Workflow

Emojis: Mehr als eine Spielerei

Mailbox-App mit Emojis

Mailbox-App auf dem Mac mit Emojis.

Ich mag Emojis. In Mails oder SMS finde ich sie zwar durchaus entbehrlich (bei zurückhaltender Anwendung nett, bei übertriebener eher nervend), doch in meiner persönlichen Arbeitsorganisation sind sie mittlerweile ein fester Bestandteil. Dies weil sie bunt und auffallend sind. Als visueller und im Grunde genommen organisierter Mensch (jedenfalls in Computerdingen; in meinem Arbeitszimmer siehts zuweilen anders aus) mag ich es, Dinge auf den ersten Blick zu erfassen. Und hierbei sind mir Emojis sehr hilfreich.

Während mich die neue Google Inbox zumindest in ihrer Beta-Phase noch nicht wirklich überzeugt, bin ich von der Mailbox App seit längerem schwer angetan. Als Jünger von David Allen und Anhänger des Zero Inbox Prinzips ermöglicht es mir die App, meinen Mail-Posteingang in wenigen Handstreichen leerzufegen und die Dinge so zu sortieren, dass mir der Überblick darüber gewahrt bleibt und ich sicher bin, dass auch nichts vergessen geht. Dass es sie Mailbox App nun seit wenigen Wochen auch für den Mac gibt (als Beta-Version), bedeutet für mich, dass ich mich der Perfektion meines Workflows annähere.

Und was haben nun die Emojis damit zu tun?

Mailbox App iPhone

Mailbox-App mit Emojis auf dem iPhone.

Weil sie bunt und auffallend sind erlauben sie mir einen prägnanten Überblick über meine Pendenzen. und ergänzen die Symbole der Mailbox-App in einer für mich sinnvollen Weise. Der Einsatz von Emojis beschränkt sich bei mir nicht auf die Mailbox, sondern auch auf andere Instrumente meiner Arbeitsorganisation wie etwa OmniFocus.

Da Emojis nicht für den Zweck erfunden wurden, zu dem ich sie verwende, wünsche mir noch viele weitere Emojis. Nicht noch mehr Smilies und Herzchen (von denen hat es nun definitiv genug), sondern solche, die für meine Arbeitsorganisation besser von Nutzen wären.

Emojis

Wir faulen Lehrer

Immer mal wieder wird der Vergleich der Schule mit der Privatwirtschaft bemüht. Jeder Politiker, der zeigen will, dass er tief im Innern schon auch irgendwie ein harter Kerl ist, bemüht in der Bildungspolitik den Vergleich mit den Lehrern und den angeblich weniger verwöhnten Angestellten aus der Privatwirtschaft.

Vor drei Jahren bin ich als Spätzünder in den Lehrerberuf umgestiegen. Zuvor habe ich sie 20 Jahre lang kennengelernt, die Privatwirtschaft. Nach einer Mechanikerlehre habe ich vier Jahre lang in meinem angelernten Beruf gearbeitet; hauptsächlich im Werkzeugbau meines Vaters, dazwischen ein halbes Jahr in Kanada. Dann beschritt ich die klassische Karriere von einem, der den Beruf verfehlt hatte (die Oberstufe fühlte sich zu meiner Zeit noch nicht wirklich für die Berufswahl ihrer Schüler zuständig): Ich schob im Tessin in einer Grossbäckerei während der Nachtschicht Brötchen aufs Fliessband. Längere Zeit fuhr ich Taxi und lernte so Weinfelden und Winterthur zu allen Tag- und Nachtzeiten kennen. Später stieg ich in den lokalen Journalismus ein und arbeitete während sieben Jahren in den Redaktionen verschiedener Zeitungen in der damals noch vielfältigen Thurgauer Zeitungslandschaft, doch die meiste Zeit war ich freischaffend tätig (also selbständig) und bot meine Schreibdienste eben diesen Redaktionen an.

Kurz: Wenn es um die Privatwirtschaft geht, kann ich auch ein bisschen mitreden. Und wenn ich heute zurückblicke, merke ich vor allem: Zeit meines Lebens habe ich wohl nie so intensiv gearbeitet wie heute als Primarlehrer in einer Mittelstufenabteilung. Und rund um mich herum sehe ich in erster Linie Kolleginnen und Kollegen, die ihre Arbeit mit vorbildlichem Fleiss, Integrität und viel Idealismus erledigen. Angestellte, die sich mit ihrem Betrieb, der Schule, identifizieren und mitdenken. Die Lehrerschaft hätte es längst verdient, endlich von den längst überholten Vorurteilen der „faulen Lehrer“ mit all ihren Beigaben („13 Wochen Ferien“, „freie Nachmittage“, „nur 29 Lektionen pro Woche“, „was machst du eigentlich, wenn die Schule fertig ist?“) befreit und laut und deutlich rehabilitiert zu werden. Vor einem grossen Teil der Leute, die in der Privatwirtschaft tätig sind, brauchen wir uns punkto Arbeitsleistung jedenfalls nicht zu verstecken. Dennoch sind die alten Klischees kaum totzukriegen. Doch an diesem Umstand wirklich nur die anderen schuld?

Ein Beispiel: Als ich bei einer Wochenzeitung arbeitete, hatten wir jeden Mittwoch Redaktionsschluss. Diese Tage waren jeweils recht intensiv. Kein Mensch im Verlag wäre auf die Idee gekommen, einem Redaktionsmitglied an einem Mittwoch einen Termin aufzubürden. Am Mittwoch? Bei Redaktionsschluss? Unmöglich!

So etwas wie eine Art „Redaktionsschluss“ habe ich an meiner gegenwärtigen Stelle auch: Den Abschluss meiner Wochenplanung, den ich jeden Dienstag Nachmittag erledige. Um 12 Uhr, nach einem vollen Schulmorgen mit fünf Lektionen, gibts eine kurze Mittagsverpflegung. Danach wird zwischen 30 und 60 Minuten lang die Tagesration Schüleraufgaben korrigiert (im Dreiklassensystem ist dies während des Unterrichts nur selten möglich), und dann gehts los. Abhängig von Arbeitspensum und persönlicher Tagesform ist mein Tagwerk irgendwann zwischen 17 und 19 Uhr vollbracht.

Kürzlich sollte ich an eben einem solchen Dienstag einen Termin für ein Elterngespräch einschieben. „Geht nicht“, sagte ich, „dann arbeite ich an meiner Wochenplanung.“ – „Aber du bist doch da. Dann kannst du ja auch einen Termin abmachen.“ – „Nein, kann ich eben nicht.“ – „Aber wenn du doch da bist…!“ – „Ja, ich bin schon da. Aber ich habe keine Zeit! Ich arbeite an der Wochenplanung!“. Als es darauf hiess „Also manchmal ist es schon ein wenig schwierig mit dir…!“, sagte ich erst mal nichts mehr.

Da wären sie wieder, die alten Klischees: „Was machst du eigentlich, wenn die Schule fertig ist?“ Antwort: Ich arbeite! Und ganz besonders am Dienstag Nachmittag intensiv und konzentriert, mehrere Stunden hintereinander praktisch ohne Unterbruch. Da ist nicht unbedingt Zeit, noch kurzfristig einen Termin reinzuschieben. Warum ist das eigentlich so schwierig zu vermitteln?

Das nächste Mal könnte ich ja was über die Wichtigkeit eines reibungslosen Workflow schreiben und dessen positive Auswirkungen auf die Effizienz, Schonung der Ressourcen und die Steigerung der allgemeinen Mitarbeiterzufriedenheit. Ganz zu schweigen vom vielleicht noch wichtigeren Flow, den die Psychologie definiert hat. Grundlegende Dinge, deren Wichtigkeit man in der Privatwirtschaft längst erkannt hat – jedenfalls in den guten Firmen.

P.S. Und was mache ich eigentlich an den übrigen unterrichtsfreien Nachmittagen? Dazu vielleicht das übernächste Mal mehr.