Politik

Darf eine Lehrperson politisch sein?

Um meine persönliche Antwort auf diese Frage gleich vorwegzunehmen: Ich meine ganz klar ja!

Soziale Netzwerke: Darf sich eine Lehrperson im Internet noch politisch äussern?

Soziale Netzwerke: Darf sich eine Lehrperson im Internet politisch äussern?

Doch das sehen nicht alle so. An einem Referat am diesjährlgen Kadervernetzungstag in Wil empfahl ein Mitarbeiter des Thurgauer Amts für Volksschule uns Lehrpersonen, sich auch privat im Internet möglichst nicht politisch zu äussern. Diese Aussage hat mich damals sehr gestört. Kann es wirklich sein, dass ich als Bürger meine politische Meinung nicht mehr kundtun soll, nur weil mein Arbeitgeber zufällig eine Primarschule ist?

Andreas von Gunten widmet sich auf seinem Blog ebendieser Frage. Ausgehend von einer Rüge, die ein SRF-Journalist von seinem Chefredaktor für eine private politische Äusserung auf Twitter erhielt, hinterfragt von Gunten diese Vorgehensweise kritisch und weitet sie gleichzeitig auf weitere Berufsfelder wie Behördenmitarbeiter, Angestellte von grösseren Unternehmen, die unter einer gewissen öffentlichen Beobachtung stehen, und eben auch Lehrpersonen aus. → Eine Rüge wegen Twitter, die nicht nur Journalisten betrifft

Keine „Maske des Haltungslosen“

Andreas von Gunten kommt dabei zum Schluss:

Ich bin der Meinung, (…) dass es zur moralischen Bildung des Menschen gehört, möglichst oft mit anderen Meinungen auch zu kontroversen Themen konfrontiert zu werden. Weiterhin muss es so sein, dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Ansichten zusammenarbeiten und zusammenleben können müssen. Dass sollte aber nicht dadurch erreicht werden, indem der eigentliche Mensch, hinter einer „Maske des Haltungslosen“ verschwindet, sondern dadurch, dass gegenseitiger Respekt bei gleichzeitiger Kritikfähigkeit gelebt wird.

Nur weil ich Lehrer bin, brauche ich deswegen nicht gleich meine politischen Einstellungen unter den Tisch zu kehren. Klar ist, dass ich mich mit politischen Äusserungen zurückzuhalten habe, wenn ich in meiner Funktion als Lehrperson auftrete. Doch auch wenn es zuweilen heisst, Primarlehrer sei ein Beruf, an dem es keinen Feierabend gebe: Wenn ich am Abend das Schulzimmer abschliesse und nach Hause gehe, bin ich nicht mehr in erster Linie Lehrer, sondern Privatmensch mit staatsbürgerlichen Rechten. Und zu diesen gehört selbstverständlich auch die Meinungsäusserungsfreiheit.

Twitter: Massenhaft Belangloses, aber auch sehr Ernsthaftes

So weit wie in den USA sind wir bei uns noch nicht, doch eine konservative Partei aus Übersee ist offenbar dran, in Sachen moderne Kommunikationsmittel den Anschluss zu verlieren. Fast alle – bis auf einen Senator älteren Kalibers aus Iowa.

Doch ich muss zugeben, dass sich mir der Sinn von Twitter bislang auch noch nicht ganz erschlossen hat. Auf hundert belanglose Tweets kommt vielleicht mal einer, der mich wirklich interessiert, doch in der Regel ist es dann etwas, worauf ich kurze Zeit später in einem Blog sowieso gestossen wäre.

Doch bei einem ganz aktuellen Anlass spielt Twitter offenbar eine wichtige Rolle: Bei http://twitter.com/IranElection findet man quasi in Echtzeit Nachrichten aus dem Iran; die Twits tropfen da dieser Tage im Sekundentakt rein. Gestern Abend vor einer erneuten grossen Demonstration in Teheran überboten sich die Nachrichten an Dramatik. Allerdings sind diese Beiträge mit Vorsicht zu geniessen, denn es ist davon auszugehen, dass auch die Staatspropaganda mittwittert.