sehr wichtige Logins habe ich bewusst ganz wenige. Dazu zählt in erster Linie mein E-Mail-Account, aber z.B. auch mein Dropbox-Zugang. Hier habe ich für jedes Konto ein Passwort, das sich von allen anderen Passwörtern komplett unterscheidet.

Auch wenn ich in Schulhausteams bei jeder Gelegenheit sage, wie wichtig es ist, mindestens den Mailaccount mit einem wirklich sicheren Passwort zu versehen, erlebe ich es immer wieder, wie mir Kolleginnen – obwohl ich nie nach privaten Passwörtern frage! – mir bei privaten Support-Diensten bereitwillig und ungefragt ihr Mail-Passwort mitteilen, das dann oft auch noch so lautet wie z.B. der Vorname des Ehemannes. Oder ich kriege private Laptops in die Hand gedrückt, die mit keinem Benutzerpasswort versehen sind und ohne Anmeldepasswort direkt in den User-Account starten, wo sich dank im Browser gespeicherten Passwörtern auch problemlos das Web-Interface des privaten Mailaccounts öffnen lässt.

Peinlich, wenn der Chef so eine Mail erhält

Wer jedoch schon mal im Freundeskreis erlebt hat, was passiert, wenn sich Kriminelle Zugang zum privaten Mailaccount verschaffen, wünscht sich das niemandem – nicht sich selbst und vor allem auch nicht seinem eigenen Bekanntenkreis inklusive Freunden und Vorgesetzten. Nicht nur, dass sich jemand mit E-Mail-Zugang in der Regel fast alle übrigen Logins einfach rausfischen kann (wenn es sich um die Mailadresse handelt, die bei der Anmeldung bei den betreffenden Konten hinterlegt wurde), vom eigenen Mailacount werden dann auch noch ans ganze Adressbuch Mails verschickt wie

„Hallo Vorname – ich bin in London und mir ist das ganze Gepäck gestohlen worden, inklusiv Brieftasche und Reisepass. Kannst du mir bitte aushelfen?! Zahle bitte möglichst bald 1000 Fr. auf Konto Nr. xx.xxxxxx.xx ein. Ich werde dir das Geld ganz sicher wieder zurückzahlen – Vielen Dank und liebe Grüsse Vorname und Name des Mailkontoinhabers inkl. Signatur mit vollständiger Privatadresse

Peinlich, wenn der Chef von mir so ein Mail kriegt? Würde ich auch meinen. Schon gar nicht zu reden davon, wenn jemand das Geld wirklich eingezahlt hat und es nun wieder zurückfordert. Ein solches Szenario ist keineswegs unwahrscheinlich.

Mit wenig Aufwand ein vernünftiges Mass an Sicherheit

Man kanns nicht oft genug sagen: Zumindest für die eigene Mailadresse ist ein sicheres Passwort zwingend nötig, und wers wirklich sicher haben will, sollte auch eine Zwei-Schritt-Verifizierung in Erwägung ziehen. Und PCs oder sogar Laptops, die ohne Passwort direkt ins Benutzerkonto aufstarten, sind ein No-Go.

Und wissen muss man auch: Es wäre seit Edward Snowdens Enthüllungen vermessen, von hundertprozentiger Sicherheit zu sprechen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich neben der NSA auch noch Kleinkriminelle Zugang zu den eigenen Daten verschaffen, lässt sich mit relativ wenig Aufwand signifikant verringern.

Wir würfeln uns ein Passwort

Darüber, was ein sicheres Passwort ist, gibt es im Internet ausreichend Hinweise und Tipps. Die wichtigsten:

  • Ein sicheres Passwort besteht nicht nur aus Zahlen oder nur aus Buchstaben, sondern aus einer Kombination von Zahlen sowie Gross- und Kleinbuchstaben. Können auch noch Sonderzeichen hinzugefügt werden, wird das Passwort dadurch noch einmal deutlich sicherer.
  • Eine Länge von acht Zeichen ist das Minimum für ein einigermassen sicheres Passwort.
Zumindest die wichtigsten Kennwörter – etwa das Passwort für das E-Mail-Konto oder für 1Password sollten sicher und gut merkbar sein.

Zumindest die wichtigsten Kennwörter – etwa das Passwort für das E-Mail-Konto oder für 1Password – sollten sicher und gut merkbar sein.

Doch ein sehr wichtiger Punkt geht oft vergessen: Ein Passwort ist nur dann sicher, wenn ich es mir auch merken kann. So wäre etwa xeWq)&F7p!( nach den oben genannten Kriterien eine gute Wahl, doch da es sich sehr schlecht einprägen lässt und die Gefahr gross ist, dass ich es nicht mehr reproduzieren kann (ein Passwort sollte ja schliesslich auch nicht unverschlüsselt auf der Festplatte gespeichert werden), ist es als Passwort dennoch ungeeignet.

Von Agile Bits, dem Hersteller von 1Password, gibt es einen Artikel, in dem die wichtigsten Kriterien für ein sicheres, aber doch relativ gut merkbares Passwort erklärt werden.

In dem Blogpost wird daran erinnert, dass ein Passwort zudem auch eine zufällige Abfolge Zeichen oder Wörtern darstellen muss, da es sonst von Hacker-Software schnell geknackt werden kann. So kann ich zum Beispiel aus folgendem gut merkbaren Satz Meine 2 Katzen heissen Miezi und Fredi das Passwort M2KhM&F erstellen. Scheint auf den ersten Blick ein sehr sicheres Passwort zu sein, doch da die Programmierer von Hacker-Software auch die Entstehung solcher Passwörter mit einkalkulieren und auf entsprechende Kombinationen vorbereitet sind, wäre es vermutlich ebenfalls schnell geknackt.

Die Buchstabenreihenfolge muss also rein zufällig sein – und damit kommt Diceware ins Spiel: Diceware sind Listen von hunderten beliebiger Wörter, denen ein kurzer Zahlencode vorangeht, der ausschliesslich die Ziffern von 1-6 enthält. Ein Auszug aus der deutschen Diceware-Liste sieht zum Beispiel so aus:

63553 vor
63554 vorab
63555 voran
63556 voraus
63561 vorbau
63562 vordem
63563 vorfall
63564 vorher

Der Trick ist nun, dass ich mir eine Reihenfolge von Wörtern würfle. Gemäss obiger Liste entspräche also die Würfelreihenfolge 6-3-5-6-1 dem Wort vorbau. Nun „erwürfle“ ich mir also fünf oder sechs Wörter aus der Diceware-Liste. Daraus könnte dann zum Beispiel die Wortreihenfolge woelbt-Chaos-Pfund-jung-sofern entstehen. Macht absolut keinen Sinn – und soll es ja auch nicht. Was ich erhalten habe ist jedoch eine auf rein zufälliger Grundlage generierte Liste von Wörtern, die ich relativ gut auswendig lernen kann.

Dennoch erscheint das Passwort immer noch nicht allzu sicher, da es ja keine Sonderzeichen enthält. Nun kann ich aber ohne Weiteres noch das Passwort mit meinen beiden Katzen vorne anhängen, und mein Passwort würde lauten: M2KhM&Fwoelbt-Chaos-Pfund-jung-sofern.

Doch auch bei einem solchen Passwort besteht die Gefahr, dass es vergessen wird; insbesondere wenn man es in der Anfangsphase nicht oft verwenden muss. Unter Voraussetzung der Verhältnismässigkeit sieht Agile Bits ein relativ geringes Sicherheitsrisiko, wenn man das Passwort von Hand auf einen Zettel schreibt und diesen z.B. im Portemonnaie aufbewahrt, bis man das Passwort genügende Male auf dem Computer eingegeben hat, dass man es sich sicher einprägen konnte. Dann kann man den Zettel vernichten.

Und schliesslich noch ein Tipp speziell für Deutschschweizer: Beim Diceware-Prinzip könnte sich unser Dialekt noch als zusätzlicher Vorteil erweisen, da unsere Dialektwörter wohl kaum je auf irgend einer Diceware-Liste auftauchen werden. Ich würfle also so lange, bis ich ausschliesslich Wörter habe, welche im Dialekt anders geschrieben werden als auf Hochdeutsch. Kommt also beim Würfeln die Wortkombination Tausch-Laune-gewinnt-schade-Biene heraus, so verwende ich für mein Passwort Tuusch-Luune-gwuennt-schaad-Bienli. Unschlagbar.

Ab welchem Alter ist ein Passwort sinnvoll?

Sicherheit und Datenschutz ist ein Thema, um das wir nicht herumkommen, wenn wir in der Schule ICT vermitteln sollen. So heisst ein ICT-Standard des Kantons Thurgau für die Unterstufe: Die Schülerinnen und Schüler gehen mit Passwörtern verantwortungsvoll um.

Doch ist es überhaupt sinnvoll, dieses Thema bereits in der Unterstufe aufzugreifen? Denn…

In der Praxis sieht der Umgang mit Passwörtern an Schulen in etwa so aus:

An vielen Schulen arbeiten die Kinder bereits ab der 1. Klasse gelegentlich an Computern. Dazu müssen sie sich am Computer vorher einloggen. Die wenigsten Kinder können in diesem Alter nur schon ihren Namen korrekt eintippen. Ein Passwort überfordert sie total. Da somit die Lehrperson die Kinder am Computer einloggt, braucht es „Passwörter“, welche sich diese sich merken kann, ohne für jedes Kind einzeln in einer Liste nachschauen zu müssen. Warum also nicht gleich den Vornamen oder die Initialen als Passwort nehmen? Ist doch praktisch – und vor allem praktikabel. Irgendwann ab der 2. Klasse ist das Eintippen des eigenen Namens für die meisten kein Problem mehr – ein Passwort, dass diesen Namen verdient, aber schon, und zwar noch für eine ganze Weile. Darum bleibt man vorerst bei dem Passwort, dass sich die Lehrperson für jedes Kind merken kann

Doch mit einem „Passwort“, das nicht nur die Lehrperson weiss, sondern auch von sämtlichen Mitschülern leicht erraten werden kann, führt man das Prinzip des Passworts ad absurdum und vermittelt ein völlig falsches Konzept von dem, was ein Passwort eigentlich sein sollte.

Dabei lässt sich fragen, ob Kinder bis zur Unterstufe überhaupt Daten auf einem Schulcomputer haben, die passwortgeschützt sein müssen. Auch mit Datenvandalismus seitens von Mitschülern ist in diesem Alter noch kaum zu rechnen. Ganz abgesehen davon, ob es überhaupt stufengerecht ist, in der Unterstufe bereits Konzept und Sicherheit von Passwörtern zu diskutieren. Sowas ist meines Erachtens erst etwa ab der 4. oder 5. Klasse sinnvoll (und spätestens ab der 6. Klasse auch notwendig).

Aus diesem Grund habe ich an der Schule, an der ich als iScout tätig bin, die Anmeldepasswörter für die Unterstüfler abgeschafft. Weil die Serversoftware für die Anmeldung zwingend ein Passwort verlangt, sich aber bereits mit einem einstelligen zufrieden gibt, habe ich bei allen Erst- und Zweitklässlern einen Leerschlag als Passwort eingerichtet. Auf diese Weise werden die Nerven von Lehrperson und Kindern geschont, und ausserdem wird so weit als möglich vermieden, ein falsches Passwort-Konzept zu vermitteln. Wenn dann ein paar Schuljahre später sich die Mittelstufen-Lehrperson dem Thema annimmt und mit der Klasse über den Zweck und die Sicherheit von Passwörtern spricht, können sich die Kinder selber ihr eigenes Passwort geben. Auch auf die Gefahr hin, dass sie dieses am nächsten Tag schon wieder vergessen haben.