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Adapter für Nano-SIM: Schlecht beraten vom Swisscom-Telefonsupport

Nach vielen Jahren der Treue wechsle ich mein Handy-Abo von der Swisscom zu Salt. Nein, ich bin kein Schnäppchenjäger. Jahrelang bin ich der Swisscom trotz gegenüber der Konkurrenz wesentlich teureren Tarifen treu geblieben; auch aufgrund des guten Supports, den ich bei der Swisscom immer schätzte. Doch 100 oder 40 Franken im Monat sind doch mehr als ein kleiner ein Unterschied, weshalb ich Salt eine Chance gebe.

Nano- und Micro-SIM

Nano- und Micro-SIM

Doch Thema dieses Blogposts soll benannter Swisscom-Support sein: Da ich meine gegenwärtige Swisscom-Nummer weiterhin behalten, diese fortan aber auf meinem alten iPhone 4 mit einem Prepaid-Abo nutzen möchte, benötige ich dazu eine Micro-SIM, im Gegensatz zu meinem aktuellen Gerät, das mit einer Nano-SIM läuft.

Beim Telefonsupport von Swisscom möchte ich also eine Micro-SIM bestellen. Davon wird mir abgeraten; stattdessen empfiehlt mir die durchaus nette Mitarbeiterin, im Swisscom-Shop vorbeizugehen und einen Adapter für meine Nano-SIM zu holen. Den genauen Wortlaut des Gesprächs weiss ich nicht mehr, doch beendete ich das Gespräch im Glauben, dass mir eine neue SIM-Karte in Rechnung gestellt würde. Ich hatte jedoch auch nicht explizit nachgefragt.

Gestern Nachmittag stand ich also im Swisscom-Shop und bat die Verkäuferin um den gewünschten Adapter. Diesen hatte sie denn auch schnell zur Hand (Verkaufspreis: 4.90 Franken; geschätzter Wert: höchstens 30 Rp.). Ins Gerät einsetzen musste ich ihn allerdings selber, denn die Verkäufern sagte mir, dass es ihnen ausdrücklich untersagt sei, solches selbst zu tun. Grund: Die Nano-SIM in den Adapter zu legen ist schon eine ziemliche Frickelei. Zudem fällt die Nano-SIM auch bei minimalsten Erschütterungen sehr leicht wieder aus dem kleinen Rahmen heraus. Wenns dumm läuft, kann es passieren, dass sie dies innerhalb des Geräts tut. Die Folge in einem solchen Fall: Es ist nicht mehr möglich, die SIM aus dem Gerät zu entfernen, ohne dieses auseinanderzunehmen, was bei iPhones bekanntlich nicht so einfach geht. Das Gerät wird somit für die Telefonie unbrauchbar, und weder von Apple noch von Swisscom kann der Kunde mit Support rechnen, wenn ihm dies passiert.

Ob ich denn nicht besser doch eine neue Micro-SIM beziehe, fragte ich daraufhin. Ja klar!, meinte die Verkäuferin. Kostenpunkt: 0 Franken.

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Adapter für die Nano-SIM: Vom Swisscom-Telefonsupport empfohlen, im Swisscom-Shop verkauft. Kann schlimmstenfalls das Gerät zum Telefonieren unbrauchbar machen.

Das fand ich nun aber doch interessant! Weshalb empfiehlt mir der Swisscom-Telefonsupport denn eine solche Lösung, mit der ich mein Gerät kaputtmachen kann und die vom Gerätehersteller nicht unterstützt wird? Die Leute vom Telefonsupport stünden halt nicht selber im Laden, wenn ein Gerät kaputtgeht, antwortete die Verkäuferin sinngemäss, und liess durchblicken, dass sie sich nicht zum ersten Mal über diese Praxis ärgert.

Mein altes iPhone 4 läuft jetzt mit der neuen SIM wieder reibungslos (auf iOS 6, dafür aber noch mit einem Jailbreak, wie ich mit Freuden feststellte). Ich werde es in erster Linie als Dashcam im Auto verwenden, und ab und zu für Telefon und SMS, wenns denn unvermeidlich ist.

Meine neue Nummer von Salt bleibt streng geheim, und ich werde sie lediglich für Logins verwenden, die ein SMS benötigen. Denn ich habe das Abo nicht wegen des Telefonierens gelöst; ein reines Datenabo hätte mir durchaus ausgereicht. Ein solches habe ich nun, mit unlimitiertem Datenvolumen und jederzeit maximal verfügbarer Geschwindigkeit, für 40 Fr. im Monat (man vergleiche das mal mit den Swisscom-Tarifen).

Zu Hause ist der Salt-Empfang zwar reichlich dürftig, aber das macht nichts, da ich WLAN habe und ohnehin nicht mit dem Handy telefonieren will. Dafür jedoch: Kann ich mit 4G ins Salt-Netz, schlägt die Geschwindigkeit jene unseres Swisscom-Festnetzanschlusses, die max. 2.4 Mbit/s aufweist, um Welten.

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Weshalb das Aufbrechen von HTTPS-Verbindungen durch die Swisscom problematisch ist

Via Martin Steiger bin ich auf dieses Dokument (PDF-Download) des Informatikers Rainer Meier gestossen, in welchem in einfacher Sprache erklärt wird, wie Swisscom via die Firma ZScaler verschlüsselten Datenverkehr innerhalb des Schulnetzes aufknackt und warum dies problematisch ist.

Unter anderem erklärt Rainer Meier:

«Solche Angriffe werden üblicherweise von dritten vorgenommen, um an die übermittelten Daten zu gelangen, und sind illegal. Aber auch Firmen setzen solche Systeme ein um die verschlüsselten Daten vom und zum Internet analysieren zu können. Die Betroffenen müssen hier aber informiert werden und üblicherweise dem Einsatz solcher Systeme zustimmen (meistens über Mitarbeiter-Vereinbarungen geregelt). Da ein solches System die Privatsphäre sowie Sicherheit der übertragenen Daten gefährdet, sollten sich die Mitarbeiter bewusst sein, dass ihre Daten dadurch von dritten gelesen werden können.» [Hervorhebung durch iScoutblog]

 Die entsprechende Information der Mitarbeiter (sprich Lehrpersonen, Schulleiter u.a.) ist im Fall Swisscom/ZScaler definitiv nicht ausreichend erfolgt. Ich habe jedenfalls in keiner Weise meine Zustimmung dazu gegeben noch irgend eine entsprechende Mitarbeiter-Vereinbarung unterzeichnen müssen, und ich weiss auch von keiner Schule, in der so etwas erfolgt wäre.

Des weiteren mahnt Rainer Meier, skeptisch zu bleiben:

 Wer seiner Firma hier voll vertraut sollte trotzdem skeptisch sein, denn durch die aufgebrochene Verschlüsselung ist es für den Benutzer auch unmöglich, weitere Manipulationen zu erkennen. Beispielsweise wenn die Firmen-Systeme ebenfalls von dritten manipuliert wurden oder die Firma selbst Opfer seines solchen MITM-Angriffs wurde:

Bild: Rainer Meier

Bild: Rainer Meier

Bildung Schweiz über Swisscom und das Aushebeln von SSL-Verschlüsselungen

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe seines Publikationsorgans Bildung Schweiz auf einer Seite dem Thema Aufknacken der SSL-Verschlüsselung durch Swisscom an Schweizer Schulen. Im Artikel darf auch ich freundlicherweise ein paar Worte zum Thema sagen.

Filtern ja – aber wie? | Bildung Schweiz 02|2014

Im Artikel werden die nicht nur meiner Ansicht nach problematischen Aspekte dieses Vorgehens der Swisscom angesprochen. Doch sind meine Hoffnungen, dass die Praxis der Swisscom letztlich durch die Kantone (denn auf dieser Ebene muss es geschehen) unterbunden wird, recht begrenzt. Die meisten Leute, die ich kenne, fühlen sich nicht betroffen, obwohl sie es oftmals sind – insbesondere wenn sie Google-Dienste wie Gmail benutzen oder gar mit ihren persönlichen Geräten innerhalb des Netzes von SAI arbeiten. Es ist anzunehmen, dass auch viele die Problematik nicht verstehen, und die kompetenten Leute auf der Entscheidungsebene finden das Thema offenbar zu wenig wichtig.

Als löbliche Ausnahme ist, wie bereits in einem früheren Blogpost erwähnt, der Kanton Basel Stadt: «Aktuell stellt für uns das Aufbrechen einer https-Verbindung ein No-Go dar», wird Thomas Grossenbacher, Co-Leiter der Fachstelle ICT und Medien des Erziehungsdepartements Basel Stadt, im Bildung-Schweiz-Artikel zitiert. Und weiter: «Deshalb haben wir unsere DNS-Server so konfiguriert, dass alle Google-Suchanfragen von https- auf das http-Protokoll umgeleitet werden. So funktioniert die bestehende Filterung der Swisscom, das ZScaler-Zertifikat ist hinfällig.»

Eine Lösung, welche keine SSL-Verschlüsselungen aushebelt, ist also problemlos möglich. Man muss sie nur umsetzen wollen.

Google stellt entsprechende Lösungen zur Verfügung. Umso mehr ist es mir unverständlich, weshalb Swisscom diesen Weg wählt und die allermeisten Kantone dies widerspruchslos dulden.

Der LCH-Artikel ist sehr sachlich geschrieben und um formelle Neutralität bemüht. Für sich alleine wird er leider nichts bewirken. Wünschenswert wäre aus meiner Sicht eine klare Stellungnahme mit entsprechenden Forderungen seitens von LCH an Swisscom und die Kantone und den kantonalen Lehrerverbänden (in meinem Fall wäre das Bildung Thurgau).

Zeit für einen kleinen Neustart

mac-os-retro-bombWenn Kolleginnen und Kollegen wieder mal über die Computer schimpfen, schlüpfe ich meist reflexartig in die Rolle desjenigen, der die tollen technischen Errungenschaften unserer schönen neuen Welt anpreist und verteidigt und auch mal um etwas Nachsicht gegenüber der komplexen Technik wirbt.

Aber manchmal ists ja wirklich ein Ärger, wenn das Computerzeugs nicht so tut, wie uns versprochen wird, und wenn ich einfach nur arbeiten will, fehlt auch mir gern die Geduld, mich mit Troubleshooting rumzuschlagen. Und in letzter Zeit ist es so ziemlich vieles, was bei mir grad nicht läuft.

  • Der  grösste Frust ist für mich immer noch, was Swisscom mit unserem Schulnetz verbrochen hat. Abgesehen von allen Sicherheitsbedenken laufen auf meinem Mac im Schulzimmer viele Sachen nicht richtig – genauer gesagt, alles was mit Google zu tun hat. Google Drive hab ich schon mal aufs Abstellgleis gestellt, aber auch mein Gmail und mein Google-Kalender verhalten sich launisch. Und fast am schlimmsten: Auch alle Google-Anmeldungen funktionieren nicht.(1) Das bedeutet, dass ich weder mein Feedly lesen noch auf meinen Flickr-Account zugreifen noch einen Termin über Doodle organisieren kann – jedenfalls nicht ohne einen tollkühnen „Workaround“: Bin ich im Schulnetz, benutze für alle Google-Dienste eine alte Programmversion von Firefox, die etwas mehr Toleranz gegenüber dem gefälschten ZScaler-Zertifikat zeigt als mein Safari oder Chrome. Ich hatte Firefox zuvor während vielen Monaten nicht mehr verwendet und hüte mich jetzt, das eigentlich dringend notwendige Update zu machen. Sicherheit geht anders.
    Kann natürlich schon sein, dass bei mir etwas nicht richtig eingerichtet ist (wobei ich im Moment nicht wüsste was) und der Swisscom-Vertreter hat mir auch schon seine Hilfe angeboten, mein Problem via Fernzugriff zu lösen. Das ist nett, doch braucht das alles wieder ziemlich viel Zeit, die ich im Moment lieber in den Schulunterricht investieren würde als in ein Problem, das ich nicht verursacht habe.

Bildschirmfoto 2014-01-18 um 17.26.51Auch an anderen Orten läuft die Technik nicht so, wie sie sollte. Vor Kurzem habe ich bei meinem privaten MacBook den Festplattenspeicher verdoppelt, indem ich die SSD ausgetauscht habe. Statt dass ich, wie es mir vom Informatiker empfohlen wurde, von meiner alten Festplatte ein Image erstellt und dieses später auf die neue Platte geklont habe, bin ich den Empfehlungen des Herstellers gefolgt und habe die Daten über TimeMachine-Backup wieder aufgespielt. Das Wichtigste: Die Daten sind alle wieder da, und das System läuft auch fast wieder rund – ausser…

  • das WLAN, das sich nun erst einige Minuten nach der Anmeldung mit dem Netzwerk verbindet, und auch das nicht immer. Manchmal muss ich es deaktivieren und wieder aktivieren, dann gehts meistens. Mit fix zugeteilter IP-Adresse scheints ein bisschen weniger instabil zu funktionieren. Eine Lösung habe ich bislang trotz intensivem Googeln noch nicht gefunden.
  • Auch mein zuvor sauber lizenziertes Microsoft Office 2011 hat sich verabschiedet. Es verlangt nun bei jedem Start penetrant nach dem Lizenzschlüssel, den ich leider verlegt habe. Mehr als ärgerlich! (Aber warum habe ich solcherlei Probleme immer nur mit Microsoft?)

… und doch noch ein kleiner Erfolg

Über all diese Kleinigkeiten ärgere ich mich jedes Mal, wenn ich einen meiner Computer hochfahre. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder: Als ich für diesen Blogbeitrag den Screenshot des Eingabefensters für Office 2011 machen wollte, in dem es nach dem Lizenzschlüssel verlangt, ist mir Excel wider jegliches Erwarten anstandslos gestartet. Einer meiner „Reparaturversuche“ scheint mit etwas zeitlicher Verzögerung doch erfolgreich gewesen zu sein. Wie genau ich das angestellt habe, bleibt hier mein Geheimnis – nur so viel: Weil ich für Office 2011 rechtmässig eine Lizenz erworben habe und besitze, habe ich kein schlechtes Gewissen.

Mein Tag hat sich trotz Nebel gerade wieder etwas erhellt. Zeit für einen Neustart, dann geht alles wieder besser. Schönes Wochenende allerseits.

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(1) Nachtrag 27.1.14 Dass die aufgezählten Google-Dienste mit dem ZScaler-Zertifikat nicht funktionieren, kann durchaus auch bei mir liegen; z.B. an einem nicht ganz korrekt installierten Zertifikat. Ich finde, dass ich mich trotzdem darüber ärgern darf, weil die aus technischer Sicht völlig unnötige Swisscom-„Lösung“ viel Ärger und Mehraufwand mit sich bringt, den ich nicht verursacht habe. Zudem habe ich auf meinem privaten Rechner, den ich sehr oft auch für die Schule brauche, das ZScaler-Zertifikat bewusst wieder deinstalliert. Das heisst, dass ich auf diesem Gerät auf sämtliche Google-Dienste verzichten muss, wenn ich damit im Swisscom-Schulnetz bin.

Die Antwort auf solcherlei Probleme von Swisscom: «Bring your own device» ist kein Bestandteil des SAI-Vertrags. Danke, Swisscom.

Schweizer Schulen im Internet: Paranoia hier, blindes Vertrauen dort

Google Security

Google: Gundsätzlich sicherer geworden, an Schweizer Schulen aber unsicherer.

Angefangen hatte alles damit, als Google damit begann, sämtlichen Suchverkehr mit https zu verschlüsseln. An sich eine sehr sinnvolle Sache, die grundsätzlich mehr Sicherheit bringt für alle, die sich via Google im Netz bewegen.

An unseren Schulen hat leider die Massnahme das Gegenteil bewirkt. Schuld daran ist auch eine Portion Paranoia seitens Swisscom sowie Gleichgültigkeit oder Ahnungslosigkeit der meisten Benutzer.

Was genau ist passiert?

  • Google verschlüsselt sämtlichen Suchverkehr, was bedeutet, dass die Swisscom im Rahmen ihres Programms „Schulen ans Internet“ nicht mehr mitlesen kann.
  • Wenn die Swisscom nicht mehr mitlesen kann, kann sie den Google-Suchverkehr nicht mehr filtern und auch die Google Privatsphären-Einstellungen nicht mehr beeinflussen. Das könnte zur Folge haben, dass z.B. ein Schulkind auf einer Google-Bildersuche mal auf ein Bildchen trifft, das es eigentlich nicht sehen sollte. (Was den Link hinter dem Bildchen betrifft wäre der Swisscom-Filter nach wie vor wirksam.)
  • Weil ein solches Szenario offenbar so schlimm wäre, dass zu dessen Verhinderung sämtlicher Internet-Verkehr um jeden Preis gefiltert werden muss, greift Swisscom zu Brachialmethoden (die, wie mir gesagt wurde, auch bei privaten Firmen nicht ganz unüblich seien): Die Verschlüsselung der Suchanfrage wird mit Hacker-Methoden, einer so genannten Man-In-The-Middle-Attacke, ausgehebelt und die unverschlüsselte Suchanfrage über eine amerikanische Firma namens ZScaler weitergeleitet, wo sie gefiltert werden kann.
  • Um die Sicherheitsvorkehrungen von Google zu umgehen, arbeitet Swisscom bzw. ZScaler mit gefälschten Zertifikaten. Diese können bei jeder Suchanfrage vom User weggeklickt werden, oder aber der IT-Verantwortliche der Schule installiert die gefälschten Zertifikate als Root-Zertifikate, so dass der User (darunter nicht nur Schüler, sondern auch Lehrpersonen) ahnungslos bleiben und nicht merken, dass ihre Daten, die sie über Google senden (dazu gehören z.B. auch Login-Daten für Gmail-Accounts) unverschlüsselt über potentiell unsichere Server weitergeleitet werden.
Gefälschtes ZScaler-Zertifikat

Der Browser warnt zu Recht vor dem gefälschten Zertifikat. An den meisten Schweizer Schulen wird dieses aber standardmässig gutgeheissen.

Unterschiedliche Massstäbe punkto Sicherheit

Wenn es um Cloud-Dienste wie Dropbox an Schulen geht, geht die grosse Sicherheitsdiskussion los, weil Dropbox den Datenverkehr zwar verschlüsselt weiterleitet, die Daten selber dann aber auf den Dropbox-Servern unverschlüsselt rumliegen. Geht es um Dienste wie Office 365, fürchtet man juristische Diskussionen, weil die Daten dann nicht mehr auf Schweizer Servern liegen, sondern auf amerikanischen und somit nicht mehr schweizerischer Rechtssprechung unterliegen (weshalb z.B. die Kantone Solothurn und Luzern ihre Schule offiziell vor der Nutzung von Office 365 warnen). Update: Mittlerweile erfüllt Office 365 nach Angaben von Microsoft sämtliche Anforderungen des schweizerischen Datenschützers.

Wenn Swisscom mit Hacker-Methoden verschlüsselten Datenverkehr knackt und diesen über amerikanische Server weiterleitet, ohne zuvor die betroffenen Schulgemeinden hinreichend informiert zu haben, passiert abgesehen von ein paar kaum beachteten Pressetexten – so gut wie nichts. Löbliche Ausnahme ist der Kanton Basel Stadt: Dort heisst es:

«Uns ist die Integrität der Verschlüsselung wichtiger als vermeintlicher Jugendschutz, den man auch auf anderen Wegen erreichen kann»

„Irgendwo fängt Vertrauen an“

Auf das Problem angesprochen, hat mir unser Informatiker geantwortet: «Irgendwo fängt das Vertrauen an». Damit hat er natürlich auch recht. Unserem Provider müssen wir schicksalsergeben ein grosses Mass an Vertrauen entgegenbringen, sonst können wir das mit dem Internet von Anfang an sein lassen. Trotzdem stört es mich, dass diese Massnahme, von Swisscom notrecht-artig umgesetzt (die Praxis, sämtlichen Verkehr über https zu leiten, wurde von Google nicht angekündigt), an unseren Schulen absolut diskussionslos eingeführt wurde.

Nachdem ich gemerkt habe, dass das niemanden wirklich interessiert, hab ich mich diesem Schicksal gefügt. Nun beginne ich trotzdem, meine Dokumente, die ich bislang auf Google Drive abgelegt habe, auf Skydrive umzuziehen, aus dem einfachen Grund, dass Google Drive seit der Umleitung der Daten über ZScaler nicht mehr richtig funktioniert. Nun hoffe ich, dass es Microsoft in nächster Zeit nicht Google gleichtut.

Update 10. Januar 2014, 10:30 Uhr

Es ist nicht so, dass es keine Alternativen zum Man-In-The-Middle-Angriff gäbe. Google hat an diese Bedürfnisse der Schulen gedacht und pfannenfertige Lösungen bereitgestellt.  Warum Swisscom sich trotzdem für einen derart massiven Eingriff in Sicherheit und Datenschutz entschieden hat, ist mir ein Rätsel.

tl;dr

Google sorgt für mehr Sicherheit, was Swisscom dazu veranlasst, das Internet für die Schulen unsicherer zu machen, um weiterhin alle Daten filtern zu können. Das interessiert aber so gut wie niemanden.

Viel mehr Leistung für viel weniger Geld

Swisscom: Ein bisschen jammern und mit der Kündigung drohen lohnt sich.

Swisscom: Ein bisschen jammern und mit der Kündigung drohen lohnt sich.

Ich war nie ein Schnäppchenjäger. Zwar lebe ich preisbewusst, aber immer nach Aktionen rumzuschauen oder nach dem günstigsten Angebot, ist mir wesensfremd. Aus diesem Grund bin ich seit Jahren zufriedener Swisscom-Kunde. Auch wenn andere Anbieter zuweilen etwas günstigere Angebote haben mögen, haben mich ein paar Franken im Monat nie zu einem Wechsel veranlasst. Dies auch deswegen, weil ich mit dem Swisscom-Kundendienst sehr zufrieden bin und man von Kunden der Konkurrenz zuweilen andere Geschichten hört.

Letzte Woche ist es mir aber doch passiert: Ich ging an einem Orange-Shop vorbei und wurde auf ein zeitlich beschränktes Angebot aufmerksam: Dieses beinhaltete unter anderem unbegrenzte Gratis-SMS (was mich noch kalt liess, weil ich so gut wie nie SMS schreibe), vor allem aber 1 GB Internet-Daten pro Monat, und das alles für eine Monatsgebühr von 25 Franken. (Oder warens sogar 20 Franken? Ich weiss es nicht mehr sicher. ) Zum damaligen Zeitpunkt bezahlte ich bei Swisscom monatlich 25 Fr. für eine Datenmenge von 100 MB.

Das überzeugte mich dann doch. Als Kunde, der mit seinem Handy nicht nur keine SMS schreibt, sondern auch fast nie telefoniert, dafür aber gerne grössere Mengen von Daten transferiert, gibt es für mich bei Swisscom kein wirklich geeignetes Abonnement. Das Angebot von Orange veranlasste mich tatsächlich, mich für einen Anbieterwechsel zu entscheiden.

Ich ging am nächsten Tag ins Orange-Geschäft. Dazu ein kleiner Tipp für angehende Lehrlinge: Nachdem man sich im Laden vermeintlich klar ausgedrückt hat, die Verkäuferin dann aber widerspricht, um dann meine Aussagen inhaltlich fast exakt zu wiederholen, fördern Sätze wie „Also jetzt weiss ich auch nicht mehr, was sie eigentlich wollen“ nicht gerade die Kundenbindung. Trotzdem war ich bereit, mein neues Orange-Abo abzuschliessen. Dann kam mir aber noch die Frage in den Sinn, ob ich meinen SIM-Lock bei meinem aktuellen, mit dem Swisscom-Abo vergünstigt bezogenen iPhone so einfach aufheben kann. (Ja, kann ich, wie ich mittlerweile weiss).

Da die Motivation der Verkäuferin, mit mir dieses Abo abzuschliessen, nicht gerade enthusiastisch war, erklärte ich, dass ich erst mal mit dem Swisscom-Support diese noch nicht ganz unbedeutende Frage kläre und dann wieder komme, um das Abo fertig abzuschliessen. Das hatte ich auch vor, ehrlich, dann aber das:

Wer nicht feilscht, ist blöd

Die sehr freundliche Mitarbeiterin beim Swisscom-Kundendienst beantwortete zunächst meine Frage nach dem SIM-Lock dahingehend, dass dies problemlos gehe. Als ich dann zur Kündigung des Swisscom-Abos schreitete, wollte sie von mir noch meine Beweggründe wissen. Ich sagte, dass ich mit Swisscom sehr zufrieden sei, die Swisscom aber leider nicht das passende Abo für mich habe, im Gegensatz zur Konkurrenz. Und jetzt kommts:

Zahlte ich bislang 25 Fr. monatlich für 100 MB Daten (wobei ein SMS 20 Rp. kostete und ein Anruf 70 Rp.), so wurden mir von Swisscom 250 MB Daten mit 50 Gratis-SMS pro Monat angeboten, und zwar für 19 Fr. im Monat. Oder anders gesagt: Ich krieg jetzt das Swisscom „liberty primo“ zu einem Drittel des normalerweise angebotenen Preises, und das mindestens auf zwei Jahre hinaus. Unter Androhung der Abo-Kündigung erhalte ich nun also plötzlich wesentlich mehr Leistung für wesentlich weniger Geld.

Ich weiss nicht so recht, wie schrecklich ich mich nun über meinen neuen Swisscom-Vertrag freuen soll. Letztich bedeutet es ja vor allem, dass ich in all den Jahren zuvor für mein Abo viel zu viel bezahlt habe.

Erfolgreiche Kündigungsdrohung: Das "liberty primo" erhalte ich nun für 19 Franken statt für 29.

Erfolgreiche Kündigungsdrohung: Das „liberty primo“ erhalte ich nun für 19 Franken statt für 29.